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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: micha.a in Oktober 31, 2020, 11:05:03 VORMITTAG

Titel: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in Oktober 31, 2020, 11:05:03 VORMITTAG
Ein freundliches Hallo an alle Forumsteilnehmer!

Ich habe von meinen Eltern ein Mikroskop bekommen, das auf deren Dachboden lagerte. Es ist ein altes Zeiss-Mikroskop, schätzungsweise 50er-Jahre (?) und mein Vater sagte, dass es für metallurgische Untersuchungen benutzt wurde und dafür Einzelteile für Dunkelfeld-Mikroskopie enthält. Auch gibt es ein Messokular und eine Erweiterung zum Anschließen einer Kamera, des weiteren eine Lampe, wo aber die Glühbirne fehlt. Ich habe ein paar Fotos angehängt, damit man sehen kann, wovon ich spreche.

Bei den Objektiven und den Okularen ist es nicht so gut bestückt, da habe ich aber gesehen, dass man bei ebay immer mal wieder ein einzelnes Teil für akzeptables Geld nachkaufen kann.

Ich selbst mache gern Makrophotographie und kann mir daher gut vorstellen, auch in die Mikrophotographie irgendwann einzusteigen. Meine Kamera passt aber definitiv nicht an den Anschluss.

Meine Hauptfrage ist nun: Ist dieses Gerät so speziell, dass man damit eigentlich nur metallurgische Beobachtungen machen kann oder eignet es sich auch für (noch nicht so genau determinierte) andere Beobachtungszwecke?

Mit freundlichen Grüßen
Michael
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: deBult in Oktober 31, 2020, 11:25:09 VORMITTAG
Very Nice find !

The main use is for looking at specimens for "above" (top lighting): so metal and rock samples and small insects etc.

Not sure about the lamp bulb required : but a common one for Zeiss is listed here:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=38865.0

Best, Maarten
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Kay Hoerster in Oktober 31, 2020, 11:32:42 VORMITTAG
Hallo Michael,

zuerst einmal willkommen im Forum...ein spezielles aber dennoch gut nutzbares Mikroskp hast Du da, es ist ein Epignost der ersten Generation.
Hier ein Link zur Anleitung (https://www.mikroskop-online.de/Mikroskop%20BDA/30-677-1.CZ%20%20EPIGNOST.pdf), die sicherlich vorab ein paar Fragen erklären wird. Ansonsten gibt es hier im Forum den ein oder anderen, der sich mit Zeiss Jena Mikroskopen und insbesondere den älteren schwarzen gut auskennt. Bei mir sind es ehr die neueren grauen und z.T. die CF-250 (unendlich) Serie. Aber auch bei den grauen gab es das Epignost, welches auch bei mir im Regal steht. Im Gegensatz zu dem schwarzen ist es aber mit einem 4-fach Revolver ausgestattet.

Falls weitere Fragen sind wird Dir hier sicherlich umfassend und gern geholfen.

Viel Spass bei der Lektüre und im Forum,

viele Grüße Kay
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Gerd Schmahl in Oktober 31, 2020, 15:09:41 NACHMITTAGS
Hallo Michael,
dieses Gerät ist für alle möglichen Auflichtuntersuchugen geeignet, u.a. für metallurgische. Die vonMaarten verlinke Lampe passt da nicht.Du brauchst eine NARVA 6V/15W mit Schraubgewinde (https://www.ebay.de/itm/NARVA-LWT-P5-Z16-6V-15W-Mikroskop-Spezial-Gluhlampe-Lampe-Gluhbirne-ZEISS-Jena/333611204233?hash=item4dacc6fe89:g:YDQAAOxy4fVTCObO), aber natürlich auch einen entsprechenden Trafo oder ein Labornetzteil, das die geforderten Kennwerte darstellen kann. Bei der Glühbirne musst Du darauf achten, dass es eine Flachwendel-Birne ist. Es gibt sehr ähnliche Birnen mit gleichen leistungsmerkmalen, die aber eine Spralwendel haben.
Sicher läßt sich auch Deine Kamera adaptieren, ob sie dafür geeignet ist, ist aber eine andere Frage. Du mußt auch bedenken, dass das Gerät nur einen (Grob-)Trieb hat. Den fehlenden Feintrieb würdest Du spätestens beim Stäcken vermissen. Es ist nur für mittlere Vergrößerungen geeignet. Das K 2,5:1-Projektiv musst Du Dir warm halten. Das ist sehr gesucht, weil des die richtige Projetionsgröße für ASP-Sensoren liefert. Für eine Vollformatkamera ist das 4:1 das richtige.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Gerd Schmahl in Oktober 31, 2020, 15:59:47 NACHMITTAGS
Hallo Michael,
hier noch wa zur Fotoeinrichtung (http://www.mikroskop-online.de/Mikroskop%20BDA/30-605a-1.CZ%20%20MIFLEX.pdf).
LG Gerd
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in Oktober 31, 2020, 17:58:51 NACHMITTAGS
Hallo an alle und vielen herzlichen Dank für die Antworten, thanks to Maarten. Da habe ich was zu lesen und zu lernen.

