Mikroskop für Zeiss Planfilmkamera

Begonnen von roadhouse, März 09, 2022, 23:07:55 NACHMITTAGS

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roadhouse

Hallo Forum,

kurz vorweg: Ich komme aus der Fotografie und möchte gerne Mikrofotografie machen. Ich fotografiere viel analog in sämtlichen Formaten (bis 8x10") und habe ein eigenes Fotolabor. Ich habe vor allem ein ästhetisches Interesse an Formen und der Welt im Kleinen. Ich bin auch noch relativ offen, was ich mikrografieren möchte und kann mir da alles mögliche vorstellen (von Botanik bis hin zu Halbleitern). Von der Mikroskopie habe ich im Grunde keine Ahnung, mal kurze Ausflüge in der Jugend mit einem Quelle Versandhausmikroskop und den Biologieunterricht ausgenommen. Ich bin grade dabei mich durch die Mikrofibel zu lesen.

Ich habe jetzt einen Kameraaufsatz erwerben können, den Zeiss 47 60 57 mit 4x5" Planfilmrückteil. Das Ding möchte ich auch mit Planfilm nutzen. Unten ist ein optisches System drin (Objektiv oder Projektiv?), das bei normaler Durchsicht von unten ein kissenförmig verzeichnetes Bild der Mattscheibe zeigt. Dabei war auch eine Verschlusseinheit 47 60 12 sowie ein Steuergerät MC63A.

Mir fehlt also "nur" noch ein passendes Mikroskop. Meine bisherige Recherche ergab, dass ein Trinokular (47 30 28 sowie mit 47 30 24 Fototubus) in Verbindung mit einem Zeiss Standard eine (sinnvolle?) Lösung sein könnte. Bevor ich mich jetzt auf die Suche nach den Teilen mache, wollte ich fragen, ob es Alternativen gibt? Die Verschlusseinheit hat einen Anschluss mit ca. 40mm der eine Art Ringklemmung mit Überwurf hat. Passt das mechanisch auch an andere Mikroskope oder wäre es besser bei Zeiss zu bleiben, weil die Teile abgestimmt sind?

Eine Ausbaumöglichkeit des Mikroskops wäre schön. Ich finde z.B. das Thema Dunkelfeld spannend. Auch Auflicht wäre bestimmt gut. Grundsätzlich benötige ich vermutlich viel Licht (LED?), ich würde mit einem 400er Film arbeiten (Ilford HP5).

Gruß
Andreas

Klaus Schloter

Hallo Andreas,
hier findest Du die Prospekte für das Zeiss Standard System:
https://www.mikroskop-online.de/Standard%20Druckschriften.htm
Wie weit Du es mit Deinen Anschaffungen treiben willst solltest Du aber erst nach dem vollständigen Studium der Mikrofibel entscheiden.
Das Forum steht Dir dann mit Rat und Tat bei.

Viel Spass
Klaus

olaf.med

...erinnert mich an den Menschen, der eine Radkappe findet und das passende Auto dazu sucht ;D

Viel Erfolg und herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

roadhouse

Zitat von: Klaus Schloter in März 10, 2022, 10:07:47 VORMITTAG
hier findest Du die Prospekte für das Zeiss Standard System:
Besten Dank, den Link hatte ich noch nicht!

Zitat von: olaf.med in März 10, 2022, 10:22:01 VORMITTAG
...erinnert mich an den Menschen, der eine Radkappe findet und das passende Auto dazu sucht ;D
Ja, war mir schon irgendwie klar. Aber die Radkappen sind immerhin in einem guten Zustand   ;D

Bob

Hallo Andreas,
ein unerwartetes Problem, auf das Fototgrafen stoßen, wenn sie sich der Mikroskopie zuwenden ist folgendes: Der Fotograf arrangiert vielleicht ein Bisschen und räumt etwas Müll beiseite, der Mikrofotograf muss aber erst das Präparat erstellen. Man muss sich also viel mit Präparationstechniken, Färbungen und dem Schneiden befassen, es geht also weg vom Aufnahmegerät und hin zum Objekt. Das kommt für einen Fotografen, der sich bislang an jede neue Brennweite gut gewöhnen konnte, und das Mikroskop als eine weitere ansieht, als Überraschung. Dafür öffnet sich ein ganz neues Tätigkeitsgebiet, so dass ein Lohn für die Anstrengungen in Sicht ist - gutes Gelingen!

