Autor Thema: Reparatur des Zeiss Optovars, von JS (Joachim)  (Gelesen 3612 mal)

Detlef Kramer

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Reparatur des Zeiss Optovars, von JS (Joachim)
« am: Juni 02, 2011, 21:09:55 Nachmittag »
Auf vielfältigen Wunsch hier eingestellt und fixiert:

Gangbarmachung der Triebe im Zeiss (West) Optovar

Nunja, das ist oft so.
Ich möchte den Weg der Beseitigung des Übels in Stichworten beschreiben.
Die Arbeit umfasst 20 Punkte und ist innerhalb von 20 Minuten erledigt.
Wenn allerdings die Führung der Bertrand-Optik der 'Übeltäter' für die Schwergängigkeit
sein sollte, möchte ich bitte auf einen später folgenden Artikel vertrösten. Das ist dann
nämlich nicht *ganz* so einfach...
Nun aber erstmal die Simpel-Version der Reihe nach:
1.) Entfernen der beiden Schrauben, die das Ober- und Untergehäuse des Optovars verbinden.
(im Falle einer Schwergängigkeit bitte keine Gewalt anwenden, sonst passiert wie schon zu lesen
war, Schraubenbruch...)
2.) Wenn die obere Gehäusehälfte abgenommen werden kann, sieht man die (oft, nicht immer)
mit Lackpunkt gesicherte Schraube in der Mitte des Revolvers.
3.) Diese Schraube lösen und zusammen mit der darunterliegenden Scheibe abnehmen.
Die Achse muß auf jeden Fall an Ort und Stelle bleben ! Löst diese sich mit, muss die Achse
auf jeden Fall von der oben befindlichen Schraube getrennt und anschließend wieder im unteren
Gehäuseteil des Optovars gut fest eingebaut werden. Eventuell den unteren Gewindeeinsatz der
Achse hierzu mit Loctite sichern.
4.) Am Lagerpunkt der Blattfeder für die Rastkugel mittels Reißnadel einen Doppelstrich setzen,
so daß später die Feder wieder an genau den gleichen Ort eingebaut werden kann.
5.) Klemmschraube für die Blattfeder (oberhalb des Hebels für den Pol-Filter) lösen und
die Feder zusammen mit der Rastkugel entnehmen. Hierzu empfiehlt es sich, die Kugel
vorher mit ein wenig Fett in ihrem Bett zu sichern. Die 'zum Leben erweckte' Kugel ist auf
z.B. auf Teppichboden nur mittels ultrastarkem Magneten wiederzufinden. Also bitte
Vorsicht!
6.) nun kann der Optik-Revolver von der Zentralachse gezogen werden.
7.) den Revolver umdrehen und auf einer Unterlage aus Optik-Papier ablegen.
8.) mit passendem Schraubendreher (2,5mm) die vier Schrauben an der Unterseite der Bertrand-
Optik lösen, schwarze Platte und verchromten Mitnahmestift abnehmen.
9.) am äußeren gerändelten Chromring 4 Halteschrauben entfernen und den Chromring abnehmen.
Das kann u.U. sehr schwer sein, wenn dieser wegen verkrustetem Fett fest sitzt. Hier hilft Kriechöl
und viel Geduld. Oft auch *sehr* viel Geduld. Es ist keine Arbeit für Leute, die immer sofort
und gleich Erfolg haben müssen...
10.) Chromring in Waschbenzin baden und die Führung mittels Ohrreinigungsstäbchen und
Benzin reinigen. Hartnäckige Reste lassen sich vom Chromring überigens hervorragend mittels kleiner
Bratpfanne und normalem Speiseöl bei (fast) Siedetemperatur des Öls entfernen. Vor der
Weiterbearbeitung empfiehlt sich dann allerdings dringend eine langsame Abkühlung bis Haut-
Verträglichkeit  
11.) Mitnahmestift und Platte auf Bertrand-Optik provisorisch mit zwei Schrauben befestigen und
Gängigkeit der Optikverstellung prüfen. Meist ist diese in Ordnung. Wenn nicht - dat kriejen mer
spääder...
12.) Führung und Chromring 'hauchzart' mit Nadellagerfett oder Zeiss SF20HV einfetten.
13.) Provisorischen Prüfaufbau von Mitnahmestift und Platte wieder demontieren.
14.) Rückbau äußerer Chromring, Prüfung auf Leichtgängigkeit. Wenn o.k.:
15.) Rückbau Mitnahmestift und Halteplatte der Bertrand-Optik.
16.) Leichtes (!!) Einfetten der Zentralachse
17.) Optik-Revolver wieder einsetzen, Blattfeder mit durch Fett fixierte Stahlkugel montieren
(auf Übereinstimmung mit Reißnadelstrichen achten) und Feder mit Halteschraube festklemmen,
anschließend Halteschraube/Unterleger auf Revolver-Achse festsetzen. Lackpunkt als Sicherung.
18.) Ober- und Unterschale des Optovars mit den beiden Halteschrauben moderat festziehen.
19.) [evtl.] Telan-Linsen prüfen und ggfs. reinigen.
20.) Fertig.
Viel Erfolg!