Eine Frage an Gerd: Ich habe eine SONY Alpha 6600 mit APS-C-Sensor, ist dieser Sensor gemeint gewesen als der richtige für das 2,5:1-Projektiv? Ich muss erstmal die verlinkten Dokumente lesen, dann weiß ich vielleicht auch, was das für ein Anschluss ist und ob es da was für den Sony-e-Mount gibt.

Beste Grüße
Michael
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Kay Hoerster in Oktober 31, 2020, 18:05:19 NACHMITTAGS
Hallo Michael, der von Dir in Bild 2 gezeigte Fotoanschluss dürfte ein Exakta (Varex)-Bajonett sein. Für die Sony E-mount Kameras gibt's da sogar Adapter...also für den Anschluss einer Kamera sollte erstmal alles vorhanden sein. Viele Grüße Kay
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Gerd Schmahl in Oktober 31, 2020, 22:19:27 NACHMITTAGS
Hallo Michael und Kay,
ich weiß nicht, ob die EXAKTA und die SONY das gleiche Auflagemaß haben. Das müsste man prüfen um Perfokalität zu gewährleisten.
Bild 3 zeigt übrigens ein Meßschraubenokular. Das ist eine feine Sache zum exakten Vermessen von Objekten.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: beamish in Oktober 31, 2020, 23:35:32 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,
der Adapter Sony auf Exacta gleicht das Auflagemaß aus. Die spiegellosen haben ein so geringes Auflagemaß, daß man über entsprechende Adapter fast alles dranhänhen kann.
Grüsse
Martin
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in November 01, 2020, 01:56:11 VORMITTAG
Hallo an alle,

nach den vielen sehr hilfreichen Antworten habe ich das Mikroskop nun begonnen zu "verstehen". Habe alles vorsichtig gereinigt und Öl an die Stellen gemacht, wo es hingehört und dann ein bisschen gespielt. Erstes Objekt war einer der Scharniere an einem Holzkasten, da hat sich Grünspan (?) gebildet. Mit dem Projektiv 2,5:1 an der richtigen Stelle (vorher hatte ich es einfach als Okular genutzt) konnte ich dann auch mal die Kamera ohne Objektiv drüberhalten (im wahrsten Sinne des Wortes, ich habe ja noch keinen Adapter), und - naja, die Lampe geht ja auch noch nicht, also dient das Handy-Flashlight als Beleuchtung - ein paar erste Fotos machen.. siehe unten. Ist völlig verrauscht, weil ich das Foto per Hand gehalten gemacht habe und daher einen hohen ISO-Wert habe, es ist also noch viel Luft nach oben, aber ich freue mich trotzdem wie Bolle..

Bei dem ehemaligen Buchhändler habe ich das hier als Adapter gefunden, könnte das passen?

https://www.amazon.de/EBTOOLS-EXA-NEX-Manueller-Fokussieradapterring-Exakta-Objektiv-default/dp/B07MJX1VQ8/ref=sr_1_2_sspa?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=Exakta-Bajonett+e-mount&qid=1604191495&sr=8-2-spons&psc=1&spLa=ZW5jcnlwdGVkUXVhbGlmaWVyPUExVVJNS1NLOFNUVlBQJmVuY3J5cHRlZElkPUEwMTM2ODA1SzVUMFdMVU1STUM1JmVuY3J5cHRlZEFkSWQ9QTA2NTA2MTBFSDFFOTg3U000QVEmd2lkZ2V0TmFtZT1zcF9hdGYmYWN0aW9uPWNsaWNrUmVkaXJlY3QmZG9Ob3RMb2dDbGljaz10cnVl

(Ich hoffe, ich habe jetzt nicht gegen eine Forumsregel verstoßen, dass man keine links dahin setzt oder so.)

