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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Erich T. in Juni 30, 2021, 14:09:56 NACHMITTAGS

Titel: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Erich T. in Juni 30, 2021, 14:09:56 NACHMITTAGS
Liebes Forum,
seit kurzer Zeit bin ich, dank eines Forummitgliedes, stolzer Besitzer eines Jung Rotationsmikrotoms. Noch hatte ich keine Zeit mich näher damit zu befassen, kann es aber kaum erwarten.
Um möglichst schonungsvoll damit umzugehen, bitte ich um Hilfe zu folgenden Fragen:

1. Die angegebene Schmieranleitung: welches Öl sollte verwendet werden für Gleitbahnen und Schmiernippel. Gibt es dafür Vorgaben, Empfehlungen, Erfahrungen,..

2. Kann miir jemand Unterlagen über dieses Gerät zur Verfügung stellen (Prospekte, Gebrauchsanleitungen, etc.)

Bild 1:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/305696_36038289.jpg)

Bild 2:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/305696_55909147.jpg)

Bild 3:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/305696_33420276.jpg)

Bild 4:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/305696_32347029.jpg)

Bild 5:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/305696_22687807.jpg)

Bild 6:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures012/305696_2863675.jpg)

Ich bin dankbar für alle Tipps und Hinweise,
vielen Dank und liebe Grüße
Erich
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Hugo Halfmann in Juni 30, 2021, 16:49:06 NACHMITTAGS
Hallo Erich,

zum Schmieren würde ich ein nicht allzu dünnflüssiges Öl nehmen, zur Not geht aber auch das Motorenöl vom Auto. Ich habe mit Waffenöl von Pressol gute Erfahrungen gemacht.
Frag mal bei Leica Biosystems (ehem. Jung) in Nussloch an, wahrscheinlich haben die noch die BDA als pdf-Datei.
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Erich T. in Juni 30, 2021, 17:20:40 NACHMITTAGS
Hallo Hugo,
vielen Dank für deine Antwort. Dann ist die Art des verwendeten Schmiermittels also  nicht so kritisch als ich dachte. Bei der Firma Leica Biosystems werde ich mal anfragen.

Nochmals danke und liebe Grüße
Erich
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Rawfoto in Juni 30, 2021, 17:39:20 NACHMITTAGS
Hallo Erich

Ich verwende Haftöl säurefrei bei einem neueren Leitz Mikrotom, alles andere verflüchtigt sich zu schnell. Im Sommer verflüchtigt sich dünnflüssiges Öl ohne Verwendung ...

Liebe Grüße

Gerhard
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: mlippert in Juni 30, 2021, 17:53:01 NACHMITTAGS
Zur Schmierung würde ich irgendein modernes, nichtverharzendes Universalöl höherer Konsistenz nehmen. Motorenöl könnte gehen, ist aber evtl. etwas stinkig. Aufpassen sollte man mit Sachen wie Ballistol/Waffenöl oder WD40, die keine Öle im eigentlichen Sinne sind, sondern entweder Seifen oder flüchtige Stoffe enthalten. Für mein Schlittenmikrotom bin ich auf Fin Super Teflonspray umgestiegen. Das gab es früher noch nicht, schlägt aber das Original Jung Schlittenbahnöl um Welten! Solange aber noch nichts verharzt ist, klebt oder trocken ist, würde ich erstmal gar nichts ölen! Denn Öl zieht Dreck an und Dreck ist der Feind von Präzisionsmechanik.
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Peter G. in Juni 30, 2021, 18:07:02 NACHMITTAGS
Hallo Erich,

an Stellen, an denen Gleitreibung auftritt und an denen vor Korrosion geschützt werden muss und wo Verschmutzungen gelöst weren sollen benutze ich ein Waffenöl, das nicht verhartzt und zwar:
Tataaa!: Ballistol Gunex Waffenöl.
Heißt zwar auch Ballistol, ist aber keins. Ich verwende es sogar für meine Flinten, mit denen ich sportlich Wurftauben schieße und zwar an allen Waffenteilen. Löst den ganzen Pulverschmodder aus den Läufen, schmiert hervorragend und bleibt auch auf den Gleitflächen stehen. Der Rostschutz ist super! Und ist preiswert ist es noch dazu.

Und ganz nebenbei: Für mein Jung HN40 verwende ich es auch an den Gleitbahnen usw...

Grüße,
Peter G.

Provisorisch: Ich stehe nicht in geschäftlichen Verbindungen zur Firma Ballistol. :)
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Bob in Juni 30, 2021, 18:51:07 NACHMITTAGS
Hallo Erich,
um Dir die Entscheidung nicht zu einfach zu machen auch noch meine Sicht auf die Dinge: So ein Mikrotom kann man eigentlich nicht zu viel ölen, denn das Öl schmier nicht nur, es löst auch Schmutz und spült ihn und den Abrieb raus. Deshalb sollte man auch mit Fett vorsichtig sein, es hat diese spülende Wirkung nicht und man bekommt mit der Zeit ein "Fettopfer" mit stark erhöhtem Verschleiß.
Bei so einem uralten Stück ist es sicherlich nicht verkehrt zuerst viel mit relativ dünnflüssigem Öl zu schmieren um den alten Schmieranzelkram rauszuspülen. Für die senkrechten Führungen würde ich 220er Gleitbahnöl verwenden, das läuft nicht so schnell runter.
Das Fin Super Spray hatte ich mal auf eine Empfehlung im Forum gekauft und es ist für manche speziellen Anwendungen wirklich prima, nicht aber für mein Grundschlittenmikrotom. Ich halte es eher für überbewertet.

