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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Bob in Juli 16, 2012, 00:18:45 VORMITTAG

Titel: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Bob in Juli 16, 2012, 00:18:45 VORMITTAG
Hallo zusammen,

eine Änderung der Trinkwasserverordnung hat dazu geführt, dass in Großanlagen (praktisch alle Mehrfamilienhäuser) seit diesem Jahr das warme Trinkwasser periodisch auf den Gehalt an Legionellen untersucht werden muss. Dies erfolgt, indem eine Wasserprobe auf einen Nährboden aufgebracht wird, und das Bakterienwachstum nach einer gewissen Zeit ausgewertet wird. Auf dieser Methode basieren auch die Grenzwerte, deren Überschreiten die jeweiligen Maßnahmen nach sich zieht.
Nachdem, was ich so ergoogeln konnte, scheint auch eine qualitative Untersuchung auf Legionellenbefall per Lichtmikroskop schwierig zu sein.

Meine Frage nun: Hat sich jemand mal näher mit diesem aktuell gewordenen Thema beschäftigt?

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Peter V. in Juli 16, 2012, 08:13:23 VORMITTAG
Hallo,

das Thema wurde schon merhfach hier diskutiert. Um es kurz zu machen und die Dskussion nicht nochmal in aller Breite zu führen, sei kurz gesagt: Die mikroskpische Untersuchung ist defintiv KEIN geeignetes Verafhrehn zu Triniwasseruntersuchung auf Legionellen.
Wir hatten hier mal einn Schweizer Klempner, der sich mal eben für 2000 EUR ein Mikroskop gekauft hatte und es sogar noch mit Fluoreszenz aufrüsten wollte, um Legionellen in den Rohrleitungen seiner Kunden nachzuweisen.... :-\  ;D. Da sist natürlich völliger Nonsens!

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Haus@Hund in Juli 16, 2012, 16:59:07 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

wann immer Proben bebrütet werden müssen, sind die Nachweise langsam und u. U. auch ZU langsam. Es gibt momentan etliche Entwicklungen, die auf Schnelltests zum Nachweis der Erfüllung der neuen TrinkwV zielen, um lange Standzeiten teurer Anlagen und Maschinen zu verhindern. Stellt euch mal vor, man könnte mit einem Schnelltest auf einem Kreuzfahrtschiff ein größeres bakterielles Desaster verhindern!

Die Schnelltests funktionieren zwar fluoreszenzmikroskopisch, die Geräte haben aber mit einen normalen Mikroskop nichts mehr zu tun. Das fängt schon damit an, dass die Ankopplung der Färbemittel über Antikörper (wie bei der Immunfluoreszenz) erfolgen muss oder sogar (teure) Gensonden verwendet werden. Bei der lichtmikroskopischen Auswertung muss ein Objektiv ausreichender NA verwendet werden, das aber auch durch Scannen ein großes Objektfeld erfasst. Da seine Schärfentiefe dann auch nicht sehr groß ist, muss zusätzlich gestackt werden. Also braucht man ein Fluoreszenz-Mikroskop mit 3D-Scanner, automatisierter Probennahme und -vorbereitung und anschließender Bildverarbeitung.

Woher ich das weiß? Gucksdu: http://www.biophotonik.org/index.php?article_id=243&clang=0  ;)

Für den Klempner ist das zwar wirklich nix, aber es kann keine Rede davon sein, dass das Verfahren prinzipiell nicht geeignet ist.

Gruß aus Wetzlar-Nauborn,

Jörg (Haus@Hund)
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Peter V. in Juli 16, 2012, 17:26:16 NACHMITTAGS
Hallo Herr Haus,

aber wie Sie schon selbst schrieben: Mit "normaler Mikroskopie" - wie wir sie betreiben - hat das nicht mehr allzu viel zu tun, nicht einmal mehr mit normaler Routine-Fluoreszenzmikroskopie.
Und ein Routineverfahren ist es ja offenbar auch noch nicht!
Wie ich auch Lasersanning-/STD-Mikrokopie oder Atomic Force nicht als im eigentliche Sinne mikroskopisches Verfahren bezeichnen würde, auch, wenn ein "Mikroskop" noch ein Bestandteil einer ansonsten aufwändigeren Apparatur ist.

