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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: fraureuter in April 27, 2009, 12:44:43 NACHMITTAGS

Titel: Meine neueste Closterium
Beitrag von: fraureuter in April 27, 2009, 12:44:43 NACHMITTAGS
Hallo, ihr lieben,
hier zeige ich euch meine erste Algenaufnahme im Schieflicht. Die kleine ist an den Enden und am rechten Rand von Hand in Photoshop gestackt.
Ich mag das plastische Trugbild der schiefen Beleuchtung recht gerne, man meint doch mehr zu sehen als im normalen Hellfeld. Hier kann ich sogar den Zellkern erahnen.
Aufgenommen mit Panasonic LX3 am Leitz Biomed, Periplan 6,3x und EF 40x nach zwei Glas Trollinger.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/10651_7044526.jpg)

Herzliche Grüße,
Martin

Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Peter Reil in April 27, 2009, 21:46:08 NACHMITTAGS
Schöne Aufnahme!

Peter Reil
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: fraureuter in April 28, 2009, 19:25:08 NACHMITTAGS
Danke schön, Peter.
Etwas Kosmetik musste dennoch sein (könnte beinahe ein Suchbild werden):

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures006/10735_30689639.jpg)

Gruß
Martin
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Klaus Herrmann in April 28, 2009, 22:37:39 NACHMITTAGS
Hallo Martin,

sehr schöne Aufnahme. Obwohl eigentlich nicht Tümpler habe ich  für einen neugierigen Besucher am Sonntag aus unserem Gartenteich geschöpft und massenweise Closterium gefunden. Der Tanz der Kristalle(?) an den Enden hat fasziniert!

Mir ist nicht klar in wieweit die "Kosmetik" zu einer Verbesserung von Bild 1 - das mir besser gefällt - zu Bild 2 geführt hat?

Oder habe ich da was übersehen?
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Eckhard in April 29, 2009, 07:05:36 VORMITTAG
Hallo Klaus,

im Wasser steht die Closterium auf einer Spitze. Die Kristalle sind aus Bariumsulphat und dienen wohl als Gravitationsdetektor.

Herzliche Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Klaus Herrmann in April 29, 2009, 08:36:09 VORMITTAG
Danke Eckhard,

ZitatDie Kristalle sind aus Bariumsulphat und dienen wohl als Gravitationsdetektor.

Das hört sich logisch an, weil Ba-Sulfat ja recht hohes spez. Gewicht hat.

Dazu aber noch 2 Fragen:
1) warum wuseln die Kriställchen denn wie hyperkinetische Kinder dauernd herum? Und was treibt sie an?
2) woher nimmt denn das Closterium das seltene Barium? Calcium gibts genügend und dann wären es Gipskriställchen ( Calciumsulfat)
Titel: Re: Mein neuestes Closterium
Beitrag von: fraureuter in April 29, 2009, 08:41:16 VORMITTAG
Die Kosmetik ist in der Tat schwer zu erkennen - der Rand unten rechts und oben links wurde verfeinert und die obere Spielwiese der Kristalle kommt nun etwas deutlicher hervor (linker Rand). Gerade als jpg ist es wirklich ein Suchspiel, ich gebe es zu. Bild 1 wirkt auch für mich im Nachhinein betrachtet schöner, was ich auf die Farbe des Hintergrundes zurückführe. Bild 2 wirkt kälter, grauer.
Ich übe ja auch noch....
Hat nur Closterium diese Kristalle? Wenn sie als Gravitationsdetektor dienen, müssten ja entweder alle Algen, die auf der Spitze stehen, diese Lösung haben oder aber nur Closterium steht. Das interessiert mich nun doch....
Gruß und Dank für die Aufmerksamkeit
Martin
Titel: Re: Mein neuestes Closterium
Beitrag von: fraureuter in April 29, 2009, 09:22:29 VORMITTAG
Hallo nochmal,
Fritz Steinecke schreibt in Band1 der biologischen Arbeitsbücher "Das Plankton des Süßwassers" von 1985 tatsächlich von ".....Gipskristallen in zitternder Bewegung....".
Im Kosmos Algenführer (dessen verwaschene DIK-Abbildungen mich arg enttäuschen) werden die Vakuolen als "Tanzstübchen" betitelt, was ich ganz reizend finde. Die Zitternde Bewegung soll eine Brownsche Molekularbewegung sein, davon habe ich auch hier im Forum schon mal gelesen (in Zusammenhang mit Closterium).
Mehr konnte ich zwischen Pellkartoffeln kochen und Staubsaugen nicht in Erfahrung bringen.
Gruß
Martin
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: H. Ott in April 29, 2009, 09:42:39 VORMITTAG
Hi zusammen,


Calciumsulfat in den terminalen Vakuolen scheint wohl häufiger zu sein, bzw. so war es mir bisher bekannt.  Allerdings steht in der englischen wikipedia auch Bariumsulfat als Möglichkeit mit drin. Die deutsche WikiSeite schweigt sich aus.

