Autor Thema: Botanik: Blaubeere (Vaccinium myrtillus) *  (Gelesen 7310 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Blaubeere (Vaccinium myrtillus) *
« am: März 02, 2011, 15:00:11 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

Systematik

 Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Gattung: Heidelbeeren (Vaccinium)
Art: Heidelbeere (Blaubeere)
 Wissenschaftlicher Name : Vaccinium myrtillus

Volkstümliche Bezeichnung: Heidelbeere, Schwarzbeere, Wildbeere, Waldbeere, Bickbeere, Zeckbeere, Moosbeere, Heubeere

Die Blaubeere findet man als niedrigen Zwergstrauch überwiegend im Fichtenwald. Die Blaubeere kann den beschatteten Waldboden besiedeln, weil sie mit wenig Licht auskommt. Nur 5 % des vollen Tageslichts genügen ihr. Die Pflanze gedeiht jedoch auch im vollen Sonnenlicht. Bei Pflanzen, die im Schatten wachsen, sind die eiförmigen Blätter zart, bei Sonnenpflanzen dagegen derb und kleiner.
Die kantig gerieften unbehaarten Zweige des Strauches bleiben 5 bis 9 Jahre grün, dann bekommen sie eine Borke. Insgesamt kann der Strauch bis zu 28 Jahre alt werden. Erst nach mehreren Jahren kommen sie zum Blühen.
Die blaubereiften Früchte der Blaubeere gehören zu den beliebtesten Wildfrüchten des Waldes. Da sie durch die Bildung von saurem Roh-Humus zur Verschlechterung des Waldbodens beiträgt, wird sie vom Forstmann gar nicht gern gesehen. Die Früchte lassen sich zu vielerlei Speisen und Getränken verarbeiten. Getrocknete, reife Beeren werden außerdem in der Volksmedizin als Mittel gegen Durchfall empfohlen.
Im Winter sind die grünen Triebe eine wichtige Nahrung für das Wild. Nur Im Schneeschutz kann die Blaubeere in strengen Wintern überdauern.
In Heiden, lichten Wäldern und Gebüschen bedeckt ein Zwergstrauch die Blaubeere, den Boden oft auf weite Strecken. Sie wirft im Herbst ihre Blätter ab, hat rot angehauchte, einzelnstehende Blüten, die hängenden Glöckchen ähneln, und trägt blauschwarze Früchte.
Vor dem Verzehr selbstgepflückter, ungewaschener Heidelbeeren wird trotz fehlenden Nachweises aufgrund angeblich möglicher Anhaftung von Eiern des Fuchsbandwurms immer noch gelegentlich gewarnt. Wenn man dieses Risiko ausschließen will, sollte man die Beeren kochen.
Ein Werkzeug zur Ernte von Heidelbeeren ist der Blaubeerkamm oder Heidelbeerkamm, regional auch Raffel genannt. Dabei handelt es sich um einen Kasten mit aufgesetztem Kamm. Mit der Raffel wird über die Heidelbeerbüsche gestrichen, und dabei fallen die Beeren in den Kasten. Durch diese Methode werden jedoch sowohl reife und unreife Früchte als auch Blätter abgerissen und die Pflanze kann verletzt werden.
Nach dem römischen Schriftsteller Plinius wurde der Farbstoff der Heidelbeere zum Färben der Kleider von Sklaven verwendet.

Arbeitsanleitung:

Original Färberezept siehe Seite von Herrn Armin Eisner   http://www.aeisner.de/
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Arbeitsablauf :
1. (Schnitte 30 µm) mit 70 % Ethanol
2. Fixieren in 70 % Ethanol  24 Stunden
3.  Alkoholreihe bis zum 30%igen Ethanol
4. Wasser entmin. 3x wechseln je 1 Minute
5.  Vorfärbung  Acridinrotlösung      9 Min.
6. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
7.  Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen- Lupenkontrolle)     ca. 10 Sekunden.
8.  2 x auswaschen mit Aqua dest..  
9. Nachfärbung  Astrablaulösung    40 Sek.
       Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 5:1  verwendet.
10.  Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben
11.  Entwässern mit 2x  gewechseltem Isopropylalkohol   ( 99,9 % )
12.  Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen
13.  Einschluss in Entellan  
 
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot. Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb. Zellwände der innenliegenden Hypodermis  tiefrot, Suberin  hellrosa.

Fotos erstellt mit Nikon D5000.


Spross – Querschnitt 30 µm

Bild 01 Illustration Blaubeere (Vaccinium myrtillus)

Original book source: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany

Bild 02 Schnittstelle, Spross, Blaubeere (Vaccinium myrtillus)

Dieser Zweig ist noch jung, er hat keine Borke.