Hezrliche Grüße
Peter
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Lothar Gutjahr in Juli 16, 2012, 18:52:22 NACHMITTAGS
Lieber Jörg,

vielen Dank für den Link. Ich habe mir erlaubt einen Link auf das fact sheet von EADS bei uns im Wasserforum zu posten. Das ist allemal interessant. Ich selbst schiebe nun schon das dritte Jahr den Bau einer kleinen Dunkelkammer mit lichtdichter Schleuse für einen Photomultiplier vor mir her und wollte ein wenig der Idee der Biophotonen nach Popp hinterherschnüffeln. Aber leider wird man nicht schneller mit dem Älterwerden und so bleibt manches auf der Strecke.

Grüße in die Stadt der Optik

Lothar
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Stefan_O in Juli 16, 2012, 20:47:54 NACHMITTAGS
Hallo Jörg,

das ist interessant, zumal es mit PCR Systemen bereits innerhalb von < 5 h geht, sicher genau so spezifisch wie mit Fluoreszenz. Der Probendurchsatz mit PCR ist sicher auch nicht schlecht und kein grosser apparativer Aufwand. Einzig die Mobilität fehlt der PCR, aber ob das die 2 Mio EUR Forschungsgelder wert ist? Link zum PCR Kit:

http://de.aeschemunex.com/produkte,4/31,adiacontrol-pcr-kits-fur-legionellen.html

Gruss,
Stefan

Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: rhamvossen in Juli 16, 2012, 20:59:06 NACHMITTAGS
Hallo Stefan,

Zitatzumal es mit PCR Systemen bereits innerhalb von < 5 h

Es kan schon in weniger dan 30 Minuten. Und die PCR ist schon lange Zeit DIE methode für die spezifische Nachweis vieler Mikro-Organismen. Und es gibt auch Methoden zum isothermale Vermehrung der DNA die sehr einfach einsetzbar sind, das einzige das man braucht ist ein einstellbar Heizblock. Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Stefan_O in Juli 16, 2012, 21:03:41 NACHMITTAGS
Hallo Rolf,

ja, ich weiss, ich habe hunderte davon gemacht (damals....). Daher war es auch mein erster Gedanke bei den Legionellen. Umso interessanter, dass trotz bestehender Systeme ziemlich viele Steuergelder in die Suche nach Alternativen gesteckt werden. Die 5 h stammen aus dem Link für die quantitative PCR, mit Probenvorbereitung und Auswertung sind < 5 h OK.

Gruss,
Stefan
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Haus@Hund in Juli 16, 2012, 22:04:11 NACHMITTAGS
Guten Abend zusammen,

stimmt die PCR ist DAS große Konkurrenzverfahren, und soweit wir wissen, werden die Systeme allmählich immer preiswerter und schneller.

Zum Stichwort "normale" Mikroskopie: Es gibt einen Unterschied zwischen der prinzipiellen Sichtbarmachung von Keimen einerseits und ihrer quantitativen Auswertung andererseits. Im letzteren Fall sprechen wir nämlich - auch vor dem Hintergrund der TrinkwV - von so "hässlichen" Sachen wie Sensitivität und Spezifität. Beispiel: In 100 mL Trinkwasser darf nicht 1 E. Coli sein, oder andersrum: Wenn einer drin ist, darf er nicht durch die Lappen gehen. Mikroskopisch geht das nur durch Abscannen der gesamten Probe.

Wir haben übrigens mal Versuche zum Nachweis von Mykobakterien in Gewebeproben mit einem Anbieter von Färbemitteln gemacht. Das Prinzip beruhte auf Färbung und Gegenfärbung: Die Stäbchen leuchteten grün-gelb auf einem roten Hintergrund auf - wunderschön, dieser Farbkontrast, die Bakterien schienen auf dem Hintergrund zu schweben. Die Krux: Damit war NICHT garantiert, dass einzelne, schwach gefärbte Bakterien erkennbar sind - und das Verfahren unbrauchbar...