Viele Grüße,

Bob

jochen53

Hallo Andreas,

vor etwa 30 Jahren habe ich im Labor des Unternehmens, für das ich einmal gearbeitet habe, noch solche alten schwarzen mikrofotografischen Apparate von Leitz mit den riesigen Planfilmansätzen und den großen Auszügen stehen sehen - verstaubt und in der Ecke -, niemand hat sie mehr benützt. Der Aufwand war einfach zu hoch und es war viel zu teuer und vor allem zu langsam, zudem gab es kein Fotolabor mehr (dafür hätte man nämlich eine Genehmigung nach dem Wasserhaushaltsgesetz gebraucht ) und niemanden, der noch Planfilme entwickeln konnte, wenn sie denn überhaupt richtig belichtet waren. Eine Fehlbelichtung = 1 Blatt Planfilm, aber das merkte man erst nach der Entwicklung! Damals hat man auf KB-Diafilm und Polaroid fotografiert, später dann digital.
Aber eines ist mir damals aufgefallen: Es waren keine einfachen Labormikroskope (wie z.B. das Zeiss Standard eines ist), sondern viel schwerere, massivere und stabilere Stative, der schwere Kameraaufsatz wurde von einem Extra-Stativ oberhalb des Mikroskops gehalten und stabilisiert. Der ganze Aufbau war sicher über 1 m hoch.
Die Fotos, die man vor vielen Jahrzehnten auf Glasplatten und Planfilm gemacht hat, sind allerdings bis heute qualitativ unerreicht, nur die digitale Stacking-Technik schafft es heute, die begrenzte Schärfentiefe auszutricksen und liefert damit Bildeindrücke, die damals unmöglich waren.
Falls Du wirklich hier einsteigen möchtest, kauf ein möglichst schweres und mechanisch stabiles Stativ. Es dürfte heute auch nicht einfach sein, noch spezielles Zubehör für diese Geräte zu finden, vieles davon landete in den Schrott-Containern, auch weil niemand mehr wußte, was das ist. Bedenke auch, daß damals ganz andere Beleuchtungstechniken verwendet wurden, die zur Stromversorgung bewundernswerte elektrotechnische "Kraftwerke" fast in Schaltschrankgröße benötigten und manchmal auch mit lautem Knall explodierten, manchmal unter Zerstörung des Lampenhauses und Emission von Quecksilberdämpfen und jeder Menge Scherben.

Viele Grüße, Jochen

roadhouse

Zitat von: Bob in März 10, 2022, 20:55:53 NACHMITTAGS
Man muss sich also viel mit Präparationstechniken, Färbungen und dem Schneiden befassen, es geht also weg vom Aufnahmegerät und hin zum Objekt.
Ja danke nochmal für den Hinweis, das hatte ich auch schon im Kopf. Ich kann mich noch vage an das Handhaben mit Objektträgern und Deckgläsern in meiner Jugend erinnern.

Zitat von: jochen53 in März 11, 2022, 09:44:40 VORMITTAG
[...] alten schwarzen mikrofotografischen Apparate von Leitz mit den riesigen Planfilmansätzen [...]
Ja, über die bin ich auch schonmal gestolpert. Es gab da mehrere Sachen von Leitz, die Aristophot Stative oder 4x5 Rückteile ähnlich wie meins von Zeiss. Was du meinst ist bestimmt ein Leitz Panphot. Die Teile sind vermutlich alle nicht ohne erheblichen Arbeitsaufwand wieder ans Laufen zu bringen. Zudem hätte ich dann tatsächlich ein Platzproblem. Ich habe jetzt schon einen 13x18 Durst Laborator untergebracht. Wenn ich noch mehr solcher Ungetüme ins Haus bringe, dann gibt das Ärger mit der Regierung.

