Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Safari in Dezember 29, 2010, 22:35:51 NACHMITTAGS

Titel: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Safari in Dezember 29, 2010, 22:35:51 NACHMITTAGS
Als grundlegende Änderung sehe ich die Umstellung von endlicher auf unendliche Optik. Dazu hat sich bei der Beleuchtung durch Halogen und LEDs einiges geändert. Nur welche praktischen Auswirkungen hat das für mich?

Ich bin ein Amateur und möchte etwas Tümpeln, ein paar Pflanzenschnitte anschauen und vielleicht auch mal Bakterien anschauen. All das ging vor 20 Jahren auch schon, was ist jetzt dabei besser?

Und welche von den Verbesserungen kann man inzwischen recht leicht selbst nachrüsten? LEDs und Halogenlampen sind problemlos verfügbar. Kameras mit HDMI Ausgang erlauben es das Bild auf riesen Monitoren zu zeigen. Was ist also mit den neuen Mikroskopen besser geworden und was nützt mir das als Amateur?



Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 29, 2010, 22:41:55 NACHMITTAGS
Hallo!

ZitatAll das ging vor 20 Jahren auch schon, was ist jetzt dabei besser?

Im Prinzip....NICHTS!!!!

Es gibt für den Amateur keinen wirklichen Grund, ein aktuelles Unedlich-System zu erwerben. Punkt.
Ausser, man möchte unbedingt etwas Neues und hat das nötige Großgeld.

Selbst die LED ist nicht unbedingt ein Fortschritt. Sie hat Vor-, aber auch Nachteile.

Die meisten TOP-Fotos, die hier immer wieder gezeigt werden, wurden mit über 20 Jahre alten Endlichsystemen angefertigt.

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Herne in Dezember 29, 2010, 23:41:51 NACHMITTAGS
Hallo!
Peter hat recht! Die letzte große Verbesserung bei den Lichtmikroskopen war die Einführung der optischen Kontrastierungsverfahren wie Phako oder DIC. Und das ist schon ein wenig länger her ...
Ich pröble gerne herum und habe ein paar alte Apos getestet. Ein Leitz 1/12 Oel z.B. Außer der unvollkommenen Bildfeldebnung hat es exzellente Abbildungsleistungen; ein ebenes Feld benötigt man nur beim fotografieren. Für Arbeiten im Dunkelfeld ist meines sogar abblendbar! Gibt es so was heute überhaupt noch?
Nachrüsten muss man eigentlich nichts, die technische Qualität eines Mikroskopes wie dem Zeiss Standard GFL oder dem Ortholux 1 ist sogar besser als alles, was heute so gebaut wird. Es wäre spannend zu sehen, was von den rezenten Mikroskopen in 50 - 60 Jahren noch brauchbar ist. Bei den eben erwähnten, die ja ein solches Alter haben, zeigt sich allgemein noch volle Alltagstauglichkeit. Die hochqualifizierten Optiken aus jüngerer Vergangenheit zeigen schon fatal oft eine Neigung zur Selbstzerlegung...

Mit freundlichem Gruß
Herbert
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 30, 2010, 00:59:38 VORMITTAG
Es ist genauso wie mit den Autos, da hat sich auch nichts geändert, zumindest dann nicht wenn man nur in der Stadt unterwegs ist. Ok, auf der Autobahn oder der Nordschleife, bei Minusgraden oder bei der Störanfälligkeit, aber sonst. Borgwards Isabella wäre heute noch wettbewerbsfähig, in jedem Fall.
Und die paar Kleinigkeiten wie gerissene Keilriemen und verbrannte Zündkerzen, die haben uns wenigstens fitt gehalten, also was soll der neumodische Kram.

Freunde, es kommt auf die Ansprüche an und die hängen wohl oft vom Alter ab, weil früher war ja sowieso .....
Welches System läßt sich denn so locker mit verschiedensten Kamerasysteme bestücken als ein modernes Zeiss?
Wo finde ich so viele Objektivtypen passend zur Anwendung.
Auflösung, Randschärfe, da gibt es keinen Fortschritt zu vermelden?
neue Kontrastverfahren, eine Vielzahl an Filtersystemen und die Erweiterung der nutzbaren Wellenlängen, auch und gerade bei fototauglichen Planoptiken.
Alles nichts?

Der Fortschritt der modernen Lichtmikroskopie muß ja auch bezahlt werden und da sucht man sich nicht zuerst den genügsamen Amateur sondern den zahlungskräftigen Anwender aus.
Schon mal erlebt, was man mit dem Imager und Apotome machen kann?
Was Observer mit diskreten Beleuchtungssystemen im Bereich 850-900nm uns aus der arbeitenden Zelle zeigen? Alternativ auch bei 1100-1125nm mit Quarzoptik?
Zeiss Colibri? gab es schon?
Tiefgekühlte CCD-Sensoren mit einer Dynamik > 16 bit? Alles schon dagewesen?
Messtische, Auflösung < 0,1 nm
Piezohubtische ...
Schon mal an einem Discovery.V20 gesessen? gab es schon immer?

Leben wir denn in so verschiedenen Welten?

Ich glaube nicht, dass die rasend schnell aufholenden Asiaten ähnlich denken, wo bleibt der Fortschritt, ich sehe ihn nicht. Sie sehen und nutzen Ihn.
Nicht polemisch, sondern ernst gemeint.

Werner Jülich




Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Robert Götz in Dezember 30, 2010, 08:04:09 VORMITTAG
Wer einmal wirklich gute Fotos sehen will, der sollte sich das Büchlein "Mikroskopieren als Hobby" von Frieder Sauer aus der Reihe
Kosmos-Bibliothek besorgen. Erschienen Stuttgart 1980. Bessere Fotos als mit der dort verwendeten 30 Jahre alten Technik bekommt ein Amateur auch
heute nicht hin.
Was Herr Jülich schreibt, ist zweifellos richtig, gilt aber wohl mehr für den professionellen Bereich. Entscheidend ist nicht nur die Technik, sondern auch der Anwender.

Gruß
Robert
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Chipart in Dezember 30, 2010, 10:07:45 VORMITTAG
Lieber Robert,

ich finde, dass Du mit Deinem Beitrag - wenn auch vielleicht unfreiwillig - den Nagel des Fortschritts genau auf den Kopf triffst:

Dieser lässt sich nämlich imho in der Tat recht gut damit beschreiben, dass es heute Amateuren möglich ist, gerade in der Bildgebung in Sphären vorzudringen, die vor 30 Jahren nur den Profis vorbehalten waren.

Natürlich braucht man für Vieles nicht unbedingt ein modernes Unendlich-System. Aber nur weil der technische Fortschritt in der Mikroskopie rasant fortschreitet (den von Werner Jülich aufgeführten Punkten möchte ich nur hinzufügen, dass auf Grund besserer Simulationen auch "klassische" Optiken heute um einiges besser sind, was sich insbesondere in Fehlern höherer Ordnung bemerkbar macht und optisch vor allem an der Kontrastleistung zu sehen ist) ist heute "ausgediente" Profi-Technik von vor 30 Jahren auch für Amateure erschwinglich geworden. Welcher Amateur hatte denn in den 70er Jahren ein Standard-GFL mit DIC zur Verfügung???

Und hier reden wir nur von der klassischen Lichtmikroskopie. Ich denke, dass es keine 10 Jahre mehr dauert, bis auch Amateure Scanning-Mikroskope auf breiter Front einsetzen - ganz egal, ob mit lasern, metall- oder piezo-spitzen....

Gruss,
Chip
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 30, 2010, 10:13:53 VORMITTAG
Hallo Herr Götz,
ich habe es schon einmal geschrieben, Sie können an der Höhe unserer Rechnungen nicht erkennen, ob das Mikroskop an einen Amateur oder einen Profi geht, da sollte man sich nicht täuschen und dies trifft natürlich auch auf die Teilnehmer dieses Forums zu. Auch hier unterscheiden sich die erworbenen Amateurmikroskope im Preis um den Faktor 200, was ja nicht wenig ist.
Warum auch nicht, wenn ein Amateur durch intensiven Zeit- und Arbeitsaufwand eine Perfektion erreicht, die sich nicht hinter der der Profis verstecken muß, warum soll der dann dies mit Material tun, dass nicht optimal ist?
Diese Argumentation mag denen unsportlich erscheinen, für die der Weg, das Basteln, das Ziel ist und die es für politisch korrekt halten, das Mikroskope nicht teurer zu sein haben wie die jährliche Telefonrechnung. Ich weiß aber auch von mehreren Teilnehmern, dass sie dies druchaus als Konformitätsdruck empfinden und sich entsprechend vorsichtig verhalten.

Ich wünsche Allen einen Guten Rutsch und weiterhin viel Spaß an kontroversen Themen.

Werner Jülich
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Eckhard in Dezember 30, 2010, 10:32:16 VORMITTAG
Hallo,

ich bin vor 2 Jahren auf moderne ∞ Optik umgestiegen. Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Auch wenn man auf dem Gebrauchtmarkt kaum gezielt nach einzelnen Objektiven oder anderen Komponenten suchen kann, mit Geduld lässt sich so manche Trüffel aus der Bucht rausfischen.

Das Highlight der aktuellen Zeiss Technik sind für mich die Objektive. Am Eindrucksvollsten ist der Planapochromat 20x mit sagenhafter NA 0.80 - es unmöglich durchzuschauen, ohne WOW zu sagen. So etwas konnte man auch vor 20 Jahren in der Anfangszeit der ∞ Optik noch nicht fertigen.

Herzliche Grüsse aus dem alten Jahr
Eckhard

PS: Lieber Herr Jülich, vielen Dank für Ihren Beitrag - sie sprechen mir aus dem Herzen.
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: rhamvossen in Dezember 30, 2010, 11:01:23 VORMITTAG
Hallo Eckhard,

ZitatAm Eindrucksvollsten ist der Planapochromat 20x mit sagenhafter NA 0.80 - es unmöglich durchzuschauen, ohne WOW zu sagen.

Das selbe habe ich mit meinem Zeiss plan Neofluar 25/0.80 160 mm. Soll denn der Unterschied wirklich so gross sein? Das kan ich kaum gelauben. Aber dabei muss ich auch sagen das ich noch nie durch einen unendlich Planapo 0.80 hab gekukt, also ein Vergeleich habe ich nicht. Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 30, 2010, 11:08:05 VORMITTAG
Der Unterschied ist groß, größer als durch die normierten Neupreise ausgedrückt wird, es ist einfach Fortschritt. Wesentlich bessere Vergütungstechnologie reduziert Reflexe und verbessert den Kontrast, andere Glassorten, die man früher nicht hatte bzw. nicht bearbeiten konnte erlauben optische Rechnungsergebnisse zu produzieren, die die neuen Apochromaten in eine völlig andere Liga heben.

