Der Ciliat Mycterothrix tuamotuensis – Teil 2

Begonnen von Bernd, Oktober 29, 2024, 19:32:44 NACHMITTAGS

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Bernd

Liebe Ciliatenfreunde, liebes Forum,

da M. tuamotuensis ein Moosbewohner ist, lebt er in einem Biotop, das immer wieder austrocknet. Um diese Trockenphasen überstehen zu können, bildet der Ciliat Cysten. Die Cystenbildung beginnt, indem sich der Ciliat in seinem Gehäuse abrundet und mit der Ausscheidung der in Teil 1 schon erwähnten Schuppen beginnt. Wenn der Fokus auf der Zellmitte liegt, sind diese rund um den Ciliaten herum zu sehen.

Mycterothrix-tuamotuensis_08.jpg

Fokussiert man auf die Zelloberfläche, so sieht man, daß diese von den Schuppen vollständig bedeckt ist.

Mycterothrix-tuamotuensis_09.jpg

Das folgende Foto zeigt vier an einem Stück Substrat liegende Cysten.

Mycterothrix-tuamotuensis_10.jpg

In zumindest einigen dieser Cysten findet die Zellteilung statt und man erkennt zwei voneinander getrennte Ciliaten. Die beiden Pfeile verweisen auf die Grenze zwischen beiden Individuen.

Mycterothrix-tuamotuensis_11.jpg

Wenn man auf die Oberfläche der Cyste fokussiert, erkennt man, daß viele der Schuppen im optischen Schnitt nicht exakt kreisförmig sind. Es scheint sich als nicht um Kugeln, sondern, wahrscheinlicher, um polygonale Gebilde zu handeln.

Mycterothrix-tuamotuensis_12.jpg

Aus welchem Material die Schuppen bestehen, läßt sich lichtmikroskopisch nicht erkennen. Bemerkenswert ist aber, daß Foissner (2009) bei der eng verwandten Art Maryna umbrellata nachgewiesen hat, daß deren Schuppen aus Glas bestehen. Die biologische Glasbildung ist bei Ciliaten, im Gegensatz zu manchen Algen, wie z.B. Gold- und Kieselalgen, äußerst selten.

An einer verlassenen Cyste kann man den komplexen Aufbau der Cystenwand erkennen, die aus mindestens drei Schichten besteht.

Mycterothrix tuamotuensis_13.jpg

Auf eine innere, schmale und strukturlose Schicht folgt eine Schicht aus kleinen, dicht gepackten Kugeln. Darüber liegen mehrere Lagen der großen Schuppen.


Literatur:
Faure-Fremiet. E. (1910) Le Mycterothrix tuamotuensis (Trichorhynchus tuamotuensis) BALBIANI. Arch. Protistenk. 20, 223-238 & Tafel XIV.
Foissner, W. (1993) Colpodea (Ciliophora). Protozoenfauna Volume 4/1, S. 331, 370-373.
Foissner, W. (2009) The Stunning Glass-Covered Resting Cyst of Maryna umbrellata. Acta Protozool. 48, 223–243

Viele Grüße
Bernd

SNoK / Stephan Krall

#1
Lieber Bernd,

das Tierchen ist eigentlich ziemlich unscheinbar, aber dafür sehr spannend. Danke für das Zeigen und Erklären. Was ich mich schon vor einer Weile gefragt habe, ist, wie herum man welche Organismen zeigt. Du schreibst, Ciliaten zeigt man mit dem Vorderende nach Oben, wie bei dem Menschen. Warum eigentlich? Eine Schlange, die uns viel näher steht, würde man z. B. nicht senkrecht darstellen, ein Nilpferd auch nicht. Und wie ist das bei Zieralgen? Solle ich Micrasterias mit den beiden Zellhälften rechts und links darstellen oder oben und und unten, und warum in einer der Formen? Gibt es da eigentlich eine geschriebene oder ungeschriebene Konvention?

Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

tlansing

Hallo Bernd
danke für deinen sehr interessanten Beitrag und die tollen Fotos.  In der Mikrowelt gibt es immer wieder Überraschungen, wohin man auch schaut.  Ich bin motiviert, etwas Moos zu sammeln, es zu rehydrieren und zu sehen, was ich finde!

Beste Grüße,
Tim