Ich denke immer noch über Brillen nach...

Begonnen von alferillu, November 16, 2012, 13:26:26 NACHMITTAGS

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alferillu

Hallo,

eigentlich dachte ich, daß ich die Optik des Mikroskops so einigermaßen verstanden hatte.
Jetzt rätsele ich aber an einer Sache rum die mich daran zweifeln läßt:

All die Erklärungen und Schaubilder zum Strahlengang im Mikroskop sehen ja vor, daß ein Auge mit voller Sehschärfe durchs Okular schaut.
Für Brillenträger gibt es dann ein spezielles Okular, das aber nicht den Augenfehler ausgleicht, sondern lediglich Platz für das Brillenglas schafft.

So, was aber passiert denn, wenn ich als Brillenträger meine Brille absetze und unbewaffnet ins Okular blicke? Ich bekomme das Bild dann ja auch scharf gestellt, indem ich den Tisch entsprechend um ein paar Feintriebdrehungen verstelle.
Irgendwie müßte dann aber doch der ganze, fein abgestimmte Strahlengang völligaus dem Ruder laufen...
Irgendwelche Abbildungsfehler sollten sich bemerkbar machen...

Ich merke so nichts. Daß es an meinem Stemi, mit dem ich seit mehreren Jahren arbeite, nicht weiter aufgefallen ist, wundert mich ja nicht.
Am neu dazugekommenen Junior hätte ich da aber schon etwas auffälligeres erwartet. (Wie gesagt, ohne theoretisch aufgedröselt zu bekommen, was dann durcheinander kommt)
Vielleicht liegt es auch daran, daß ich bis jetzt nur den Vergleich habe zwischen hampelig, wackelig mit Brille durchs Nicht-Brillenokular zu schauen, im Gegensatz zum ruhigen Blick ohne Brille.
Oder sind die Fehler so marginal, daß die erst beim Köhlern oder bei professionelleren Mikroskopen ins Gewicht fallen?

Schöne Grüße,
       Uwe

Wolfram Weisshuhn

#1
Hallo,

schon mal Mikrofibel gelesen?

mfG

W.W.

MarkusP

Hallo Uwe,

die Sehprobleme die z.B. Hornhautverkrümmung verursacht kannst Du m.W. nur durch die Brille wieder ausgleichen.
Wenn Du durch ein Stemi schaust und eine Hornhautverkrümmung hast dann kannst Du nur scheinbar alles scharf stellen!

Ich habe genau diese Problematik mal mit einem Augenoptikermeister besprochen.

Herzliche Grüße
Markus
Meine Arbeitsmikroskop:
Zeiss Standard 14 mit Phako und Fototubus

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alferillu

Hallo Wolfram,

da habe ich wohl die falsche Mikrofibel gelesen...
Gut, ich habe die erst einmal gelesen, stellenweise vielleicht auch überflogen, wenig nur übersprungen. Ich behalte auch nicht immer alle Details im Kopf - Namen Zahlen und Fakten kann ich nie richtig zitieren. Als Ausgleich kann ich mich aber weitgehend darauf verlassen, daß ich gespeichert behalte, was ich wo nachschlagen kann. Und dieses Gespür hätte mir mit meiner Frage nicht zur Mikrofibel geraten.

Auf Deinen mahnenden Zeigefinger hin habe ich mit schlechtem Gewissen in der Fibel nach "brille" gesucht:
Es wird nur allgemein darauf hingewiesen, daß man seine Fernbrille benutzen soll, weil sonst die Tubuslänge nicht mehr stimmt und der saubere Abgleich "mehr oder weniger" verloren geht.

Aber das sag ich doch.

Was ist aber "mehr oder weniger"? Was verändert sich bei wieviel Dioptrien an der Bildqualität bei welcher Beleuchtungsbethoder oder welchen Objektiven? Und wäre das für mich relevant oder zu vernachlässigen? Oder welche Abbildungs- und Farbfehler jubelt mir die Brillenlinse unter?

Schöne Grüße,
      Uwe


Detlef Kramer

Hallo Uwe,

der Wolfram ist so und so kennen wir ihn. Ist nicht böse gemeint aber auch nicht sehr hilfreich.