Werner Jülich
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: rhamvossen in Dezember 30, 2010, 11:20:33 VORMITTAG
Hallo,

Ich wurde gerne Foto's zum Vergeleich sehen. Ist jemand hier in der Lage mal ein Vergeleich zu machen? Wenn der Unterschied wirklich so gross ist wie hier gesagt werde dan sollte es auch deutlich auf die Foto's zu sehen sein. Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Eckhard in Dezember 30, 2010, 11:29:59 VORMITTAG
Hallo Rolf,

ZitatDas selbe habe ich mit meinem Zeiss plan Neofluar 25/0.80 160 mm.

Die Plan Neofluare Imm gehören sicherlich zu den besten Objektiven die es für die 160 mm Optik gab. Es gab sie auch für die ∞ Optik - ich denke relativ unverändert. Vergleichen wir das von der NA mit den aktuellen Planapochromaten:

Plan Neofluar IMM               PlanApochromat
     16x/0.50              --            10x/0,45
     25x/0.80              --            20x/0.80
     40x/0.90              --            40x/0.95

Dabei muss man noch bedenken, die Planapochromaten sind keine Immersionsobjektive.

ZitatIch wurde gerne Foto's zum Vergeleich sehen.

Kann ich Dir nicht anbieten. Durch die unterschiedliche Abstufung 16x, 25x 40x versus 10x, 20x, 40x bringt das nichts. Ich habe auch nicht alle in der obigen Tabelle aufgeführten Objektive. Ich kann Dir aber sagen, seitdem das Planapo 10x/0.45 da war wurde das PlanNeo 16x/0.50 Imm nicht mehr benutzt. Und das Planapo 20x/0.80 macht das PlanNeo 40x/0.90 Imm zum Regalobjektiv. 

Herzliche Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 11:35:12 VORMITTAG
Lieber Herr Jülich,

selbstvertsändlich musste sich diese Diskussion so entwickeln, the same pocedure as..... ;)

Meine etwas pauschale Antwort

ZitatIm Prinzip....NICHTS!!!!

bezog sich explizit auf die sehr pauschale Frage eines Anfängers

ZitatAll das ging vor 20 Jahren auch schon, was ist jetzt dabei besser?
, der

Zitatetwas Tümpeln, ein paar Pflanzenschnitte anschauen und vielleicht auch mal Bakterien anschauen
möchte.

Und nun die Frage, da Sie ja den Autovergleich anführten:
Würden Sie jemandem, der fragt: "Ich möchte mal etwas durch die Gegend fahren, mal zum Einkaufen, vielleicht auch mal meine Oma besuchen" empfehlen, sich eine S-Klasse in höchster Motorisierung mit Standheizung etc. zuzulegen?

O.k. - wer es sich leisten kann, für den ist es schön. Aber Sie haben ja selbst vor wenigen tagen ausgeführt, wie schnell wir da bei 15.000 EUR sind.

Selbstverständlich hat sich die Optik weiterentwickelt, jedoch können die letzten Quäntchen Verbesserung an modernen Planapochromaten doch vom durchschnittlichen Amateur ( Ecki, ich weiss, dass Deine Ansprüche da anders sind! ) nicht genutzt werden bzw. sind nicht erforderlich.
Natürlich kommen auch noch andere Faktoren hinzu, helle Beleuchtung, meist etwas besserer Farbkontrast durch neuere Vergütung der Optiken, insbesondere auch die hohen Sehfelder ( 22 - 25 )

Aber machen wir uns nichts vor: Auch, wenn Ausnahmen die Regel bestätigen, wird sich kaum ein Amateur leisten können oder wollen,  ein modernes Zeiss, Leica- oder Olympus-Stativ mit unendlichen Planapochromaten zu bestücken.
Und das ist meines Erachtens auch nicht erforderlich.

Was ich letztlich nur sagen wollte, ist, dass der Amateur nicht unglücklich sein muss, wenn er sich "unendlich" ( noch ) nicht leisten kann, sondern mit der letzten endlichen Optik ( natürlich hochwertige Objektive vorausgesetzt ) sehr glücklich werden kann.
Ich glaube kaum, dass man die Qualität der Fotos von Ronald Schulte und Holger Adelmann ( Orthoplan mit hochwertiger endlicher Optik ), Christian Linkenheld ( Olympus BH2 mit hochwertiger endlicher Optik ) und Wolfgang Bettighofer ( Zeiss mit hochwertiger Endlichoptik ) noch weit überbieten kann, auch wenn man modernste Unedlichoptik zur Verfügung hat.

Aber nochmal: Meine sehr pauschale Antwort bezog sich auf die allgemeine Frage eines Anfängrs, die ich etwa so verstanden habe "Brauche ich wirklich moderne Unedlichoptik"?

Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Herne in Dezember 30, 2010, 11:43:48 VORMITTAG
Hallo,
Während ich dies schrieb, wurden andere Beiträge zu dem Thema eingestellt; man verzeihe mir deshalb mögliche "Dopplungen".
Natürlich hat sich für die professionellen Anwender einiges getan. Ich sehe den Fortschritt dabei aber weniger auf dem Gebiet der bildgebenden Komponenten. Das Auflösungsvermögen ist physikalisch begrenzt, es zu erhöhen geht m.E. nur durch Verwendung kürzerer Wellenlängen etc.. Der Bildkontrast wurde stark verbessert, die nutzbaren Gesichtfelder stark vergrößert. Auch die Verbesserungen bei der Behebung der optischen Restfehler sind unbestreitbar. Alleine das sind natürlich schon deutliche Fortschritte. Schließlich sitzen in den Entwicklungsabteilungen der Optikhersteller ja auch Ingenieure und die haben primär andere Ziele als die Kaufleute. Die großen Veränderungen sehe aber ich in der Bilderfassung und -verarbeitung sowie der Auswertung der Untersuchungsergebnisse. Dies aber spielt sich in pekunären Bereichen ab, die einem Amateur nicht so ohne weiteres erschliessbar sind.
Zudem spielt die Präparation des Untersuchungsmaterials dabei eine ebenso wichtige Rolle. Es ist eine notwendig geschlossene Kette, die zu optimalen Ergebnissen führt. Dies alles geht an den Bedürfnissen des Amateurs vorbei, es ist dafür weit überqualifiziert. In der Eröffnung dieses Threads wurde ja auch dargestellt, welche Erwartungen hier erfüllt werden müssen.
Die von Hrn. Jülich angeführte Analogie mit den Fahrzeugen hinkt ein wenig, wie alle Vergleiche. Turbodiesel mit Wirkungsgraden von fast 50% gab es schon vor 40 Jahren; sie sind aber erst in neuerer Zeit auch wirtschaftlich herstellbar. Benzin-Direkteinspritzer gab´s auch schon in den fünfziger Jahren, sogar im Kleinwagenbereich (Gutbrod Superior z.B.). An der Zuverlässigkeit krankte es aber an allen Ecken. Man hat dort viel Lehrgeld in den Entwicklungsabteilungen zahlen müssen. Die bessere Steuerung und Überwachung der Produktionsprozesse hat zu einer allgemein wesentlich gesteigerten Zuverlässigkeit geführt. Laufleistungen von 300-500 TSD km sind heute eher üblich. Früher völlig undenkbar im PKW-Bereich! Ein VW-Käfer, der , man munkelt, sogar 100 000 km halten soll, würde heute nicht mehr akzeptiert. Konsequente Anwendung neuer Technologien bereits in der Entwicklung und Null-Fehler-Konzepte bei weitgehender Automatisierung der Fertigung haben es möglich gemacht.
Mich würde auch ein direkter Vergleich der Bildergebnisse mit alter und neuer Technik interessieren, möglichst am gleichen Präparat. Damit wir Durchschnittsamateure nicht reden, wie die Blinden von der Farbe. Ich geniese unterdessen den Umgang mit der Spitzentechnologie von Vorgestern.

Mit freundlichen Grüßen
Herbert


Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 30, 2010, 11:57:03 VORMITTAG
Wie sind wahrscheinlich nicht so weit auseinander. Der winzige Unterschied ist leicht zu erklären.
Wenn jemand sagt, mir reicht das Mikroskop X in der Ausstattung von 1980 dann stimme ich gerne zu.

Wenn jemand aber sagt, mit der modernen Mikroskoptechnik geht eh nicht mehr, dann sollte diese Behauptung in einem vielgelesenen Forum nicht unwidersprochen stehen bleiben, denn diese Aussage ist einfach nicht korrekt, egal aus welchem Grund.

Werner Jülich
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Eckhard in Dezember 30, 2010, 12:06:11 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

ich stimme Dir hundertprozentig zu. Für alle Amateuranwendungen ist die 160 mm Optik ausreichend. Trotzdem ist moderne Spitzenoptik von Zeiss deutlich besser als die von vor 20 Jahren. Ob man es haben will oder zu brauchen glaubt ist eine vollkommen andere Sache.

Aber wir sollten uns in diesem Forum nicht vor der Tatsache verschliessen dass moderne Unendlichoptik eine deutliche Weiterentwicklung erfahren hat. Nur darum geht es mir.

Guten Rutsch!

Herzliche Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Herne in Dezember 30, 2010, 12:18:35 NACHMITTAGS
Hallo Hr. Jülich,
das trifft´s punktgenau.
Ich würde gerne mal einen Blick in so ein modernes Gerät werfen. Ist so etwas in ihrem Hause möglich, beispielsweise vor dem nächsten Treff des MKB?

Mit freundlichem Gruß
Herbert
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 30, 2010, 12:48:58 NACHMITTAGS
Im Prinzip schon, wobei die Ausstattung dann von der letzten Vorführung abhängt, je nachdem wieviel Zeit wir haben.
Alternativ wird es eine größere Geschichte in Bonn geben, bei der wir mal vorführen, was Zeiss an manuellen Mikroskopen im Angebot hat. Aus Platzgründen gehen wir in den Uni-Club, wir wollen dafür sorgen, dass es sich wirklich lohnt. Termin wird noch bekannt gegeben.

Werner Jülich
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: thomasr in Dezember 30, 2010, 14:02:07 NACHMITTAGS
Im Kern hat sich am eigentlichen Mikroskop wohl nicht so viel geändert, es gibt immer noch die Kombination Lichtquelle, Kondensor, Objektiv, Projektiv/Tubuslinse, oft für UV mit dichroischem Strahlteiler.

Die Techniken drumherum haben sich allerdings erheblich entwickelt: Immer schnelleres konfokales Laser Scanning, Atomic Force und auch optische Nahfeld Abtastung. Zudem eine ganze Batterie an Superresolution Techniken, zumeist in Kombination mit Fluoreszenz Mikroskopie mit auch immer mehr Fluorochromen: Stukturierte Beleuchtung (SI), PALM/STORM, 2 Photon usw. Also immer mehr Anwendungen mit automatischen Bühnen, Lichtleitern, Lasern und Bildverarbeitung in Kombination. An Flexibilität treibt es vielleicht das iMic von Till Photonics auf die Spitz. Muß man alles nicht fürs Tümpeln haben, gibt aber sicherlich für alles auch die passenden Fragestellungen in der Protistologie.