Vielen Dank nochmal und beste Grüße
Michael
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: othum in November 01, 2020, 08:59:01 VORMITTAG
Hallo Michae,

Du bist da in vielerlei Hinsicht auf dem richtigen Weg!

Bei dem Adapter möchte ich mich nucht zu weit aus dem Fenster lehnen, da ich nicht weiss, ob es da vielleicht noch feine Varianten gibt, aber grob gesagt ist das der richtige Adapter. Experten der Exa- oder Sony-Fraktion können das aber besser bestätigen.

Aber auch bei der Beleuchtung machst Du die richtigen Schritte. Die einfachste in Auflichtmikroskopen vorgesehene Auflichtbeleuchtung, das sogenannte "Auflicht-Hellfeld" (AL-HF), ist für Deine Zwecke kaum zu gebrauchen. Mir fällt ehrlicherweise kaum eine sinnvolle Anwendung für diese Technik ein. Sinn macht sie, wenn sie weiter entwickelt wird, zum Beispiel für die Polarisation, Fluoreszenz oder DIK. Dann sind aber immer zusätzliche Filter im Strahlengang, die das unterdrücken, was Du im normalen AL-HF fast ausschließlich siehst: Reflektion.

Du schreibst, dass Du auch eine Einrichtung für AL-Dunkelfeld hast, das macht es deutlich besser! Hast Du denn auch die passenden Objektive dazu? Dann fehlt Dir tatsächlich wohl nur die Lampe um loszulegen.

Wenn nicht, kann man sich für Deine Zwecke (Mikrofotografie) sehr gut mit externen Lichtquellen behelfen. Viele Foristen hier machen as so, unter "Mikrofoto-Forum" findest Du reichlich Beispiele, insbesondere von Insekten. Unser Mitforist Gerhard Zimmert (dessen Buch über Mikrofotografie ich sehr empfehlen kann, gerade als Einstieg!) nutzt zum Beispiel Kalteuchten mit Glasfaserleitungen. das ist sicher eine (ideale) Luxusvariante. Es geht aber auch mit bescheideneren Mitteln: Hier im Forum findest Du sehr oft die Verwendung von einfachen LED-Lampen/Strahlern aus dem schwedischen Möbelhaus. Drei davon rund um das Mikroskop platziert und Du hast für unter 50€ schon eine sehr ordentliche Beleuchtung. Andere benutzen LED-Ringlichter, der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Man kann da mit Haushaltsmitteln ganz viel basteln!
Ich selber benutze LED-Streifen und eine zugeschnittene Plexiglasröhre als Diffusor
(habe ich hier beschrieben: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=16976.msg273263#msg273263).

Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Spaß mit Deinem neuen Spielzeug! Wie Du siehst, kriegst Du hier auf fast alle Fragen kompetente Antwort.

Bete Grüße, Oliver
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Kay Hoerster in November 01, 2020, 09:25:22 VORMITTAG
Hallo Michael,

soweit ich sehen kann, ist es der passende Adapter. Du kannst aber auch bei ebay oder ebay kleinanzeigen unter den Suchworten 'exa nex' bzw. 'exa sony' einige Exemplare finden...das Exa-Bajonett mit seinem seitlichen Arretierhebel ist schon sehr charakteristisch und leicht zu identifizieren. Und ja, die Adapter sind so aufgebaut, dass sie, am Sony Kamerabody (mit E-mount, Auflagemass 18 mm)) angesetzt, dann das gleiche Auflagemass (Distanz der Objektiv-Anlagefläche am Kamerakörper bis zur Film-/Sensorebene) haben, wie die ursprüngliche Exakta Kamera (Auflagemass 44,7 mm). Es ist also 'nur' ein mechanischer Tubus mit frontseitigem (weiblichen) Exakta-Bajonett und kamerasetigem (männlichen) Sony E-mount von knapp 44,7 mm - 18 mm = 26,7 mm Länge (vereinfacht gesehen). Der optisch-mechanische Abgleich ist somit gegeben.

