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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Alchemist in Mai 01, 2018, 10:15:21 VORMITTAG

Titel: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 01, 2018, 10:15:21 VORMITTAG
Liebe Mikroskopiker
Ich habe mich bis dato hauptsächlich mit meinen älteren Mikroskopen (deutlich vor 1945) beschäftigt.
Nun reift in mir langsam aber sicher der Wunsch, mir ein "modernes" Pol-Mikroskop zuzulegen und ich fürchte, dieser Wunsch wird mich sehr bald besiegen.
Mein Hauptbeschäftigungsfeld wäre dabei die Mikrochemie, Fällungen, Kristallisationen, eventuell mit kleinen Ausflügen in die Tümplerei.
Wobei ich unter "modern" kein aktuelles Mikroskop des 3. Jahrtausends verstehe sondern eher eines aus den 60/70/80er-Jahren. Ich bin nun mal eher ein haptischer Mensch und ich mag aus dem Vollen gefrästes Metall nun mal deutlich mehr als Kunststoff.  ;D
Die URS meines zukünftigen Polmis wären also:
- möglichst gute optische und mechanische Güte
- das System sollte Möglichkeiten zur Erweiterung/zum Ausbau bieten
- die gängigsten (Ersatz-)Teile sollten auf dem Markt noch zu halbwegs vernünftigen Preisen verfügbar sein
- Fotografiermöglichkeit
- keine Japaner (nicht falsch verstehen, bin begeisterter Nikonianer und fuhr früher etliche Kawasakis - aber bei Mikroskopen muß ein europäisches Teil her)
Geräte die mir dabei als mögliche Kandidaten eingefallen sind: Leitz Dialux, Zeiss Standard, Reichert Zetopan, Wild M21.
Leider habe ich zu wenig Erfahrung auf diesem Gebiet um mich da letztendlich für ein System entscheiden zu können und ich will nicht einen Batzen Geld für ein Gerät ausgeben das sich dann letztendlich als Fehlkauf entpuppt.
Vielleicht könnt Ihr "alten Hasen" mir ein paar Tips und Hinweise dazu geben?
Danke und beste Grüße
Anton
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: TPL in Mai 01, 2018, 10:42:25 VORMITTAG
Hallo Anton,

wenn Du ein gutes und solides, ausbaufähiges Pol-Mikroskop für
Zitat(...) Mikrochemie, Fällungen, Kristallisationen, eventuell mit kleinen Ausflügen in die Tümplerei (...)
suchst, würde ich Dir ein STANDARD Junior-Pol in einer Grundausstattung (schwenkbarer Polarisator, fester Analysator im Beobachtungstubus, gewöhnliche Objektive und Okulare) empfehlen. Das Junior-Pol bringt das mit, was in der Pol-Mikroskopie unabdingbar ist, nämlich einen werkszentrierten Drehtisch, muss aber zu Beginn nicht gleich bis zur komplexesten Stufe ausgebaut sein. Damit bleibt es günstiger als die für die Mineralogie vorgesehenen, größeren Pol-Stative und ist doch fast genauso ausbaufähig.

Beste Grüße
Thomas
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: knipser009 in Mai 01, 2018, 10:49:12 VORMITTAG
hallo Anton

klein aber fein :  ROW Poladun IV

siehe PM
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Mai 01, 2018, 10:50:35 VORMITTAG
Hallo Anton,

also Wild und Reichert würde ich mal unter dem Gesichtspunkt ausbauen zurückstellen.
Bei Leitz und Zeiss hätte ich keine Bedenken. Wenn ich dich richtig verstehe willst du keine wissenschaftlich exakten Messungen in Richtung Mineralbestimmung machen? Dann muss man auch nicht über einen zentrierbaren Revolver nachdenken.
Drehtisch wäre dann aber schon ganz hilfreich. Da gibt es bei Zeiss eine raffinierte Variante: die Kombination von Kreuztisch und Drehtisch. Der klassische Pol-Drehtisch ist nämlich zum normalen Mikroskopieren etwas unpraktisch, da ist der Kreuztisch angenehmer.. Wenn du die schönen Pol-Objekte festhalten willst ist ein Tritubus schon sehr zu empfehlen. Fotos am Bitubus ist auf die Dauer nervig.
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Bernhard Lebeda in Mai 01, 2018, 11:07:13 VORMITTAG
Zitat von: Klaus Herrmann in Mai 01, 2018, 10:50:35 VORMITTAG
Hallo Anton,


Bei Leitz und Zeiss hätte ich keine Bedenken. Wenn ich dich richtig verstehe willst du keine wissenschaftlich exakten Messungen in Richtung Mineralbestimmung machen? Dann muss man auch nicht über einen zentrierbaren Revolver nachdenken.
Drehtisch wäre dann aber schon ganz hilfreich.

Hallo Klaus

na ja  aber wäre schon schön, wenn die gedrehten Objekte auch halbwegs im Bildfeld blieben.  :D

Ich frage mich bei Antons Anfrage wenn ich lese:

ZitatMikrochemie, Fällungen, Kristallisationen, eventuell mit kleinen Ausflügen in die Tümplerei.

Für die erfragten Themen wäre ja auch eine normale Nachrüstung mit Polfiltern  ausreichend.

Anton, Du solltest auch noch grobe Angabe des Budgets machen.

Viele polarisierte Mikrogrüße

Bernhard
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Peter V. in Mai 01, 2018, 11:37:52 VORMITTAG
Hallo,

ich denke, hier ist tatsächlich zunächst einmal eine genaue Analyse des tatsächlichen Bedarfs bzw. den Anwendungsgebietes erforderlich, denn nicht jeder, der ein "Polmikroskop" sucht, benötigt wirklich ein in jeder Beziehung vollwertiges Polarisationsmikroskop und kann mit vielen (zu bezahlenden) Ausstattungsmerkmalem eines "echten" Polmikroskops überhaupt nichts anfangen.