Auf der anderen Seite fand ich Optofluid-Mikroskope besonders innovativ, einfach einen Bildsensor zu nehmen und damit direkt ohne Optik aufnehmen: http://www.rsc.org/delivery/_ArticleLinking/DisplayArticleForFree.cfm?doi=b604676b&JournalCode=LC.

Gruß,
Thomas
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: wilfried48 in Dezember 30, 2010, 14:30:08 NACHMITTAGS
Liebes Forum,

also als leidenschaftlicher Zeiss Fan der sowohl beruflich im Forschungsinstitut Spitzengeräte (Axio Imager, Apotom, Konfokales Laserscanning Mikroskop) als auch hobbymässig (160 mm Optik) benutzt, kann ich das Statement von Herrn Jülich insbesondere was die digitale Bilderfassung und Verarbeitung anbelangt gut unterstreichen.
Was die Abbildungsleistung der Spitzenoptik anbelangt sehe ich jedoch keine so überwältigenden Fortschritte. Insbesondere, wenn man die letzte Generation der 160 mm Spitzenoptik aus den achziger Jahren kurz vor der Umstellung auf ICS zum Vergleich heranzieht. Da hatten schon alle Optiken Super Mehrschichtvergütungen.

Auf meinem Schreibtisch im Institut steht noch ein altes privates Zeiss GFL (mit Auflicht/Durchlicht, Phako und Nomarski DIK) und erfreut sich grosser Beliebtheit. Wenn ich zur Dokumentation oder weil ich eine bessere 3D Darstellung brauche dann doch an die obengenannten Forschungsmikroskope gehe bin ich meistens eher etwas enttäuscht, weil ich mehr erwartet hätte.

Also ich denke daher, mit der Spitzenoptik aus dem letzten Jahrzehnt der endlich Reihe und einer mit CVD Kompensation angepassten digitalen Spiegelreflexkamera mit Live View wie z.B. Canon D550 kann man auch heute noch durchaus professionelle Ansprüche erfüllen.

viele Grüsse
Wilfried

Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Chipart in Dezember 30, 2010, 17:00:06 NACHMITTAGS
Ist schon irgendwie komisch, mit welcher Vehemenz manchmal in diesem und anderen Foren die Qualität von 30 Jahre alter Optik verteidigt wird. Würde ich es nicht besser wissen, so könnte man fast auf den Gedanken kommen, dass hier künstlich versucht wird, deren Wert (entweder in der eigenen Wahrnehmung des Besitzers oder der finanzielle Marktwert) hoch zu halten.

Fakt ist: Moderne Unendlich-Optik ist den Systemen von vor 30 Jahren ceteris paribus klar überlegen.

Und doch, der Vergleich mit Autos (unter denen sich viele Menschen einfach mehr vorstellen können) ist hier durchaus passend. Natürlich ist es für die Fahrt in den Supermarkt ziemlich egal, ob der Wagen 2 Monate oder 2 Jahre alt ist. Natürlich gab es vor 30 Jahren schon sehr solide Technik (meist massiver, als der heutige Leichtbau), an der man deutlich mehr selbst schrauben konnte. Natürlich ist es aber auch so, dass ein Profi-Fahrer in einem 20 Jahre alten 911er sicher jeden Amateur mit aktuellem Material deutlich hinter sich lässt. Und schliesslich ist es natürlich auch bei Autos so, dass man sich beim Kauf stets entscheiden muss, ob man bereit ist, den Neuwagen-Aufpreis zu zahlen, oder nicht mit einem deutlich besser ausgestatteten, besser motorisiertem Gebrauchten deutlich besser bedient ist. Und hier wie dort ist es sicher nicht absurd, einem Fahranfänger zunächst (insbesondere aus Geldgründen) zunächst zum Gebrauchten zu raten.

All das ändert aber nichts daran, dass die neueste Technik besser ist - und daher ist es auch legitim, dass jemand der vielleicht nicht so auf's Geld schauen muss und dem alleine schon das Wissen, die bestmögliche Technik zu haben etwas wert ist eben keine veraltete Endlich-Technik kauft, sondern ein modernes System.

Gruss,
Chip
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 17:18:30 NACHMITTAGS
Hallo Chip,

Du hast in allem Recht - bis auf einen Punkt:

ZitatIst schon irgendwie komisch, mit welcher Vehemenz manchmal in diesem und anderen Foren die Qualität von 30 Jahre alter Optik verteidigt wird. Würde ich es nicht besser wissen, so könnte man fast auf den Gedanken kommen, dass hier künstlich versucht wird, deren Wert (entweder in der eigenen Wahrnehmung des Besitzers oder der finanzielle Marktwert) hoch zu halten. [/b
]

Genau DAS ist doch der Punkt: Wir empfehlen ja immer die hochwertige 30 Jahre alte Gebrauchttechnik, gerade weil sie heute für einen Bruchteil des ehemaligen Wertes ( und erst recht auch "ähnlicher" Leistungsklassen bei aktuellen Objektiven ) erhältlich ist. Und wenn man mal vom immer noch etwas höheren Gebrauchtpreis ehedem unerschwinglicher Multiimmersionsobjektive oder der 63er-Planpos von Zeiss und Leitz absieht, bekommt man hochwertigste Endlichoptik wirklich teilweise zu Schnäppchenpreisen. Niedrig vergrößernde Planapos oder Fluotare wechseln da schon mal für unter 100 EUR den Besitzer.

Selbstverständlich bleibt es dem, der er sich leisten kann, unbenommen, in hochwertige aktuelle Optik zu investieren und es sei ihm gegönnt. Nur ist es schlicht nicht zwingende Voraussetzung, um ( auch auf hohem Niveau ) zu mikroskopieren und hervorragende Ergebnisse zu bekommen.

Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Siggi O. in Dezember 30, 2010, 17:25:29 NACHMITTAGS
Zitat von: Chipart in Dezember 30, 2010, 17:00:06 NACHMITTAGS
Ist schon irgendwie komisch, mit welcher Vehemenz manchmal in diesem und anderen Foren die Qualität von 30 Jahre alter Optik verteidigt wird. Würde ich es nicht besser wissen, so könnte man fast auf den Gedanken kommen, dass hier künstlich versucht wird, deren Wert (entweder in der eigenen Wahrnehmung des Besitzers oder der finanzielle Marktwert) hoch zu halten.

Fakt ist: Moderne Unendlich-Optik ist den Systemen von vor 30 Jahren ceteris paribus klar überlegen.

Und doch, der Vergleich mit Autos (unter denen sich viele Menschen einfach mehr vorstellen können) ist hier durchaus passend. Natürlich ist es für die Fahrt in den Supermarkt ziemlich egal, ob der Wagen 2 Monate oder 2 Jahre alt ist. Natürlich gab es vor 30 Jahren schon sehr solide Technik (meist massiver, als der heutige Leichtbau), an der man deutlich mehr selbst schrauben konnte. Natürlich ist es aber auch so, dass ein Profi-Fahrer in einem 20 Jahre alten 911er sicher jeden Amateur mit aktuellem Material deutlich hinter sich lässt. Und schliesslich ist es natürlich auch bei Autos so, dass man sich beim Kauf stets entscheiden muss, ob man bereit ist, den Neuwagen-Aufpreis zu zahlen, oder nicht mit einem deutlich besser ausgestatteten, besser motorisiertem Gebrauchten deutlich besser bedient ist. Und hier wie dort ist es sicher nicht absurd, einem Fahranfänger zunächst (insbesondere aus Geldgründen) zunächst zum Gebrauchten zu raten.

All das ändert aber nichts daran, dass die neueste Technik besser ist - und daher ist es auch legitim, dass jemand der vielleicht nicht so auf's Geld schauen muss und dem alleine schon das Wissen, die bestmögliche Technik zu haben etwas wert ist eben keine veraltete Endlich-Technik kauft, sondern ein modernes System.

Gruss,
Chip

Hallo liebe Mikrofreunde,

besser kann man es nicht ausdrücken.

Ich finde dies kann man auf alle Bereiche der Technik so sehen.
Sind es oft doch kleine aber wichtige Veränderungen an einem Produkt
welche eine große Wirkung haben.
Ich bin immer wieder erstaunt wie Hersteller eine Zange, einen Hammer
oder einen Schraubendreher verbessern. Die Grundfunktion dieser
Werkzeuge bleiben natürlich immer noch dieselben.

Viele Grüße und ein hoffentlich gutes 2011
Siggi
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 18:00:13 NACHMITTAGS
Lieber Siggi,

auch Deiner Meinung pflichte ich voll bei. Wie mir Herr Jülich erklärte, seien gerade der Entwickling des aktuellen Axio Lab umfangreiche Studien zur Ergonomie vorausgegangen. Und zweifelsohne kostet die ganze Entwicklung Geld, das auch wieder hereinkommen muss.
Auch bezweiifle ich, dass Florian heute gerne seine kompletten Arbeitstag an einem auf Telefonbüchern aufgebockten Zeiss Standard GFL sitzen und mehere hundert Mal am Tag unter wilder Gmynastik die vermutlich nach heutigen Maßstäben völlig unergenomische Beschickung des Objektführers, Fokussierung und den Objektivwechsel vornehmen möchte.
Aber das heißt ja nicht, dass der Hobbymikroskopiker, der mal ein paar Stündchen die Woche vor dem Mikroskop verbringt, damit nicht sehr glücklich sein kann.
Die Frage ist halt immer, wem die Vorteile des "Neuen" wirklich auch Vorteile in der eigenen praktischen Arbeit bringen, die die erheblichen Merhkosten rechtfertigen.

Herzliche Grüße ins Brgische und
einen guten Rutsch! ( nur sprichwörtlich )
Peter
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 18:05:23 NACHMITTAGS
Liebe Fortschrittler,

unbestritten hat sich im Laufe der Jahrzehnte die Optik des Mikroskops in Hinblick auf Kontrast und Farbbrillanz immer weiter verbessert. Wenn man jedoch noch einmal auf das ursprünglich formulierte Thema zurück kommt, dann sollte auch ein Punkt nicht fehlen: Was hat sich denn machanisch getan?

Wir hatten im Uni-Kurssaal für den Kursus der allgemeinen Pathologie rund 100 Zeiss Standard 14 und 16 stehen. Die Mikroskope waren zwar einerseits eigentlich zu kompliziert für Studenten, da sie es regelmäßig trotz bemühter Einführung binnen einer Unterrichtseinheit schafften, so ziemlich jeder Mikroskop zu dejustieren; aber die Mikroskope machten das klaglos mit. Am Tubus hochheben, in den Schrank stopfen und dann die Tür zuballern? Kein Thema! Mikroskop vom Tisch gefallen? Auch das wurde i.d.R. überlebt! Selbst der Lack hatte das Ewige Leben. Wir hatten später ein paar Standard 20 hinzubekommen. Binnen weniger Kurse flogen zuerst die Abdeckkappen des Binokulartubus ab, später kam es zu ersten unschönen Lackabplatzungen.