Viele Grüße,
Jörg (Haus@Hund)
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Bob in Juli 17, 2012, 00:05:03 VORMITTAG
Hallo zusammen,

vielen Dank erstmal für die vielen Antworten!
Ich bin zwar kein Klempner und habe auch nicht vor, reihenweise Wasserproben zu untersuchen, aber ich habe beruflich so ganz am Rande mit dem Thema zu tun.
Bei neuerdings etwa 7 Mio. Proben p.a. allein in Deutschland ist durchaus ein großer Markt für schnelle Analyseverfahren entstanden, und es liegt nahe, dass Bewegung in die Sache kommt. Die durch das langsame Wachsenlassen auf dem Nährboden entstehende Verzögerung ist eigentlich nur dann ein Problem, wenn das Ergebnis einer Nachbeprobung schnell belegen soll, dass die eingeleiteten Maßnahmen Wirkung zeigen. Aber Zeit ist Geld, und bei der Anzahl von Proben aus der regelmäßigen Beprobung sollte da doch eine Menge einzusparen sein.

Der unterste "technische Maßnahmenwert" für den Legionellenbefall liegt bei 100 Koloniebildenden Einheiten pro 100 ml Probenvolumen. Damit muss ein Nachweisverfahren also nicht jede einzelne Legionelle aufdecken, sondern "nur" die Einhaltung dieses Wertes belegen.
Der größte Wert, der mir bekannt ist, wurde übrigens in einem Mehrfamilienhaus in einer Großstadt mit über 15000 KBE gefunden.

Ich selber würde mir die Legionellen in so einer höher belasteten Probe gerne mal ansehen. Wäre das mit dem PCR-Verfahren möglich? Auf der Seite von Adiagene habe ich leider das Produkt für diesen Erreger nicht gefunden. Ich hätte nur ein normales Lichtmikroskop zur Verfügung und würde keine große Investition erwägen. Hat von Euch schon mal jemand sowas gemacht und kann den Aufwand beschreiben?

Viele Grüße,

Bob

Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Stefan_O in Juli 17, 2012, 06:23:26 VORMITTAG
Hallo Bob,

mit PCR kannst Du dir keine Legionellen "ansehen". Die Methode funktioniert vereinfacht so, das Teile der Erbsubstanz vervielfältigt werden. Da diese spezifisch ist, kann man auch Arten nachweisen. Die Methode braucht wie die anderen auch einiges an Ausrüstung bzw eine Laborumgebung, in der sauber gearbeitet werden kann, sie hat aber nichts mit Lichtmikroskopie zu tun. Keine der Nachweismethoden, die hier gennannt werden, ist für zu Hause geeignet. Vielleicht findest Du ein Labor, welches Wasseranalysen durchführt und die die Technik mal demonstriert?

Gruss,
Stefan
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Bob in Juli 17, 2012, 23:03:10 NACHMITTAGS
Hallo Stefan,

danke für die Info. Vielleicht ergibt sich für mich wirklich mal die Möglichkeit, mir das in einem Labor mal zeigen zu lassen. Ich werde meine Fühler da mal ausstrecken.
Meine laienhafte Vorstellung war, dass man die Legionellen evtl. färben und so im Tropfen unter dem Deckglas erkennen könnte.
Immerhin, wenn sich eine neue Technik für die quantitative Bestimmung am Markt durchstzen wird, so werde ich das bestimmt mitbekommen.

Spannend wird auch sein, ob sich in ein paar Jahren durch die Überprüfung des Trinkwassers ein messbarer Rückgang der Krankheitsfälle ergeben wird.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Klaus Henkel in Juli 18, 2012, 01:00:03 VORMITTAG
An die Legionäre!

Legionellen kann man nur färben, wenn man sie hat. Und da liegt die Schwierigkeit. Sie tummeln sich nicht "im Trinkwasser", sondern setzen sich in der rauhen Oberfläche von Kalkablagerungen fest, vornehmlich in Duschbrauseköpfen bilden sie entsprechende Nester. Im Trinkwasser, das aus normalen Wasserhähnen und Mischbatterien rinnt, sind sie harmlos, die Magen- und Darmsäuren werden mühelos mit ihnen fertig, da schaden sie nicht, weder roh noch gekocht.

Gefährlich werden sie nur dann, wenn man unter der Brause steht und den sehr feinen Dusch-Nebel einatmet. So geraten die Legionellen in die Lunge. Eine gute Maßnahme ist es, das Wasser im Duschkopf und im Schlauch wieder zurücklaufen zu lassen, indem man den Duschkopf hoch über seinen eigenen und den Schlauch gerade und gestreckt hält, so daß das Wasser wieder "in die Wand" zurück läuft, und nicht im Schlauch und in den Abgründen des verkalkten Brausekopfes verbleibt, wo sich die die L. absetzen und auf ihre Chance warten. Bei Mischbatterien in Badewannen sollte das Schlauchventil geöffnet sein während der Ablaufprozedur, damit sich die L nicht dort festsetzen. Diese zusätzliche Prozedur dauert eine knappe Minute. Danach ist nur noch Feuchtigkeit im Schlauch, kein Wasser"stand".

