Präparate reparieren?!

Begonnen von Thomas Böder, August 25, 2024, 13:43:45 NACHMITTAGS

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Thomas Böder

Ich habe letztens mal wieder alte Dauerpräparate gekauft.
Leider sind darunter viele Präparate, bei denen sich das Eindeckmittel ,,verflüchtigt" hat!
Wo ist es hin, was war das und kann man das reparieren?!

Grüße, Thomas.

Beispiel:

IMG_1627.jpeg
Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival u. Citoval 2, Reichert Zetopan
Kleinmikroskope: reichlich...

liftboy

Hallo Thomas,

hab ich schon öfter gemacht und hat auch immer geklappt :-)
1. versuche festzustellen, welches Einschlussmittel verwendet wurde (bei alten Präparaten meistens Kanadabalsam)
2. das passende Lösungsmittel (nicht zu knapp oder öfter wechseln) in eine passende Petrischale füllen und Deckel drauf.... tja... und dann warten, bis sich alles löst und munter umherschwimmt.
3. alten Objektträger raus (wenn die Etiketten noch drauf und fest sind, wiederverwenden), Deckglas raus und weg.
4. das Objekt in sauberes Lösungsmittel bringen (Uhrglas)
5. Objektträger mit passendem Einbettungsmittel versehen und Objekt einbetten.
Dann wie immer: trocknen und wenn nötig Ring.
Bei unbekannten Einschlußmitteln bin ich erstmal vorsichtig mit Alk drangegangen, dann eventuell Xylol-
Gray-Wess löst sich am schlechtesten, Glyzeringelatine am einfachsten.

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

beamish

Das ist ein Präparat von J.D. Möller, Wedel. Was auch immer du damit anstellst, solltest du die Etiketten nicht beschädigen. Was steht denn drauf?

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

Gerd Schmahl

Hallo Thomas,
auch ich habe schon älte Präparate reanimiert. Zeige uns doch bitte auch die Etiketten. Dann kann man leichter einschätzen, welches Eindeckmittel verwendet wurde. Wenn es sich "verflüchtigt" hat, kann es nur eine flüssiges gewesen sein. Der dicke Lackring würde dafür sprechen. In diesem Fall würde ich mir aber nicht all zu viele Hoffnungen machen, dass das Objekt selber noch in einem brauchbaren Zustand ist. Guter Deckglaslack lässt sich nur schwer lösen. Da muss man experimentieren (Ethanol, Xylol, Nitoverdünnung, Aceton) Was wahrscheinlich am einfachsten und sichersten geht ist eine mechanische Entfernung mit einer Lanzettnadel.

Außerdem muss man natürlich überlegen, ob das Objekt überhaupt den Aufwand einer Restauration wert ist. Das würde ich nur machen, wenn es noch gut erhalten und schwer neu zu beschaffen ist.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Restauration sind in jedem Fall praktische Erfahrungen mit der Herstellung von Dauerpräparaten. Jedes Einschlussmittel verhält sich ein wenig anders. Man muss seine Eigenarten aus praktischer Anwendung kennen, um erfolgreich damit arbeiten zu können, z.B. wie sehr es schwindet.

LG Gerd

Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

liftboy

ich habe Gerd nichts hinzuzufügen! Es muss sich lohnen.
Ich hab noch alte Kosmos-Präparatserien bei denen warscheinlich nichts zu retten ist.... heb ich nur aus Nostalgie auf ;-)

Wolfgang
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Niels Bohr

B.Neuhaus

Lieber Thomas,

wie meine Vorschreiber schon andeuteten, sollten die Etiketten zuerst gesichert werden. Ich würde mit einem angefeuchteten Wattetupfer zunächst kontrollieren, ob die Schrift eventuell wasserlöslich ist. Falls nein, lassen sich die Etiketten durch Immersion in Wasser möglicherweise entfernen. Andernfalls würde ich das beschriebene Procedere mit verschiedenen Lösungsmitteln wiederholen.

Ich sehe es beim Deckglasumrandungslack wie Gerd, am besten den Ring mechanisch mit Skalpell oder Lanzettnadel entfernen. Es könnte sinnvoll sein, den Lack nur in drei Bereichen zu entfernen, falls das Präparat bei nachfolgender Immersion in einem Lösungsmitel (Wasser, Ethanol, Xylol, ...) an Objektträger und Deckglas haften bleiben sollte. In diesem Falle würde das Präparat beim Abnehmen des Deckglases zerreißen. Diese Erfahrungen haben wir sowohl mit Totalpräparaten als auch mit histologischen Schnitten gemacht. Grund hierfür ist meines Erachtens, dass das Deckglas bei der Präparatherstellung so stark angepresst wurde, dass kein Einschlussmedium mehr verbleibt zwischen der Glasoberfläche und dem Präparat selbst. Mir ist nicht bekannt, wie man diese molekulare Adhäsion an dem Glas zerstörungsfrei überwinden kann.