Viele Grüße
Kay
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Carsten Wieczorrek in November 01, 2020, 12:33:07 NACHMITTAGS
Hallo,

ich habe zwar viel Jena, aber das Epignost selber kenne ich nicht. Da es aber ein Auflichtmikroskop ist und in der Teilesammlung der AF-Dunkelfeld-Kondensor Nr. 8 dabei ist, wird es wohl auch Dunkelfeld können.

@Oliver
ZitatMir fällt ehrlicherweise kaum eine sinnvolle Anwendung für diese Technik ein. Sinn macht sie, wenn sie weiter entwickelt wird, zum Beispiel für die Polarisation, Fluoreszenz oder DIK. Dann sind aber immer zusätzliche Filter im Strahlengang, die das unterdrücken, was Du im normalen AL-HF fast ausschließlich siehst: Reflektion.
POL und DIK sind natürlich gut (oder Interphako  ;D), aber einfaches Auflicht geht auch sehr gut bei metallischen Objekten. Erinnere Dich an die hier gezeigten Chip-Fotos. Für Steine und biologische Objekte macht es natürlich keinen Sinn.

Schönen Sonntag
Carsten
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: othum in November 01, 2020, 12:50:29 NACHMITTAGS
Zitat von: Carsten Wieczorrek in November 01, 2020, 12:33:07 NACHMITTAGS
POL und DIK sind natürlich gut (oder Interphako  ;D), aber einfaches Auflicht geht auch sehr gut bei metallischen Objekten. Erinnere Dich an die hier gezeigten Chip-Fotos. Für Steine und biologische Objekte macht es natürlich keinen Sinn.

Hallo Carsten,

Ich gebe zu, dass das nicht meine Spezialität ist. Aber ich meine mich zu erinnern, dass auch Chips unter meinem Mikroskop in AL-DF oder AL-POL deutlich "interessanter " waren, als im HF. Aber da kann ich mich irren und es kann selbstverständlich auch andere sinnvolle Anwendungen geben, die ich nicht kenne.

Für Michas angedachte Anwendungen sind wir uns aber einig ;)

Beste Grüße, Oliver
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in November 01, 2020, 17:35:38 NACHMITTAGS
Hallo,

mit AL-HF, AL-DF und Polarisation komme ich noch mit, DIK habe ich bei Wikipedia gefunden als "Differentialinterferenzkontrast" und als noch zu weit weg von dem was ich verstehe abgelegt, aber Iphako ist mir zu hoch.

Ich habe eigentlich noch keine festen Mikroskopierabsichten. Bei der Makrophotographie sind es bislang Insekten und Blütenteile, daher werde ich wohl auch beim Mikroskopieren auf solche Objekte hinarbeiten. So richtig habe ich noch nicht verstanden, ob das Mikroskop dafür geeignet ist. Habe auch noch keine tote Fliege gefunden, die ich mal anschauen könnte. Aber mit "kreativer Beleuchtung" denke ich, auch das eine oder andere Objekt betrachten zu können. Wenn sich meine Interessen da genauer entwickelt haben oder ich von alleine auf eine Grenze stoße, werde ich mal wieder nachfragen, welches Mikroskop dafür gut geeignet ist. Es gibt da für mich viel zu lernen.

Für AL-DF sind eigentlich alle Teile da, für Polarisation fehlt wahrscheinlich der Polarisator und Analysator, so wie ich das oben verlinkte Dokument verstehe. Eine Anwendung wäre wohl wie in der Photographie, unerwünschte Reflexionen herauszufiltern.

Kann mir jemand einen Tip geben, wie ich die Teile auf dem Foto aus der Holzkiste bekomme, ohne etwas zu zerstören? Die sind recht festgebacken und einfaches Ziehen half bisher nichts.

Ansonsten besten Dank für das zahlreiche Interesse und die Hilfe.
Grüße - Michael
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Carsten Wieczorrek in November 01, 2020, 19:19:49 NACHMITTAGS
Hallo Micha,

bei Polarisation arbeiten die meisten (oder doch viele) Hobbymikroskopiker mit Pol-Folien. Die Kosten fast nix. Eine wird auf die Lichtaustrittsöffnung gelegt, für die andere findet sich meist (geräteabhängig) ein Ort, notfalls auf die Feldblende des Okulars. Solange man nichts kristallographisches messen möchte, sollte das langen.