Ich arbeite beruflich mit dem Zeiss Axioskop 40 – ein schönes Mikroskop, ergonomisch, gutes Bild, alles super. Aber: Falls mir aus Versehen einmal irgendetwas, das schwerer ist als ein Radiergummi, auf das Plastik-Lampenhaus fallen sollte, wird hier wohl ein Ersatzteil fällig! Die Plastik-Umverkleidung des Kondensors hört sich so an, als wenn man sich schon mal einen Ersatzkondensor bestellen sollte (den Vorschlaf hat mein Chef schon ernsthaft gemacht!). Die Plastikabdeckung vor den Fluoreszenz-Cubes mit ihren spillerigen Führungsstiften ist nur deshalb noch nicht gerissen, weil ich so gut wie nie an die Filtersätze ran muss. Also: So sehr man hier einen Fortschritt in der Optik sehen mag, so sehr erkenne ich in mehreren mechanischen Baugruppen einen eindeutigen Rückschritt!

Wenn ich mich im Büro umdrehe, dann komme ich zuerst an meinem privaten Olympus BHS (letzte Serie) mit Mitbeobachtereinrichtung vorbei. Abgesehen von den Plastikknöpfen der Fokussiertriebe (die wirken irgendwie ,,müllermäßig") ist das ein Mikroskop, das trotz der bereits verbauten Plastikelemente (z.B. Lampenhaus) eine gesunde Solidität ausstrahlt. Wenn man ein Olympus BX daneben stellt, dann glaubt man, das BHS stammt aus dem Juwelierladen und das BX aus einer Joghurtbecher-Fabrik – obgleich es natürlich ein hervorragendes Mikroskop ist. Wenn ich mich dann noch weiter drehe, steht da mein Lieblings-Orthoplan; aus Plastik sind die beiden Handauflagen und eine Abdeckblende unter dem Tisch. Alles andere ich buchstäblich aus dem Vollen gefräst. Das Mikroskop ist 30 Jahre alt, ist topp gepflegt und sieht fast neu aus. Wenn man es anfasst, dann hat man das ultimative ,,Zu Hause-Gefühl" alter Mercedese. Optisch ist das Mikroskop mit seinen Planapochromaten, 100W-Halogen und Hochleistungs-LED, die ich je nach Bedarf im Wechsel betreibe, absolut auf der Höhe der Zeit. Es hat z.B. die empfindlichste Polarisationseinrichtung im ganzen Institut und die Objektive sind zumindest den HC Plan Fluotaren unseres Leica DMLB definitiv nicht unterlegen.
Wenn ich mich dann in meinem Büro noch weiter umdrehe, dann finde ich im Schrank einige historische Mikroskope, denen man die Benutzung durchaus ansieht und die ich z.T. gerade deshalb gekauft habe. Da ist ein binokulares Baker mit Kreuztisch aus den 30ern, das offensichtlich von einem britischen Kollegen keineswegs geschont wurde und auch nach der Pensionierung noch durch etliche Studenten- und Schülerhände gelaufen sein mag. Das Ding ist absolut in Ordnung; sollten wir man einen Stromausfall haben, kann ich bestimmt damit den Tag weiter arbeiten. So ziemlich alles, was ich an noch älteren Mikroskopen zu Hause angesammelt habe, beeindruckt mich immer wieder dadurch, das intelligente und solide, mitunter kuriose mechanische Konstruktionen umgesetzt wurden. Ein Berger-Feintrieb läuft nach über 100 Jahren problemlos, sogar völlig trocken!

Im absoluten low budget-Segement, in dem sich diverse fernöstliche Hersteller unter diversen Labels tummeln, wird man nicht unbedingt eine mechanische Qualität antreffen, die diese Produkte gegenüber gebrauchten Markengeräten (die ja durchaus auch aus China in exzellenter Qualität kommen können) konkurrenzfähig machen. In 30 Jahren werden etliche dieser Mikroskope schlicht und einfach kaputt sein, meine Orthoplane, Phomis, Ortholuxe, und ihre Freunde höchstwahrscheinlich nicht.

Auf alle Fälle ist festzuhalten, dass die Hersteller an der mechanischen Qualität der Mikroskope mehr und mehr sparen, und dass die Langlebigkeit der Instrumente ggf. nicht mit der ihrer Marken-Vorgänger mithalten kann – und das ist definitiv kein Fortschritt!

Nur mal so...
Florian


Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: peter-h in Dezember 30, 2010, 18:10:22 NACHMITTAGS
Eine Frage in die Runde.

Was genau ist denn, nur die Objektive betrachtet um soviel besser geworden? Die Auflösung kann es wohl nicht sein, denn auch mit den alten Schätzchen Apo 90/1,4 Öl komme ich ganz dicht an die Auflösungsgrenze. Also kann es nur der Kontrast, MTF und die Planität sein , oder ? Und was zahle ich dann für ein sehr gutes Objektiv ? Vielleicht ein Plan Fluar 100x / 1,45 ..... mit etwas über 9 Kilo-Euro ist man dabei.

Die andere Frage: Bei welchem Mikroskop kann ich noch den Objektivrevolver wechseln ? Sicher habe ich immer die falschen Listen in der Hand, oder finde mich nicht zurecht. Mein 25 jähriges Oly BH-2 hat inzwischen 5 Revolver und ich wechsle oft und gerne, je nach Anwendung. Wechselt man also heute die Mik-Arbeitsplätze je nach Anwendung? Und ist das dann bequemer?

Sicher liegt es an meinem Alter, dass ich manche Dinge nicht verstehe.  ;D

Allen einen guten Rutsch
Peter Höbel
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: rhamvossen in Dezember 30, 2010, 18:29:08 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

Auch ich hasse Kunststoff an Mikroskope. Aber die Mikroskope sollte nach einiger Zeit kaputt gehen, sonnst werden die Firmen zu wenig verdienen  :D. Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 18:29:53 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

mach Dir mal keine Sorgen über das Alter - ich verstehe das auch nicht! Dass Zeiss keine Wechselrevolver mehr anbietet, ist kaum zu erklären, hat allerdings schon im Einzelfall dazu geführt, dass Leute in den sauren Apfel gebissen und sich mehrere Stative gekauft haben!

Die Auflösungsgrenze des Lichtmikroskops dürfte um 1900 weitgehend erreicht worden sein (irgendwo stand das genaue Datum und mit welchem Zeiss-Objektiv); es gibt britische Objektive des 19. Jh. mit Aperturen über 1,6; da durchgesehen habe ich allerdings noch nicht.

Es ist aber schon so, dass die mehr oder weniger aktuellen Zeiss Plan Neofluare oder Apochromate kontrastreicher sind als die entsprechenden 160er Objektive; Welten liegen allerdings nicht dazwischen. Irgendwie spielt auch die Psychologie bei mir da mit hinein, glaube ich, denn es fällt mir schwer, das Objektiv völlg losgelöst vom restlichen Mikroskop zu beurteilen. Da man die Objektive nicht unter den Stativen (z.B. Phomi und Axioskop) tauschen kann, ist dieser Faktor auch nicht auszuschalten. Wie man so einen Test tatsächlich objektivieren könnte - keine Ahnung! Fotos allein werden das schwerlich beweisen können.

Herzliche Grüße und auch Dir die besten Wünsche für ein frohes und gesundes 2011,
Florian
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Siggi O. in Dezember 30, 2010, 18:32:29 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 18:00:13 NACHMITTAGS

Aber das heißt ja nicht, dass der Hobbymikroskopiker, der mal ein paar Stündchen die Woche vor dem Mikroskop verbringt, damit nicht sehr glücklich sein kann.
Die Frage ist halt immer, wem die Vorteile des "Neuen" wirklich auch Vorteile in der eigenen praktischen Arbeit bringen, die die erheblichen Merhkosten rechtfertigen.


Hallo Peter,

Du hast natürlich vollkommen recht.
Es ist überhaupt sehr schwierig die verschiedenen Ansprüche und Bedürfnisse
richtig einzuschätzen um Empfehlungen zu geben.

Viele Grüße
Siggi

PS. Solltet Du nicht weiter Schnee schüppen?  ;D :D
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 18:33:11 NACHMITTAGS
Hallo Rolf,

Zitatllo Florian,

Auch ich hasse Kunststoff an Mikroskope. Aber die Mikroskope sollte nach einiger Zeit kaput gehen, sonnst werden die Firmen zu wenig verdienen  L&#228;chelnd. Beste Grüsse,

Rolf

Honi soit qui mal y pense!

Beste Grüße,
Florian
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Eckhard in Dezember 30, 2010, 18:34:50 NACHMITTAGS
Lieber Florian,


Zitathat allerdings schon im Einzelfall dazu geführt, dass Leute in den sauren Apfel gebissen und sich mehrere Stative gekauft haben!

Einzelfall?  >:( >:( >:(

Herzliche Grüsse
Eckhard
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Siggi O. in Dezember 30, 2010, 18:46:17 NACHMITTAGS
Zitat von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 18:05:23 NACHMITTAGS
Binokulartubus ab, später kam es zu ersten unschönen Lackabplatzungen.

Ich arbeite beruflich mit dem Zeiss Axioskop 40 – ein schönes Mikroskop, ergonomisch, gutes Bild, alles super. Aber: Falls mir aus Versehen einmal irgendetwas, das schwerer ist als ein Radiergummi, auf das Plastik-Lampenhaus fallen sollte, wird hier wohl ein Ersatzteil fällig! Die Plastik-Umverkleidung des Kondensors hört sich so an, als wenn man sich schon mal einen Ersatzkondensor bestellen sollte (den Vorschlaf hat mein Chef schon ernsthaft gemacht!). Die Plastikabdeckung vor den Fluoreszenz-Cubes mit ihren spillerigen Führungsstiften ist nur deshalb noch nicht gerissen, weil ich so gut wie nie an die Filtersätze ran muss. Also: So sehr man hier einen Fortschritt in der Optik sehen mag, so sehr erkenne ich in mehreren mechanischen Baugruppen einen eindeutigen Rückschritt!

Auf alle Fälle ist festzuhalten, dass die Hersteller an der mechanischen Qualität der Mikroskope mehr und mehr sparen, und dass die Langlebigkeit der Instrumente ggf. nicht mit der ihrer Marken-Vorgänger mithalten kann – und das ist definitiv kein Fortschritt!


Hallo Florian,

genau der Qualitätsverlust in der Materialwahl ist bei unendlich vielen Produkten zu beobachten.
Natürlich könnten die Hersteller hochwertige Materialien einsetzen, aber zu welchem Preis?
Die Ware wäre kaum noch zu bezahlen.
Die Formel ist doch in der Regel recht simpel. Je teurer ein Produkt ist umso besser ist es.
Und die Langlebigkeit der Produkte führt zu einem Kollaps in der Wirtschaft.
Immer wieder müssen die Hersteller den Spagat zwischen Haltbarkeit, Qualität und Preis wagen.

Aber diese Diskussion könnte man ins Uferlose führen ohne ein für alle Seiten befriedigendes Ergebnis.

Viele Grüße
Siggi
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 18:47:31 NACHMITTAGS
Lieber Ecki,

naja - den Einzelfall meinte ich  :-\ - ich kenne jedenfalls keine größere Gruppe von Leuten, die diesen Schritt gegangen sind  ;).