Es gab hier vor ca. 3 Jahren einen Hilfesuchenden, der ein Polmikroskop suchte, erschrocken über die Preise hochwertiger Polmikroskope der Großen (um 15.000 EUR) war und sogar schon bereit war, 5000 oder mehr EUR für ein Gebrauchtgerät auszugeben.

Ich habe mich dann seiner "angenommen" und nach Erkundung des Einsatzgebietes stellte sich heraus, dass tatsächlich ein Mikroskop mit einfach gekreuzten festen Polarisatoren, nur einem einzigen Objektiv (nämlich nur einem für Polmikroskope eher ungewöhnlichen 100er!), das noch nicht einmal spannungsfrei sein musste, aber einem hochwertigen Drehtisch, einer exakten(!) Zentriermöglichkeit des Objektivs bzw. Revolvers und einer Nachvergrößerung durch einen Optovar etc. sowie ein Trinotubus erforderlich war und tatsächlich auch Phasenkontrast bei seinen Objektiven sinnvoll sein konnte. Zudem wurde ein Meßokular benötigt und (worauf man zunächst auch nicht kommt) wurden Okulare mit kleinem Sehfeld bevorzugt! Zu Beginn der "Beratung" habe ich darauf bestanden, die Präparate, die mikroskopiert werden sollen, selbst zu sehen und zu mikroskopieren und habe mir das Verfahren genau erklären lassen. Nur so konnte ich sicher sein, seine Anforderungen genau zu verstehen und ihm dann ein System zu empfehlen, das genau auf seine Ansprüche zugeschnitten war.
Spannungsfreieheit sämtlicher Optik war genau so irrelevant wie eine Bertrandlinse, drehbarer Analysator etc. Ich habe ihm dann geholfen, die passenden Teile zu besorgen und ihm ein exakt auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes "Biopol"-Orthoplan mit Phasenkontrastkondensor zusammengestellt. Und  Was natürlich deutlich(!) unter 5000 EUR lag  ;)

Ein vollständiges , echtes "Polmikroskop" zeichnet sich aus durch:

Nicht(!) zentrierbaren Drehtisch (wie schon von Thomas erwähnt)
Komplett spannungsfreie Optik vom Kondensor bis zum Tubus
Zentriermöglichkeit des Revolvers (Leitz, und die meisten anderen Systeme) , alternativ des Objektivs selbst (Zeiss oder Wild)
Drehbarer Polarisator und ggf. drehbarer Analysator
Betrandlinse zur Achsenbildbetrachtung

Aber: Was davon benötigt Antoin wirklich für SEINEN Anwendungsfall?

Geht es nur um "Kontrastierung" bzw. "farbliche Darstellung" der Strukturen ohne exakte Messungen, sind in der Regel keine 100% spannungsfreie Optik, keine Betrandlinse und keine drehbaren Polarisatoren / Analysatoren erforderlich. Im einfachsten Fall kommt man sogar mit einem Fotopolarisator zurecht.  Geht es nicht um einzelne kleine Kristalle, kann man ggf. sogar mit dem drehzentrierbaren Kreuztisch (wie von Klaus erwähnt) zurecht kommen, wenn das Mikroskop auch zum Tümpeln geeignet sein soll. Derartige Mikroskope mit einfacher Polarisationseinrichtung gab es gelegentlich auch von den Herstellern selbst und sie wurden dann als "Biopol" etc. bezeichnet.

Also: Was genau soll wie untersucht werden und wie hoch ist dein Budget?

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: liftboy in Mai 01, 2018, 11:41:07 VORMITTAG
Hallo Anton,

so etwas wäre auch möglich:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233087_11404313.jpg)

drehzentrierbarer Poltisch, Pol-Kondensor, Durch- und Auflicht, Epi-Objektive, pankratisches Okular mit Bertrandlinse
Eine wilde Kombination von Lomo (Russland) und Zeiss/J (DDR).
Funktioniert und ist bezahlbar (und sauschwer)
Ein Stativ hätte ich noch zum basteln übrig :-)

Grüße
Wolfgang
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 01, 2018, 12:13:10 NACHMITTAGS
Danke schon mal für Eure ausführlichen Antworten und PMs.

Nein, wissenschaftlich exakte Messungen stehen bei mir nicht auf dem Plan.
Mir ist völlig klar, dass ich für meine hobbymäßige Verwendung kein voll ausgebautes Pol-Mikroskop benötige - über deren Preise bin ich mir durchaus bewußt.
Für den Beginn möchte ich einfach Kristalle untersuchen und fotografieren die bei diversen Fällungsreaktionen anfallen. Da habe ich meinem Fundus noch genügend Restmaterial von früher um mich längere Zeit damit zu beschäftigen.
Ich sammle zwar auch Mineralien, habe aber aktuell keine Möglichkeit Schliffe herzustellen. Wenn das Mikroskop aber prinzipiell (mit entsprechenden Erweiterungen) auch für Mineralbestimmungen geeignet wäre fände ich das beruhigend - vielleicht als Zukunftsprojekt.
Ich habe mittlerweile einige Fedorov-Drehtische in meiner Sammlung, mit denen würde ich in Zukunft schon gerne einiges probieren wenn es das System erlauben würde.