Grüße
Carsten
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: othum in November 01, 2020, 19:53:03 NACHMITTAGS
Zitat von: micha.a in November 01, 2020, 17:35:38 NACHMITTAGS

Für AL-DF sind eigentlich alle Teile da, für Polarisation fehlt wahrscheinlich der Polarisator und Analysator, so wie ich das oben verlinkte Dokument verstehe. Eine Anwendung wäre wohl wie in der Photographie, unerwünschte Reflexionen herauszufiltern.

Hallo Michael,

meist nutzt man in der Pol-Mikroskopie gekreuzte Polfilter, was in der klassischen Fotografie normalerweise eine total Auslöschung bewirken sollte. Wenn nun aber ein Polfilter vor der Probe liegt und ein zweiter Polfilter gekreuzt nach der Probe ("vor" und "nach" bezieht sich auf den Strahlengang) gibt es durchaus interessante Objekte, die trotzdem ein Bild erzeugen, zB Kristalle, die selber die Eigenschaft haben, das Licht zu drehen.

"Polarisator" und "Analysator" ist richtig, klingt aber hochtrabender als es für (qulitative Hobby-)Anwendungen sein muss. Vorhandene Polfilter aus dem Fotografiebereich oder günstige Polfilterfolie reichen vollkommen. Meistens ist etwas Kreativität gefragt, die Dinger im Strahlengang zu platzieren ;)

Beste Grüße, Oliver
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Gerd Schmahl in November 01, 2020, 21:23:57 NACHMITTAGS
Hallo Michael,
der Hohlspiegelkondensor "8" gehört nur zum Triplat 5,5/0,10 Hier die Zuordnung der Hohlspiegelk.
8   - Triplet 5,5x/0,10
9   - Apochromat 15x/0,30
10 - Apochromat 32x/0,65
11 - Planachromat 4x/0,10
     - Planachromat 6,3x/0,12
12 - Planachromat 10x/0,20
     - Planachromat 25x/0,50
     - Planachromat 50x/0,80
Alle Objektive für Auflicht sind Unendlich-Objektive.
An Deinem Gerät dürften allerdings Objektive größer 15x auf Grund des fehlenden Feintriebes nicht mehr so richtig Freude bereiten.
Ich weiß ja nicht, welche Objektive Du noch im Kasten hast. Wenn Du Dir zusätzliche Hohlspiegelkondensoren besorgen willst, ist es egal, ob sie schwarz oder grau lackiert sind, auch wenn die schwarzen natürlich ästhetisch besser zu Deinem Gerät passen würden.
Was bekommst Du denn nicht aus dem Kasten? Den Mattglaseinsatz, den Du noch einmal extra fotografiert hast? Ich würde ganz vorsichtig quer zum Einsatz ruckeln, damit das Glas nicht verbogen und zerbrochen werden kann. Da kann man vielleicht auch mal ganz vorsichtig klopfen. Eventuell macht auch ein Kriechöl Sinn (z.B. Ballistol), das man 1..2 Tage einwirken läßt, hinterher aber wieder mit Waschbenzin abwäscht.

Hallo Oliver,
bei den Zeiss-Jena-Geräten aus dieser Epoche wurden keine speziellen DF-Objektive gebaut, sonder passende Hohlspiegelkondensoren dazu geliefert, um Dunkelfeld realisieren zu können.

Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: othum in November 01, 2020, 22:29:32 NACHMITTAGS
Zitat von: plaenerdd in November 01, 2020, 21:23:57 NACHMITTAGS
Hallo Oliver,
bei den Zeiss-Jena-Geräten aus dieser Epoche wurden keine speziellen DF-Objektive gebaut, sonder passende Hohlspiegelkondensoren dazu geliefert, um Dunkelfeld realisieren zu können.

Beste Grüße
Gerd

Hallo Gerd,

das ist interessant. Hast Du einen Link zu Hand, wo erklärt wird, wie das optisch funktioniert? Ich kenne nur das Prinzip der Zeiss (W) HD Objektive...

