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...aus einer anderen Welt

Begonnen von Michael Plewka, April 13, 2020, 13:05:15 NACHMITTAGS

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Michael Plewka

Hallo zusammen,

Leider musste  meine letzte Tauchexkursion nach Bali wegen Corona schon nach 8 Tagen abgebrochen werden; allerdings konnte ich in dieser Zeit einige Schnappschüsse von ca. 80 Arten wirbelloser Tiere machen, von denen einige noch bestimmt werden müssen.

Durch  Einsatz einer neuer Vorsatzlinse war es mir möglich, relative kleine Viecher zu fotografieren, von denen ich hier zumindest  mal 3  vorstellen möchte:

Wie immer ist der Fokus  natürlich wegen ihrer Farben- und Formenvielfalt auf die marinen Nacktschnecken ausgerichtet. 
Hier ein Bild des Saftsaugers Costasiella kuroshimae. Das Viech wird ausgewachsen bis zu 7mm lang; die Höhe beträgt also in diesem Bild ca 2mm. Das Porträt macht vielleicht deutlich, warum diese  im engl. auch als "Shawn-the-Sheep-nudi" bezeichnet wird:




Ein weiterer Knirps ist dieser ca. stecknadelkopfgroße  Amphipode (engl: "ladybug amphipod"),  der hier auf der Spitze eines Schwamms zu sehen ist:




Immer wieder faszieniert mich diese Hypselodoris-Schnecke mit ihren zarten Farbverläufen von weiß und violett. Ich habe dieses Bild aber deshalb ausgewählt, weil alle anderen "Körperchen" auf diesem Bild Foraminiferen  der verschiedensten Arten sind, die am Boden einen dichten Besatz in diesem Gebiet bilden.:



Weiter Bilder hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenMarin/marlife/regions/Bali/01_Bali%202020_Critters-Demo.html


Bdelloide Rädertiere kommen in den Moosen der Tropen nicht so häufig vor wie in gemäßigten Zonen, was u.a. mit der größtenteils fehlenden Möglichkeit des Austrocknens zu tun hat. In einem Moos auf einem Blumentopf fand ich dort  eine Macrotrachela-Art, die in dieser Form in der Literatur noch nicht beschrieben ist:

 



Weiter Bilder dazu hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Macrotrachela%20habita%20-%20Bali.html

Viel Spaß beim Anschauen & beste Grüße
Michael Plewka

bernd552

Hallo Michael,

also wenn diese Bilder unter allen Widrichkeiten beim tauchen entstanden sind, dann bin ich einfach nur platt.

Wahre Meisterwerke zeigst du da!!

LG
Bernd

Heiko

Hallo Michael,

befürchtete schon, dass Du Dich diesmal auf eine ,,schwierige Exkursion" begeben würdest ...
Die fotografische Ausbeute ist dennoch grandios, wie wir sehen können.

Viele Grüße,
Heiko

limno

Hallo Michael,
in der ersten Verblüffung dachte ich Du wärst jetzt unter die Pflanzenfotografen gegangen, weil mich das erste Bild an eine Gasteria erinnert. Die Leuchtkraft der Farben ist ja unglaublich!  8) Sind die wirklich so???

Bernds Lob kann ich mich nur anschließen.Bravo!Gefesselte Grüße von
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

Ole Riemann

Hallo Michael,

absolut betörend - besonders die erste Nacktschnecke mit den feinen Grünabstufungen. Über den PADI Open Water Diver hinaus habe ich es bisher nicht gebracht; ich war froh, wenn ich einigermaßen tariert die Tiefe halten konnte und das Geraffel der Ausrüstung nicht über den organismenreichen Hartboden schleifte. Unter diesen Bedingungen perfekte Makrophotos zu blitzen, wäre zumindest mir gänzlich unmöglich gewesen.

Beste Grüße

Ole

cuwohler

Hallo Michael,

geniale Aufnahmen! Ist Bild Nr. 3 nicht sogar eine hohe Makroaufnahme?
Die unten mit abgebildeten Amphistegina und Calcarina (Foraminiferen) sind ja kaum größer als 1, höchstens 2mm.

Viele Grüße
Cai-Uso
www.sandphoto.de
Viele Grüße
Cai-Uso
mail@cuwohler.de

witweb

Hallo Michael,

fantastische Bilder. Auch die Foraminiferen sind faszinierend. Diese Motive habe ich so noch nie gesehen.
In welcher Tiefe leben die Nacktschnecken denn?

Viele Grüße

Michael
Dieser Post wurde aus recycelten Elektronen erstellt
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Leitz Orthoplan
Zeiss Standard 18 mit Fluoreszenz-Auflichtkondensor IV FL
Lomo Biolam, Motic SMZ-168
Canon EOS 750D
https://mikrokristalle.net
https://www.youtube.com/@Mikrokristalle

Nordlicht

Hallo Michael,

absolut betörende Bilder, die mich begeistern.

Wenn du den Rest deiner Tauchexpedition noch nachholen solltest sag bescheid, ich komme sofort mit.
Ich könnte mich da einbringen als Flossenträger oder für ähnliche Tätigkeiten.

Viele Grüße

Matthias

Martin Kreutz

Hallo Michael,

ich habe Deine neuesten Unterwasser-Schönheiten schon vorher auf Deiner plingfactory bewundert! Deine Fähigkeiten in der Unterwasserfotografie stehen Deinen mikroskopischen in keiner Weise nach. Wirklich großartig! Auch die leuchtenden, lebenden Farben kommen sehr gut. Das Bild mit dem Foraminiferen als Beiwerk ist wirklich super! Ich hoffe, Du hast diese und andere Deiner Aufnahmen schon zu diversen Wettbewerben eingereicht!