Besondere Vorsicht ist bei amerikanisch-französischen Duschen geboten, bei denen der Brausekopf direkt aus der Wand austritt, meist unerreichbar für eine reinigende Pflege. Die große Fallhöhe sorgt auch für eine besonders gute Vernebelung, die dann eingeatmet wird. Die mitteleuropäischen Brauseschläuche sind ungefährlicher.

Heikel sind besonders Duschen in Großhotels, in denen bestimmte Zimmer, Gebäudeteile oder ganze Stockwerke seltener bewohnt werden. Aus den Duschen solcher großen Hotels in der Hauptstadt Washington, wo man die Vietnam-Veteranen untergebracht und diese Räume jahrelang für sie reserviert hatte, haben sich damals die L. irre vermehrt und über das ganze Land ausgebreitet. Viele amer. Soldaten und franz. Legionäre (daher der Name der L.) sind damals daran gestorben.

Wenn man unter der Dusche keine Inhalationsorgien betreibt, ist hierzulande die Gefahr einer Infektion sehr gering.

Die L. aus den Kalkablagerungen der Brauseköpfe herauszuprokeln, um sie anzuschauen, ist nicht nur mühsam, sondern auch wenig aussichtsreich. Sie dürften dabei zerquetscht werden bzw. austrocknen und "wegschrumpfen".

Legionärsgrüße!
KH
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: treinisch in Juli 18, 2012, 01:57:34 VORMITTAG
Hallo,

in diesem Zusammenhang vielleicht noch interessant:

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten (http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2011.pdf?__blob=publicationFile)

Mit Fallzahlen zu Legionellen, Mortalität, Infektionsorten, etc. pp.

Viele Grüße

Timm
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Peter V. in Juli 18, 2012, 08:13:23 VORMITTAG
Hallo Herr Henkel,

Sie haben völlig Recht mir ihrer ausführlichen Darstellung des Legionellen-Risikos.
Allerdings verstehe ich eine Sache nicht:

ZitatGefährlich werden sie nur dann, wenn man unter der Brause steht und den sehr feinen Dusch-Nebel einatmet. So geraten die Legionellen in die Lunge. Eine gute Maßnahme ist es, das Wasser im Duschkopf und im Schlauch wieder zurücklaufen zu lassen, indem man den Duschkopf hoch über seinen eigenen und den Schlauch gerade und gestreckt hält, so daß das Wasser wieder "in die Wand" zurück läuft, und nicht im Schlauch und in den Abgründen des verkalkten Brausekopfes verbleibt, wo sich die die L. absetzen und auf ihre Chance warten. Bei Mischbatterien in Badewannen sollte das Schlauchventil geöffnet sein während der Ablaufprozedur, damit sich die L nicht dort festsetzen. Diese zusätzliche Prozedur dauert eine knappe Minute. Danach ist nur noch Feuchtigkeit im Schlauch, kein Wasser"stand".

Wie soll das funktionieren? Wenn der Hahn der Duscharmatur geschlossen ist, kann man den Schlauch noch so hoch halten, da läuft das Wasser keinesfalls "zurück in die Wand". (Ein solcher Reflux wäre übrigens unabhängig von den Legionellen aus hygienischer Sicht eher kontraproduktiv).

Und welches Ventil an der Mischbatterie meinen sie? Das gehört aber nicht zur üblichen Ausrüstung an Duscharmaturen. Und die "Google-Suche" (https://www.google.de/#hl=de&output=search&sclient=psy-ab&q=schlauchventil+duscharmatur&oq=schlauchventil+duscharmatur&gs_l=hp.3...1093.10156.0.10328.43.32.8.2.2.0.250.4548.3j25j4.32.0...0.0...1c.4BHve4A0V9o&pbx=1&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_cp.r_qf.,cf.osb&fp=f2a033766ea850dc&biw=983&bih=541) liefert wenig Passends, außer diesem (http://www.haustechnikdialog.de/Forum/t/124983/Suche-Druckablaufventil-zwischen-Duscharmatur-und-Duschschlauch) Link.
Oder meinen sie den Umschalter an Badewannenarmaturen (Dusche-Badenwanneneinlauf)?