Beste Grüße, Oliver
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in November 02, 2020, 01:01:05 VORMITTAG
Hallo Gerd,

ja, das sind alles noch böhmische Dörfer für mich, Planachromat, Apochromat usw. Aber vielen Dank für die Auflistung. Ich habe nur das Objektiv 5,5/0,10 und das Trumm mit der 8 darauf. Da ist schon ein Objektiv drin und damit wird DF gemacht. Das ist aber noch nicht so berauschend, weil ich da immer mit meinem Handylicht herumfummele und es mal auf Anhieb und dann wieder garnicht klappt, etwas zu sehen. Die Lampe und ein Trafo sind bestellt, mal sehen, wie es dann wird. Am einfachsten ist es tatsächlich mit ebenen metallischen Flächen, da sieht man im DF recht gut Strukturen, während man mit dem HF hauptsächlich vom Licht geblendet wird. Warum diese beiden Objektive aber zusammengehören, verstehe ich nicht. Es ist jedenfalls nicht so, dass man mit dem "normalen" Objektiv 5,5x erstmal grob einstellt und dann nur das DF-Objektiv, den DF-Einhänger und den Prismeneinsatz tauscht und schon sieht man hübsch Dunkelfeld. Jedenfalls würde ich das vermuten, wenn du schreibst, dass die zusammengehören.

Mit dem fehlenden Feintrieb gebe ich dir sehr recht. Fast noch anstrengender und ermüdender ist, dass da kein Objekt-Halter, Kreuztisch oder sonstwas dabei ist. Da ist das Ausrichten der Objekte doch eine Tortur. Gibt es vielleicht eine Art Nachrüst-Universal-Kreuztisch, den man da irgendwie befestigen kann?

Seit ich gereinigt und vorsichtig geölt habe, "hoppelt" die ganze Apparatur manchmal beim Absenken. An dem einen Teil des Schneckengewindes fehlte eine Schraube, die habe ich nachrüsten können, aber davon ist es nicht besser geworden, wie ich zunächst gehofft hatte. Gibt es da einen Tip? Ich hoffe, es ist nicht durch jahrelangen falschen Gebrauch mechanisch ausgeleiert..

Ich will mir erstmal keine weiteren Spezialobjektive zulegen. Ich denke über ein weiteres Objektiv so bis 20x nach, in der Beschreibung steht, dass die Bauart eine höhere Vergrößerung als 320x nicht erlaubt (daher auch der fehlende Feintrieb), und mit dem 15x okular komme ich da auf max. 21,33x für ein Objektiv. Ich werde aber deinen Hinweis im Hinterkopf behalten, dass mehr als 15x keine Freude bereiten wird. Gerade ist bei ebay ein 8x für 19€ zu haben, das werde ich mir vielleicht holen. Oder ist bei dem Preis zu erwarten, dass es hinüber ist?

Was ich auch noch nicht verstanden habe, was die 0,65 zu bedeuten hat. In der Beschreibung steht:
"Das ,,Epignost" enthält eine fest- eingebaute Tubuslinse, die zusammen mit dem Okular ein Fernrohr bildet und für  die  Berechnung  der  Gesamtvergrößerung  den  Faktor  0,63  ergibt." Das hieße, dass ich für die Gesamtvergrößerung mit 5,5-Objektiv und 15-Okular 5,5 x 15 x 0,65 = 53,6 rechnen muss, oder? Dann wäre bei einem 15x-Okular aber sogar ein 32x-Objektiv möglich, bei dem 7x-Okular rechnerisch sogar ein 70x. Wo liege ich gerade falsch, wenn du abrätst, mehr als 15fach-Objektive zu benutzen?

@Gerd: In der Beschreibung (https://www.mikroskop-online.de/Mikroskop%20BDA/30-677-1.CZ%20%20EPIGNOST.pdf) zu diesem Mikroskop gibt es auf Seite 8 eine schematische Darstellung mit dem Hohlspiegelkondensor. Wenn du willst, kann ich die einzelnen Teile auch noch einmal genauer fotografieren.