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: rhamvossen in Dezember 30, 2010, 18:54:18 NACHMITTAGS
Hallo Florian,

ZitatHoni soit qui mal y pense!

Es dreht sich alles um Geld, und das wird nicht anders sein für die Mikroskop Hersteller! Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 18:58:38 NACHMITTAGS
Hallo Siggi,

man sollte allerdings auch nicht den Fehler machen, bei der Anschaffung eines Mikroskops die mechanische Seite zu vernachlässigen. Ein Experte wird bezüglich der Konstruktion der Fokussiertriebe, des Tisches etc. noch eine andere Perspektive haben, aber ich darf doch erwarten, dass ein neu gekauftes und mit teurem Geld bezahltes Mikroskop ähnlich langlebig sein sollte wie sein Vorgänger. In der Pathologie werden Mikroskope wirklich hart ran genommen, und das führt zwangsläufig zum Altern im Zeitraffertempo.

Die Crux ist, dass sich oftmals die fühlbare Qualität nicht in der tatsächlich daunter anzutreffenden widerspiegelt. Mein Auto z.B. finde ich richtig schön, die Oberflächen fassen sich gut an, die Ausstattung ist prima, man hat jede Menge Platz, der Kofferraum ist riesig, der Motor ist leise und verbrauchsarm, das DSG komfortabel, die Stereoanlage schafft Opernhaus-Atmosphäre, das Navi vermittelt Vertrauen - aber frag' lieber nicht, was alles schon repariert werden musste  >:(!

Beste Grüße,
Florian
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Rene in Dezember 30, 2010, 19:06:23 NACHMITTAGS
That the modern scope is advanced ergonomically is without a doubt very much true. The more to the point question as put forward lastly by Peter Hoebel is however more of importance to the amateur: what is the difference in image quality? And with image quality I mean MTF/contrast wise. And more specifically, in the 'yellow spot' of your eyes (ie, in the middle of FOV).

And now, contradictionary accounts follow. Herr Juelich clearly says: modern stuff is a lot better. Others seem more doubtfull about that claim. Florian for example mentions his old Leitz lenses comparable to the Leica HC Plan Fluotars. That is quite a rigorous claim. I'm also not convinced. Comparison is a difficult thing however, you can't screw one of those new lenses straight into an old scope. Fortunately, I have 2 Olympus scopes available and are able to make a comparison between Olympus SPlanApo 60/1.4 and an equivalent 8year old UPlanApo for infinity. I do not see a difference in the whole of the 20mm FOV. In brightfield that is. Furthermore, we have 20/0.7 Splanapos, unfortunately I can only compare it to an infinity Uplanapo 20/0.8 oil. We prefer the 160mm Splanapo, which gives a lot more contrast. (I have had both of these scopes in use for more then a year, several hours per day. I know what to look for).

Sure, the modern lenses are superior without a shadow of a doubt. Very large planar field of view (if you make use of that), very well balanced DIC effects over the whole FOV (if you have the money for that), great abberation corrections from UV to NIR (if you need that). Clearly, that was clearly never ever achievable in earlier times.

But to simply put an old 160mm system against a new system is not a true comparison. Our IMT-2's are serviced every year, and I do see the effect of such a proper cleaning every time. But that's cleaning ONLY the easily accessible optical surfaces of our stands. Have you ever heard of a scope service that includes the internal optics of the bino-head? Or that of the objective? I can only imagine what the view would be like if all parts would be freshly manufactured.

Just my 2 cents, Rene.
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 19:09:02 NACHMITTAGS
Lieber Florian,

ZitatMein Auto z.B. finde ich richtig schön, die Oberflächen fassen sich gut an, die Ausstattung ist prima, man hat jede Menge Platz, der Kofferraum ist riesig, der Motor ist leise und verbrauchsarm, das DSG komfortabel, die Stereoanlage schafft Opernhaus-Atmosphäre, das Navi vermittelt Vertrauen - aber frag' lieber nicht, was alles schon repariert werden musste  !

Exakt das kenne ich! Wir fahren ja auch die gleiche deutsche "Qualitätsmarke"  ;) Nachdem ich hier in den letzten Tagen den "Po" vieler Autos berühren durfte, um Anschub zu leisten, stellte ich mit Entsetzen fest, dass sich das Blech bei manchen Wagen beim Anschieben regelrecht durchbog. Das passiert bei meinem Auto nicht. Vermutlich waren die Besitzer der etwas "dünnhäutigen" Fahrzeuge dennoch nicht ansatzweise so oft in der Werkstatt wie ich. Jedenfalls hätten die Reparaturkosten der letzten Jahre sicher schon einmal für ein solides Axio Lab gereicht  :'( :-\ :( >:(

Allerdings muss ja ja auch mal ehrlich sagen: Natürlich war früher nicht alles besser  ;)
Wenn ich sehe, wie gut 95% der Autos trotz in unseren Breiten ungewohnter Schnee- und Eismassen und enstprechend ungeübten Fahrern dennoch sicher auf den Fahrbahnen liegen ( wenn man sich mal an vergleichbare Situation vor 20 oder 30 Jahren erinnert, das waren sich an Kreuzungen drehende Autos die Regel ), wenn ich bedenke, dass früher nicht anspringende Fahrzeuge zu dieser Jahreszeit Standard waren....
Da hat sich doch schon Einiges getan - zum Besseren. Wenn auch nicht für den Geldbeutel, defekte Steuergeräte für 1000 EUR jedenfalls gab es damals noch nicht.


So, jetzt aber Schluss mit OT

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Ein paar Tröpfchen Wasser in den Wein
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 30, 2010, 19:34:37 NACHMITTAGS
Es gibt einen bekannten Hersteller, der in der Vergangenheit einmal Probleme mit Glasklebern hatte, ich kenne viele Schätzchen, die davon betroffen sind, einige dieser Schäden sind statisch, die kann man eventuell hinnehmen, einige sind sehr dynamisch. Die Fehler sind wirtschaftlich nicht zu beseitigen, das tut aber der Liebe offensichtlich keinen Abbruch.
Der gleiche Hersteller hatte vor langer Zeit einmal einen Getriebekonstrukteur, der sich ein geniales und unkaputtbares Design überlegt hat, Grob und Feintrieb in einem artistischen Zusammenspiel, eine Freude für jeden Feinmechaniker. Dummerweise gehen die Dinger dann doch mal kaputt und inzwischen gehen die Teile aus, unter anderem auch deshalb, weil der Zusammenbau nach den üblichen Hausregeln zum Bruch führt.

Ich schätze an diesem Forum neben den angenehmen Umgangsformen und der Sachkenntnis die Liebe zum Mikroskop und da sind wir uns wohl einig. Sie sollten aber nicht von sich auf andere Anwender schliessen, nicht in diesem Fall.

Werner Jülich
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 19:46:10 NACHMITTAGS
Lieber Herr Jülich,

wie sind denn Ihre Erfahrungen mit der von Ihnen vertretenen Firma? Sind die neuen Mikroskope genauso haltbar wie die alten? Ist der verwendete Kunststoff lichtbeständig, bruchsicher und gegenüber Lösungsmitteln unempfindlich? Ist die leichtgängigere Mechanik der Triebe vergleichbar haltbar? Ist die Keramikbeschichtung der Tische genauso haltbar wie früher? Sehen Sie definitiv keinen Verbesserungsbedarf des Herstellers?

Herzliche Grüße,
Florian Stellmacher
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner in Dezember 30, 2010, 21:05:04 NACHMITTAGS
Liebes Forum!

Warum mikroskopiere ich (hobbymäßig) ?

Weil ich etwas sehen möchte, was ich anders nicht sehen kann. Das Hauptinteresse ist also das Objekt.
Wenn es artefaktefrei und kontrastreich abgebildet wird, ist das Ziel eigentlich schon erreicht.

Für die Werkstatt genügt ein altes einfaches Eschenbach-Stemi (Drehstahl-Schleifen).
Für Botanik und Mikroelektronik ist ein altes Zeiss-Stemi da, bin sehr zufrieden damit.
Zum Tümpeln habe ich ein Kaps-Labormikroskop KC mit Phako, aber leider ohne Köhler (wird vielleicht noch umgebaut) - Abbildungsqualität noch unbefriedigend.
Für Kristalle habe ich ein Meopta-Polmik mit noch defektem Analysator. Als Ersatzteillieferant war ein ROW-Pol gedacht, habe aber inzwischen kleine Polfilter als "Beifang" ergattert.
Pech hatte ich mit einem Meopta-Binokular, Mechanik hervorragend, aber Prismen-Entspiegelungen fleckig - schlechter Kontrast. - Abwarten, was noch so vorbeischwimmt.
Mein bestes Stück ist ein schwarzes Reichert-Zetopan, fast komplett mit Durchlicht, Auflicht und Auflicht-DIC, nur Pol und Phako fehlt. Das war mit 560 Euro das teuerste, ist aber nach erfolgter kompletter Neujustage optimal. Vielleicht bekomme ich das passende Pol oder Phako ja auch noch.

Muß ich froh sein, daß ich kein Zeiss oder Leitz zum Vergleich habe - vielleicht schon. Obwohl...

Was noch fehlt, ist ein komplettes Raster-Elektronenmikroskop mit Mikrosonde - natürlich innerhalb eines Rentner-Etats.

So, das waren "Gedanken zum Tag" - diesmal nicht vom Radio-Pastor.

Ich wünsche uns Allen ein GUTES neues Jahr   -   Werner



Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: rhamvossen in Dezember 30, 2010, 21:08:31 NACHMITTAGS
Hallo,

Ich hätte sicherlich erwartet das Herr Klaus Henkel sich in diese Diskussion mengen wurde. Wo ist er geblieben? Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Siggi O. in Dezember 30, 2010, 21:12:35 NACHMITTAGS
Hallo Rolf,

leider ist Herr Henkel nur noch als Leser im Forum registriert.
Wie funktioniert das eigentlich?

Viele Grüße
Siggi
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Jürgen Boschert in Dezember 30, 2010, 21:15:42 NACHMITTAGS
Haloo zusammen,

jetzt geb´ ich halt auch noch meinen Senf dazu.

Habe mir im Zeiss Online-Shop gerade die Preise der Sonderangebote angesehen - und bin wieder jäh auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Möchte mir gar nicht vorrechnen, was eine moderne Unendlich-Ausrüstung auf gleicher Ebene kosten würde, wie sie mir derzeit als 160mm-System zur Verfügung steht. Ich verdiene sicher nicht schlecht, aber das könnte ich schlechterdings nicht finanzieren.

Alles Gute zum Neuen Jahr !