Auf jeden Fall einmal vielen Dank für den Denkanstoß, ich werde mich auch mal (obwohl vielleicht in einem Einfamilienhaus monkmäßig übertrieben  :-\) um so eine Entleerungslösung für die Dusche kümmen.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: liftboy in Juli 18, 2012, 10:48:33 VORMITTAG
Hallo in die Runde,

das mit den Legionellen ist eigentlich ein alter Hut, der mittlerweile schon in der Versenkung verschwunden war.
Legionellen in Trinkwasserleitungen sind kein Problem, solange
1. genügend Durchfluss vorhanden ist und
2. die Wassertemperatur über 60°C liegt
Dummerweise lagert sich der im Wasser vorhandene Kalk bei Temperaturen über 60°C im Boiler und den Rohren ab, und führt mit der Zeit zur Verstopfung derselben. Andererseits wird im Zeitalter der Energiekrise auf eine möglichst geringe Heisswassertemperatur geachtet. (auch der "Warmduscher" will sich nicht abkochen)  :-)
Wie bereits im Vorfeld gesagt, findet die Infektion über die Lunge statt; hier sind die neuen Trendbrausetypen im Vorteil.
Da hier eine Art "Regenschauer" simuliert wird, findet kaum eine Vernebelung statt.
Wer auf der scharfen Strahl der herkömmlichen Brauseköpfe steht, sollte nach Gebrauch den Kopf am Schlauch nach unten hängen lassen, damit derselbe leer läuft.
Ein regelmäßiges entkalken des Brausekopfes ist sowieso empfehlenswert, und damit verschwinden auch die bösen Tierchen.

Völlig OT, aber vielleicht interessant.

mit Klempnergrüßen

Wolfgang
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Peter V. in Juli 18, 2012, 11:24:26 VORMITTAG
Hallo,

auch, wenn es jetzt immer mehr ot wird, aber das Thema sind ja nun mal die Legionellen:

1) Seid Ihr Euch sicher, dass sie nur in den Brauseköpfen sitzen und nicht an anderen Stellen im Leitungssystem?
2) Läuft der Duschkopf wirklich leer, wenn der Schlauch nach unten hängt? (werde ich heute direkt mal ausporbieren, so sicher bin ich mir da noch nicht).

Hezliche Grüße
Peter
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Hugo Halfmann in Juli 18, 2012, 11:38:18 VORMITTAG
Hallo Peter,

ja er läuft leer. Entweder über den "Umschalter" Brause - Hahn oder durch den Brausekopf selbst. Manchmal funktionieren diese Umschalter kaum noch weil sie verkalkt sind, besonders wenn man sehr hartes Wasser geliefert bekommt.
Bei mir können die Viecher im Prinzip nur zwischen Durchlauferhitzer und Brause sitzen, alles andere ist Kaltwasserleitung.

Häuslebauergrüße ! ;D
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: purkinje in Juli 18, 2012, 11:40:32 VORMITTAG
Hallo an alle Nicht-Legionäre ;),
nachdem ich an mehreren Umbauarbeiten in einer Klinik mit beteiligt war, erlaube ich mir mal anzumerken, dass nicht Kalk allein sondern Biofilme das Haupthabitat von Legionella pneumophila darstellt und das Hauptproblem v.a. im Altbau "tote" Arme des Warmwasser-Leitungssystems sind, weil man z.B. nach Abbau eines Waschbeckens scheute auch die Leitungen aus der Wand zu holen!
Nach unserem damaligen Infektionshygieniker haben ihm aber am meisten Klimaanlagen, hier die Abluftkamine, Sorgen bereiteten (warm&feucht), da dort mal nicht eben heiße Luft >68°C durchgepustet werden kann um diesen Erregern den Garaus zu machen.