Bild 03 Spross eingespannt im Probenhalter vom Schlittenmikrotom Reichert-Jung Hn 40, Blaubeere (Vaccinium myrtillus)

Querschnitt durch den  Spross mit Seitentrieb

Bild 04 Übersicht Blaubeere (Vaccinium myrtillus)

Die Übersichtsaufnahmen wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Bild 05 Übersicht, Schnittstelle ca. 3 mm tiefer, Blaubeere (Vaccinium myrtillus)

Die Übersichtsaufnahmen wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Bild 06 bis Bild 08 Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED

Bild 06 Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 07 Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 08 Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 09 Ausschnitt aus der Übersicht, Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 10 Ausschnitt aus der Übersicht mit Beschriftung, Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Cu = Cuticula
Ep = Epidermis
Ri = Rindenparenchym
Sk = Sklerenchymring
Ph = Phloem
Xy = Xylem
Das Kambium kann ich nicht erkennen.

Bild 11 bis Bild 14, kantig geriefte unbehaarte Ecken des Strauches, Blaubeere (Vaccinium myrtillus)

Bild 11 Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 12 Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 13 Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 14 Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Bild 15  Spaltöffnung (Stomata), Blaubeere (Vaccinium myrtillus)

Eine Mündung, durch die der Gasaustausch der Pflanze erfolgt.

Bild 16 Polarisationsaufnahme, Blaubeere (Vaccinium myrtillus)


Quellenangabe: Wikipedia, Helmut Bechtel Pflanzenführer, Der neue Kosmos Tier-und Pflanzenführer, Schmeil Leitfaden der Pflanzenkunde, Werner Heiligmann Die Pflanze, Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. 6. Auflage. Ulmer, Stuttgart 1990.

Dank an Detlef für die Kontrolle bei der Anatomie dieser Pflanze.

Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen







« Letzte Änderung: November 10, 2014, 22:05:07 Nachmittag von Fahrenheit »
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.

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Re: Blaubeere (Vaccinium myrtillus)
« Antwort #1 am: März 02, 2011, 19:17:26 Nachmittag »
Hallo Hans-Juergen

Super, das finde ich besonders spannend. Meine Heidelbeerscnitte liegen gerade auf der Heitzung. Die sind mit Deinem ehemaligen Mikrotom geschnitten und wurden am Sonntag eingedeckt ...

Ich will sie am Wochenende fotografieren und habe jetzt zufaellig eine Vorlage von Dir. Das ist natuetlich topp fuer mich ...

:-)

Gerhard
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Fahrenheit

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Re: Blaubeere (Vaccinium myrtillus)
« Antwort #2 am: März 02, 2011, 20:32:34 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

vielen Dank fürdie tolle Dokumentation!

Auch hier gibt es wieder ein sehr luftiges Rindenparenchym. Es sieht so aus, als ob die Blaubeere, ähnlich wie einige Rhodrodendron-Arten, ihre eigene Wärmeisolierung mit sich rum tragen.

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

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Re: Blaubeere (Vaccinium myrtillus)
« Antwort #3 am: März 02, 2011, 21:29:49 Nachmittag »
Hallo Joerg

Da wo die Heidelbeerem vorkommen muss das auch so sein, die schmecken erst richtig gut wenn in den Bergen der Herbstreif zugeschlagen hat. Die kommen bei uns in den Bergen bis auf 2500m vor ... (Eine meiner nicht wissenschaftlichen Beobachtungen) :-))

:-)

Gerhard
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Mila

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Re: Blaubeere (Vaccinium myrtillus)
« Antwort #4 am: März 02, 2011, 22:42:18 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

ein schöner Beitrag :)

Viele Grüße
Mila

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Re: Blaubeere (Vaccinium myrtillus)
« Antwort #5 am: März 03, 2011, 06:38:42 Vormittag »
Lieber Hans-Juegen

Ich habe eine Frage zu Deiner Einspanntechnik. Konkret sticht mir der ueber das Einspannmedium herausstehende Stamm Deines Dokubildes ins Auge, schneidest Du da wirklich "frei". Bei meinen Schneideversuchen spanne ich tiefer und schneide damit zuerst durch das Einspannmedium und komme dann zum Stamm ...

Oder steht der Stamm nur vor um ihn besser sichtbar zu machen?

:-)

Gerhard
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Blaubeere (Vaccinium myrtillus)
« Antwort #6 am: März 03, 2011, 09:05:35 Vormittag »
Guten Morgen Mila, Gerhard und Jörg,

danke für Euer Interesse und die netten Worte.

@ Gerhard,

"Frage zur Einspanntechnik"
Ich versuche das Einspannmedium nicht mit der Einwergklinge zu berühren. Begründung: Klinge wird geschont und die Schnitte liegen sauber (ohne Sterodurteilchen) in Ethanol.

Bin schon auf Deine Foto von der Heidelbeere gespannt.

Gruß

Hans-Jürgen
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