Führt man die obigen Vorgänge auf einer Heizplatte bei ca. 45 °C aus, lösen sich Kleber oder Einschlussmedium deutlich schneller als bei Raumtemperatur.

Falls etliche Präparate von Problemen mit dem Einschlussmedium betroffen sind, kann man notfalls ein paar wenige für Restaurierungsversuche opfern, bevor man sich an die "wertvolleren" wagt.

Und wie schon bei früheren Gelegenheiten mein Hinweis auf ergänzende Informationen zur Restaurierung von mikroskopischen Pröäparaten in meinem Artikel in Zootaxa (https://doi.org/10.11646/zootaxa.4322.1.1, Seiten 123-139, Tabelle 13).

Beste Grüße und viel Erfolg
Birger

Gerd Schmahl

Hallo,
ein historisches Präparat von J.D. MÖLLER, Wedel zu restaurieren ist schon eine heikle Sache, denn es ist hinterher kein "echter MÖLLER" mehr. Jetzt wäre es wirklich erst einmal wichtig zu wissen, was das da ist zwischen DG und OT. MÖLLER hat in der Tat viel mit flüssigen Eindeckmittel wie Bromnaphthalin oder Phosphorlösung gearbeitet, zumindest bei Diatomeenpräparaten. Diese Substanzen sind für Laien nicht mehr ohne Weiteres zugänglich und ein anderes Eindeckmittel als das Originale wäre schon fast eine Fälschung, wie ein mit Acrylfarbe übermaltes Ölgemälde von REMBRANDT, zumindest, wenn man dann die originalen Etiketten darauf klebt.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Peter V.

Hallo Thomas,

wieso möchtest Du das Präparat restaurieren? Weil Du es wirklich anschauen möchest? Lohnt sich der Aufwand?

Wenn man es als historisches Präparat betrachtet und es nicht unbedingt anschauen möchte, kann man es auch original belassen.

Da beamish-Martin explizit darauf hinweist, dass es sich um ein "Möller-Präparat" handelt: Klar, ich würde das Etikett auch nicht beschädigen (würde ich generell bei keinem Präparat und erst recht nicht bei älteren/historischen Präparaten).
Ob allerdings speziell "Möller" eine so besondere Stellung hat? Es geht ja nicht um die Diatomeen-Präparate und erst recht nicht um solche, die J.D: Möller persönlich gelegt hat. Sein Institut (und nicht nur er persönlich) hat ja auch reichlich 08/15-Präparate von allem Möglichen hergestellt und vertrieben. Macht allein ein Etikett von Möller jedes beliebige Präparat "wertvoll"?

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

beamish

Ich habe nicht gesagt, daß es "wertvoll" ist. Es ist aber einem bekannten Hersteller zuzuordnen und damit eben nicht ein no-name 08/15 Präparat.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

purkinje

#9
Hallo Thomas,
ich kannte Neuropathologen die ihre, teils recht prominenten Schnitte, meines Wissens nach mit Eispray beidseitig gefrostet haben und so entdeckeln konnten; es handelte sich um ein "hartes", xylollösliches Eindeckmedium.
Bei kurzer Suche fand ich dieses kurzes Video, das ähnlich verfährt:
Beste Grüße Stefan

rlu

Hallo,

vielen Dank Stefan für das Video.
Beim letzten Beispiel hat sich das Deckglas samt Präparat vom Objektträger abgelöst.

Was macht er jetzt da genau?
Xylol + zwei Tropfen Sekundenkleber; umrühren.
Er nennt das Glue bzw. Aktivierungsflüssigkeit. Also er will die alte Klebekraft wieder herstellen.

Eigentlich hätte ich jetzt das Deckglas eingetaucht und dann auf einen neuen Objektträger gelegt und angepresst. Aber ganz sicher nicht mit einem Papiertaschentuch.
Er taucht aber den ganzen Objektträger + Deckglas ein.
Wozu eigentlich noch Euparal, Malinol und Candabalsam, wenn es auch mit Sekundenkleber+Xylol geht?

Hat das schon mal jemand probiert?

Liebe Grüße
Rudolf

Thomas M

Hallo Thomas,
das Bild weckt in mir den Verdacht auf Fungus-Befall. Stimmt das und wenn ja, ist davon auch das eigentliche Objekt befallen?

Beste Grüße
Thomas

Thomas Böder

Ich mache nachher noch ein paar Fotos von den Präparaten.
Hauptmikroskope: Leitz Panphot, Ortholux, Zeiss Nf u. Technival u. Citoval 2, Reichert Zetopan
Kleinmikroskope: reichlich...