Ergänzend zu den bereits vorgestellten Arbeitsschritten zur Befreiung eines Optovars
von verharzten Fettschichten wird hier noch ein wenig Bildmaterial nachgereicht:

Öffnen des Optovar-Gehäuses, Entfernen der Halteschraube für das Karussell,
Herausnehmen der Unterlegscheiben:
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Markierung der Rastkugelfeder mittels Reißnadelstrichen, Herausnahme der Feder nach
Lösen der Halteschraube {vorher die Rastkugel mit ein wenig Fett in deren Bett vor dem
Herausfallen sichern}, Demontage der oberen Führung für die Bertrand-Linse):

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Demontierte obere Einheit der Bertrand-Linse, demontierter Führungshebel und zugehörige
Schrauben; Demontage des Verstellringes für die Bertrand-Linse

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Entfernung der Madenschraube zur Sicherung der Schlitzmutter, Abnahme der
Schlitzmutter mittels entsprechend geeignetem Schlüssel.
Hierfür ist u.U. ein längerer 'Einweichprozess' unter Zuhilfenahme von Kriechöl oder mittels
Injektions- oder Hamiltonspritze *sparsam* eingebrachtem Xylol notwendig, um das verharzte
Fett anzulösen und damit das Lösen der Gewinde und der übrigen Kontaktflächen zu erleichtern..
Einweichprozesse, die über Tage dauern, sind hier leider keine Seltenheit - es ist also nichts
für die ungeduldigen Zeitgenossen unter uns....

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Abhebeln der oberen Abdeckung des Gehäuses der Bertrand-Optik, wenn nötig, auch hier
mittels Kriechöl oder Xylol die eventuell vorhandene Verharzung zwischen Führungs-
zylinder und Optik-Gehäuse entfernen und das Optikhaus anschließend *ungefettet* wieder
einbauen:

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Der Rückbau erfolgt in entsprechend rückwärtiger Reihenfolge der hier dargestellten Arbeitsschritte.
Als hierfür zu verwendendes Fett empfiehlt sich für die äußeren Ringe ein leichtviskoses Fett oder ein
Uhrmacheröl mit ähnlichen Eigenschaften. Das Optikhaus der Bertrand-Linse wird - wie bereits gesagt -
nicht gefettet. Hier ist eventuell vor Rückbau mittels geeigneten Poliermitteln eine leichte Gängigkeit
der Zylinderführung und des Optikgehäuses sicher zu stellen.

Ich möchte allen Beteiligten viel Erfolg bei der Durchführung wünschen.
Viele Grüße
Joachim
« Letzte Änderung: Juni 08, 2011, 10:10:35 Vormittag von Detlef Kramer »
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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