Weitere Infos:
http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Legionellose.html;jsessionid=2AD182180350A4E9A6B449BB00D16F31.2_cid234?nn=2386228

Beste Grüße Stefan
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: treinisch in Juli 18, 2012, 11:43:20 VORMITTAG
Hallo,

Zitat von: Peter V. in Juli 18, 2012, 11:24:26 VORMITTAG
1) Seid Ihr Euch sicher, dass sie nur in den Brauseköpfen sitzen und nicht an anderen Stellen im Leitungssystem?

laut Association of Water Technologies (http://www.actglobal.net/pdf/AWTPositiononLD.pdf) sind die für Erkrankungen relevanten Hauptvorkommen:

Beste Grüße

Timm
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Peter V. in Juli 18, 2012, 12:59:26 NACHMITTAGS
Zitat von: treinisch in Juli 18, 2012, 11:43:20 VORMITTAG
Hallo,

Zitat von: Peter V. in Juli 18, 2012, 11:24:26 VORMITTAG
1) Seid Ihr Euch sicher, dass sie nur in den Brauseköpfen sitzen und nicht an anderen Stellen im Leitungssystem?

laut Association of Water Technologies (http://www.actglobal.net/pdf/AWTPositiononLD.pdf) sind die für Erkrankungen relevanten Hauptvorkommen:

  • Leitungen mit ungenügendem Durchfluss, tote oder selten genutzte Zweige
  • Verkalkungen und Biofilme. Vor allem, weil sie Grundlage für Algen und andere Mikroorganismen sind, die für die Legionellen wichtige Nährstoffe erzeugen.
  • Amöben und andere Protozoen, die Legionellen als Endosymbionten beherbergen. Letztere sind insbesondere relevant, weil sie den Legionellen helfen, widrige Umwelteinflüsse zu überleben.

Beste Grüße

Timm

Hallo,

...deshlab vermute ich, dass das Entleeren des täglich benutzten und damit stets durchgepülten Brauseschlauches eher wenig bringt. Und der Duschkopf an sich gar nicht einmal die Hauptgefahrenquelle darstellt.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Klaus Henkel in Juli 18, 2012, 16:48:10 NACHMITTAGS
Da ich es bin, der diesen Legionellen-"Faden" okkupiert hat, antworte ich auf die gemachten Erganzungen oder Einwände wie folgt.

Von Peter V.
Wie soll das funktionieren? Wenn der Hahn der Duscharmatur geschlossen ist, kann man den Schlauch noch so hoch halten, da läuft das Wasser keinesfalls "zurück in die Wand". (Ein solcher Reflux wäre übrigens unabhängig von den Legionellen aus hygienischer Sicht eher kontraproduktiv).

Und welches Ventil an der Mischbatterie meinen sie? Das gehört aber nicht zur üblichen Ausrüstung an Duscharmaturen. Und die "Google-Suche" liefert wenig Passends, außer diesem Link.
Oder meinen sie den Umschalter an Badewannenarmaturen (Dusche-Badenwanneneinlauf)?

#### Bei mir läuft es zurück, aber es verbleibt ein Restwasser dann in der Mischbatterie. Ich habe eine Einhebelbatterie. Wenn ich Hebel nieder drücke, fließt kein Wasser mehr aus, auch aus dem Brauseschlauch nicht, weil der Hebel einen Umschaltknopf nieder drückt. Bevor ich den Duschkopf hoch hebe, ziehe ich diesen Knopf wieder heraus. Jetzt läuft das Wasser aus dem Schlauch dann über den Wasserhahn in die Badewanne ab.

1) Seid Ihr Euch sicher, dass sie nur in den Brauseköpfen sitzen und nicht an anderen Stellen im Leitungssystem?
#### Sie sitzen überall im Leitungssystem. Aber an andere Stellen außer am Duschkopf kommt man nicht heran. Und ich mache eben das, was mir mit wenig Aufwand möglich ist.

2) Läuft der Duschkopf wirklich leer, wenn der Schlauch nach unten hängt? (werde ich heute direkt mal ausporbieren, so sicher bin ich mir da noch nicht).
#### Nein, er ist ja stark abgewinkelt, kann deshalb nicht leer laufen. Ich lege den Duschkopf einige Zeit so in die Wanne, daß sein Auslauf in Richtung Abflußloch der Wanne zeigt. Auf diese Weise läuft am meisten Wasser ab. Das beruhigt.