JB
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 30, 2010, 21:25:23 NACHMITTAGS
Hallo Herr Stellmacher,
ja, die sehe ich. aber zuerst einmal zu Ihren Fragen.
Die Tische sind schon sehr lange im Einsatz und zeigen bisher keine Auffälligkeiten, speziell die MOT-Varianten werden ganz schön rangenommen, ein klares Plus gegenüber den Vorgängern, bei denen oft das metallisch rauhe Laufgeräusch beanstandet wurde. Ich würde mir eine zusätzliche Funktion wünschen, aber mit der Lebensdauer/Standfestigkeit bin ich soweit zufrieden.
Die vorher von Ihnen angesprochenen Plastikverkleidungen sind nach unserer Statistik nicht auffällig, da geht es mehr um die Qualitätsanmutung, weniger um einen Qualitätsmangel.
Die Z-Triebe sollten bei gleicher Pflege auch gleich lang halten. Wir haben etliche Axio Scope.A1 auf Z-Mot umgerüstet, das ist Altern in Zeitraffer, bisher noch ohne Befund, Gott sei Dank denn wir haben das Garantierisiko bei diesen Umbauten übernommen.
Die HAL-Lampenhäuser aus Plastik haben den entscheidenden Vorteil, dass man sich bei Berührung nicht so leicht verbrennt,  ich kann bisher nicht erkennen, das damit Einbußen bzgl. der Lebensdauer verbunden sind und wir habe sicher ein paar hundert Lampenhäuser in der normalen Wartung.

Es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten und es gibt die andere Sicht des Händlers, die sich von der des Entwicklers unterscheidet. Das ist aber bei Zeiss bekannt und deshalb werden wir immer so früh wie möglich eingebunden, wenn es um neue Produkte geht. Schließlich ist der Händler die erste Beschwerdestelle, wenn die Kunden unzufrieden sind.
Wir hatten das Axio Lab im Haus, da war es noch ein recht diskreter Prototyp.
Spezielle Vorstellungen eines anderen Forenteilnehmers sind in die Konzeption des Axio Lab.POL eingeflossen.
Wir haben immer wieder Fragebögen zur Kundenzufriedenheit auszufüllen und jeden Schaden detailliert zu dokumentieren.

Zeiss hat nach eigenem Selbstverständnis den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden und es soll auch Fälle geben, da werden diese Ansprüche erfüllt. In allen anderen Fällen werden Kunden, Händler und nicht zuletzt die ebenfalls sehr guten Wettbewerber dafür sorgen, dass sich der Schlendrian nicht zu sehr ausbreitet.

Werner Jülich







Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 21:45:58 NACHMITTAGS
Lieber Herr Jülich,

das beruhigt mich - sowohl Ihre Aussage, dass technisch bislang keine Probleme mit den neueren Mikroskopen aufgetreten sind, als auch, dass Kundenwünsche durchaus Berücksichtigung finden!

Herzliche Grüße und die besten Wünsche für ein erfolgreiches Jahr 2011,
Florian Stellmacher
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Herne in Dezember 30, 2010, 21:49:59 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
eine kleine Anmerkung zum Thema "Plastik" : Da gibt es so´ne und so´ne!
Ich war lange als Entwicklungsingenieur im Bereich von Hausgeräten tätig und habe eine Menge Erfahrungen mit Kunststoffen als Konstruktionwerkstoffe sammeln können.
Wenn man ein Lampenhaus aus "Plastik" machen will genügt kein einfacher Massenkunststoff wie Polypropylen oder gar PVC. So etwas muss temperaturbeständig und im warmen Zustand belastbar sein.
Man nimmt hier i.A. Glasfaser-verstärkte Polyamide (vulgo : Nylon) oder im Extremfall Polysulfone und Polyäthersulfone. Vor allem letztere sind richtig teuer ( 100 -160 € / kg). Von billigem Kunststoff kann also nicht die Rede sein.
Man macht´s trotzdem, weil die Nachbearbeitung entfällt und Gestaltungsmöglichkeiten gegeben sind, die in Metallen nicht wirtschaftlich darstellbar sind (integrierte Luftführungen z.B.) und man zudem noch eine Reihe anderer Funktionen integrieren kann. Wie z.B. elektrische - und Wärme-Isolation.
Die Anmutung ist allerdings eine ganz andere Sache.

m.f.G.
Herbert
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Amiga in Dezember 30, 2010, 22:47:06 NACHMITTAGS
Ich lese da sehr "lustige" Antworten zur gestellten Frage!

Wenn ihr Euch da wohl nicht gewaltig irrt.....

...was für Fortschritte wurden so in den letzten Jahren gemacht?

Plasma TV, Hochleistungs PC, kleinste Mobiltelefone mit Fotoapparate u.v.m

...und Ihr meint doch nun in allem Ernst, dass im Fachgebiet der Optik keine Fortschritte, nein Ihr sagt sogar Rückschritte gemacht wurden??? Weil ein altes Mikroskop ja besser ist als ein neues, das scheinbar nicht mehr sehr robust gebaut wurde.

Das ist doch kompletter Quatsch!

Liegt es nicht eher daran, dass man(n) nach billigen Ausreden sucht, um nicht etwas neues kaufen zu "müssen"?

Sorry wenn ich jetzt dem einen oder andern zu nahe gekommen bin, aber das ist nun mal meine eigene, ehrlich Meinung!

Amiga


Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: rhamvossen in Dezember 30, 2010, 23:07:35 NACHMITTAGS
Hallo Amiga,

ZitatSorry wenn ich jetzt dem einen oder andern zu nahe gekommen bin, aber das ist nun mal meine eigene, ehrlich Meinung!

Deine Meinung mag denn Ehrlich sein, ob sie Stimmt ist ganz was anders! Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 23:08:54 NACHMITTAGS
Na super!

ZitatDas ist doch kompletter Quatsch!

Dass nach dieser konstruktiven Diskussion jemand dieses Pauschalurteil abgibt, ist ziemlich verblüffend! Hier wurden Argumente ausgestauscht, und zwar von Leuten, die die Geräte wirklich kennen und beurteilen können. Was ist denn Deine Qualifikation?

Florian
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: peter-h in Dezember 30, 2010, 23:10:02 NACHMITTAGS
Und wie ordnet man nun einen Zeiss AXIOMAT von 1975 ein  ??? ??? ???
Und wie ist das Instrument einzuordnen ? Welches Großgerät von heute ist damit vergleichbar?

Nur so eine dumme Frage zur Nacht  :D
Gruß
Peter
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 23:13:14 NACHMITTAGS
Zitat von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 23:08:54 NACHMITTAGS
Na super!

ZitatDas ist doch kompletter Quatsch!

Dass nach dieser konstruktiven Diskussion jemand dieses Pauschalurteil abgibt, ist ziemlich verblüffend! Hier wurden Argumente ausgestauscht, und zwar von Leuten, die die Geräte wirklich kennen und beurteilen können. Was ist denn Deine Qualifikation?

Florian

Lieber Florian,

Du besitzt ja mindestens an die 50 Mikroskope über alle "Generationen" bis hin zu mehreren modernen Highendgeräten. Ich gehe mal davon aus, dass Amiga neben seinem Motic mindestens ebenso viele weitere Mikroskope besitzt, sie verglichen hat und sich insofern schon sein Urteil erlauben kann!

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Amiga in Dezember 30, 2010, 23:18:17 NACHMITTAGS
Zitat:

Hier wurden Argumente ausgestauscht, und zwar von Leuten, die die Geräte wirklich kennen und beurteilen können.

Nun das kann zwar schon sein, aber bedenkt doch:
Welche großen Fortschritte wurden in der Präzisionsmechank, in der Reinraumtechnik und in der Fertigung erreicht!

Da soll mir doch keiner erzählen, dass "alte" Mikroskope oder gar Optiken den heutigen Herstellmöglichkeiten nur annähernd das Wasser reichen können!!!


Zu meiner Qualifikation brauche ich nichts anzufügen!

Gruß Amiga


Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 23:21:47 NACHMITTAGS
Hallo!

Um nun den Keim für weitere 35 Beiträge zu setzen:

ZitatUm die Frage noch mehr zu vereinfachen: Wenn ich ein Pantoffeltierchen unter dem Mikroskop habe werde ich mit einem neuem Mikroskop bessere Fotos machen können?

Nein! ( ebenfalls ganz vereinfacht geantwortet ). Differenzierter müsste man sagen: Es kommt darauf an.....

ZitatGibt es Vergleichsbilder zwischen endlich und unendlich Objektiven? Gerne von dem Pantoffeltierchen.

Also, nochmal:

Es gibt keinen generell qualitativen Unterschied zwischen "endlich" und "unendlich".
Ohne jeden Zweifel wird ein hochwertiges, hoch korrigiertes endliches Objektiv von Zeiss, Leica Olympus erheblich besser sein als ein unedliches C-Plan von Leica oder ein unendlicher CP-Achromat von Zeiss.
Die "Unendlichkeit" an sich macht noch nicht das bessere Bild!!!
In der vorangegangenen Diskussion ging es um verschiedene Fotschritte der Entwicklung optischer Systeme bezogen auf Planheit, Vergütung, somit Farbkontrast und Sehfelder. Das alles hat aber zunächst einmal nichts mit "endlich" oder "unendlich" zu tun!!!!

Selbst, wenn wir jetzt ein tatsächlich "besseres", weil neures Objektiv mit einem älteren, aber ebenfalls sehr guten Objektiv der Endlichreihe vergleichen, wird es kaum möglich sein, durch ein Foto die Qualitätsunterschiede darzustellen. Die können wir eher mit dem Auge wahrnehmen. Zudem spielen da viel zun viele Faktoren hinein, denn man müsste die gleiche Kamera nehmen und an völlig unterschiedliche Systeme anpassen, wobei dann beim Endlich-System noch die Frage wäre, womit sie adaptiert wurde, hier spielt z.B. auch die Qualität des Okulars bzw. Projektivs eine Rolle.

Ein Test, so wie Du ihn Dir vorstellst, ist schlichtweg nicht möglich. Wir würden prinzipiell immer Äpfel mit Birnen vergleichen.

Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner in Dezember 30, 2010, 23:27:24 NACHMITTAGS
Was ist Plasma-TV denn besonderes? War schon in den 70ern bekannt - nur war damals das Programm besser.

Die Mikroelektronik hat riesige Fortschritte gebracht und ist auch infolge der höheren Integration billiger geworden.
Viele neue Software ist erschienen.

Aber die klassische Optik? - keine spektakulären Neuigkeiten, Laser gabs auch schon.

Für 25% Verbesserung 100000 Euro hinzublättern ist tatsächlich kompletter Quatsch.

Auch ehrliche Meinung   -   Werner

Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Amiga in Dezember 30, 2010, 23:28:28 NACHMITTAGS
Bei dieser Aussagen stimme ich Peter 100% zu!
Wir können die Physikalische Optische-Grenze nicht überlisten.


Amiga

Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 23:28:37 NACHMITTAGS
... oder anders herum:

Wenn ich eine begrenzte Menge Geld ausgeben möchte, soll ich mir dann ein neues unendliches Mikroskop oder für den gleichen Betrag ein gebrauchtes endliches Mikroskop kaufen, wenn ich Wert auf das bestmögliche Ergebnis lege? Dann lautet mein Rat: Kauf Dir ein älteres endliches Markengerät, gewartet und ggf. mit Garantie, Du bekommst definitiv mehr als beim günstigen Neugerät-Anbieter.