Beste Grüße an alle und eine gute Woche wünscht
Michael

Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Gerd Schmahl in November 02, 2020, 18:07:20 NACHMITTAGS
Hallo Mischa,
Es ist richtig, dass Du den Faktor 0,63 mit multiplizieren musst.
Was den "geringen Spaß mit den hoch vergrößernen Objketiven" angeht habe ich mich etwas ungenau ausgedrückt. Eigentlich ist die numerische Apertur (n.A.) entscheidend. Das ist die zweite Zahl nach der Vergrößerung. Sie liegt bei diesen Trockensystemen immer unter 1. Je mehr sie sich der "1" nähert, desto kleiner wird die Schärfentiefe. Du siehst dann also einen immer kleineren Bereich in der Tiefe scharf. Um diesen exakt ansteuern zu können, benötigst Du eine möglichst feinfühlige Mechanik, sonst bist Du immer gleich wieder am Ziel vorbei. Die Vergrößerung und die n.A. hängen nicht exakt zusammen. Auch die Konstruktion der Objektive spielt mit hinein. So haben die beiden Apochromate (die besser fablich korrigiert sind) eine im Verhältnis zu Vergrößerung recht hohe Apertur und damit geringe Tiefenschärfe. Die n.A. ist aber nicht nur für die Tiefenschäfe verantwortlich, sonden auch für das Auflösungsvermögen (die Fähigkeit zwei nahe beieinander liegende Punkte getrennt darstellen zu können. Das Auflösungsvermögen wächst mit der n.A.

ZitatIch habe nur das Objektiv 5,5/0,10 und das Trumm mit der 8 darauf. Da ist schon ein Objektiv drin und damit wird DF gemacht

Der "Trum" sollte sich einfach abschrauben lassen und das Objektiv, das da drin ist auch, so dass zum Schluß 3 Teile vor Dir liegen: Der Objektivschlitten, das Objektiv und der Hohlspiegelkondensor mit der "8" drauf. Mich würde interessieren, welches Objektiv da drin steckt. Der Kondensor gehört jedenfalls zum 5,5/0,10 Den kannst Du da einfach draufschrauben (auf das äußere Gewinde des Schlittens).

Ansonsten bin ich mir nicht ganz sicher, ob Du nicht gelegentlich Objektiv und Okular verwechselst
ZitatGerade ist bei ebay ein 8x für 19€ zu haben, das werde ich mir vielleicht holen
Meinst Du damit ein Objektiv oder ein Okular? Ein 8x Auflichtobjektiv, das zu Deinem Gerät passen könnte ist mir nicht bekannt. Es gibt 8/0,10-Objektive für Durchlicht, aber die sind nicht unendlich korrigiert, sondern für 160mm. Die haben auch ein anderes Gewinde (RMS) und passen deshalb nicht in Deinen Objektivschlitten.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in November 02, 2020, 20:53:14 NACHMITTAGS
Hallo Carsten und Oliver,

danke für die Tips wegen POL. Ich bin gerade noch am Sortieren, wie das Gerät eigentlich funktioniert, habe aber auch schon mal einen Polfilter von meiner Kamera einfach aufs Objekt gelegt. Bin aber noch von den vielen Neuigkeiten zu vollgestopft, als dass ich jetzt noch wüsste, was ich dabei gesehen habe. Aber schön zu wissen, dass auch da Basteleien und Kreativität weiterhelfen und es noch jede Menge zu entdecken gibt.

Beste Grüße
Michael
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in November 02, 2020, 21:34:44 NACHMITTAGS
Hallo Gerd,

das Trumm habe ich aufgeschraubt (hatte ich vorher garnicht probiert) und da kam ein Apochromat 15x / 0,30 / unendlich zum Vorschein.

Ich habe also folgende Objektive:
5,5x / 0,10
15x / 0,30 / unendlich

dann habe ich diese Okulare:
7x
15x e

und dann noch diese Projektive:
K 2,5:1
K 4:1
K 6,3:1

unten sind noch einmal Bilder dazu.

Objektiv und Okular kann ich schon noch auseinanderhalten, Projektiv kannte ich noch nicht, jetzt aber schon. Das Objektiv bei ebay ist dieses hier:
https://www.ebay.de/itm/Carl-Zeiss-Jena-Mikroskop-Objektiv-8x-0-20-RMS-mit-Dose/274554613666?hash=item3fecbaefa2:g:k8QAAOSwW~hfmvli

darauf steht 8x / 0,20 und das Gewinde sieht so aus, als ob es passen würde. Ah, jetzt sehe ich, dass du geschrieben hast: RMS-Gewinde passt bei mir nicht. Danke, Lehrgeld gespart. Gibt es eine Bezeichnung für das Gewinde oder ein anderes eindeutiges Merkmal, woran ich sehe, welches Objektiv bei mir passt?

Mein Vater hat mir aus seinem metallurgischen Lehrbuch aus den 50ern auch die Berechnung der Okulare aus der numerischen Apertur herausgesucht. Also n.A x 1000 / Obj.-Vergrößerung ergibt maximal sinnvoll einsetzbares Okular, danach wird es zwar größer, aber nicht schärfer, das Ganze mit Faktor 500 ergibt minimales Okular. Bitte korrigiert mich umgehend, wenn ich das falsch behalten habe. Zur Zeit stöbere ich auch in der Mikro-Fibel, da las ich heute, dass bei moderneren Objektiven der Faktor auch größer als 1000 sein kann. Tiefenschärfe/Schärfentiefe nimmt ab bei wachsender n.A. ist jetzt auch gespeichert. Mal sehen, was noch so dazukommt..

Werde morgen anrufen, heute schaffe ich es nicht mehr..

Viele Grüße
Michael


Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in November 02, 2020, 21:53:19 NACHMITTAGS
Oha, habe jetzt das 5,5 Objektiv mit dem 8er Hohlspiegelkondenser zusammengbracht und plötzlich macht Dunkelfeld Spaß!
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Kay Hoerster in November 03, 2020, 07:19:57 VORMITTAG
Hallo Michael,

das 15x / 0,30 Apo ist doch schon ein feines Teil...wenn Du weitere Objektive suchst, müssen diese mit M19 Gewinde (also metrisches Gewinde) versehen sein. Das ist das Gewinde, welches Zeiss Jena bei den unendlich-Objektiven bis zur Einführung der CF250 Reihe verwendet hat. Mit der CF250-Reihe kamen Objektive mit M25 und M30 Gewinde, diese sind auch nicht mehr kompatibel zu Deinem Mikroskop...

Die Zeiss Jena Objektive für normale Durchlicht-Mikroskope mit Tubuslänge 160mm haben RMS Gewinde, ebenso nahezu alle Objektive der renomierten Hersteller für Mikroskope (Leitz, Zeiss West, Olympus...) mit endlicher Tubuslänge (also 160 bzw. 170mm). Das RMS Gewinde ist ein Zoll-Gewinde mit der Bezeichnung W0,8x36, also Durchmesser 0,8 Zoll (ca. 20,3 mm) und 36 Gang pro Zoll (~0,71 mm Steigung) und wird daher nicht zu Deinem Mikroskop passen.

Viele Grüße
Kay
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Gerd Schmahl in November 03, 2020, 14:31:25 NACHMITTAGS
Hallo Mischa,
das 15er Apo ist mein Lieblings-Auflichtobjektiv am VERTIVAL. Da brauchst Du nur den passenden Hohlspiegelkondensor dazu, dann macht auch damit das DF Freude. Dazu brauchst Du aber schon ordentliches Licht. Bei der Objektivsuche orientierst Du Dich am besten an der in #17 gegebenen Liste. Es gibt nicht mehr sehr viele weitere Auflichtobjektive, die an Dein Gerät passen und wenn dass sind es höhere Vergrößerungen (z.B. ein 63er Apo), die aus den genannten Gründen keine Freude mehr machen.
Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: micha.a in November 03, 2020, 23:49:12 NACHMITTAGS
Danke Kay! Gewinde M19 also, da kann ich mich auf die Suche begeben. Grüße - Michael
Titel: Re: Dachboden-Fund
Beitrag von: Gereon in November 04, 2020, 10:52:01 VORMITTAG
Hallo Michael,
da Du dich in der Makrofotografie auskennst, hilft es vielleicht zu wissen, dass die numerische Appertur (n.A.) der Blendenöffnung bei klassischen Fotoobjektiven entspricht. Hier gilt jedoch: je höher die n. A. desto größer die "Blendenöffnung", desto geringer die Schärfentiefe und desto höher die "Lichtstärke", in Bezug auf die Zahlenwerte verhält es sich also genau umgekehrt.
MfG Gereon