Karpfenlaus (Argulus foliaceus)

Begonnen von Michael Plewka, Juli 20, 2009, 10:28:10 VORMITTAG

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Michael Plewka

liebes Forum, liebe Tümpler,

schon im letzten Jahr habe ich diesen  Krebs in einem Teich gefunden; ging aber verloren, jetzt wieder entdeckt. Argulus foliaceus parasitiert auf sämtlichen Süßwasserfischen. Als Anpassung im Zusammenhang mit der parasitischen Lebensweise ist eine drastische Veränderung u.a. der für einen Krebs typischen Extremitäten aufgetreten. An diesem ca. 2mm großen, noch nicht ausgewachsenen Exemplar (oder welches wahrscheinlich ein letztes Larvenstadium darstellt), sind die 1.Maxillen, aus denen sich die Saugnäpfe entwickeln, noch nicht ganz zurückgebildet (rote Pfeile). Weiterhin besitzt Argulus 4 Paar Thoracopoden, die als Schwimmbeine fungieren. Am Hinterteil (Abdomen) sind keine Beine zu finden:




A. foliaceus lebt vom Blut und Schleim der Wirtsfische. Dabei kommt ein charakteristischer Rüssel (R) zum Einsatz, in dem ein Giftstachel sitzt, der ausgefahren werden kann (St) . Weiterhin beitzt Argulus 2 Facettenaugen (Au) . Die Antennen (A) sind zu Zähnen entwickelt, mit denen sich Argulus auf der Wirtsoberfläche festhalten kann. Ebenfalls ist die gesamte Oberfläche m.o.w. dicht mit Haken besetzt. Ebenfalls das 2.Maxillenpaar (Mx 2) ist mit solchen Haken versehen. B1: 1.Thoracalbein:



Charakteristisch ist der Haftapparat, der sich aus der 1. Maxillle entwickelt hat:




Hier noch ein Ausschnitt davon:




Literatur: KAESTNER, Alfred
Lehrbuch der Speziellen Zoologie
Band1,Wirbellose 2.Teil

weiter Bilder hier: http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Crustacea/source/Argulus%20foliaceus.html

viel Spaß beim Anschauen wünscht Michael Plewka

Ernst Hippe

Hallo Herr Plewka,

besser kann man es auch in einem Lehrbuch nicht machen.
Danke für diese seltene Präsentation!
Gruß Ernst Hippe
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Michael Plewka

hallo Herr Hippe,
dankeschön... ;-)
Argulus ist ein feines Objekt für Mikroskopiker: als Anpassung an die ektoparasitische Lebensweise ist das Tier sehr flach, lässt sich deshalb bestens unter dem Deckglas festklemmen und beobachten (Schärfentiefe!)
beste Grüße Michael Plewka

bewie

Hallo Herr Plewka,

wirklich eine eindrucksvolle und spannende Präsentation!

Schöne Grüße
Bernd

Fahrenheit

Lieber Herr Plewka,

auch von mir vielen Dank für die sehr schöne Vorstellung dieses interessanten Krebstiers.

Ich denke, ich frage hier für alle Nachahmungswilligen: muss man sich beim Tümpeln auf den Zufall verlassen oder gibt es Tipps zum Aufspüren der Krebschen? Ausser natürlich in einem Fischreichen Gewässer zu suchen.  :)

Als Gelegenheitsangler sehe ich ab und an mal ähnliche Tierchen an gefangenen Forellen, die sind aber meist so um die 5 bis 7 mm groß. Das werden dann wohl die Imagos sein?

Herzliche Grüße
Jörg   
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Eckhard

Hallo Michael,

tolle Dokumentation - herzlichen Dank.

Ich gehe regelmässig tümpeln und fange Wasserflöhe, Hüpferlinge und Mückenlarven für meine Fische. Karpfenläuse sind mein Alptraum - wenn man sich die ins Aquarium einschleppt ist es aus mit den Fischen.

Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
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Michael Plewka

liebes Forum,
recht herzlichen Dank an alle....
@ Jörg: ich habe zu wenig Erfahrung um sagen zu können: hier in diesem Tümpel finde ich bestimmt XY. es ist also viel Glück dabei, welche Organismen man speziell in einem Gewässser antrifft. Da gibt es nach meiner Erfahrung immer noch viel Überraschungen, selbst bei den kleinsten Gewässern. Selbstverständlich  bedingen  die chem . und phys. Parameter bestimmte Organismen und schließen andere aus, dennoch ist bei der Vielfalt der möglichen Organismen für Unterhaltung mit vielen Stunden am Mikroskop  vorgesorgt!
Konkret scheint mein  erste Fund aus einem Teich zu stammen, in dem es gar keine Fische gibt. Ich habe jedenfalls keine beobachtet, Ob Wasservögel oder Rinder, die zwischen der Ruhr und dem Teich pendeln, die Larven eingetragen haben ist möglich. Vielleicht habe ich auch kleinere Fische (Stichlinge, z.B.) übersehen. 
beste Grüße Michael Plewka

Fahrenheit

Hallo Herr Plewka,

vielen Dank für Ihre Hinweise.

Da werde ich dann auch auf mein Glück vertrauen und ansonsten beim Angeln die Augen auf halten und ein Probefläschchen sowie ein wenig Ethanol dabei haben. Mechanisch sind die lieben Tierchen nämlich nicht so ohne weiteres vom Fisch zu trennen. Jedenfalls nicht zerstörungsfrei.  ;D

Schöne Grüße
Jörg
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