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Gebrauchtkauf

Begonnen von astro_horst, Juni 15, 2009, 17:03:14 NACHMITTAGS

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astro_horst

Hallo,

ich bin auf der Suche nach einem Mikroskop und studiere zur Zeit den Gebrauchtmarkt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie so die Preise sind. Dabei habe ich des Öfteren von delaminierten Objektiven gelesen. Was heißt das genau und erkennt das jeder Laie?
Eine andere Frage, warum ist dieses http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&ssPageName=STRK:MEWAX:IT&item=270399766785 Gerät nicht verkauft worden? War es zu teuer oder taugt es nichts? Mir als Anfänger war es zu kompliziert, aber hat man da nicht viel für Geld bekommen?

Gruß Horst
mit freundlichen Grüßen
Horst

Detlef Kramer

Hallo,

das Gerät wäre für 500 € bestimmt ein Schnäppchen gewesen für den, der weiß, um was für ein Gerät es sich eigentlich handelt. Es ist kein Hersteller genannt! Wie soll man da z.B abschätzen, wie die Chancen stehen, einen Fototubus zu erhalten - der Wunsch kommt ganz, ganz schnell! Dazu kommt, dass es sich um ein russisches Fabrikat handelt - die stehen nicht gerade im besten Ruf. Bei der Beschreibung der Objektive fehlen wichtige Parameter (N.A., Tubus- und Abgleichlänge).

Das alles ließe sich aber mit dem Anbieter abklären, am besten vor Ort. Da es sich vermutlich um ein Lomo handelt, ließe sich auch das Problem mit dem Foto-Tubus klären, allerdings mit einer Verteuerung um ca. 200 €. Und da der Anbieter bestimmt gefrustet ist angesichts der fehlenden Resonanz, kann man bestimmt auch den Preis noch drücken. Aber man bedenke auch, dass man auch noch einen Feinmechaniker benötigt, der den Feintrieb neu justiert (kein großes Problem).

Herzliche Grüße

Detlef Kramer
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken

Robert Götz


Das war ein Mikroskop für Sammler.
Ein Sammler erkennt natürlich sofort, dass es sich um ein Lomo handelt und auch Tubus- und Abgleichlänge sind ihm bekannt.
Wer ein Mikroskop zum täglichen Gebrauch sucht, sollte sich ein verbreiteteres Modell zulegen, für den Preis bekommt man ein
gutes Zeiss Standard.
Wenn ich besser bei Kasse wäre, hätte ich das Gerät gekauft, obwohl ich etwas Sorge wegen des Versands gehabt hätte.


Peter V.

#3
Hallo!

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Es ist ein Lomo - und die will ( fast ) niemand!
Ich kenne dieses Mikroskop bzw. diesen Mikroskoptyp.
Zunächst: Den Sofortkaufpreis können Sie komplett vergessen, der ist Dimensionen vom tatsächlichen Marktwert dieses Gerätes entfernt. Und 499 EUR sind eben auch noch 499 EUR, dafür bekommt man schon locker ein gutes Zeiss Standard. Auch, wenn das Mikroskop wuchtig aussieht und man scheinbar "viel für's Geld" bekommt, muß man natürlich dieses "Viel" auch verwenden können. Der übliche Hobbymikroskopiker kann mit der Auflichteinrichtung an diesem Mikroskop und den zahlreichen Zubehörteilen nämlich schlichtweg nichts anfangen.
Lassen Sie sich von dem monströsen Äußeren nicht täuschen, dieses Miroskop hat eben auch viele spezifische Nachteile. Es hat spezielle Objektive in sehr flacher Bauweise, es besteht keine Kompatibilität zu den ansonsten gängigen Objektiven von Zeiss, Leitz etc, somit besteht praktisch keine Möglichkeit der Aufrüstung. Ebenso fehlt ein Trinotubus ( praktisch nicht original zu bekommen ).  Sonderlösungen gibt es auch bei der Beleuchtung, passende Leuchtmittel sind schwer zu bekommen und nicht mehr zeitgemäß, der Trafo entspricht nicht mehr aktuellen elektrischen Sicherheitsstandards!
Dann schauen Sie sich mal die monströse ( und unhandliche ) Köhlerbeleuchtung an. Sieht bombastisch aus, ist aber ein veraltetes Design und sehr unhandlich.
Letztens noch hat ein Bekannter die Bildqaualität dieses ( seines ) Mikroskopes mit meinem Auf- und Durchlicht Vanox von Olympus verglichen und kam zu dem Ergebnis, daß die optische Qualität des Lomo dagegen doch sehr deutlich abfällt.
Hinzu kommt, daß die Mechanik nicht gerade erstklassig ist und hier nahezu immer Nachbesserrungen und Justagearbeiten anfallen, man es zudem beleuchtungstechnisch umbauen müßte.
Bevor von unseren Lomo-Freunden Einwänden kommen: Ich sage nicht, daß das alles nicht machbar ist und das Mikroskop nichts taugt. Aber es ist doch eher etwas für einen mechanisch bewanderten Bastelfreak als für einen Anfänger. Und eben zu teuer.....

Herzliche Grüße
Peter

Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

chaosquante

Hallo astro_horst,

delaminierte Objektive, das ist ein Thema mit dem man in einem Mikroskopieforum leicht ein Endlosthema erzeugen kann. Dementsprechend wurde dieses Thema hier bereits öfter diskutiert und es gibt bestimmt reichlich weitere Informationen.

Mit dem Begriff Delaminierung wird die teilweise oder vollständige Auflösung der Verklebung von Linsen in einem Objektiv beschrieben. Im weiteren Sinne wird der Begriff auch für andere Beeinträchtigungen einer Linsenoberfläche eines Objektivs verwendet. Diese Beschädigungen können z.B. durch eine Veränderung der optischen Eigenschaften des Klebers entstehen, einen Pilzbefall einer Oberfläche, ... Je hochwertiger (und damit teurer) ein Objektiv ist umso mehr verklebte Linsen sind normalerweise verbaut, es gibt also auch mehr potentielle Stellen an denen eine Delaminierung stattfinden kann. Eine Delaminierung beginnt oft am Rand der Linse und schreitet dann immer weiter fort. Eine Delaminierung ist in jedem Fall ein Mangel eines Objektivs. Je nach Art und Fortschritt der Delaminierung und der vorgesehenen mikroskopischen Methode kann ein delaminiertes Objektiv irgendwo zwischen völlig unbrauchbar und ohne praktisch relevante Einschränkungen sein.

Ein Laie erkennt ohne weiter Hilfsmittel wohl nur ein völlig unbrauchbares Objektiv welches bereits deutlich sichtbar trüb geworden ist. Manchmal wird er wohl auch Luftblasen oder Schlieren am Rand zu erkennen können die auf eine beginnende oder fortschreitende Delaminierung hinweisen. Sicherer ist es das Objektiv in ein passendes Mikroskop einzubauen und mit dem Einstellfernrohr für den Phasenkontrast die einzelnen Linsenoberflächen zu untersuchen. Aber auch hier ist es möglich, dass man selbst bei einem vollständig delaminierten Objektiv eine Weile mit den Einstellmöglichkeiten der Beleuchtung experimentieren muss um die Delaminierung deutlich zu erkennen.

Letztlich muss jeder selber entscheiden wie viel Geld er bereits ist für welche Abbildungsleistung auszugeben. Daher ist es bei Objektiven immer sinnvoll diese selber in Augenschein zu nehmen und beim Gebrauchtkauf ein Rückgaberecht zu vereinbaren. Bei dieser Abwägung kann ein delamiertes aber hochwertiges Objektiv im Vergleich zu einem unlaminierten aber einfachen Objektiv durchaus das subjektiv bessere Preis/Leistungsverhältnis haben.

Ein Ding ist immer so viel wert, wie ein anderer dafür bereit ist zu bezahlen. Bei dem Ebay Angebot hätte mich gestört, dass kein Fabrikat angegeben war. Es war also nur schwer herauszufinden, ob für dieses Mikroskop Ersatzteile (z.B. Lampen) leicht zu bekommen sind oder interessante Ergänzungen z.B. ein passender Trinotubus später ebenfalls leicht zu bekommen sind.

Mit freundlichen Grüßen

chaosquante

astro_horst

Danke an alle, für eure Antworten. Es ist also nicht so einfach etwas Gebrauchtes zu beurteilen, schon garnicht, wenn man es nicht vorher besichtigen kann. Und selbst dann kann man das Gerät als Anfänger wohl nicht wirklich beurteilen.