Noch eine Frage zu den tropischen Rädertieren. Wäre nicht zu erwarten, dass die tropischen Rädertiere sich eben darauf angepasst hätten, dass sie nicht ausgetrocknet werden? Ich hätte eher erwartet, dass es dort mehr Arten und Individuen gibt, weil eben alles feuchter ist, was auch mehr Lebensraum bedeutet.

Martin

Damian N.

Wow unglaublich! Schöne Fotos!

Wie hast du sie gemacht? Mit welcher Ausrüstung?

Liebe Grüße,

Damian
Mit freundlichen Grüßen,
Euer Damian

Zeiss Standard 14

Michael Plewka

#10
hallo zusammen,

zunächst einmal recht herzlichen Dank an alle für die positiven Rückmeldungen!

Es gäbe sicherlich noch unglaublich viel zu der einen oder anderen Frage, die hier angesprochen wurde, zu  sagen;  deshalb hier ein nur eine Auswahl an  Aspekten.


@ Heinrich: dass Costasiella so grün aussieht, kommt nicht von ungefähr: genau wie das dem Mikroskopiker bekannte Pantoffel"tier" Paramecium bursaria Algen als "Salatbar" speichert (die weiterhin innerhalb der Zelle Fotosynthese betreiben) , frisst Costasiella die Grünalge Avrainvillea (Bild hier:
http://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenMarin/Tropical/Algae/src/Avrainvillea%20sp.html
) und speichert photosynthetisch aktive Plastiden in den Cerata (=Anhängsel mit den violetten Spitzen). Hier im Forum gab es zu "geklauten" Zellorganellen schon einige Beiträge, die ich hier noch mal (in zeitlicher Reihenfolge) zusammenfassen möchte:

1. Kleptocniden
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=32576.0

2.Kleptoplasten
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=32622.0

3. Kleptoplasten >> Symsagittifera
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=35502.msg259695#msg259695

ZitatSind die wirklich so???

auch diese Frage ist mir schon oft gestellt worden; und sie berührt eine Menge von naturwissenschaftlichen Problemen:
Fakt ist erst einmal, dass im Wasser langwelliges (= rotes)  Licht absorbiert wird, d.h. grundsätzlich nehmen wir Menschen die Farben, vor allem in größeren Tiefen (die Aufnahmen wurden in Tiefen von ca 8m-max. 30m gemacht, die von Costasiella in ca 10-15m) gar nicht wahr.  Deshalb müssen Aufnahmen zwingend mit Kunstlicht (ich arbeite mit Blitzen) gemacht werden. Und selbstverständlich müssen die raw-Dateien in sichtbare Bilder konvertiert werden. (Im übrigen sind  Grünalgen wie die angesprochene  Avrainvillea wegen der Absorption des roten LIchts in größeren Tiefen gar nicht so häufig wie andere fotosynthetisch aktive Algen wie z.B. Braun- oder Rotalgen, die vorzugsweise den Blauanteil des Lichts zur Fotosynthese nutzen.)

@ Ole: mehr als den OWD braucht man nicht; und der Rest ist Übung....;-)

@ Cai-Uso:
ZitatDie unten mit abgebildeten Amphistegina und Calcarina (Foraminiferen) sind ja kaum größer als 1, höchstens 2mm.
Da der Aufenthalt ziemlich kurzfristig abgebrochen wurde, hatte ich leider keine Gelegenheit mehr, Proben der Foraminiferen zu sammeln. Die  hier abgebildeten Formen sind nach meiner Schätzung aber eher bis zu 5mm groß. Vielleicht andere Arten?

@ Martin:

es geht um bdelloide Rädertiere. Chris Wilson, mit dem Du ja auch schon mal Kontakt hattest, hat mir das so erklärt:  die bdelloiden Rädertiere haben größtenteils die Fähigkeit, Trockenheit und Kälte durch Austrocknen zu überstehen.  In ausgetrockneter Form liegen sie als sog. Tönnchen vor, die durch Wind verdriftet werden können (anders ist z.B. auch nicht erklärbar, wieso gerade in Moosen von Hausdächern sehr viele bdelloide Rädertiere zu finden sind: wie sonst sollen sie  dort hinkommen)  Auf diese Weise können sie parasitischen Pilzen entkommen (wenn ich mich richtig erinnere, hattest Du mich auch mal auf einen Artikel in einer österreichischen Zeitung aufmerksam gemacht, der das auch zum Thema hatte). In Moosen der immerfeuchten tropischen Regenwälder geht das nicht. Insofern ist dort der Selektionsdruck durch Parasiten deutlich größer.
Was die anderen (monogononten)  Rädertiere angeht: ich hatte bisher 2 mal ein Mikroskop in den Tropen mit. Leider war die Ausbeute, was Rädertiere in  (Garten-) Teichen/ Reisfeldern angeht, sowie in marinen Proben sehr gering.  Aber Du hast natürlich Recht: es gibt ein auch paar spezielle Lebensräume (z.B. Phytotelmata; siehe Koste); die ich aber bisher noch nicht untersuchen konnte.

@ Damian:
Als Kamera verwende ich eine  Olympus MFT-Kamera mit 60 mm Makro-Objektiv.

mittlerweile ist eine Nauticam CMC Nahlinse hinzugekommen, die einen Abbildungsmaßstab von 2:1 auf den mft-Sensor ermöglicht; d.h. ein 8mm großes Objekt wird formatfüllend abgebildet.



Beste Grüße
Michael