HISTOLOGIE: Maus, fünf Tagen alt, horizontaler Schnitt.

Begonnen von Ronald Schulte, Juli 23, 2017, 21:35:53 NACHMITTAGS

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Ronald Schulte

Weil es, für mich jedenfalls, immer schön bleibt um an zu sehen zeige ich heute mal ein Schnitt aus 2014. Die Farbenpracht ist immer noch prima und hat nicht gelitten. Ich bewahre meine OT in Holzkasten immer im Dunkeln und Kuhl. Den Schnitt ist eingedeckt mit Depex womit ich auch sehr zufrieden bin. Es lasst sich sehr einfach mit Xylol verdünnen und einmal getrocknet kann man es sehr leicht von den OT abkratzen. Es trocknet wie eine Plastik Folie. Sauerfrei ist es bestimmt weil sonst die Farben schon weg waren oder wenigstens verblasst waren.

Zur Orientierung habe ich die Schnittstelle im Bouin Fixierten Mausejung (fünf tagen alt) verdeutlicht. Es ist also ein Horizontalen Schnitt. Die Mauser wurden eingebettet in Paraplast Plus und geschnitten am A&O 820 Rotationsmikrotom mit Leica 818 Hochprofil Einwegklingeln. Meine Meinung nach eine bewahrte Kombination. Diese Mikrotome tauchen immer wieder in eBay auf. Mein Rat ist um ein Komplettes Mikrotom zu kaufen weil die sich ja nicht mehr nachrüsten lassen.

Alle Bilder sind gemacht am Leitz Orthoplan mit Canon 700D Kamera über ein 40mm 2.8 Canon Pancake Objektiv und Leitz Periplan 10x Okular (mit Roten Punkt).










Stitch von 128 Bilder. Objektiv Leitz Plan Fluotar 10x. Farbung nach Frank Burr Mallory, Trichromfarbung.

A - Mitral Zellen im Olfaktory Lobes (das Riechzentrum im Gehirn);
B - Inferior cerebral Vene und Arterie;
C - Schädel Knochen mit Blutzellbildung;
D - Zahlreiche Haaren mit hier ein Schnurrhaare (whiskers);
E - Haut;
F - Großhirn;
G - Sehr wahrscheinlich den Nervus Trigeminale (Ganglion Gasseri);
H - Hörorgan:
J - Truncus cerebri (Hirnstamm);
K - Transverse sinus;
L - Wirbel Körper;
M - Spinal cord (Rückenmark);
N - Muskelgewebe;
O - Rippen quer;
P - Braunes Fettgewebe;
Q - Weißes Fettgewebe.






Hier folgen was Bilder aus denselben Schnitt nur aufgenommen mit ein Leitz plan Fluotar 25x Objektiv.




Reihen von Mitral Zellen im Olfaktory Lobes (das Riechzentrum im Gehirn). Die Runde Glomerulus liegen am Rand. Weitere Info: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=21228.msg159141#msg159141






Haut, Haaren, Fett und Schädel Knochen.







Haut, Haaren und Fett.







Eine Vene und kleine Arterie in Braunes Fettgewebe.







Ein Ganglion in Braunes Fettgewebe.







Links das Großhirn, mitten ein Ganglion quer getroffen und rechts Knorpel Gewebe.







Links das Großhirn, mitten ein Ganglion quer getroffen und rechts Knorpel Gewebe.






Linksoben Knorpel Gewebe, Linksunten Knochen mit Blutzellbildung (drei Megakaryozyten sind deutlich erkennbar), Mitte rechtsoben Nervengewebe und mitte rechtsunten eine kleine Vene langs getroffen. Rote Blutzellen sind gut zu erkennen.







Eine Vene und kleine Arterie. Links Muskelgewebe, rechts Braunes Fettgewebe.







Links Lungengewebe, Mitte das Zwerchfell und Rechts Leber mit immer noch Blutzellbildung. Es dauert noch einige Wochen bis die Leber seine ursprüngliche Funktion hat und auch später in Erwachsene Mauseleber sind immer wieder Megakaryozyten zu entdecken.
Dieses Bild ist im Ubersichtsbild nicht zu erkennen.







Leber mit immer noch Blutzellbildung. Es dauert noch einige Wochen bis die Leber seine ursprüngliche Funktion hat und auch später in Erwachsene Mauseleber sind immer wieder Megakaryozyten zu entdecken.
Dieses Bild ist im Ubersichtsbild nicht zu erkennen.





Viel spaß beim Anschauen, Gruße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Jürgen H.

#1
Lieber Ronald,

das ist ein absolut fantastisches Präparat und eine große Freude, es heute morgen anzusehen.

Was für eine Malloryfärbung hast Du genommen, die von 1936 (Phosphormolybdänsäure im Orange G / Anilinblaugemisch)?