Zu meinem Budget: gute Frage, ich bin leider der Typ der sich zwar wohl ein Budget setzt, der aber ab und zu dazu neigt je weiter er sich mit dem Thema auseinandersetzt, in seiner Begeisterung das ursprüngliche Budget schon mal zu vergessen.
Als Richtwert für das Budget hätte ich so etwa bis € 2000.- gedacht. Da ich aber abgenudelte Geräte nicht mag sollte das gebrauchte Teil dann schon in sehr gutem Zustand sein, auch rein vom Äusseren.

beste Grüße
Anton
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 01, 2018, 12:18:05 NACHMITTAGS
@Wolfgang:
Ich finde das Zusammenschrauben von Teilen diverser Hersteller und Typen zu einem funktionierenden Ganzen extrem reizvoll, nicht nur bei Mikroskopen. Das sind dann immer echte Unikate und oft für die eigentliche Anwendung perfekt abgestimmt.
Allerdings ist bei meiner Erfahrung die Wahrscheinlichkeit, dass sich kein funktionierendes Ganzes ergibt - naja, wie soll ich es sagen - nicht gleich Null!  ;D
beste Grüße
Anton
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Wutsdorff Peter in Mai 01, 2018, 12:46:49 NACHMITTAGS
Hallo Anton,
ich hatte einen längeren Text geschrieben.
Als ich in Deinen Beitrag noch einmal anschauen  wollte, war mein Text wieder einmal weg.
Leider sind diese Fehler nicht reproduzierbar, so kann mir auch keiner helfen.

Auch ich empfehle das Poladun IV (mit Bertrandlinse) oder das II-er (ohne).
Bei beiden können sowohl Drehtisch, als auch die Obj.einzeln zwentriert werden.
Man kann mit ihnen auch Auflichtmikroskopie betreiben.
Auch als ganz normales Durchlicht ist möglich.
Von welchen Firmen sind Deine F-Drehtische?
Es gibt sogar zum Poladun IV u.VI einen Drehtisch. Über den kann ich aber nichts sagen. Beim Leitz-tisch bedarf es einiger Anpassungen.
Gruß Peter
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: TPL in Mai 01, 2018, 13:04:42 NACHMITTAGS
Hallo Anton,

wie ich oben schon angedeutet habe, ist ein Mikroskop ohne werkseitig fest zentrierten Drehtisch in meinen Augen kein Pol-Mikroskop. Bequemlichkeit hin oder her: wenn Pol-Mikroskopie auf Dauer Freude machen soll, muss es am Mikroskop eine zentrierte Referenz geben. Das ist bei Pol-Mikroskopen der Tisch (eingeschränkt auch Pol-Okulare mit fest zentriertem Fadenkreuz und Orientierung), auf den alle anderen Pol-Bauteile ausgerichtet werden.

Natürlich bleibt es der persönlichen Vorliebe überlassen, wie wichtig diese Referenz für die eigenen mikroskopischen "Projekte" gewertet wird, aber nach meinem Ermessen ist das auch eine grundsätzliche Entscheidung für oder gegen ein Pol-Mikroskop: ein Mikroskop-Stativ ohne werkseitig fest zentrierten Drehtisch ist eben kein Pol-Mikroskop (s. Bezeichnungen diverser Hersteller, darunter Zeiss und Leitz).

Dein Hinweis auf Deine Fedorov-(Universal-) Drehtische macht die Sache in meinen Augen noch deutlicher: Möchtest Du diese tatsächlich bestimmungsgemäß einsetzen (und sei es auch "nur", um darüber in die Kristallographie einzusteigen), wirst Du ohne einen fest zentrierten Drehtisch als Basis vermutlich verzweifeln. Das werden dann einfach zu viele Justagen, bis es mit dem eigentlichen Betrieb losgehen kann.

Viele Grüße
Thomas
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 01, 2018, 13:22:35 NACHMITTAGS
@Peter:
Wenn der mühsam erstellte Text plötzlich weg ist ist das tatsächlich ärgerlich - kenne ich auch!
Meine Drehtische sind zwei UT4 von Leitz und einer von Winkel-Zeiss.

@Thomas:
Du hast recht, für sinnvolles Arbeiten mit einem Drehtisch kommt man an einem fest zentrierten Drehtisch nicht wirklich herum.
Allerdings denke ich ist der Drehtisch dann auch nur wirklich zentriert wenn es der herstellergleiche mit dem Mikroskop ist und nicht von einem Fremdhersteller den man dann selbst "passend gemacht hat", oder?

beste Grüße
Anton
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: TPL in Mai 01, 2018, 14:05:29 NACHMITTAGS
Hallo Anton,

es sollte nicht nur der herstellergleiche Pol-Drehtisch sein, sondern dieser sollte auch noch nie abgeschraubt worden sein. Das ist natürlich fast unmöglich, gerade wenn so ein teilweise 50 oder mehr Jahre alter Tisch repariert oder neu gefettet werden muss. Aber die feste Zentrierung lässt sich auch ohne Einsendung ans Werk (die so etwas schon seit den 1980ern nicht mehr machen) wiederherstellen, wenn man weiß wie, gutes Werkzeug, ein paar geeignete Justage-Geräte und eine Menge Geduld hat. Es gibt hier im Forum einige, die das schon gemacht haben (darunter auch ich ;)).

Den Pol-Drehtisch eines Fremdherstellers "passend zu machen" ist dagegen eine Aufgabe, die ich nur einem sehr erfahrenen Pol-Mikroskopiker und Mechanikus anvertrauen würde. Diese Kombination kenne ich hier nur bei einem Forumsteilnehmer. Da stellt sich aber auch die Frage, ob es sich lohnt, einen Pol-Tisch mit einem fremden Stativ zu "verheiraten", solange es Stative mit passenden, intakten und gut zentrierten Tischen gibt.

Gerade lese ich, dass Du einen Winkel-Zeiss-UD-Tisch hast. Hat der zwei oder drei Befestigungsschrauben? Hintergrund meiner Frage ist die PM, die ich Dir eben geschrieben habe.

Beste Grüße
Thomas
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Peter V. in Mai 01, 2018, 14:15:50 NACHMITTAGS
Hallo Anton,

Was das von Peter angesprochene "Poladun" betrifft: Ich würde doch ein etwas "moderneres" (und modulareres) Stativ nehmen, ein Hufeinsenstativ ist doch schon eher historisch und das Poladun ist auch nicht modular, zudem nur monokular.

Ich würde entweder etwas aus der Standard-Serie (oder Universal, Phomi) oder z.B. ein Ortholux pol, Ortholux II pol oder Orthoplan pol von Leitz nehmen. Mit all diesen Stativen macht man nichts falsch. Beim Stanadrd WL, Universal und Phomi sowie den von mir erwähnten Leitzen (zumindest dem runden Ortholux und Orthoplan) sind die Teile modular, das heißt, aus jedem Stativ kann man letzlich durch entsprechend austauschbare Komponenten ein vollständiges Polmikroskop zusammenstellen. Für was man sich da letztlich entscheidet, ist dann auch ein wenig Geschmacksache. Eher Zeiss oder Leitz, eher zentrierbarer Revolver oder zentrierbare Objektive, eher "rundes" odere eckiges Stativ.

Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: TPL in Mai 01, 2018, 14:53:28 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

um hier mal (ohne Ironie) eine Lanze für Leitz zu brechen: wenn es ein Pol-Mikroskop mit pol-tauglichem binokularem Fototubus ("Trinotubus/Tritubus") sein soll, dann würde ich zu einem Leitz-Gerät raten. Pol-Trinotuben für die Stative bis zum STANDARD WL sind bei Zeiss-West so derart selten, dass man entweder Glück, eine Eselsgeduld haben muss oder aber bereit sein muss, mit Kompromissen zu leben (z.B. grauer Tubus an schwarzem Stativ – igitt ;)).

Ein weiteres Plus der Leitz-Pol-Mikroskope ist die Verwendung des gesunden Menschenverstandes bei der Objektivzentrierung: das übernimmt der Revolver. Die Zeiss-West-Methode (Zentrierringe an jedem Objektiv) empfinde selbst ich als Zeiss-Fan als Zumutung. Wer nicht gleich tief in die Petrographie oder gar Kristallographie einsteigen kann oder will, kann an einem zentrierbaren Pol-Revolver auch ein paar nicht-Pol-Objektive einschrauben, ohne über das von Bernhard genannte Problem des "Auswanderns" beim Drehen des Tisches verzweifeln zu müssen. Manche "gewöhnlichen" Achromaten und einige wenige höher korrigierte Objektie sind ausreichend spannungsarm und löschen zwischen gekreuzten Polarisatoren genügend gut aus, um damit auch im Pol-Kontrast gute Bilder zu bekommen.

Anders als bei Zeiss-West ist bei Leitz allerdings die Kompatibilität nicht ganz so stringent und daher der Gebrauchtmarkt kleinteiliger. Ansonsten glaube ich, dass die Unterschiede sehr subjektiv sind (was ich gut nachvollziehen kann): die kantigen grauen Leitz-Stative mögen noch so praktisch sein, aber bei einem schwarzen STANDARD-Pol (oder einem der schwarzen Leitz Pol-Stative) geht mir das Herz auf. Ähnlich ist es bei den Zeiss-Tubuskopf-Geräten (Universal, Photomikroskop, Ultraphot), die zwar das Trinotubus-Problem elegant umgehen, aber ansonsten alles andere als grazil sind.

Herzlich subjektive Grüße
Thomas
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Wutsdorff Peter in Mai 01, 2018, 16:36:41 NACHMITTAGS
Ein Gruß in die Pol-Runde,
das Poladun (II+IV) hat mit der Möglichkeit, die Obj.einzeln zu zentrieren den Vorteil: einmal zentriert  ist immer zentriert.
Über die anderen Polmikros kann ich nichts sagen.
Vielleicht bringt ein Kollege aus der Truppe von Detlef Kramer mal eines  im Juni mit nach DA.
Ein Nachteil der Poladuns sollte nicht verschwiegen werden: Der Kondensor ist nicht zentrierbar (die Blende schon).
Das stört bei der Konoskopie etwas, wenn das Kono-Bild nicht gleichmäßig ausgeleuchtet ist.
Auch über die Preise  kann ich nichts sagen.
Ein nicht ganz vollständiges Poladun II aber funktionstüchtiges hat mir ein Kollege geschenkt.
Ein weiteres II-er habe ich von einem Kollegen preiswert im Forum erworben.
Später habe ich mir ein nicht preiswertes IV-er bei e-bay gekauft. Mußte aber dann umfangreiche Justierungen vornehmen.
Am Anfang hatte ich mir auf meinem Leica CME eine Drehvorrichtg gebaut. Ging auch ganz gut (2-3)
Gruß Peter
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 01, 2018, 19:56:01 NACHMITTAGS
Danke für Euren Eifer mit dem Ihr mich bei meiner Anfrage unterstützt!
Zum Glück benötige ich das Gerät nicht beruflich sondern ist nur ein hobbymäßiges nice-to-have, von daher spielt Zeit keine wirkliche Rolle.

@Thomas:
Habe grad nachgesehen, mein Winkel-Zeiss-UD-Tisch hat zwei Befestigungsschrauben.

beste Grüße
Anton
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Kurt in Mai 01, 2018, 20:57:04 NACHMITTAGS
Hallo Anton,

Aus Jana gibt es ein sehr schönes und robustes sowie hochwertig ausbaubares Pol-Mikroskop, das "Polmi A"!
Es besitzt definitiv auch die von dir gewünschte Haptik und kann mit Binotubus als Durchlichtmikroskop benutzt werden oder mit eien AL-Illuminator zum Auflichtmikroskop umgebaut weden...