Von liftboy
Legionellen in Trinkwasserleitungen sind kein Problem, solange
1. genügend Durchfluss vorhanden ist und
2. die Wassertemperatur über 60°C liegt ...
... lagert sich der im Wasser vorhandene Kalk bei Temperaturen über 60°C im Boiler und den Rohren ab ...
Wie bereits im Vorfeld gesagt, findet die Infektion über die Lunge statt; hier sind die neuen Trendbrausetypen im Vorteil.
Da hier eine Art "Regenschauer" simuliert wird, findet kaum eine Vernebelung statt.


Wer auf der scharfen Strahl der herkömmlichen Brauseköpfe steht, sollte nach Gebrauch den Kopf am Schlauch nach unten hängen lassen, damit derselbe leer läuft.
#### Läuft, ok, aber nicht leer.

Ein regelmäßiges entkalken des Brausekopfes ist sowieso empfehlenswert, und damit verschwinden auch die bösen Tierchen.
#### Zustimmung.

von purkinje
dass nicht Kalk allein sondern Biofilme das Haupthabitat von Legionella pneumophila darstellt und das Hauptproblem v.a. im Altbau "tote" Arme des Warmwasser-Leitungssystems sind, weil man z.B. nach Abbau eines Waschbeckens scheute auch die Leitungen aus der Wand zu holen!
Nach unserem damaligen Infektionshygieniker haben ihm aber am meisten Klimaanlagen, hier die Abluftkamine, Sorgen bereiteten (warm&feucht), da dort mal nicht eben heiße Luft >68°C durchgepustet werden kann um diesen Erregern den Garaus zu machen.

#### Biofilme, richtig. Die Leg. sind ja Teil der Biofilme.

von treinisch
laut Association of Water Technologies sind die für Erkrankungen relevanten Hauptvorkommen:

    Leitungen mit ungenügendem Durchfluss, tote oder selten genutzte Zweige
    Verkalkungen und Biofilme. Vor allem, weil sie Grundlage für Algen und andere Mikroorganismen sind, die für die Legionellen wichtige Nährstoffe erzeugen.
    Amöben und andere Protozoen, die Legionellen als Endosymbionten beherbergen. Letztere sind insbesondere relevant, weil sie den Legionellen helfen, widrige Umwelteinflüsse zu überleben.

Daraufhin Peter V.:
...deshlab vermute ich, dass das Entleeren des täglich benutzten und damit stets durchgepülten Brauseschlauches eher wenig bringt. Und der Duschkopf an sich gar nicht einmal die Hauptgefahrenquelle darstellt.
#### Einspruch. Die Hauptgefahrenquelle ist der Duschkopf, denn diesem entströmen die Leg.! Was in irgendwelchen Rohren blüht und gedeiht, an die man nicht herankommt, ohne das halbe Haus einzureißen, interessiert mich wenig, solange es nicht durch meinen Duschkopf ausströmt. Dort hat Otto-Normalverbraucher die Chance, etwas zu tun, woanders kaum. Auch die Biofirma, die hier in der Stadt viele Wohnanlagen entlegionelliert hat, sieht das so. Deshalb hat man heuer schon zweimal alle Duschköpfe ausgetauscht. Die bedeutenderen Sanierungsmaßnahmen aber sind die Erhöhung des Fließdrucks im Wasserkreislauf, damit sich nicht so leicht Biofilme an den Verkalkungsoberflächen ansammeln können.

Tja, die Zeiten, da man sich auf dem Dorf an der Gartenpumpe wusch, sind vorbei.
So nun hoffe ich, daß dieser Nebenthread wieder beendet werden kann.

Grüße von der Legion Ella!
KH
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Bob in Juli 18, 2012, 17:03:39 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

es ist tatsächlich so, dass die Legionellen nur gefährlich sind, wenn man sie einatmet, was am ehestem beim Duschen passiert.
Bei einer hier zu Hause üblichen Dusche mit Schlauch ist es sicherlich empfehlenswert, die ersten paar Liter kaltes Wasser nicht mit Schwung an die Wand zu spritzen, sondern sie nach unten ohne unnötige Verwirbelung ablaufen zu lassen.
Auftreten tun die Legionellen aber auch außerhalb der Duschbrausen. Wie schon erwähnt sind tote Leitungen hier besonders kritisch. Je nach Abstand zur Zirkulation oder Hauptleitung finden die Legionellen hier Abschnitte mit ihrer Lieblingstemperatur. Als Totleitung kann man auch die Leitungen in leerstehenden Wohnungen ansehen, je nach Dauer des Leerstands. Gedanken machen kann man sich auch darüber, wie es den Legionellen ergeht, während man im Urlaub ist und die Warmwassererwärmung ausgeschaltet hat.
Die von mir genannten über 15000 KBE dürften sich übrigens in einer Probe befunden haben, die aus dem Wasserhahn oder dem Zirkulations-Rücklauf entnommen wurde. Die Probe wird dabei erst aus dem dritten Liter nach Öffnen des Hahns entnommen, so dass das im Hahn stehende Wasser bereits weggelaufen ist.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Peter V. in Juli 18, 2012, 19:24:08 NACHMITTAGS
Hallo,

