Botanik: Mond-Sichelfarn (Cyrtomium falcatum)

Begonnen von Peter T., März 27, 2026, 17:33:56 NACHMITTAGS

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Peter T.

Farne sind eine sehr spannende Pflanzengruppe, sowohl was die Evolution als auch die Fortpflanzung anbelangt. Aber auch mikroskopisch haben sie einige faszinierende Eigenheiten.

Der Mond-Sichelfarn (Cyrtomium falcatum) hat seinen Ursprung in Ostasien, hat sich aber weltweit als Neophyt ausgebreitet. Mein Exemplar habe ich in New Orleans gefunden - am Ufer des Mississippi (ein wenig Romantik darf beim Pflanzensammeln schon dabei sein ;) ).
Cyrtomium falcatum gilt als sehr widerstandsfähig. Er toleriert Temperaturen bis - 10 °C, gibt sich mit Mauerritzen zufrieden und hat sehr langlebige Sporen.

Zunächst der Habitus

Bild 1 (Wikimedia Commons)
1280px-Cyrtomium_falcatum_3.jpg
(Autor Stan Shebs https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cyrtomium_falcatum_3.jpg)

Für den Beitrag habe ich eines der Blättchen untersucht. Zunächst der Blattstiel. Die Schnittdicke beträgt 30 µm, gefärbt wurde nach Etzold mit FCA. Die Bilder sind in der Regel gestackt.

Bild 2


Der Querschnitt zeigt einen ausgeprägten Ring aus Sklerenchym unter der Epidermis. Bei Farnen wird diese Schicht als hypodermales Sterom bezeichnet. Es besteht aus lignfizierten Zellen und wird deshalb nicht als Kollenchym (bei dem die Zellen leben), sondern als Sklerenchym angesprochen. Das Parenchym besteht aus weitgehend homogenen Zellen. In der Mitte finden sich zwei Leitbündel. Dazu eine Detailaufnahme:

Bild 3


Die Leitbündel zeigen bei Farnen einen speziellen Aufbau. Ein zentral gelegenes Xylem wird von einem Ring aus Phloemzellen umschlossen. Ein Kambium fehlt, damit gibt es auch kein sekundäres Dickenwachstum. Eine Endodermis grenzt das Bündel nach außen hin ab.

Hier noch eine Schemazeichnung mit dem beschriebenen Aufbau:

Bild 4
LBF.jpg

Jetzt noch einige weitere Bilder, die Schnittebene nähert sich der Blattspreite:

Bild 5


Bild 6 (Polarisation)


Bild 7


Bild 8 (Polarisation)


Nun zum Blatt:

Bild 9


In der zentralen Blattader bleibt es bei den beiden Leitbündeln, zahlreiche neue Bündel haben sich auf den Weg gemacht, die Spreiten mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen.
Rechts im Bild ist ein Sorus angeschnitten, also eine der typischen Gruppen von Sporangien, in denen Sporen gebildet und bei Reife nach außen geschleudert werden.

Hier einige Nahaufnahmen:

Bild 10



Bild 11 (Polarisation)


Bild 12


Nun noch der Querschnitt der Blattspreite. Er zeigt eine dorsiventrale Struktur mit einschichtiger Epidermis oben und unten, jeweils mit Cuticula, darunter ein locker gebautes, weitgehend undifferenziertes Mesophyllparenchym ohne deutliche Trennung in Palisaden‑ und Schwammparenchym. Bemerkenswert ist, dass bei Farnen, die an schattigen Standorten wachsen, auch die Epidermis Chloroplasten enthält. Es ist anzunehmen, dass dies auch beim Mond-Sichelfarn der Fall ist.

Bild 13



Nun noch einige Bilder, die ich im Durchlicht und in Draufsicht vom nativen Blatt aufgenommen habe. Sie zeigen die große Anzahl an Spaltöffnungen auf der Unterseite des Blattes.

Bild 14


Weiterhin habe ich (ebenfalls im Durchlicht in Draufsicht) die Sori und im Detail die Sporangien aufgenommen. Im nächsten Bild sieht man sehr schön, wie die Leitbündel Abzweigungen zu den Sori bilden, um diese mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen.

Bild 15


Bild 16


Bild 17


Bild 18



Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.



P.S. Nachdem ich ein paar Proben vom Mond-Sichelfarm übrig hatte und mich die Farnanatomie doch sehr in ihren Bann gezogen hat, habe ich noch einige Färbungen mit einer anderen Färbemethode gemacht. Die Präparate sind noch nicht ausgewertet, ich werde in einigen Tagen darüber berichten.

Liebe Grüße
Peter

Alex H.

Hallo Peter,

ich bin begeistert! Vor allem die Bilder der Sori und Sporangien (Bild 15 bis 18) habe ich noch nie so gesehen.

Grüße
Alex
Botanik, vorrangig heimische Wildpflanzen, die Morphologie der Sporen, Pollen, Blüten, Früchte und Samen, Blütenökologie, Kryptogamen im Allgemeinen;
mikroskopische Hilfsmittel: optimiertes LZOS MBS-10 und ein angepasstes LOMO Biolam;

Bernhard Lebeda

Zitat von: Alex H. in März 27, 2026, 18:40:38 NACHMITTAGSHallo Peter,

ich bin begeistert! Vor allem die Bilder der Sori und Sporangien (Bild 15 bis 18) habe ich noch nie so gesehen.

Grüße
Alex

Dito!! Schließe mich vollumfänglich an!

LG Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

Wutsdorff Peter

Guten Abend,
auch ich bin begeistert von diesem Beitrag
Gratulation
Gruß Peter W

Jürgen Boschert

Lieber Peter,

danke für diesen wundervollen Beitrag.

NB: Hast Du bei den Sori einmal UV oder UV-nahes Blaulicht zur Beleuchtung probiert; gibt spektakuläre Farben.
Beste Grüße !

JB

Peter T.

Hallo Alex, Bernhard, Peter und Jürgen,

vielen Dank an Euch für die überaus freundlichen Worte zu meinem Beitrag. Das hat mich sehr gefreut!

@Jürgen, danke für die Anregung, das habe ich noch nicht und werde es ausprobieren. Das UV-Licht dann zusätzlich zur Lichtquelle als Auflicht?


Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

Jürgen Boschert

Hallo Peter,

als Auflicht alleinige Beleuchtung. Hier, in diesem Link ist das zu sehen.
Beste Grüße !

JB

Peter T.

Lieber Jürgen,

vielen Dank für die Klarstellung. Das sind schon sehr attraktive Farbvarianten, die mit dem UV-Licht entstehen. Die intensive Goldfärbung tritt auch schon im polarisierten Licht auf.
Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch

Lieber Peter,

ein exzellenter Beitrag.
Ich freue mich schon auf die neuen Bilder.

Gruß
Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=2650.0" target="_blank">Hier geht es zur Vorstellung</a>

Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

ganz herzlichen Dank an Dich!


Beste Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter