Planktonanalyse - Starnberger See

Begonnen von Nico S., November 02, 2016, 23:30:16 NACHMITTAGS

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Nico S.

Hallo Mikro-Forum, :)
Ich bin ein Schüler des Nymphenburger-Gymnasiums und schreibe eine Seminararbeit über die Vertikalwanderung von Plankton im Starnberger See.
Da Ich mir für meine Untersuchungen hier schon so einige hilfreiche Tipps bekommen habe wollte ich mich hier mal anmelden und (für Interessierte  ;) ) meine bisherigen Ergebnisse teilen.

Ich habe meistens stündlich von 2Std. vor Sonnenuntergang bis 2Std. nach dem Sonnenuntergang Plankton gefischt.
Dieses dann anschließend mit Lupe und Mikroskop untersucht und dann die Häufigkeiten von Phytoplankton, Daphnien und Copepoden bestimmt.
Damit das ganze möglichst genau wird, wurden immer 3 Durchläufe gemacht und dann zusammengerechnet (Häufigkeitsstufen von 0-9).
So sehen die Ergebnisse aus:

Probe 1 - 20.09.2016 - Stündlich


Probe 2 - 24.09.2016 - Stündlich


Probe 3 - 29.09.2016 - Halbstündlich


Probe 4 - 07.10.2016 - Stündlich


Probe 5 - 30.10.2016 - Stündlich


Die Kurven haben Interessante Gemeinsamkeiten.
Die größte Frage auf die ich noch eine Antwort suche sind die Tiefpunkte von Phytoplankton (1Std. nach Sonnenuntergang) und von den Copepoden (während Sonnenuntergang) kennt sich jemand dafür gut genug mit dem Thema aus ?  ???  (fressen Daphnien Copepoden ?)


LG und schönen Abend,
Nico

limno

Hallo Nico,
interessante Sache, die Du da machst! :)
Nein, Daphnien fressen keine Copepoden und vice versa! Vertikalwanderungen dienen dazu, "optischen" Räubern (also jenen Räubern, die ihre Beute v.a. mittels ihrer Augen aufspüren) zu entgehen. Um Algen fressen zu können, sind daher die Zeit der Dämmerung und der Nacht am günstigsten.
Algen brauchen Licht, um Photosynthese treiben zu können(übrigens oft viel weniger als Landpflanzen), daher schweben sie in den oberen Wasserschichten (euphotische Zone). Mit der Secchi-Scheibe kann man deren Tiefe grob abschätzen (kann man sich selbst basteln)
Als nächstes stellst Du dich am besten unter der Rubrik "Mikroskopiker im Netz" etwas vor. Diese Rubrik ist nur für Forumsmitglieder sichtbar. Dass das Internet kein Privatraum ist, muss ich Dir ja nicht erzählen. Aber es ist doch gemütlicher, wenn die Leute hier schon ein wenig über Dich wissen und Du existierst ja nicht nur virtuell, man kann sich ja auch mal treffen.
Herzlich willkommen!
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

Nico S.

Danke für die Antwort und die nette Begrüßung ! :)
Das mit der Secchi-Scheibe werde ich gleich morgen austesten.

Hier habe ich nochmal den durchschnitt aller Messungen


jetzt sieht man die Tiefpunkte vom Phytoplankton und von den Copepoden deutlicher.
dass das Phytoplankton eine kurze Tiefphase hat ist klar, da es gefressen wird.
aber die der Copepoden kann ich mir dann nicht erklären...