Was haltet ihr den von den Mikroskopen von Krüss. Ich habe die Webseite http://www.kruess.com/index.php?321&backPID=321 es kürzlich entdeckt. Für ca.1000 Eur bekommt man da das mbl3000plti.
(infinity trinokular Mikroskop mit Schrägeinblick und zusätzlichemFototubus.
Okulare: 10-fach Planokularpaar. Objektive: plan achromatisch 4x /0,10; 10x /0,25; 40x /0,65; 100x/1,25 Öl-Immersion."
Eingebaute Köhler-Beleuchtung 6V/20W, Helligkeitsregelung.
Doppellinsen-Abbe-Kondensor N.A. 1,25 mit Irisblende,
einschwenkbarem Filterhalter. Filter: blau, gelb, grün.
Stabiles Metallgehäuse mit koaxialem Fein- und Grobtrieb
mit einstellbarem Endanschlag. Eingebauter Kreuztisch
Bewegung L-R 72, v-h 50 mm. Netzteil 90-240 V 50/60Hz. )

In einem anderen Forum habe ich gelesen, dass die Stative aus China, die Optik aus Wetzlar kommen und die Mechanik selbst hergestellt wird.
mit freundlichen Grüßen
Horst

chaosquante

Hallo astro_horst,

ohne weitere Informationen zur geplanten Nutzung ist die Bewertung eines Mikroskops eigentlich unmöglich. Um es mal mit einem Autokauf zu vergleichen: Was ist von einem Skoda Oktavia Kombi mit 2.0 TDI Motor, Klimaanlage, Silber,.. für XX,X TEUR zu halten? Der sparsame Familienvater ohne Imageprobleme wird es wahrscheinlich für ein interessantes Angebot halten. Aber offensichtlich fahren auch viele andere Autos auf unseren Straßen für deren Kauf es bestimmt ebenfalls gute Gründe gab.

Gute Informationen zum Mikroskopkauf für Einsteiger bietet die Mikrofibel. Link oben in diesem Forum.

Ansonsten sollte man sich evtl. selber noch einmal fragen wie flexibel und risikofreudig man ist. Ein gebrauchtes Zeiss, Olympus oder Nikon Mikroskop zu ersteigern kann der richtige Einstieg sein. Unter Umständen ist aber nicht alles sofort funktionsfähig / vollständig. Hier ist es gut wenn in fachkundige Hilfe in der Nähe ist. Wenn man hier z.B. ein funktionsfähiges Zeiss Standard für einen guten Preis bekommt hat man mit Sicherheit keinen Fehler gemacht. Allerdings muss man einen möglichen Fehlkauf oder den Ersatz defekter Teile finanziell verkraften können. Sicherer ist es ein gebrauchtes Mikroskop vom Händler zu kaufen, hier ist/wird alles passend zusammengestellt und funktionsfähig, auch Umtausch- oder Rückgaberecht ist möglich. Diese Mehrleistung ist natürlich nicht umsonst.

Ein neues Mikroskop von den Topmarken wird normalerweise individuell zusammengestellt und auf die Anforderungen angepasst. Hier ist also schon für den Kauf eine gewisse Fachkenntnis sinnvoll. Anbieter aus der zweiten Reihe bieten dagegen ehr Pakete an die auf typische Anforderungsprofile abgestimmt sind. Solange man in diesem Anforderungsprofil bleibt können diese Mikroskope eine gute Lösung sein. Wenn sich die Interessen dann aber doch verändern kann man mit diesen Mikroskopen schnell an die Grenzen ihrer Erweiterbarkeit stoßen.

chaosquante

Frank D.

Nun ist es aber auch durchaus möglich, mit diesem Gerät



schöne Aufnahmen im Hellfeld



und im Dunkelfeld



zu machen.

Und das bei voller Adaptionsfreudigkeit mit Zeiss Jena Zubehör,
unter Nutzung aller Objektive für 160, 170 und 190mm (Epi-Typ) Tubuslänge.
Der Tisch kann so verstellt werden, dass auch alle Abgleichlängen an dem Mikroskop willkommen sind.
Und das für Auf-, Durch- oder Mischlicht und mit der Option, bis zu 6 Farb-/Pol-/Wärmeschutz- oder Fluoreszenz-Filter in den Auflichtschacht zu setzen
und mit der Möglichkeit richtig zu köhlern (inkl. Leuchtwendel-Anpassung) ... und und und  ...
Aber es ist ja ein Lomo und es tat mir leid, da habe ich es gekauft.  :D
Übrigens, die lockere Feinverstellung kann durch eine Madenschraube mit konischem Kopf strammer gestellt werden
(wirkt auf eine Druckplatte und ist sehr feinfühlig).
Ich liebe dieses Gerät ......

Freundliche Grüße
Frank

liftboy

Hallo Frank,

das ist Öl auf meine Mühle!!
weiter so.
Gruß Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr