Autor Thema: Methylenblau Löffler alkali  (Gelesen 8909 mal)

Werner Gruber

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Methylenblau Löffler alkali
« am: August 11, 2011, 16:18:53 Nachmittag »
Hab 5 g pulverförmiges Methylenblau nach Löffler alkalisch

Was passiert wenn man nach Anrühren mit 70% Ethanol und Verdünnung dieser Stammlösung mit Aqua dest,  die

Kalilauge weglässt.?

Ist dann der Farbstoff unbrauchbar?

Kann man statt Kalilauge KOH eine andere Lauge verwenden?

lg kismoh

Florian Stellmacher

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Re: Methylenblau Löffler alkali
« Antwort #1 am: August 11, 2011, 16:40:39 Nachmittag »
Hallo kismoh,

dann bekommst Du eine einfache Methylenblaulösung, die Du regulär zum Färben benutzen kannst. Das Methylenblau nach Löffler färbt bestimmte Präparate insofern besser, als dass die Färbung in sich nuancenreicher ausfällt. Gerade alte Farbstofflösungen (10 Jahre oder länger gereift) färben dann in einem Bereich zwischen Blau und einem rötlichen Violett, was man z.B. bei Protozoen oder Gewebsschnitten sehr gut einsetzen kann. Solche Farbstofflösungen können tatsächlich an Wert gewinnen wie ein alter Bordeaux  ;). Aber reine (frische, nicht alkalisierte) Methylenblaulösung tut es auch. Anstelle von KOH kann man sonst übrigens auch NaOH nehmen (ist so, glaube ich, sogar so im Originalrezept beschrieben).

Zum Ansetzten der Lösung brauchst Du eine vernünftige Waage; vielleicht lässt Du das in der Apotheke machen, die setzen Dir sicher auch die entsprechende Lauge zu?

Herzliche Grüße,
Florian

« Letzte Änderung: August 11, 2011, 17:04:31 Nachmittag von Florian Stellmacher »
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
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Werner Gruber

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Re: Methylenblau Löffler alkali
« Antwort #2 am: August 11, 2011, 16:43:17 Nachmittag »
Danke Florian

Du hast immer wieder wunderbare Erklärungen.

lg.kismoh


Florian Stellmacher

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Re: Methylenblau Löffler alkali
« Antwort #3 am: August 11, 2011, 17:01:35 Nachmittag »
Danke, kismoh!

Was möchtest Du denn jetzt färben?

Ein nettes, leicht herzustellendes Präparat wäre z.B. folgendes:

Du schabst (natürlich nicht gleich nach dem Zähneputzen  ;D) mit einem Wattestäbchen über Deine Zähne und streichst das Material auf einem Objektträger aus. Nachdem Du das Präparat hast trocknen lassen, ziehst Du es dreimal durch eine Flamme (nicht heiß werden lassen, der Objektträger soll nur so warm werden, dass Du ihn noch ohne Schmerzen auf Deinen Handrücken legen kannst). Danach überschichtest Du ihn mit der Methylenblaulösung und lässt das Ganze 3 Min. färben. Dann kippst Du die Farbstofflösung ab und spülst kräftig mit Aqua dest. nach. Falls Du kein Harz zum Eindecken hast, kannst Du Glycerin nehmen (hält ein paar Tage bis wenige Wochen), oder Du legst einfach ein Deckglas auf den feuchten Ausstrich - fertig! Dann kannst Du die Bakterien aus Deinem Mund anschauen.

Falls Du ein 100x-Ölimmersionsobjektiv hast, kannst Du den gefärbten Ausstrich trocknen lassen und das Öl direkt auf den Ausstrich tropfen.

In gleicher Weise kannst Du z.B. auch mit dem Wattestäbchen an der Innenseite der Wange entlang fahren und das Material aussreichen und genauso präparieren. Dann siehst Du die Plattenepithelien der Mundhöhle.

Das Verfahren eignet sich z.B. auch vorzüglich, um Bakterien und Protozoen der Kahmhaut eines Heuaufgusses zu färben usw.

Letztlich kannst Du damit auch alles mögliche andere färben, probiere es mal aus!

Herzliche Grüße,
Florian
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Klaus Herrmann

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Re: Methylenblau Löffler alkali
« Antwort #4 am: August 11, 2011, 17:20:21 Nachmittag »
Hallo Werner,

in Gerlachs Botanischer Mikrotechnik - ein sehr empfehlenswertes Buch! - ist die Rezeptur angegeben: 2% ige Lösung in 70%igem Ethanol (haltbare Stammlösung)
Davon 30 ml mit 100 ml H2O verdünnt und 1ml 1%ige KOH-Lösung zugesetzt (Haltbare Gebrauchslösung)

Diese sollte immer wieder mal filtriert werden und wird langsam rotstichig.

Da hier Gewichtsprozent und keine Molprozent verwendet werden wäre eine NaOH-Lösung etwas "schwächer". Aber das ist sicher zu vernachlässigen.
(meine ungeprüfte Meinung)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Florian Stellmacher

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Re: Methylenblau Löffler alkali
« Antwort #5 am: August 11, 2011, 20:21:12 Nachmittag »
Lieber Klaus,

Paul Ehrlich, Rudolf Krause, Max Mosse, Heinrich Rosin und Carl Weigert: Enzyklopädie der Mikroskopischen Technik, Berlin und Wien 1903 nennt auf S. 808 folgendes Rezept:

Methylenblau nach Löffler
koncentrierte alkoholische Methylenblaulösung 30,0
Kalilauge 0,01% 100

Der Romeis nennt in der aktuellen 18. Aufl. folgendes Rezept:

Methylenblau nach Löffler
0,5 g Methylenblau werden in 30 ml 95%igem Ethanol gelöst, anschließend werden 100 ml 0,01%ige Kalilauge zugesetzt

Die beiden sind sich also hinsichtlich der Lauge einig; wenn Gerlach nur 70%igen Alkohol nimmt, scheint die Konzentration also gar nicht so wichtig zu sein...

Herzliche Grüße,
Florian
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Hyperion

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Waage
« Antwort #6 am: August 11, 2011, 22:16:07 Nachmittag »
Zitat
Zum Ansetzten der Lösung brauchst Du eine vernünftige Waage

Bei Ebay gibt es einen Händler welcher die Seite mit billigst Chinawaagen überschwemmt (weniger als 10-20 Euro für 1 bis zwei Nachkommastellen).

Die sind gut geeignet wenn man wie hier mal halbswegs genau ein Gramm oder auch mal 100 mg für präparative Zwecke oder für Lösungen abwiegen möchte. Ich habe so eine genau für den Zweck Jahrelang ohne Probleme benutzt (besser als Küchenwaagen allemal, bevor ich eine Analysenwaage hatte).

Nur falls du nicht immer zur Apotheke rennen willst, wenn man mal was abwiegen will.


Werner Gruber

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Re: Methylenblau Löffler alkali
« Antwort #7 am: August 12, 2011, 17:30:26 Nachmittag »
Danke für die ausführliche Beschreibung

Werde dies natürlich ausprobieren.

Wäre ja auch mit einer Blutprobe möglich.

Das mit der Hitze ist interessant, ich glaub ich habs bisher zu heiss gehalten. Da zerstört man vermutlich alles.

lg. kismoh