ZitatSo nun hoffe ich, daß dieser Nebenthread wieder beendet werden kann.

Wieso? Ist doch ein interessantes Thema!

ZitatDie bedeutenderen Sanierungsmaßnahmen aber sind die Erhöhung des Fließdrucks im Wasserkreislauf, damit sich nicht so leicht Biofilme an den Verkalkungsoberflächen ansammeln können.

Ohhh.....ein schönes Thema, zeigt sich doch an ihm wieder mal, wie eine "typisch deutsche Tugend" ausschließlich Nachteiliges bewirkt. Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode!
Überall werden in wohlmeinender Absicht (für den eigenen Geldbeutel, vemeintlich aber auch für die "Umwelt") Durchflußmengenbegrenzer und sonstige Wassersparapparaturen installiert. Und schon als kleines Kind lernt man, sparsam mit Wasser umzugehen und fürs "kleine Geschäft" ja nicht die falsche Taste am Spülkatsen Toilette zu drücken. Dabei ist das auch aus ökologischen Gesichtspunkten völlig unsinnig, ja, sogar kontraproduktiv, denn Deutschland ist ein regenreiches Land mit einem ÜBERREICHLICHEN Wasserangebot. Soviel Wasser, wie hier abregent, können wir niemals verbrauchen. Allerdings bringt der Trend zum niedirgen Wasseverbrauch viele negative Effekte mit sich, insbseondere eine unzureichenden Flow in den Abwasserrohren. Stadtwerke müssen große Mengen Frischwasser in die Abwasserleitungen einspülen, um einen notwendigen Fluß aufrecht zu erhalten. Rohrlumina saind zu groß und müssen reduziert werden. All das verursacht Kosten und macht letztlich das Wasser teurer, als es sein müsste, wenn mehr davon verbraucht würde.  Und dann hat es e´ben auch solche Effekte wie unzureichende Fließegeschwindigkeiten in Frischwasserleitungen. Eigentlich müsste man für scheinbar sinnloses Laufenlassen eines Wasserhahn sogar noch belohnt werden!

Hier übrigens einer meiner Lieblingsartikel zu dieser Thematik aus dem "Spiege (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-84339485.html)l".


Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: reblaus in Juli 18, 2012, 19:39:16 NACHMITTAGS
Hallo -

beim letzten Legionellen-Zwirn vor 2 oder 3 Jahren hatte ich mal sinngemäß gefragt: Kennt jemand jemand, der mit einer ernsten Legionellen-Erkrankung darnieder lag oder gar daran starb? Da hat sich tatsächlich jemand gemeldet.

Wie ist der derzeitige Stand? Hat das was mit dem Sommerloch zu tun, nachdem Vogelpest und Schweinegrippe wirtschaftlich ausgebeutet und damit langweilig geworden sind?

Viele Grüße

Rolf


Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: treinisch in Juli 18, 2012, 19:51:21 NACHMITTAGS
Hallo Rolf,

das RKI geht je nach Fundstelle von 15000 bis 20000 Erkrankungen im Jahr bei einer Mortalitätsrate von etwa einigen Prozent bis zu 25% je nach Art
der Infektion aus.

Beste Grüße

  Timm
Titel: Re: Legionellen sichtbar machen
Beitrag von: Peter V. in Juli 18, 2012, 20:05:18 NACHMITTAGS
Hallo Rolf,

http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/rewA1WUoUgosU/PDF/25lKQSrlqh5A_ca.pdf

Die Inzidenz scheint sehr niedrig, aber es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. O.k., die Erkrankungesrate durch mißbräuchhen Rebsaftkonsum ist sicher höher  ;)

Hezrliche Güße
Peter