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233134_44624228.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233134_17654054.jpg)

Viele Grüße
Kurt

Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Peter V. in Mai 01, 2018, 21:02:34 NACHMITTAGS
Hallo Kurt,

tja....wennn man denn eines funktionsfähigen Polmis habhaft wird! Die sind zumeist verharzt und wenn, dann nahezu irreparabel. Sie sind so kleinteilig aufgebaut und das Fett verharzt derart fest, da ich zwei wirklich gute Mikroskop-Mechaniker, die eigentlich ALLES wieder herrichten und beide für mich schon sehr viel gefettet und reapriert haben, beim Polmi A die Segel gestrichen haben.

Wenn es denn funkitoniert, ist es sicher ein schönes Mikroskop.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: TPL in Mai 01, 2018, 21:13:11 NACHMITTAGS
Hallo Kurt,

schön ist es, das Polmi A, aber aus meiner eigenen Erfahrung mit dem etwas kleineren jenenser Pol-Stativ würde ich aus zwei Gründen abraten:

1. auch wenn man bereit ist, ein paar ergonomische Nickeligkeiten älterer Modelle hinzunehmen – ein Objektivrevolver, zumindest mal für Durchlicht, sollte dann bei einem Nachkriegsmodell doch zur Grundausstattung gehören.

2. (und wichtiger) selbst bei meinem ansonsten prächtig erhaltenen Modell aus der Q1-Serie waren alle (ALLE!) Triebe, alle Drehringe und Blenden (am Achsenbild-Tubus) und auch der Tisch so fest verharzt, dass die Aufarbeitung mich mehrere Wochen und einen zusätzlich angeheuerten routinierten Fachmann noch einmal mehrere Tage gekostet haben. Wie ich erst später hier im Forum lernte, ist das wohl ein weit verbreitetes Problem vieler Mikroskope aus Jena gewesen. Seitdem mache ich selbst um die schönsten Zeiss-Jena Stative einen großen Bogen.

Solange es also nicht um die Begeisterung für das Basteln und/oder die Beschäftigung mit der Technik (hier: Objektivwechsel auf den zentrierbaren Wechselschlitten) geht, würde ich eher zu einem West-Produkt raten.

Beste Grüße
Thomas
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 05, 2018, 08:48:05 VORMITTAG
Guten Morgen

Ich habe mich in der Zwischenzeit ein wenig weitergebildet und tendiere aktuell etwas in Richtung Leitz.

Auf ebay werden momentan folgende zwei Pol-Leitze angeboten, ein Ortholux und ein Orthoplan:

https://www.ebay.co.uk/itm/Leitz-Wetzlar-Ortholux-II-POL-BK-Trinocular-Microscope-with-Analysers/263647286476?hash=item3d629a54cc:g:FNUAAOSwXXVar~4v (ftp://www.ebay.co.uk/itm/Leitz-Wetzlar-Ortholux-II-POL-BK-Trinocular-Microscope-with-Analysers/263647286476?hash=item3d629a54cc:g:FNUAAOSwXXVar~4v)

und

https://www.ebay.co.uk/itm/Leitz-Wetzlar-Trino-Orthoplan-Pol-Microscope-Phaco-Polarization-Objectives/263640891373?hash=item3d6238bfed:g:8EIAAOSwwAFa5tsR (ftp://www.ebay.co.uk/itm/Leitz-Wetzlar-Trino-Orthoplan-Pol-Microscope-Phaco-Polarization-Objectives/263640891373?hash=item3d6238bfed:g:8EIAAOSwwAFa5tsR)

Das Orthoplan kommt ohne Trafo, dafür aber mit Phaco-Objektiven (die ich aktuell nicht benötige).
Auf das Ortholux hat mich ein Forumsmitglied aufmerksam gemacht.
An und für sich sind die Modelle jünger/moderner als ursprünglich von mir angepeilt. Das Orthoplan ist auch etwas über meinem Budget, soll aber eine sehr gute Basis für den weiteren Ausbau sein.
Wie ist Eure Meinung zu den zwei Geräten? Welches bietet die besseren Erweiterungsmöglichkeiten? Sind die Preise gerechtfertigt?

Den ebay-Verkäufer kenne ich bereits von früheren Verkäufen, hat immer alles geklappt.

Ich würde mich über Eure Einschätzungen freuen.

beste Grüße
Anton
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: olaf.med in Mai 05, 2018, 09:41:10 VORMITTAG
Lieber Anton,

beide Geräte gehören sicher zu dem Besten, was es auf dem Pol-Sektor jemals gegeben hat und ich kann sie nur bedenkenlos empfehlen. Sie sind extrem stabil gebaut, und selbst wenn etwas nicht ganz in Ordnung ist gibt es hier im Forum immer Hilfe.

Beide Geräte sind in ihrer optischen Leistung identisch und in der hier angebotenen Version komplett (den fehlenden Trafo beim Orthoplan kann man leicht beschaffen oder gleich auf LED umrüsten), man muss nur für sich persönlich entscheiden, ob man zur wuchtigen größeren Variante tendiert oder das zierlichere "Baby-Orthoplan" vorzieht. Für meine private Nutzung habe ich kürzlich sogar vom Orthoplan zum Ortholux "rückgebaut" und bin damit sehr zufrieden.

Eines ist sicher, bei beiden Angeboten machst Du keinen Fehler!

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: hugojun in Mai 05, 2018, 12:05:00 NACHMITTAGS
Hallo Anton & Olaf ,
Zitat von: olaf.med in Mai 05, 2018, 09:41:10 VORMITTAG

(den fehlenden Trafo beim Orthoplan kann man leicht beschaffen oder gleich auf LED umrüsten)Eines ist sicher, bei beiden

Haben denn die ,,weißen ,, LED 's ein kontinuierliches  Spektrum , und welche Farbkompositionen ergeben sich dann bei den Gangunterschieden am Standard -Dünnschliff von 30 µm?