Gruß
Andreas

ortholux

Zitat von: roadhouse in März 11, 2022, 14:20:15 NACHMITTAGS. Was du meinst ist bestimmt ein Leitz Panphot. Die Teile sind vermutlich alle nicht ohne erheblichen Arbeitsaufwand wieder ans Laufen zu bringen. .....solcher Ungetüme.


Du kannst gerne eins von mir bekommen, das auch ,,läuft". So schwierig ist das nicht, da es Mengen an kompatiblen Teilen gibt.

Und ,,Ungetüm"...naja. Es braucht ohne Bogenlampe auch nicht mehr Stellfläche als ein Ortholux.

Und, ich hatte es an anderer Stelle schon gezeigt, ein Leben mit nur einem Panphot ist denkbar, aber sinnlos.



Wolfgang

reblaus

Hallo Andreas -

bei mir steht auch noch ein 47 60 57 nebst Verschluss etc. herum --
hast Du für den Deinigen denn schon mal ein Zeiss-Universal oder -Phomi (-, ii, iii) in Betracht gezogen? Dort passt ja Dein Planfilm-Aufsatz ebenfalls drauf.
Diese Teile enthalten u.a. den binokularen Phototubus schon eingebaut, für den Du beim Erwerb eines kleinen Standards nochmals den gleichen Betrag zahlen müsstest!
Sie werden sehr preiswert gehandelt, weil viele Erwerber, vor allem Anfänger, von der Größe und dem Gewicht dieser Geräte abgeschreckt werden. Für einen Planfilmfotografen (war ich auch mal sollte das aber eher attraktiv sein  ;D

Viele Grüße

Rolf

P.S. Zwar spiele ich jetzt meist mit Axios, aber meine Frau ist bei ihrem Phomi III geblieben - allerdings ziehen wir beide die Digitaltechnik heute dem Plantschen in kleinen Wannen bei Rotlicht vor, obwohl wir oft mit Rührung daran denken.

Hier das Phomi und ein Universal aus der Vergangenheit:




roadhouse

Ich glaube ein Panphot ist doch eher raus. Ein Standard oder evtl. ein Phomi wären immerhin noch im Regal zu verstauen.

Hat denn jemand den 47 60 57 Großformatansatz noch in Betrieb? Da ist ja eine Optik/Aufweitoptik drin, und dann die Optik im 47 60 12. Gibt es was besonders zu beachten bei der Objektivausstattung des Mikroskops? Würdet ihr zu Planobjektiven raten?

jochen53

Hallo,
in der Literatur zur Mikrofotografie liest man immer, daß man zur Fotogafie bevorzugt Planachromaten verwenden sollte und bei allerhöchsten Ansprüchen an die Bildqualität Plan-Apochromaten. Bei der rein visullen Mikroskopie spielt man aber ständig mit dem Feintrieb und kann damit die durch die Bildfeldwölbung normaler Achromaten bedingte Unschärfe zum Rand hin kompensieren.
Bei einem Foto hingegen bemerkt man eine Unschärfe am Rand schon eher. Ganz so schlimm ist es jedoch auch wieder nicht, weil ja mikroskopische Präparate nie exakt plan sind.
Viele Grüße, Jochen

roadhouse

Ja, die grundsätzlichen Sachen aus der Optik sind mir aus der Fotografie geläufig: Bildfeldwölbung, apochromatische Aberrationen etc.

Mir ging es auch ein wenig um das optische Gesamtsystem, da ist ja noch eine Optik im Fototubus. So wie ich es verstanden hab wird im Okular ja auch bisweilen noch eine Korrektur angesetzt.

jochen53

Hallo,
ja, innerhalb eines Mikroskop-Systems sind die Objektive und bestimmte Okulare aufeinander abgestimmt. Kompensationsokulare korrigieren restliche Aberrationen der Objektive. Teilweise wurden die Objektivserien sogar so gerechnet, daß sie alle einigermaßen einheitliche Restaberrationen hatten, die dann mit den passenden Kompensationsokularen korrigiert wurden. Nicht immer ist eine Optik im Fototubus, gerade bei Großformat 9 x 12 und größer hat man in der Vergangenheit manchmal darauf verzichtet.
Jochen