Bariumsulfat gibt es sicher in den als Gravitationsrezeptoren inzwischen weitgehend anerkannten Müllerschen Organellen des Ciliaten Loxodes, der im Süßwasser vorkommt und das Barium dazu gezielt anreichern muss.

Gruß

H. Ott
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Eckhard in April 29, 2009, 10:12:29 VORMITTAG
Hallo,

ich denke, die neuesten Erkenntnisse sagen Bariumsulfat und nicht Gips. Auch die Bewegung geht wohl auf Plasmaströmungen und nicht auf die brownsche Bewegung zurück.

Beste Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Mein neuestes Closterium
Beitrag von: fraureuter in April 29, 2009, 10:15:28 VORMITTAG
Hmm,
was spricht denn dagegen, einfach mal ein paar Kristalle zu schnappen und "nachzuschauen", woraus die bestehen?
Ich meine, wenn wir es schaffen, zum Mond zu fliegen, sollte das doch wirklich "ein Klacks mit der Wixbürste sein", wie meine Großmutter zu sagen pflegte. Oder stelle ich mir das zu einfach vor?

Mit Erschütterung habe ich übrigens eben einige Videos auf youtube gesehen, die ganz phantastische Bilder von Closterium zeigen. Manchmal glaube ich, ich brauche ein neues Mikroskop. Da kann man sogar die Bewegung von einzelnen Körperchen innerhalb des Zellkerns sehen, ich will das auch!!   :-[ meine Okulare sind Periplan 10x und mein größtes Objektiv ist 40x. Da ich lebendes Material betrachte und sehr oft die Objektive wechsele, wollte ich keine Immersionsoptik benutzen. Macht es Sinn, nach einem 60er Trockenobjektiv zu schauen und etwas stärkere Periplane einzusetzen?
Gruß
Martin
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: fraureuter in April 29, 2009, 10:19:09 VORMITTAG
@ Eckhard

Danke, das nehme ich nun auch an. Dann kann ich meinen zwei Wochen alten Kosmos-Algenführer aber wirklich als Briefbeschwerer nutzen, als wirklich hilfreich hat er sich bisher nicht erwiesen. Wenn dann auch noch die Hälfte von dem Geschreibsel nicht stimmt......

Danke für die erschöpfende Beantwortung meiner Fragen

Gruß
Martin
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: H. Ott in April 29, 2009, 11:46:35 VORMITTAG
@ Eckhard,

man sollte sein - mit dem Träger - alt gewordenes Wissen überprüfen, bevor man was schreibt: eine schnelle Lit-Suche ergibt Bariumsulfat und nicht wie früher in der Literatur dargestellt Gips. Sorry für die alte, falsche Info.

Das Bariumsulfat in den Müllerschen Organellen des Ciliaten Loxodes stimmt, in der marinen Schwestergattung Remanella ist es übrigens Strontiumsulfat.

Mikrogrüße

H. Ott
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Klaus Herrmann in April 29, 2009, 12:01:56 NACHMITTAGS
Lieber Hubert,

so ist das mit der wissenschaftlichen "Wahrheit": sie bewegt sich! Und wir hecheln hinterher.

Kannst Du uns bitte noch das Original der letzgültigen Wahrheit linken?

Würde mich mal interessieren, wie das Ba nachgewiesen wurde. Ist ja sicher kein "Klacks mit der Wichsbürste" wie die Oma zu sagen pflegte, weil die Kriställchen schon recht klein sind!
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Detlef Kramer in April 29, 2009, 12:03:00 NACHMITTAGS
Hallo,
Zitatch denke, die neuesten Erkenntnisse sagen Bariumsulfat und nicht Gips. Auch die Bewegung geht wohl auf Plasmaströmungen und nicht auf die brownsche Bewegung zurück.

Wer Gips gesagt hat, ist entschuldigt; das steht wirklich so fast überall, auch im ehrwürdigen Strasburger (33. Aufl.). Der Grund dafür, dass es Ba ist könnte die immerhin doch nicht ganz so schwere Löslichkeit von Calciumsulfat sein.

Übrigens Statolithen sind in der Natur weit verbreitet. Z.B. nehmen Flusskrebse bei jeder Häutung ein Steinchen auf und deponieren es an ihrem Gleichgewichtsorgan. Jubelt man ihnen stattdessen Eisenkörner unter, kann man ihre Orientierung im Raum mit einem Magneten durcheinander bringen.

Auch Pflanzen besitzen Statolithen: in den Zellen der Wuzelhaube wirken Stärkekörner zusammen mit Zisternen des endoplasmatischen Reticulums als Schwerkraftzezeptoren.

Die Wirbeltiere machen es übrigens anders: die messen die Beschleunigung einer Gallerte in den Bogengängen des Innenohres und berechnen damit die Lage des Kopfes im Raum.