limno

#3
Hallo Nico,
die y-Achse lässt Fragen offen: bei den ersteren Tabellen vermute ich mal, dass Individuen pro Volumeneinheit (ml?) gemeint sind.
Bei der letzten Tabelle frage ich, wieviel Prozent von was ?(der Gesamtheit aller Individuen einer Probennahme zum Zeitpunkt x?).
Solche Angaben sind unerlässlich, um eine Tabelle richtig deuten zu können.
Interessant wäre auch, welche Algen sich in den Mägen von Phyllopoden (z.B. Daphnien) bzw. Copepoden befinden. Wie groß ist deren Anteil am Phytoplankton im See. Diese Verhältnisse, lassen Schlüsse auf die Präferenzen der Konsumenten zu. Dabei geht es  erstmal nicht darum, um welche Algenarten es sich genau handelt, sondern darum, ob diese klein, groß,lang oder kugelig sind. Grün und lecker sind sie (fast) alle (für Daphnien & Co). Die haben ja keine Ahnung von den Arten ;D . Es kommt vor allem darauf an, dass sie sich gut konsumieren lassen.
Mit dem Bestimmungsbuch "Das Leben im Wassertropfen"  von Heinz Streble und Dieter Krauter lernst Du die häufigsten und wichtigsten Mikroorganismen des Süßwassers kennen. Hol' Dir das Buch in der Bibliothek!
Eigentlich unterscheiden sich die Copepoden von den Daphnien bei der Vertikalwanderung in den ersten 3 Tabellen nicht so sehr. Aber um da vielleicht Genaueres sagen zu können, musst Du erst die Achsenbeschriftung präzisieren.
Viel Entdeckerfreude wünscht Dir
Heinrich
Edit: Was ich Dir bisher (aus dem Gedächtnis) geschrieben habe, ist nicht falsch, aber die Ursachen von Vertikalwanderungen sind  komplexer und auch unter Spezialisten Gegenstand heißer Diskussionen. Das Licht z.B. kann ein auslösender Faktor für die Wanderung sein, wie ja Deine Untersuchungen es auch nahelegen, bei anderen Arten ist es das Vorhandensein planktivorer Fische. Wieder andere sagen, dass nach Sonnenuntergang die Algen mit Assimilationsprodukten vollgepackt sind und dies die Wanderung auslösen kann.
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

Michael Plewka

Hallo Nico,

vermutlich ist eine ,,Seminararbeit" in Bayern vergleichbar mit einer ,,Facharbeit" in NRW, soll heißen, die SuS der gymnasialen Oberstufe sollen unter Beweis stellen, dass bzw. in welchem Umfang sie ,,wissenschaftlich" arbeiten können. (Mit solchen Facharbeiten habe ich in NRW jedes Jahr zu tun).


Für naturwiss. Fächer bedeutet das u.a., dass die SuS in dieser Arbeit dokumentieren müssen, dass ihnen bewusst ist, dass  beim naturwiss. Erkenntnisgewinn  die Möglichkeit der Reproduzierbarkeit der  Methoden gewährleistet sein muss. Man muss Ergebnissse überprüfen können.

Deshalb der folgende Tipp:

Jeder Leser, egal ob Korrektor oder Leser dieses Forums muss erst einmal wissen, mit welcher Methode die Daten erzielt wurden. Hierzu gehören in diesem Fall beispielsweise Informationen zu den Fragen:

1.   Zu welcher Jahreszeit wird die Untersuchung durchgeführt?

Wie erfolgt die Probenahme:

2.    Welche Tiefe hat der See an der Stelle, an der die Untersuchungen vorgenommen werden. (am Ufer lässt sich bestimmt keine Vertikalzonierung beobachten). Wird ein
Boot benutzt?
3.   In welcher Tiefe werden die Proben entnommen? (Demzufolge würde ich als Ergebnis der Arbeit ein Diagramm erwarten, dass auf der Ordinate    die Wassertiefe angibt)
4.    Welche Mengen werden untersucht ?  Wassermengen? Probenkonzentration durch Zentrifugieren? Größe der Stichprobe?
5.    Wie erfolgt die Auswertung, d.h. wie kommen beispielsweise die Zahlen in den Tabellen zustande? Sind die Variationen der  Werte statistisch signifikant?

Sicherlich wird  die Darstellung dieser Informationen etwas umfangreicher, müsste  aber im Rahmen Facharbeit sein. Erst vor dem Hintergrund der Kenntnis dieser Informationen kann man  die Befunde diskutieren. Hierbei wäre bei der jetzigen Datenlage auch zu diskutieren, inwieweit die gezeigten Häufigkeitsschwankungen Aufschluss über Vertikalzonierungen geben

beste Grüße
Michael Plewka