Gruß
Jürgen
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: olaf.med in Mai 05, 2018, 15:47:26 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

ich habe mein Ortholux II Pol-BK seit einiger Zeit auf ein LED-System von Stephan Hiller umgerüstet und bin damit sehr zufrieden. Natürlich haben die LED's kein so glattes kontinuierliches Spektrum wie eine Glüh- oder Halogen-Lampe, aber dies fällt im Gebrauch kaum ins Gewicht. Objektiv kann man mit ihnen bei Pol-Untersuchungen ganz genauso quantitativ arbeiten wie mit den anderen Lichtquellen, subjektiv sind die Farben geringfügig anders, aber das fällt nur im direkten Vergleich auf.

Der Vorteil der LED liegt in einer sehr homogenen Ausleuchtung und der kompakten Bauweise. Ich habe sogar die Stromversorgung in den Stativfuß eingebaut (siehe hier (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=30500.msg226581#msg226581)).

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Silber_und_Licht in Mai 05, 2018, 16:33:10 NACHMITTAGS
Zitat von: TPL in Mai 01, 2018, 21:13:11 NACHMITTAGS
Hallo Kurt,

schön ist es, das Polmi A, aber aus meiner eigenen Erfahrung mit dem etwas kleineren jenenser Pol-Stativ würde ich aus zwei Gründen abraten:

1. auch wenn man bereit ist, ein paar ergonomische Nickeligkeiten älterer Modelle hinzunehmen – ein Objektivrevolver, zumindest mal für Durchlicht, sollte dann bei einem Nachkriegsmodell doch zur Grundausstattung gehören.

2. (und wichtiger) selbst bei meinem ansonsten prächtig erhaltenen Modell aus der Q1-Serie waren alle (ALLE!) Triebe, alle Drehringe und Blenden (am Achsenbild-Tubus) und auch der Tisch so fest verharzt, dass die Aufarbeitung mich mehrere Wochen und einen zusätzlich angeheuerten routinierten Fachmann noch einmal mehrere Tage gekostet haben. Wie ich erst später hier im Forum lernte, ist das wohl ein weit verbreitetes Problem vieler Mikroskope aus Jena gewesen. Seitdem mache ich selbst um die schönsten Zeiss-Jena Stative einen großen Bogen.

Solange es also nicht um die Begeisterung für das Basteln und/oder die Beschäftigung mit der Technik (hier: Objektivwechsel auf den zentrierbaren Wechselschlitten) geht, würde ich eher zu einem West-Produkt raten.

Beste Grüße
Thomas

Lieber Thomas (und gleich Lieber Peter mit dazu),

ich gebe zu derlei Bastelarbeiten normalerweise nicht meinen Sempf dazu, aber hier muss ich dann doch mal zu Kurts Ehrenrettung sagen, dass er noch ALLE Geräte aus Jenaer Fertigung incl. Polmi A und auch das hier vielgescholtene NU in allerbesten Betriebszustand zurückversetzt hat und sehr(!) genau weiß wovon er spricht resp. schreibt. Ich selbst habe mit seiner kundigen Telephonseelsorge und auch praktischer Hilfe zwei Lg, ein Nf und auch ein Lu Stativ problemlos und allen durch Verharzung festsitzenden Trieben zum Trotz bestens wiederherstellen können. Er wäre auch nach wie vor mein Anlaufpunkt für jedwede Probleme mit Geräten wie Nf, Ng, Polmi A usw. Wenn Du, Peter, da zwei routinierte Mikroskopie-Techniker an der Hand hattest die "die Segel gestrichen" haben, dann kanntest Du in diesem Fall einfach nicht die richtigen Leute :) Ich sehe jedenfalls überhaupt keinen technischen Grund, um ein schön erhaltenes Jenaer Stativ einen Bogen zu machen. Ein Nf beispielsweise ist nach wie vor eines der bestgeeigneten Amateurmikroskope das ich mir vorstellen kann. Unglaublich universell, dabei optisch auch gehobenen Ansprüchen gerecht werdend und bis hin zum InterPhaco und Nomarski - DIC ausbaubar.

Mir ist niemand bekannt, der sich mit den Mikroskopie-Produkten aus Jenaer Fertigung seit rund 30 Jahren so intensiv beschäftigt und sich damit derart gut auskennt wie eben Kurt. Ihn in diesem Zusammenhang auf Probleme hinzuweisen ist wie einen alten Essener über Krupp'sche Firmengeschichte aufklären zu wollen.

Ich wünsche einen sonnigen Samstag

Wolfgang
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Peter V. in Mai 06, 2018, 11:29:03 VORMITTAG
Lieber Wolfgang,

ich habe ja nicht gesagt, dass es grundsätzlich unmöglich sei, diese Geräte vollständig in einwandfreien Zustand zurück zu verstezen. Es ist nur eine Frage des Aufwandes und der ist wohl bei den Mikroskopen der von Dir erwähnten Baureihen im Vergleich zu vielen anderen Mikroskoptypen sehr hoch. So zumindest meine - und offenbar nicht nur meine - Erafrhung.
Wenn man natürlich unendlich Zeit und Lust hat und sich speziell mit diesem Mikroskoptyp sehr gut auskennt, mag das alles "machbar" sein. Ich denke aber, dass die drei "Mechanici", von denen ich und Thomas reden, allesamt zu den erfahrensten auf dem Sektor gehören und schon viele verschiedene Mikroskope in allen möglichen Zuständen reanimiert haben. Mein Bekannter, der mir schon zahlreiche Mikroskope neu gefettet hat, hat allerdings bei dem Polkondensor des Polmi A aufgegeben, da er aus erstaunlich vielen teilen und Schräubchen besteht und alles, wirklich alles daran bombenfest war zund er auch nach Tagen immer nur kleine Schritte weiter kam und mich dann fragte, ob es sich wirklich lohne, angesichts der vollständigen Verharzung alle Komponenten dieses Mikroskops bei den langsamen Fortschritten die Arbeit fortzusetzen. Der Polkondensor des Polmi A scheint auch diesbzeüglich das schwierigste Teil zu sein, da er eben sehr kleinteilig aufgebaut ist. Aber nochmal: Mit entsprechender Zeit und Geduld ist alles reparabel. Aber wenn man es selbst nicht kann und jemanden bitten muss, muss diese Leistung in der Regel ja auchentweder mittels schnödem Mammon oder durch Tausch "entlohnt" werden. Und das ist dann bei einem so hohen Arbietsaufwand kaum lohnend. Zumal an einem verharzten Polmi dann auch meist vom Scheitel bis zu Sohle JEDES bewegliche Teil bombenfest sitzt.
Es ging ja hier darum, einen diesbezüglich unerfahrenen Käufer nur davor zu warnen, ein solches Gerät zu kaufen, es sei denn, eine tatsächlich einwandfreie Funktion aller Teile wäre garantiert.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Walter P. in Mai 07, 2018, 00:48:41 VORMITTAG
Hallo Anton!