Die Fixierung ist wässriges Bouin, nach der Du ohne jede weitere Nachbehandlung in die Alkoholstufen gegangen bist? Kannst Du abschätzen, ob der Liqorraum zwischen Gehirn und Schädeldecke diese Größe hat oder durch Schrumpfungen während der Präparatherstellung wesentlich vergrößert worden ist? Gibt es bei derr Maus keine Trennung zwischen einem inneren und einem äußeren Liquorraum, oder sehe ich das auf dem Präparat nur nicht?

Schöne Grüße, ich habe Deine histologischen Bilder lange Zeit vermisst!

Jürgen

Klaus Herrmann

Ronald,

die Mallory-Färbung kommt fast so wie eine Azanfärbung. Wunderbarer Schnitt und erstaunlich, dass es mit den Einmalklingen geht ohne Riefen oder Stauchungen bei diesem großen Objekt.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Ronald Schulte

#3
Danke für die 'Blumen'!

@Klaus,
Ja das schneiden diese Blöcke geht sogar ziemlich einfach aber immer vorausgesetzt ist: neues Messer einspannen, Schneidegeschwindigkeit muss unbedingt stimmen (erfahrungssache), Block gekühlt Schneiden, gutes Paraffin nutzen (mein Paraplast Plus ist zur ende, wo kann ich weiteres bekommen?), alle Histologische Preparationsstufen mit saubere Chemikalien und lange genug (lieber was länger wie zu kurz) Infiltrieren lassen usw usw.

@Jürgen,
Diese Färbung ist mit das Mallory Gemisch aus 1936, also mit Phosphorwolframsäure. Angefangen aber bin ich mit ein fertiges Gemisch von Chroma und das war angefertigt mit Oxalsäure und das hat auch prima gefärbt. Ein unterschied sehe ich nicht. Jetzt aber habe ich mehr und mehr Laborstücke dazu bekommen und kann ich mich die Farbstoffe selber herstellen was mir sehr gut gefällt.

Ja ich spule zuerst mit Ethanol 70% das Bouin ab und lasse es dann mehrere Tagen in die 70% Lösung. Erneuere es aber jeden Tag frisch. Das mache ich weil mir das so gelernt ist. Im Romeis 17 (Seite 97) wird geschrieben das nach dem Fixieren übertragen werden sollte in 70-80% Alkohol. Ein Workshop hat mir aber mal geliefert das den Grund dafür ist dass das Bindegewebe mit Wasser zufiel aufschwellt.
Die Schrumpfung in die Bouin Lösung sollte nur 2,5% sein (Romeis 17, S97, Par 6.2.5.1) aber bei mir ist das wohl was mehr denke ich. Darum siehst du auch das den Liqorraum zu groß ist und darf ein richtigen Artefakt genannt werden. Meine aller erste Maus habe ich von Jan Kros bekommen und war angefertigt von Herr Strebele. Der hat auch so ein Artefakt. Damit muss man dann Leben denke ich obwohl es sich lohnt um es zu verringern. Vielleicht ist kurzer Aufbereiten die bessere Wahl aber ich möchte nicht das man nach Wochen Arbeit ein Block bekommt die sich nicht schneiden lasst weil noch Wasser, Xylol oder sonstiges im Paraffin zurück geblieben ist. Dann schneidet es sich sicher nicht mehr so angenehm.

Trennungen zwischen Gehirn und Schädel gibt es sicher bei der Maus auch. Hier sind ein dura mater, arachnoides und pia mater, zu erkennen aber kann man hier schlecht sehen.
Was ich sehr schade finde ist das diese Mallory Färbung im neuen Romeis 19 gar nicht mehr besprochen wird. Auch weitere sehr schöne und voral für Hobby Leute wie wir, durchfuhrbare Färbungen, werden nicht mehr erwähnt. Ich bin sehr glücklich das ich den 17 Ausgabe und einigermaßen auch den 18-ten noch habe. Den 19 habe ich wie pdf. Wenn du den haben möchtest dann melde dich bitte.

Gruße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Jürgen H.

Lieber Ronald,

Danke für Deine Antworten.

Das wohl unvermeidbare Schrumpfungsproblem bei Fixierung u n d Einbettung kenne ich leider auch zu Genüge. Bei den Insekten gibt es den Versuch einer Milderung der Schrumpfung durch eine doppelte Einbettung.

Die Schrumpfung wird bei mir immer beim Übergang zwischen Integument und den inneren Geweben ein wenig problematisch. Der sklerotisierte Chitinpanzer ist und bleibt bei de Bearbeitung halt im Wesentlichen anscheinend, wie er ist, während das übrige Gewebe schrumpft.

Die Malloryfärbung finde ich wunderschön. Sehr sehr differenziert ist sie Dir gelungen. Sie ist vielleicht nicht so farbenfroh wie die Azan Heidenhain, aber auch nicht so knallig bunt.

