Keine Auslöschung mit dem Ehringhauskompensator!

Begonnen von Walter P., Januar 16, 2015, 18:52:26 NACHMITTAGS

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Walter P.

Liebe Kollegen!

Bei der Abbildung handelt es sich um einen Dünnschliff von Beton. Das Gesteinskorn in der Zementmatrix ist ein Gneis. Das längliche Mineral in der Mitte der Bilder dürfte ein Biotit sein, wenn ich mich nicht täusche (bräunlich Farbe, starker Pleochroismus, vollkommene Spaltbarkeit, tafelig, grünliche Interferenzfarbe, Auslöschung unter XPL bei 0 und 90° zu den Spaltflächen ).

Eine Auslöschung beim Drehen des Poltisches ist eindeutig erkennbar.
Eine Messung des Gangunterschiedes mit dem Ehringhauskompensators ist aber nicht möglich, da ich keine Dunkelstellung erreiche (Kompensator 0-6), auch nicht mit dem Kompensator mit hoher Bandbreite(0-130)!
Auch ein Achsbild ist nicht erkennbar, somit auch keine Bestimmung ob ein oder zweiachsig, positiv oder negativ.

Was ist der Grund warum ich den Gangunterschied nicht messen kann? - ungünstiger Achswinkel?

Schönen Gruß
Walter

Anbei die Bilder dazu (bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität, aber ich habe es noch immer nicht geschafft meine Fotoeinrichtung einzustellen).


PPL, 45° zur Auslöschung

 
PPL, 0° zur Auslöschung


XPL, 45° zur Auslöschung

Rama61

Hallo Walter,

wenn Du mit dem Ehringhauskompensator nicht kompensieren kannst steht vermutlich das zu untersuchende Korn in Additionsstellung. Drehe Deinen Tisch um 90 Grad und dann sollte das Korn in Subtraktionsstellung stehen und sich problemlos kompensieren lassen.

Herzliche Grüße

Rainer
Rama61

Walter P.

Hallo Rainer!

Danke für die Antwort.
Das war auch mein erster Gedanke. Ich habe das bereits überprüft. Leider keine Änderung.

Schönen Gruß
Walter

Rama61

Hallo Walter,

ich habe noch einmal Deine Bilder studiert. Meinst Du mit "PPL" Parallele Polfilter und entsprechend bei "XPL" gekreuzte Polfilter? Dann solltest Du unbedingt nur bei gekreuzten Filtern kompensieren. Auf dem "XPL"-Bild zerfällt Dein großes Korn doch auch gleich in viele kleine Individuen und die zeigen ja zum Teil eine Dunkelstellung.

Du mußt Dir schon die einzelnen Körner zum Messen herauspicken, bei gekreuzten Filtern in Dunkelstellung bringen, per Tischraste um 45 in maximale Helligkeit stellen und dann überpprüfen, ob Du in Additions- oder Subtraktionsstellung bist. Danach gegebenenfalls den Kristall um 90 Grad weiterdrehen und so in die Subtraktionsstellung bringen und dann kompensieren. Auf der schwarzen Skala kompensieren und den Wert von der Meßtrommel ablesen, dann auf der roten Skala kompensieren und den Wert von der Meßtrommel ablesen, den Mittelwert bilden und in der zum Kompensator gehörigen Tabelle den Gangunterschied in nm ablesen. Wenn ich es genauer wissen will, mache ich drei bis fünf Messungen und bilde daraus den Mittelwert mit dem ich dann in die Tabelle gehe.

Ich hoffe das löst das Problem.

Viele Grüße

Rainer
Rama61

Walter P.

Hallo Rainer!

Danke für deine Mühe.
PPL steht für Parallele PoLarisation.
XPL steht für gekreuzte PoLarisation.

Die Kompensation erfolgt natürlich nur bei XPL, bei höherer Vergrößerung und Abdeckung der umliegenden Minerale mittels Tubusblende.

Die Bilder in PPL habe ich nur zur Ergänzung beigegeben, da ich vermute, dass ich möglicherweise beim Mineral (Biotit) auf dem Holzweg bin, obwohl eigentlich alles dafür spricht. Wenn nur nicht das Problem mit dem Kompensator und den Achsbildner wäre.

Wie gesagt, Dunkelstellung in XPL ist gut sichtbar. Kompensation erfolgt bei 45 Grad Stellung in XPL mit Objektiv CZJ Planachromat 12,5x/0,25 unendlich/0,17 Pol. Die Bilder wurden mit einem CZJ Planachromat 4,0x/0,10 unendlich Pol und mf Projektiv k 3,2 aufgenommen.
Üblicherweise ist die vollständige Kompensation durch eine schwarzen Streifen, der auf das Achskreuz einzustellen ist, erkennbar. Bei diesem Mineral beiße ich mir aber die Zähne aus. Ich kann einfach keine Kompensation erreichen. Die Farbänderungen beim Drehen des Kompensators sind auch kaum erkennbar bis nicht vorhanden.