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Erich T. in Juni 30, 2021, 19:26:53 NACHMITTAGS
Hallo Bob,
dein Tipp mit dem Gleitbahnöl klingt sehr plausibel. Es sollte doch auch nichts dagegen sprechen, dieses auch für die, durch die Schmiernippel zu schmierenden Wellen zu verwenden, oder sehe ich das falsch.

Liebe Grüße
Erich
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: jako_66 in Juni 30, 2021, 19:59:28 NACHMITTAGS
Hallo Erich,

habe auch so ein Teil, aber aus der ersten Reihe dieses Modells. Mit etwas Fin Super fülle ich nur das kleine Vorratsgefäß Bild 4, sonst nichts.
Gleitbahnen habe ich nicht gefunden. Innen sind bei mir Getriebestangen, die ich nur einmal zu Beginn gereinigt & neu mit einem Osim-Haftfett vorsorgt habe.

Viele Grüße

Sven
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Bob in Juni 30, 2021, 20:18:02 NACHMITTAGS
Das 220er Gleitbahnöl GLP 220 ist schon sirupartig zäh durch den Haftzusatz. Für Wellenlagerungen würde ich ein dünnflüssigeres Öl nehmen, am Anfang z.B Nähmaschinenöl, später könnte es etwas zäher sein, z. B. 68er Hydrauliköl oder Rasenmäheröl. Der Schmierspalt ist ja sehr eng bei den Wellen. Das gibt es bei ebay jeweils für ca. 10€ pro Liter, und für den Teil den man nicht fürs Mikrotom braucht findet man auch Verwendung.
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Erich T. in Juni 30, 2021, 20:33:29 NACHMITTAGS
Hallo Sven,
bei mir sind eindeutig Gleitbahnen vorhanden (siehe letztes Foto). Es handelt sich offenbar um ein anderes Modell.

Hallo Bob,
das Starten mit dem Nähmaschinenöl werde ich auf jeden Fall machen.

Ich habe jetzt meinen Schmierplan festgelegt. Falls nicht schwerwiegende Einsprüche kommen, sieht er so aus:

Gleitbahnen: Gleitbahnöl GLP 220
Wellen:          Für die ersten Wochen: Nähmaschinenöl
                      Danach: 68er Hydrauliköl

Mal sehen, ob sich die Firma Leica noch auf meine Anfrage meldet, vielleicht erfolgt dann noch eine Anpassung. Ich glaube aber, dass der jetzige Plan sehr brauchbar ist. Er kann ja nach einiger Zeit den Bedürfnissen angepasst werden.

Nochmals Danke an alle.
liebe Grüße
Erich
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Hugo Halfmann in Juli 01, 2021, 17:08:58 NACHMITTAGS
Nur noch eine Anmerkung zu Gunnex von Ballistol:

Das löst natürlich wunderbar Pulver und Geschossrückstände wie Blei und Kupferabrieb im Lauf.
Allerdings evtl genau so gut Nickel und Chromschichten am Mikrotom, die besser bleiben wo sie sind. Es ist eben kein Maschinenöl.
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Klaus Schloter in Juli 01, 2021, 18:08:00 NACHMITTAGS
Hallo,

für Rotationsmikrotom, Drehbank, und Ständerbohmaschine nehme ich Shell Tellus 32.
Das Öl ist nicht zu dickflüssig aber auch nicht zu dünnflüssig .
Ich kaufe es vom Fass bei einem Mineraölhändler.

Schönen Abend
Klaus
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Bob in Juli 01, 2021, 18:13:49 NACHMITTAGS
Hallo Hugo,
nach der Beschreibung sollte es an Metallteilen keinen Schaden anrichten und alten Dreck löst es vielleicht sogar sehr gut. Für eine schlichte Schmieraufgabe würde ich aber lieber ein ebenso schlichtes Öl verwenden.


Was man bei solchen Schmierstofffragen aber immer bedenken muss: Es gibt viele brauchbare Methoden und sehr wenig echte 1:1 Langzeitvergleiche. Somit ist es zu einem gewissen Grad immer eine Glaubensfrage. In manchen Foren geraten sie bei solchen Themen regelmäßig und unausweichlich ins Streiten!😂

Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Peter G. in Juli 01, 2021, 18:38:45 NACHMITTAGS
Zitat von: Hugo Halfmann in Juli 01, 2021, 17:08:58 NACHMITTAGS
Nur noch eine Anmerkung zu Gunnex von Ballistol:

Das löst natürlich wunderbar Pulver und Geschossrückstände wie Blei und Kupferabrieb im Lauf.
Allerdings evtl genau so gut Nickel und Chromschichten am Mikrotom, die besser bleiben wo sie sind. Es ist eben kein Maschinenöl.