Ich selbst bin Brillenträger, rechts -2,5 D, links -1. Geringer Astigmatismus. Ich kann mit Brille nicht mikroskopieren - ist mir einfach unangenehm. Gleiches hat auch Klaus Herrmann hier schon berichtet. Klar, man muss leicht umfokussieren, aber die Abweichung von den idealen Bedingungen ist so gering, dass in der Praxis keine Qualitätseinbußen zu erwarten sind. Problematisch wird es beim Fotografieren mit dem Trino-Tubus. Da benötigt man Dioptrienkontrolle entwder an den Tuben oder den Okularen. Kalibrieren muss man dieses System, indem man am Foto-Tubus MIT Brille fokussiert und dann die beiden Beobachtungstuben OHNE Brille so einstellt, dass wieder alles scharf erscheint.

Bei starkem Astigmatismus funktioniert das alles aber nicht mehr.

Herzliche Grüße
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Manfred Melcher

Hallo Uwe,

wenn sich diese Korrektureinstellungen stark auf die Bildqualität auswirken würden, dann hätte jeder - auch rechtsichtige - jüngere Mensch hier ein Problem. Junge Beobachter, die noch über eine nennenswerte Akkommodationsbreite verfügen, stellen an einem optischen Instrument die Schärfe so ein, als wären sie kurzsichtig. Dieses Phänomen nennt sich Instrumentenmyopie.
Ich selbst bin auch kurzsichtig und beobachte vorzugsweise ohne Brille, merke aber bei Beobachtung mit Brille keinen Unterschied in der Bildqualität.

Liebe Grüße

Manfred

alferillu

Danke Detlef und Manfred,


für die Auskunft, daß das funktioniert.
Als Neuling ist man schon etwas unsicher, ob man nicht grundsätzlich alles falsch macht.
Und dann will ich die Mikroskope auch noch für etwas andere Zwecke etwas anders benutzen, als üblich.

Am Stereomikroskop habe ich Winkel von Wachstumsspiralen untersucht und gezeichnet. Mit dem dafür angeschafften Zeichentubus konnte ich aber nie richtig warm werden, weil ich da weder mit noch ohne Brille die zwei ineinanderprojizierten Bilder scharf zu sehen bekam.

Jetzt will ich nachsehen, wie weit sich das äußerliche Spiralmuster in der inneren Struktur fortsetzt und habe den entsprechenden Zeichentubus auch an einem "richtigen" Mikroskop.

Ein Brillenglas im Einblickloch zu installieren, wie Jürgen H. vorschlug, ist wohl optimal. Danke nochmal.
Ich habe ein Glas meiner älteren Bildschirmbrille, die auf rund 40cm eingestellt ist, oben privisorisch fixiert (erstmal, muß die noch kleinschleifen, damit sie ins Gehäuse passt). So habe ich die Zeichenfläche klar im Blick und muß das Mikroskop dann auf die immer noch kurzsichtige Brille scharfstellen.

Das scheint prima zu funktionieren. Aber da war eben noch die Unsicherheit, ob das auch lege artis ist...
Also danke für Euer "das geht schon o.k.".

Sag mal, Manfred, soll das mit der Instrumentenmyopie vielleicht daran liegen, daß ein "Vollakkomodierer" das virtuelle Bild in 25cm Entfernung erkennt und darauf scharfstellt? Fände ich eigentlich sowieso logisch.

Schöne Grüße,
       Uwe



Manfred Melcher

Hallo Uwe,

ob die Gründe für die Instrumentenmyopie eindeutig bekannt sind, wage ich zu bezweifeln. Es spielt hier sicher eine starke psychologische Komponente mit. Die Akkommodation orientiert sich eher an der Entfernung des benutzten Geräts zum Auge, als an der Entfernung des dargebotenen Bildes. Dieses Phänomen tritt bei Fernrohrbeobachtern gleichermaßen auf.
Diese Diskussion hatten wir im Forum bereits schon einmal:
http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,50967,50967#msg-50967

Liebe Grüße

Manfred