Die Achsbilder sind leider auch nicht erkennbar.
Ich bin ratlos.

Schönen Gruß
Walter

Rama61

Hallo Walter,

speziell für die Achsenbilder benötigst Du aber höher vergrößernde Objektive, 40/0,85 oder 50/0,95, so in der Größenordnung. Zum Betrachten der Achsenbilder solltest Du auch eine Amici-Bertrandlinse im Mikroskop haben, ansonsten mußt Du das Okular herausnehmen und direkt in den Tubus blicken um die Achsenbilder erkennen zu können. Ein Hilfsfernrohr ist dabei ebenfalls eine dankbare Angelegenheit, wenn man denn hat.

Soviel für heute!

Herzliche Grüße

Rainer
Rama61

Walter P.

#6
Danke Rainer!

Ich beobachte die Achsbilder mit Pol Tubus mit einklappbarer Bertrandlinse.
Als Objektive verwende ich CZJ Planachromat 63x/0,80 Pol unendlich/0,17 oder Planachromat HI 100x/1,30 unendlich/0,17 (dann bei eingeklappten Klappkondensor Pol).

Gruß
Walter


olaf.med

Hallo Walter,

dies ist ganz sicher ein Biotit und Du wirst an diesem Korn niemals ein interpretierbares Achsenbild erhalten, da die Schnittlage dies nicht zuläßt!

Wozu willst Du mit dem Kompensator einen Gangunterschied genau messen? Du kannst vom Rande her die Ordnungen abzählen und das reicht für die Diagnose völlig aus!

Für die Beobachtung des Achsenbilds mußt Du einen sog. Kopfschnitt suchen, der im linear polarisierten Licht braun aussieht, keine Spaltbarkeit und keinen (oder nur sehr geringen) Pleochroismus zeigt.

Gruß,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Walter P.

#8
Hallo Olaf!

Danke für Deine Expertise.
Da ich mehr oder weniger rechtwinkelig auf die optische Achse des Minerals schaue kann ich kein Achsbild sehen. Das habe ich verstanden.

Warum ich mit dem Kompensator den eindeutig vorhandenen Gangunterschied nicht kompensieren kann ist mir noch nicht klar. Gibt es dazu eine technische Erklärung oder mache ich nur einen handwerklichen Fehler?

Einen geschliffenen Gruß
Walter

olaf.med

Hallo Walter,

ich habe keine vernünftige Erklärung dafür, dass der Gangunterschied mit dem Kompensator, wenn er denn wirklich 6 Ordnungen umfaßt, nicht meßbar ist. Ich vermute dass es sich um einen Anwendungsfehler handelt. Hast Du es einmal mit den benachbarten Quarzen probiert? Die sind wegen der Tatsache, dass sie nicht gefärbt sind, einfacher zu messen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

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Walter P.

#10
Hallo Olaf!

Der Kompensator funktioniert einwandfrei. Ich hab in auch mit einem Lambda Hilfsobjekt überprüft.
Bei Quarz und Muskovit erhalte ich eine eindeutig erkennbare Dunkelstellung durch den Kompensator.
Ich habe nun mal alle Glasflächen gereinigt und die Dunkelstellung der Polfilter überprüft.

Bei hoher Vergrößerung (25x) und Drehung des Kompensator ist eine leichte Farbänderung beim Biotit erkennbar, aber keine Dunkelstellung, wohingegen die umliegenden Minerale ein leuchtendes Farbenspiel zeigen.
Dürfte wohl an der Achslage liegen, da Biotite die mehr Richtung optischer Achse geschnitten sind gut mit dem Komensator ausgelöscht werden können.

Könnte der beobachtete Effekt auch an einer beginnenden Verwitterung des Biotit liegen?

Schönen Gruß
Walter  

olaf.med

Lieber Walter,

ZitatDürfte wohl an der Achslage liegen, da Biotite die mehr Richtung optischer Achse geschnitten sind gut mit dem Komensator ausgelöscht werden können.

Könnte der beobachtete Effekt auch an einer beginnenden Verwitterung des Biotit liegen?

Ich glaube dies sind beides keine ausreichenden Erklärungen für das Phänomen. Evtl. ist es die starke Eigenfarbe des Biotits in dieser Lage, die die Einstellung erschwert.

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

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