Lieber Hugo,
ich habe doch ausdrücklich geschrieben, dass es sich bei Ballistiol Gunex nicht um das allseits bekannte "Ballistol" handelt! Das "normale" Ballistol habe ich vor vielen Jahren längst entsorgt. Gunex kommt allerdings auch von der Firma Ballistol.
Ja, Gunex löst Tombakrückstände (gibt dafür aber viel besseres), aber nicht chemisch sondern durch unterkriechen, sodass sie mechanisch entfernt werden können.

Grüße,
Peter G.
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Hugo Halfmann in Juli 01, 2021, 21:14:00 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

die "mechanische Entfernung" macht mich jetzt nicht weniger skeptisch. Das Zeug dient der Reinigung und Konservierung, nicht der Schmierung.
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Erich T. in Juli 01, 2021, 21:28:54 NACHMITTAGS
Ich hoffe, durch meine naive Anfrage keinen Streit ausgelöst zu haben. Bob hat sicher recht, wenn er schreibt, dass es viele brauchbare Methoden gibt. Die unterschiedlichen positiven Erfahrungen, mit verschiedenen Schmiermitteln zeigen, dass es nicht die eine , richtige, beste Lösung gibt. Für mich ist es wichtig die verschiedenen Möglichkeiten und Meinungen zu diesem Thema kennenzulernen, um mir meine eigene Meinung bilden zu können. Das hat mir diese Diskussion ermöglicht. Letztlich bleibt ohnehin nur das Probieren.
Liebe Grüße
Erich
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Peter G. in Juli 01, 2021, 23:26:43 NACHMITTAGS
Hallo Hugo:

https://www.ballistol-shop.de/Universal-Oele/Gunex-Universal-Oel_B_S_38_51.html

Und es ist tatsächlich so: Jeder kann schmieren, was und womit er will, Hauptsache, es schmiert.
Aber: Das "Zeug" schmiert tatsächlich. Bei hohen Gleitgeschwindigkeiten und bei hohen Drücken. Und lang anhaltend.

Ich wollte keine Reklame für das Zeug machen, sondern nur ein Schmiermittel nennen, mit dem ich selbst zufrieden bin. Nichts weiter. Du musst es ja nicht nehmen... Aber ich könnte Dir gerne was abfüllen aus meinem Kanister zum ausprobieren. Als kleines Friedensfläschchen sozusagen.

Gruß,
Peter

Übrigens: Mechanische Reinigung bedeutet schrubben mit einer Bronzebürste





Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Erich T. in Juli 02, 2021, 10:55:04 VORMITTAG
Hallo Peter,
mit meiner Anfrage wollte ich ja genau das erreichen: die verschiedenen Erfahrungen der Mitglieder mit Schmiermitteln. Deshalb habe ich auch deinen Beitrag sehr interessant gefunden.
Aus der Beschreibung in dem von dir geschickten Link, geht für mich der Unterschied zum herkömmlichen Ballistol nicht ganz hervor. Ist es wirklich etwas völlig anderes? Das Ballistol Universalöl habe ich und verwende es auch für verschiedene Zwecke.
Auf dein nettes Angebot einer Probe komme ich gerne zurück, wenn ich mit den Schmiermittel die ich bereits habe, nicht zufrieden bin.

Liebe Grüße
Erich
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Peter Reil in Juli 02, 2021, 18:02:13 NACHMITTAGS
Hallo,

ich habe mein Jung Rotationsmikrotom mit Nähmaschinenöl, Fahrradöl, synthetischem Öl für Haarschneider und synthetischem Öl aus dem Tischkickerbedarf einige Jahre betrieben.

Es hat alles gut funktioniert, die Unterschiede empfand ich als marginal, das Mikrotom hat immer zu meiner Zufriedenheit funktioniert.  ;D

Gruß
Peter
Titel: Re: Jung Rotationsmikrotom
Beitrag von: Erich T. in Juli 02, 2021, 19:42:43 NACHMITTAGS
Hallo Peter,
Inzwischen scheint mir die Art der Ölung nicht so entscheidend zu sein. Ich könnte mir vorstellen, dass lange Standzeiten, ohne Benutzung und damit auch ohne Schmierung, das größere Problem sind.
Meine Anfrage bei der Firma Leica hat leider ergeben, dass das Gerät zu alt ist und sie keine Unterlagen oder Informationen drüber haben. Nicht einmal eine genauere Bezeichnung des Mikrotoms konnte ich eruieren.
Die Hilfe aus dem Forum ist für mich also die einzige Informationsquelle. Wieder einmal zeigt sich für mich die große Bedeutung, Wert und die Hiilfsbereitschaft dieses Forums.
Liebe Grüße
Erich