Gute Nacht,
Florian
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Amiga in Dezember 30, 2010, 23:32:06 NACHMITTAGS
Ahhhh...

Ich höre leise Zustimmung

Weist Du Werner, am der Grenze des technisch machbaren sind 25% mehr sehr viel!  ;)

Amiga
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 30, 2010, 23:32:35 NACHMITTAGS
Zitat von: Florian Stellmacher in Dezember 30, 2010, 23:28:37 NACHMITTAGS
... oder anders herum:

Wenn ich eine begrenzte Menge Geld ausgeben möchte, soll ich mir dann ein neues unendliches Mikroskop oder für den gleichen Betrag ein gebrauchtes endliches Mikroskop kaufen, wenn ich Wert auf das bestmögliche Ergebnis lege? Dann lautet mein Rat: Kauf Dir ein älteres endliches Markengerät, gewartet und ggf. mit Garantie, Du bekommst definitiv mehr als beim günstigen Neugerät-Anbieter.

Gute Nacht,
Florian


...zumal es ja auch "Chinesen" gibt, die Unendlichoptik haben. Ich habe mal durch ein Unendlich-Mikroskop dieser Provenienz geschaut, das Bild des 40er-Objektivs war grausam und wurde locker von jedem endlichen zeiss Achromaten der schwarzen Baureihe getoppt.
Weil eben "unendlich" an sich keinerlei Qualitätsmerkmal darstellt, es ist nur ein anderen System.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: beamish in Dezember 30, 2010, 23:52:57 NACHMITTAGS
Liebe "Gemeinde"

ich verfolge solche und ähnliche Grundsatzdiskussionen seit meiner noch nicht so langen Mitgliedschaft in diesem Forum schon des öfteren. Und es läuft doch wieder auf das Gleiche hinaus: Es kommt drauf an, was für Ansprüche man hat. Wenn man z.B. wie ich, nur die Bestimmungsmerkmale der Objekte der jeweiligen Begierde sehen will, reicht mit Sicherheit in 90% der Fälle ein "altes" Endlichsystem aus. Wenn man aber darüberhinaus gehen will und das Ziel ein perfektes Mikrofoto von was auch immer ist, wird man sich den technischen Neuerungen nicht verschließen wollen.
Ich kann gar nicht sagen, wieviel besser heutige Systeme sind, weil ich noch nichtmal die Möglichkeiten der Endlichsysteme aus eigener/direkter Anschauung kenne. Ich kann sie nur immer wieder aus den unglaublich tollen Beiträgen der Forenmitglieder erahnen.
Und noch ein Wort zum mechanischen Qualitätsabfall: Ich habe mich über einige Mikroskope inzwischen zu einem Zeiss Standard 14 "hochgearbeitet". Da muß ich noch dran rumschrauben, bis es "läuft". Das mußte ich bei meinem Junior nicht! Das haptische Wohlfühlen an dem Grob-/Feintrieb, das ich beim Junior habe stellt sich mir beim Standard nicht ein. Ich konstatiere hier schon einen rein mechanischen und auch optischen (korrodierender Kunstoff an den Griffen und Leuchtfeldblende etc.) Qualitätsverslust bereits in den 70er Jahren. Und ich möchte gar nicht wissen (oder doch?) wie das im Vergleich zu einem GFL ist.
Die modernen Optiken und Systeme sind im professionellen Bereich vielleicht den alten überlegen. Aber ich als Amateur, dem auch was an dem Gerät an sich liegt, möchte eigentlich kein Stativ mit Plastikgehäuse auf dem Tisch haben.
Und da wären wir wieder bei den Autos. Mit einem Mercedes 300 SL kommt man auch ans Ziel...  ;D

Grüße

Martin
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Werner Jülich in Dezember 31, 2010, 00:17:09 VORMITTAG
Noch eine Bemerkung zu Endlichoptik.
Die Firma Hund ist aus verschiedenen Gründen, die mir wohlbekannt sind, bei 160er Optik geblieben. Das war eigentlich auch kein Problem, man hatte sich auf eine bestimmte Qualität festgelegt und hatte bzw. hat die Produktion im Griff. Es gab und gibt neben den klassischen Durchlichtmikroskopen auch Auflichtvarianten und da hat sich dann bei der Auflichtbeleuchtung eine Menge getan, denn es gibt zur Zeit insgesamt 5 verschiedene Systeme. Das H600 ist als Baukasten ausgelegt. Inzwischen gab es dann, überwiegend durch unsere Kunden, auch Wünsche nach komplexeren Systemen und obwohl diese prinzipiell verfügbar sind, kommt man als Produzent von Endlichoptik in die Kostenfalle, denn Endlichoptik ist nur solange preiswert, wie man auf Zwischensysteme, Telanlinsen verzichten kann.
Mit jeder zwischengeschalteten Komponenten die mit dieser Zwischenoptik ausgestattet werden mußte, ging der ursprüngliche Preisvorteil der Endlichsysteme verloren, im Prinzip mögliche, neue Komponenten wurden dann aus Kostengründen verworfen, bzw, kamen in der Fertigung zu teuer.
Als Beispiel möchte ich das H600 Auflicht-Durchlicht nennen, das dann noch mit einem Analysator und Rot1-Schieber ausgestattet wurde. 2 zusätzliche Komponenten, die jeweils die entsprechende Zwischenoptik benötigen.

Die Endlichoptik ist kaufmännisch ausgereizt, man kann es noch etwas hinauszögern aber irgendwann wird man entweder umstellen müssen oder diese Komponenten nicht mehr wettbewerbsfähig anbieten können.
Damit erledigt sich dann die Frage, nach der "richtigen" Optik-Philosophie ganz von alleine, der Taschenrechner wird entscheiden.

Vor dieser Frage steht zukünftig aber jeder Hersteller, 160er Optik bis zum einfachen Kursmikroskop und danach die preiswertere Unendlichoptik. Wir haben das sogar schon bei der Bonntec-Linie realisiert, alle anderen Anbieter werden folgen müssen oder vom Markt verschwinden.

Werner Jülich




Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: HDD in Dezember 31, 2010, 08:42:32 VORMITTAG
Hallo,

Zum Jahresende muß ich zu dieser, für mich sehr interessanten Diskussion auch noch
meinen Senf dazugeben.
In der Szene der High End Astronomie werden unter den Amateurastronomen genau die
gleichen Diskussionen geführt wenn es um das " beste " Fernrohr und die " beste " Optik
geht.

Fazit : Es gib sie nicht !  Jedes Fernrohr hat seinen Himmel !

Ich sehe hier genau die gleiche Situation.
Bis der Mikroskop-Interessierte sich überhaupt im Klaren ist was er eigentlich beobachten will, vergehen
unter Umständen Jahre der Einarbeitung und der Beschäftigung mit dem Thema.
Und nun hat der gute Mann (Frau) ein Problem: Er (Sie) will das Superteil kaufen, was sehr viel Geld kostet.

Also was macht er?   Er sucht sich den Wolf nach der eierlegenden Wollmilchsau.

Viel wohlmeinende nette Menschen wollen Ihn vor den gröbsten Fehlern bewahren. Aber jeder hat andere
Interessensgebiete und andere Gedankenabläufe. Der arme Mensch lernt seine wohlmeinenden Kollegen zu
achten und zu respektieren. Er findet hier im Forum Spezialisten deren Arbeit ihn faziniert.
Und so etwas will er auch machen.

Er will von jedem Part nur ein wenig: Es muss ja nicht ganz so profihaft sein!
Das andere Fachgebiet interessiert mich aber auch. Was soll ich nun tun ??

Sind wir wieder bei der eierlegenden ....

Fazit: Es gibt sie nicht !  oder doch ? ... gegen den Wert eines Mercedes sicher aber dessen
Verarbeitung ist auch nicht das was sie mal war.
               

In der Astronomie haben jahrelang die verschiedensten Händler davon gelebt, daß die Astronomen
ihre teuer erworbenen Geräte wieder verkauft haben um sich einem neuen Fachgebiet zu zuwenden.
Das "alte" Gerät wurde regelrecht verscheuert und als Anzahlung für ein neues Fernrohr genommen.
Nach Jahren hat er dann festgestellt, dass die neue Kiste auch nicht das war, was er erwartet hatte.

Wenn ich mir den komplexen Aufbau der Mikroskope anschaue und die Möglichkeiten die ich damit
habe, komme ich immer wieder zu dem Schluß, daß ein Fernrohr dagegen ein einfaches Spekulier-
Eisen ist.
Also bleiben wir bei den Möglichkeiten die uns unser Finanzminister zugesteht.

Wie war das?  " Jedes Fernrohr hat seinen Himmel "


In diesem Sinne :

Allen Forumslesern einen guten Rutsch und die besten Wünsche für 2011


Horst-Dieter



                       
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Rawfoto in Dezember 31, 2010, 08:57:32 VORMITTAG
Liebe KollegInnen

Die "technische Machbarkeit" ist leider nicht das alleinige Kriterium einer Entwicklung unserer Zeit. Das Hauptkriterium wird immer mehr der Grenznutzen. Wir produzieren Heute also nicht im Bereich des Möglichen. Die Ausnahmen kann man an einer Hand abzaehlen ...

Möglichst hohe Absatzzahlen und damit verbundene EBIT-erwartungen treiben neue Produkte. Natürlich sind diese Produkte in vielen Bereichen besser, sie koennten aber noch besser sein. Nur sind wir dann meist auch nicht bereit höhere Preise zu zahlen und das gibt wiederum dem Controller recht.

Es hat sich also die Philosophie bei der Entwicklung in den letzten 30 Jahren deutlich verändert. Daher findet man gerade auf der mechanischen Seite "liebenswertes" aus dem vergangenem Jahrtausend und das ist doch schien. Wir haben die frei Entscheidung zu Wahlen.

Ich habe einen Wunsch, aber der wird leider nie in Erfüllung gehen. Der ist "neu gerechnete Topp Objektive" für mein geliebtes Olympus BHS ... Was das bringt konnte ich erst dieses Jahr bei Canon und dem "neu" gerechnetem 100er Makro erleben. Kontrast, Klarheit und Verzeichnung haben sich deutlich verbessert.

Was ich aber auch erleben muss, wir durchlaufen einen Prozess der in meinem Fall mit einem Ausstellungsprint, einem Offsetdruck oder einem Webbild endet. Die für die Qualität relevanten Fertigungsschritte liegen nur in einem kleinen Teil am Objektiv und in einem noch viel kleineren Teil am Stativ! Das beginnt beim Präparat und ein Großteil der Prozessschritte liegt im Bereich der elektronischen Bildverarbeitung. Und gerade im letzten liegt im Bereich der Fotografie der Hauptverbesserungsbedarf ...

Was ich damit sagen will, es nutzt nichts einen Prozessschritt auf 100 Prozent zu treiben, wenn man die anderen bei 20 belasst. Die Kette ist so stark wie das schwächste Glied, dieses Sprichwort aus dem vergangenem Jahrtausend trifft es immer noch auf den Punkt ...