Ich habe mir vor ein paar Jahren ein Carl Zeiss Jena Amplival Pol-u gekauft, und bin restlos zufrieden.
Ich habe damals 1200 Euro bezahlt.

Das Mikroskop war zu diesem Preis für Pol Durchlicht und Pol Auflicht eingerichtet. Das Mikroskop ist für alle Mikroskopische Verfahren ausbaubar, zu vernünftigen Preisen.

Der Haken an dem Mikroskop ist, dass Du ein Mikroskop finden musst, das mit neuen Fetten ausgestattet wurde.
Die Originalfette führten zu festsitzenden Teilen.

Mein Mikroskop wurde vom Verkäufer aufgearbeitet und mit neuen Fetten versehen.
Alle Teile laufen nun schon seit Jahren seidenweich ohne Probleme.

Ergänzend, der Kunststoffanteil ist praktisch 0%, was sich in einem Gewicht von über  15 kg auswirkt.

Zum Poltisch - dieser ist zentrierbar ausgeführt, was zusammen mit dem im Winkeltubus vorhandenen Fadenkreuz und dem mit Zentrieeinrichtung ausgestatteten Objektivrevolver sehr einfach eingestellt werden kann.

Schönen Gruß
Walter
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 07, 2018, 20:11:38 NACHMITTAGS
Liebe Mikroskopiker

Vielen Dank für Eure vielen Tips und Vorschläge hier im Forum oder über PM.
Die Entscheidung fällt schwer, viele von Euch haben mir für diverse Geräte valide Argumente dafür und dagegen mitgeteilt.
Alle haben Sie mir auf jeden Fall geholfen.

Zwar habe ich mich immer noch nicht endgültig entschieden, aber momentan steht der Orthoplan Pol bei mir hoch im Kurs, nicht zuletzt dank Olafs Einschätzung dieses Geräts. Ausserdem habe ich ja zwei Leitzsche Universaldrehtische die ich an dem Orthoplan verwenden könnte.
Im Netz habe ich mir diverses Infomaterial heruntergesaugt durch das ich mich nun wühle.
Parallel dazu versuche ich Angebote für solche Geräte zu finden um mir ein Bild zu machen mit welchem Budget ich rechnen muß.

Falls also jemand von Euch einen Orthoplan Pol zu viel herumstehen hat, weiß wer ein solches Gerät abgeben möchte oder interessante Händlerangebote kennt würde ich mich über Infos freuen.

Danke nochmal und beste Grüße.
Anton
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: TPL in Mai 07, 2018, 21:44:54 NACHMITTAGS
Hallo Anton,

selbst als eingefleischter West-Zeissianer sage ich: eine gute Entscheidung! Sie wird Dich wohl eine Menge Geld und/oder Geduld kosten, aber sicher keine Reue! Ein Orthoplan-Pol ist so ziemlich das Beste, was Du Dir für Pol-Mikroskoie wünschen kannst. Und es soll das ja sogar in schwarz geben...

Der Pol-Tisch zum Orthoplan ist ein mechanisches Kleinod. Am Leitz-Objektführer dazu hätte ich zwar ein paar ergonomische Mäkelpunkte, aber da lassen sich auch andere Objektführer anpassen, die auf Dauer besser zu bedienen sind. Wichtig ist es, bei den wesentlichen Komponenten keine faulen Kompromisse einzugehen.

Ein zentrierbarer Tisch mag für andere Aufgaben eine ganz tolle Sache sein, aber an ein Pol-Mikroskop gehört ein Pol-Drehtisch. Und der ist nicht zentrierbar, sondern zentriert! Der Pol-Drehtisch muss die ultimative Referenz eines Pol-Stativs sein und bleiben. Ansonsten hat man andauernd mit Justagen zu tun und kommt kaum noch zum Mikroskopieren. Wer das anders propagiert, möge bitte erklären, wieviele Stunden anteilig auf petrographische oder kristallographische Anwendungen entfallen und wieviele auf bunte "Lamda (sic!)-Bildchen" ;).

Auch die gönne ich jedem, der sie schön findet (ich übrigens – als begeisterter Pol-Mikroskopiker – nicht), aber für diese Pol-Nebenschauplätze braucht man kein Pol-Mikroskop.

Leider kann ich Dir kein Orthoplan-Pol (mehr) bieten. Allerdings einige hübsche Druckschriften dazu.
Beste Grüße
Thomas
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Peter V. in Mai 07, 2018, 22:27:54 NACHMITTAGS
Hallo Anton,

Thomas und Olaf haben ja (als kompetente Polmikroskopiker) schon viel gesagt. Aber auch von mir noch ein paar Überlegungen. Gut ausgestattete funktionsfähige Polmikroskope haben immer ihren Preis und sind selten als echte Schnäppchen zu bekommen. Nach meiner Einschätzung sind die beiden Geräte, die Du verlinkt hast, preislich schon nicht so völlig aus dem Rahmen. Was mich stören würde, wäre die etwas seltsame Objektivausstattung. Phako-Objektive haben an diesem Mikroskop nun wirklich nichts zu suchen. Ich würde dann auch schon gerne einen kompletten Satz "echter"  Polobjektive haben wollen. Er bietet ja diverse "Polmikroskope" mit etwas gemischten Objektivsätzen an. Vielleicht kann man ihn ja anschreiben und bitten, aus diesen zusammengeewürfelten Sätzen ein komplettes Orthoplan Pol zusammen zu stellen. Achtung: Das zweite Orthoplan Pol hat keinen(!) Zentrierrevolver.
Was für mich ein Argument für das Ortholux II Pol wäre, ist die Tatsache, dass der Kopf den Orthoplan Pol mechanisch recht komplex aufgebaut ist und über "Features" verfügt, die man nicht wirklich benötigt. Da gibt es einfach mehr Möglichkeiten mechanischer Defekte. Von der "Performance" ist ein Orthloux II BK letztlich nicht schlechter, dafür aber preiswerter und bzgl. der "Kopf"-Mechanik fehlerunaunfälliger. Und auch Olaf (es gibt wohl kaum einen erfahrenen Polmikroskopiker in Deutschland!) hat sein privates Orthoplan Pol gegen ein Ortholux II Pol BK getauscht und beruflich eh meistens mit diesem Modell gearbeitet.  Letztlich sind aber beide Geräte einfach "Top" und es ist mehr oder weniger Geschmacksache, wofür man sich entscheidet. Ich selbst habe ein Orthoplan Pol.
Der Verkäufer ist (nicht nur meiner) Erfahrung nach vertrauenswürdig und hat "gute Ware". Und ist kooperativ, wenn es doch mal ein Problem gibt. Er hat tatsächlich bei satten 8000(!) Bewertungen noch nie ein "negativ" bekommen! Ich glaube kaum, dass Du ein orderntliches Polmikroskop dieser Klasse in ordentlichem Zustand woanders viel günstiger bekommst. Klar, es kann mal bei Ebay preiswerter auftauchen, aber dann kennst Du evtl. den Verkäufer und den Zustand nicht.
Ich würde mir tatsächlich diese beiden Angebote mal durch den Kopf gehen lassen und mit dem Verkäufer über eine ggf. "Optimierung" der Objektivausstattung oder einen Preisnachlaß reden.

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Kurt in Mai 08, 2018, 22:14:18 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

ich habe gestern einen Kondensor vom Polmi A demontiert und ihn heute wieder zusammengebaut. Dieser Kondensor wurde nach ca. 50 Jahren das erste mal demontiert, denn der Mechanismus der Klapplinse fest war. Das ist übrigens das größte Problem bei diesem Kondensor, alles andere lässt sich relativ leicht beheben. Um die Klapplinse wieder gängig zu machen, muss man den Kondensor zerlegen. Ich gebe zu, für einen Anfänger ist das nicht geeignet. Jedoch ist es auch kein Hexenwerk und sollte von gleich 2 super erfahrenen Mechanikern lösbar sein, denn die Anzahl Teile ist überschaubar und die "Kleinteiligkeit" sehe ich nicht, außer ein paar Schrauben und Madenschauben...
Hier ein Bild vom zerlegten Kondensor, ein Bild mit eingeklappter und ein Bild mit ausgeklappter Linse.

Grüße
Kurt

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233389_51393439.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233389_26756241.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233389_23264094.jpg)



Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Peter V. in Mai 09, 2018, 21:12:37 NACHMITTAGS
Hallo Kurt,

versteh mich nicht falsch: Ich will das Mikroskio gar nicht "schlechtreden". Ich kann nur das wiedergeben, wa smit von 2 Leuten gesagt wurde, die ansonsten auch mit den komplexesten Mikroskopen fertig werden. Ein Ortholux.Poltubus ist ungleich komplexer aufgebaut. Das Problem war eher, dass bei einer vollständigen bombenfssten "verklebung" wirklich aller nur erdenklichen Teile der Aufwand so hoch gewesen wäre, dass es sich einfach nicht gelohnt hat. Außer, man hat alle Zeit der Welt und macht es für saich selbst. Aber bedenk mal, wieviel bewegliche Teile an einem Polmi A sind. Ich sage ja nicht, dass es nicht zuschaffen ist, dass aber einer enormer Arbeitsaufwand dahinter steckt. Hast Du denn  an dem Kondensor auch den drehbaren Polarisator auseinandergenommen?

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Kurt in Mai 10, 2018, 17:29:52 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

ja, den drehbaren Polarisator habe ich auch auseinandergenommen und die Irisblende gleich dazu. Die Irisblende ist immer komplett fett.- und ölfrei, da kann nichts verkleben bzw. verharzen. Die Irisblende habe ich komplett zerlegt, weil beim Aubau eine Lamelle herausgerutscht war....., da geht eben nur noch ein komlettes Neuaufsetzen - aber das wissen Deine Mechaniker bestimmt auch.
Hier die Bilder dazu:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233428_63130991.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures009/233428_22322349.jpg)

Viele Grüße aus Freiberg
Kurt
Titel: Re: Welches "moderne" Pol-Mikroskop würdet Ihr empfehlen?
Beitrag von: Alchemist in Mai 16, 2018, 20:08:42 NACHMITTAGS
Werte Forumskollegen
Danke für Eure Unterstützung.
Die Suche nach einem Polmikroskop ist nun abgeschlossen.
Ich habe mich für einen Orthoplan entschieden der demnächst bei mir eintreffen sollte.
mit besten Grüßen
Anton