Ob das Tanzen der Kristalle durch Brown'sche Molekularbewegung verursacht wird, ist eine alte Streitfrage, auch im alten Forum schon einmal heiß diskutiert, so weit ich mich erinnere.

Ich habe dazu keine feste Meinung, kann nur zitieren und bin gespannt, ob das je geklärt wird. Dass es sich allerdings um Plasmaströmung handeln könnte, kann ich mir nicht vorstellen, denn die ist, so weit mir bekannt, immer gerichtet.

Herzliche Grüße

Detlef Kramer

Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: cicindela in April 29, 2009, 13:47:47 NACHMITTAGS
Hallo,
Zitat von: fraureuter in April 29, 2009, 10:15:28 VORMITTAG
Macht es Sinn, nach einem 60er Trockenobjektiv zu schauen und etwas stärkere Periplane einzusetzen?
Ich habe zwar noch nie durch ein 60er geblickt, aber ich denke es kommt eher auf die Auflösung an.
Mit einem trockenen 60er Objektiv sieht man auch nicht mehr als mit einem Apochromaten 40/0.95.
Wer mehr will, kommt ums Öl nicht herum.
Eine Apertur > 1 ist trocken theoretisch nicht möglich und alles was über 1000x geht ist nicht "förderlich".
Oder liege ich da falsch?
Grüße,
Franz
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: H. Ott in April 29, 2009, 14:14:17 NACHMITTAGS
@ Klaus Herrmann:

Lieber Klaus,

ich habe mich über Google und 'Closterium Bariumsulphate' im Netz durchgesucht und bin dann irgendwelchen Links nachgegangen. Das ist natürlich nicht sehr professionell, deshalb meine Aussage 'schnelle Lit-Suche'. Richtig macht man das natürlich in der Biobliothek mit einer richtigen Datenbank zur Bioliteratur (hier im Amt habe ich leider keinen Zugriff auf sowas). Und protokolliert habe ich die Sucherei natürlich auch nicht. Als ich drei neuere Literaturangaben mit Closterium und Bariumsulfat gefunden hatte, war ich überzeugt, dass ich mal wieder Mist geplappert hatte...

Solche Untersuchungen dürften mit einem anständigen RasterEM mit angehängtem 'X-Ray-Analyser' kein Problem sein. Barium- und Strontiumsulfat bei den Loxodidae hatten uns die Physiker der Uni KA Ende der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts mit der 'energiedispersiven Röntgenmikronalyse' am REM nachgewiesen. Heute geht dies sicher wesentlich einfacher, besser, schneller, eindeutiger als damals. Aber aus diesem Geschäft bin ich ja schon seit Jahrzehnten draußen...

Werde versuchen, mich an Closterium (und mehr) ab 1. Mai in meinem Urlaub in Mecklenburg im ganz normalen Lichtmikroskop und ohne hightech zu erfreuen!

Beste Grüße


Hubert

Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Ernst Hippe in April 29, 2009, 18:02:35 NACHMITTAGS
Hallo,

noch eine Anmerkung zum Thema Schwerkraft. Ich habe Closterium sehr oft in der Petrischale mit einem Wasserstand von 3mm oder mehr beobachtet. Da stehen sie nur selten bei ihren Bewegungen mal senkrecht; meist liegen sie fast oder ganz waagerecht. Daher nehme ich an, daß die Kristalle mit einer Oben/Unten-Orientierung nichts zu tun haben. Sie müßten dann ja auch gehäuft nach einer Seite und eher ruhig liegen. Über ihre wirkliche Funktion habe ich noch nichts gelesen.

Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: Detlef Kramer in April 29, 2009, 18:45:04 NACHMITTAGS
Lieber Ernst,

das kann, muss aber so nicht sein. Statolythen vermitteln eine Information über oben und unten. Was der betreffende Organismus damit anfängt, ist eine ganz andere Sache. Aber lassen wir die Spekulationen.

Herzliche Grüße

Detlef
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: bewie in April 29, 2009, 19:00:23 NACHMITTAGS
Hallo,

hier ist eine Arbeit zum Barium-Nachweis in den Closterium-Tanzstübchen im Volltext - das war schon 1980, und wie zu erwarten per Röntgenspektrum.

Der Download der PDF-Datei kann übrigens etwas länger dauern.

Schöne Grüße
Bernd
Titel: Re: Meine neueste Closterium
Beitrag von: H. Ott in April 30, 2009, 15:43:11 NACHMITTAGS
Lieber Herr Kramer, liebe Mikrofreunde

...auch in der aktuellen Auflage des Strasburgers (36. Auflage) ist noch von Gipskristallen die Rede. Leider ist der 'Wassertropfen' in der neusten Auflage ebenfalls noch nicht korrekt. Richtig steht es jedoch z.B. in der 'Freshwater Algal Flora of the British Isles' von John, Whitton und Brook, einem Buch, das ich zunehmend bei Algenproben während meinen laienhaften Tümplereitätigkeiten zu Rate ziehe.

Beste Grüße

H. Ott