:-)

Gerhard
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Stefan_O in Dezember 31, 2010, 09:21:20 VORMITTAG
Neben der Frage, was sich technisch verändert hat, wäre die Frage, was an zusätzlichen Informationen bei gleicher Aufgabenstellung dazu gekommen ist. Mehr Klarheit, bessere Zeichnung ist zwar nett, bringt es aber mehr Nutzen, mehr Informationen im Bild, neue Erkenntnisse? Hat Huttenlocher 1934 weniger Informationen in seinem Auflicht Pol gesehen, als ich mit meinem 30 Jahre alten Orthoplan (mit Unendlich-Optik...)? Würde ich mehr sehen, wenn ich ein heutiges Top-Modell Pol Auflicht kaufen würde? (Vieleicht, aber ohne Nutzen, weil ich es nicht interpretieren kann). Das Mikroskop ist immer noch ein Werkzeug, bei dem das Forschergehirn dahinter nicht durch eine Datenbank ersetzt wurde. Huttenlocher's Aufsatz ist immer noch aktuell....

Wohlgemerkt, das gilt bei gleicher Aufgabenstellung, ein Vergleich verschiedener Techniken ist nicht zulässig. Die "neueren" Techniken sehe ich eher als gravierende Änderungen der letzten 20 Jahre (wie der Einzug des konfokalen Mikroskops in die Biologie-Labore - nicht auf den Markt, sondern in die Labore).

Preis, Qualität: mein Orthoplan hat damals 36500 US$ (Listenpreise der Teile/Gruppen) gekostet, heute wären das um die 97000 US$. Irgendjemand war gewillt, soviel Geld dafür hinzulegen, glücklicherweise. Hasselblad mit kompromissloser Technik ist auch noch am Markt. Viel Geld für hohe Qualität ist immer noch machbar und keine Entschuldigung für "Plastik".

Nur so meine Gedanken zum Thema....

Gruss,
Stefan

Huttenlocher http://retro.seals.ch/digbib/view?rid=smp-001:1934:14::30&id=home&id2=browse4&id3=
Die Bilder dazu http://retro.seals.ch/digbib/view?rid=smp-001:1934:14::162&id=home&id2=browse4&id3=
Inlflationsrechner http://www.coinnews.net/tools/cpi-inflation-calculator/
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Dr. Jekyll in Dezember 31, 2010, 09:54:55 VORMITTAG
Liebe Mikroskopiefreunde,

abgesehen von der Mechanik und der Optik hat sich doch noch mehr verändert, das Design!
Sicher ist hier ein Großteil reine Geschmacksache, aber die alten Leitz- oder Zeiss-Mikroskope sind doch wirklich
was fürs Auge. Ich habe noch kein modernes Mikroskop gesehen, dass hier mithalten kann.
Übrigens wird auch in heutigen Labors häufig noch mit Orthoplan, Diavert, Universal.......e.t.c. gearbeitet.
Und dies nicht immer aus Kostengründen, sondern weil auch heute noch etliche Fragestellungen mit diesen Geräten
professionell bearbeitet werden können.
Wer will kann jetzt natürlich wieder mit Autos vergleichen ;D Ich hätte gerne einen schönen gepflegten Oldtimer mit faszinierender Mechanik und guter Optik (Lampen) ;D

Viele Grüße und guten Rutsch
                                           Harald
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Dezember 31, 2010, 12:37:46 NACHMITTAGS
Liebe Freunde,

nachdem ich meine Festplatte erfolglos durchsucht hatte, habe ich auf einem USB-Stick nun doch noch ein Foto gefunden, das ich später für einen Vortrag durch ein neues ersetzt habe, weil es mir so ganz und gar nicht gefallen hatte.

Zu sehen ist ein histologischer Schnitt durch die menschliche Lunge in der Berlinerblau-Reaktion. Hierbei wird Hämosiderin blau dargestellt. Des Gewebe stammt von einer Patientin, die unter einer sehr seltenen (1:1.000.000), nur bei Frauen auftretenden Lungenerkrankung litt. Die Lymphangioleiomyomatose ist eine tumorartige Erkrakung, die mit der glatten Muskulatur ähnelden Infiltraten der Lunge sowie einem zystischen Umbau des Lungengerüstes einher geht. Hierbei kann es zu massiven Blutungen kommen, die, wenn sie lange genug überlebt werden, später als massive Hämosiderinablagerungen imponieren.

Das 1. Bild wurde an einem Leica DMLB mit N-Plan 4x und einer Leica-Mikroskopkamera mit (ich glaube) 3,1 MP gemacht. Das Paket wurde von Leica so vor ca. 4 Jahren verkauft.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54827_23861372.jpg)

Das 2. Bild habe ich dann am Leitz Orthoplan (letzte Serie mit 160 mm Objektiven) mit dem Planapochromat 4x und einer Nikon Coolpix 990 gemacht.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/54827_38792184.jpg)

Auch das zweite Bild ist sicher nicht perfekt (ich liebe Zeiss-Kameras mit AxioVision...), vielleicht kann man aber nachvollziehen, dass ich inzwischen dafür gesorgt habe, dass die N-Plane gegen HC Plan-Fluotare getauscht wurden  ;). Mir gefällt jedenfalls in der direkten Gegenüberstellung das am Orthoplan geschossene Foto besser. Beide Fotos sind (milde) geGIMPt!

Es soll hierbei nicht darum gehen, den direkten Bick in das Mikroskop durch ein Foto zu ersetzen; durchs Okular geblickt hat man zunächst bei beiden Mikroskopen ein exzellentes Bild, und nicht jeder wird auf Anhieb die Vorzüge des Apochromaten bemerken. Es geht mir darum zu zeigen, mit welcher technischen Lösung welches Ergebnis erzielt werden kann. Dass z.B. die Leica-Kamera bei Lupenvergrößerung eine derartige Vignettierung und Randverzerrung aufweist, ist ein Faktum. Durch Ersatz des Kondensors durch einen mit eingebauter Mattscheibe haben wir inzwischen den Effekt beim 4er Objektiv beseitigen können, allerdings haben wir ihn noch ansatzweise beim 2,5er. Dass die CP nicht absolut randscharf abbildet, wundert mich indessen weniger.

Herzliche Grüße,
Florian

Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Peter V. in Dezember 31, 2010, 13:17:37 NACHMITTAGS
Lieber Florian

Zitatdurchs Okular geblickt hat man zunächst bei beiden Mikroskopen ein exzellentes Bild, und nicht jeder wird auf Anhieb die Vorzüge des Apochromaten bemerken.

So ist es! Ich habe an meinem DMLB HCX-Planapochromate 20 und 40 ( das sind die besten trockenen Unendlich-Planapos dieser Vergrößerungen, die es von Leica gibt ) im direkten Vergleich mit den entsprechend vergrößernden N-Planen. Und wenn man mal ganz ehrlich ist: Sicher ist für den Geübten z.B. an einem Pflanzenschnitt die bessere Auflösung des Planapos an kleinsten Details erkennbar, wenn man diese bewusst betrachtet, was aber den Farbkontrast und den gesamten Bildeindruck über das 22er oder 25er-Sehfeld betrifft, kann man auf Anhieb keine wirklich gravierenden Unterschiede erkennen.
Ich weiss auch nicht, ob man den Unterschied auf einem Foto mit der Coolpix 990 oder 995 überhaupt erkennen würde - vielleicht, wenn man stark hineinzoomt. ( habe es allerdings so noch nicht ausprobiert ).
Allerdings gebe ich zu, dass man seine Augen auch "verwöhnen" und an die bessere Auflösung gewöhnen kann, aber ohne den direkten Vergleich kann man hier z.B. auch mit N-Planen leben.

Das nur, weil Du es auch erwähnst. Obowhl es ja hier nicht ganz zum Thema passt, weil ich ja jetzt über den Vergleich der Objektivklassen des gleichen hersteller sim Unendlich-System berichte.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei den Mikroskopen verändert?
Beitrag von: Mikroman in Dezember 31, 2010, 13:26:30 NACHMITTAGS
Eine hochspannende, teils auch philosophische Diskussion um den Stand und Wert der heutigen Mikroskoptechnik. In den letzten Jahren habe ich mir auch so einige Gedanken gemacht über den "Verfall der mechanischen Werte". Ich selbst besitze seit wenigen Jahren ein Orthoplan und gehe mit Vergnügen damit um. Irgendwo las ich, dass in der damaligen Produktion (die dann später "unbezahlbar" wurde) eine Lebensdauer von 50 Jahren zugrunde gelegt wurde. Dann hatte ich das Glück, vor drei Jahren etliche Seminare mit den Zeissianern (Vertrieb, Produktmanagement) bestreiten und ihre neuen Produkte (LSM, Apotom, Discovery V8 etc.) dadurch auch etwas näher kennen lernen zu dürfen. Aus Sicht eines "Liebhabers" (Amateurs) kann ich es mir jetzt einfach machen (hier fällt mir auch das Wort unseres Altmeistern Herrn Henkel ein (sinngemäß), daß man als Amateur auch sein Mikroskop lieben muss, um hier etwas bewegen zu können): die neueren Stative sind von ihrer optischen Leistung durchweg überragend, ergonomischer, "elektronifizierter" (Computer-Inferface) und vor allem stark anwendungsbezogen, aber die Anmutungsqualität (ob nun billiges oder teures "Plastik") ist in Teilen bestenfalls mittelmäßig, z.B. die unterschiedlichen Farbtöne an lackierten Metall- und lackierten Kunststoffteilen), das Vergilben von Kunststoffteilen, fragile Befestigungen, Plastikknöpfe etc. Als ambitionierter Laie kann ich da nur sagen: den größten Teil davon brauche ich nicht (sehr wohltuend auch hier wieder Herrn Henkels Statement, als Amateur so gut nie ein Objektiv mit n.A. > 1.0 gebraucht zu haben) , könnte bzw. wollte ich weder bezahlen noch - bei Elektronikausfällen - reparieren.  

Betrachte ich hingegen isoliert nur die optische (auch mikrofotografische) Leistung, dann stimme ich Rene ("Fortunately, I have 2 Olympus scopes available and are able to make a comparison between Olympus SPlanApo 60/1.4 and an equivalent 8year old UPlanApo for infinity. I do not see a difference in the whole of the 20mm FOV.") zu: bei den meisten Präparaten wie sie wohl im Amateurbereich Verbreitung finden, wird man durch den Einsatz professioneller neuer Stative keine signifikante Qualitätssteigerung erwarten dürfen, wohl aber hin und wieder einen fühlbaren Minderwert, was die feinmechanische Qualität des Arbeitsgeräts betrifft. Und noch einen "Nachteil" haben die neueren Profigeräte von Leica, Nikon, Olympus, Zeiss u.a.: als Amateur müßte man sich vermutlich erst stundenlang ins Manual vertiefen, um danach einigermaßen sinnvoll damit arbeiten zu können.

Mit besten Wünschen für das NEUE JAHR
Peter