Schöne Grüße

Jürgen

Ronald Schulte

Jürgen,

Ich habe mal versucht um die Drei Hirnhäute, fachsprachlich Meningen, in ein Mauspräparat zu Fotografieren und benennen.
Die Dura mater ist die äußerste Hirnhaut und wird auch Harte Hirnhaut genannt.
Die Dura mater hat überwiegend straffes, kollagenfaseriges Bindegewebe und hat vor allem die Funktion einer Organkapsel.
Die Arachnoidea (oder ,,Spinnwebenhaut" genannt) ist die mittlere Hirnhaut. Hier kommen viele Kapillären vor.
Die Pia mater (Zarte Hirnhaut) ist die innerste Schicht. Sie liegt dem Gehirn und Rückenmark direkt auf, bedeckt diese komplett und reicht dabei auch in alle Furchen hinein. Sie besteht aus weichem, zartem Bindegewebe.



DM = Dura mater (in die AZAN Färbung Färbt sich Bindegewebe Blau);
Ar = Arachnoidea;
PM = Pia mater (Bindegewebe, also Blau).







Gruße Ronald
Mikroskope:
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Ralf Feller

Hallo Ronald,
Bilder und Dokumentation sind wie immer super,
auch mit der neuern Kamera. Ich hoffe du kommst bald wieder zum Schneiden.

viele Grüße, Ralf

Dr. Jekyll

Hallo Ronald,

Es freut mich dass es wieder histologische Bilder aus deiner Hand gibt. Sehr schöne Aufnahmen!
Beste Grüße
Harald

Ronald Schulte

@Ralf, ja die neue Kamera mit Adapter gefallt mir prima und auch das Canon Utility Programm ist top.
Neue Einbettungen und Schnitte kommen ab Oktober, dann bekomme ich ziemlich mehr Zeit und möchte ich wieder kräftig an die Histologie mit ab und zu was Mineralogie als Abwechslung! Mineralien sammeln und bearbeiten gefallt mir auch. Schön daran ist das man einige Tagen in die Natur verbleiben kann.

@Harald, danke für dein Lob.

Gruße Ronald
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Mikrotom:
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micro_peter

Hallo Ronald,

ich schließe mich an Bilder und Doku sind Vorbildlich auch wenn ich die Richtigkeit nicht beurteilen kann.

Bei welcher Vergrößerung kann man Nervenzellen von einer Maus sehen?
Hast du schon eine Doku gemacht?

Gruß Peter

Ronald Schulte

#10
@Peter,

Danke fur dein Lob.

Nervenzellen von Eukaryotische Saugetieren (worunter Maus, Affe, Mensch, Elefant usw) sind alle ungefähr gleich groß. Das bedeutet das die Nervenzelle von eine Maus ungefähr gleich groß ist wie eine Nervenzelle von ein Elefanten. Der Elefant hat nur mehr davon! (Junqueira L.C. en Carneiro J., 'Funktionelle Histologie').

Ein geübtes Auge kann im Schnitt Nervenzellverbände schon mit 40x erkennen. Mit 100x Vergrößerung sieht man die Zellleiber (Perikaryon) schon gut nur kann man noch nicht gut die Zellteilen (z.B. Nissl bodies, Axone) sehen. Mit 160x sieht man auch die Axone, bei 250x kann man die aber viel besser sehen wie ich hier gezeigt habe. Bei 400x sieht man im Paraffin Schnitt das den Schnitt richtig dick ist. Fokussieren wird schon schwierig. In ein dünnere Kunststoffschnitt (1µ) ist 400x eine gute Vergrößerung und mit 630x sieht man da richtig die Zellteilen. Um weiter in die Zelle zu schauen muss ein Elektronen Mikroskop eingesetzt werden.

Deine Frage: "Hast du schon eine Doku gemacht?". Entschuldige, ich bin Holländer, aber was wird gemeint mit ein Doku?

Gruße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

limno

Hallo Ronald,
ich erlaube mir anstelle von Peter zu antworten:
"Doku" ist ein umgangssprachliches Kurzwort (Abkürzung) für Dokumentation.
Vielen Dank und Bewunderung für Deine meisterhaften Schnitte von
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

Fahrenheit

Lieber Ronald,

schön, mal wieder eine Maus von dir zu sehen - was nicht heißen soll, dass Deine Steine schlecht oder langweilig wären!  ;D
Danke für den umfangreichen und interessanten Beitrag mit den gewohnt perfekten Bildern, den ich gerne gelesen habe.

Herzliche Grüße
Jörg
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Und hier zur Webseite des MKB: Klick !

Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Ronald Schulte

Jürgen,

Danke für deine Worte. Ja die Mineralien sind auch schön und da hat man den großen Vorteil dass das Sammeln meist in schöne Natur stattfindet. Die Histologie aber ist für mich mehr verständlicher, die Mineralien ist so einfach noch nicht habe ich schon öfters bemerkt. Ich werde zukünftig aber beide Seiten belichten und das macht mir spaß.

Grüße Ronald
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Fahrenheit

Lieber Ronald,

und ich freue mich auf Deine artikel aus beiden Welten!

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM