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Über die Wupper gehen…

Begonnen von Michael Plewka, Heute um 18:10:16 NACHMITTAGS

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Michael Plewka

bedeutete früher nichts Gutes!

Hallo zusammen,

zwar ist der historische Grund für diese Redewendung ein anderer (siehe Wikipedia), aber wenn  ein Mensch in den ersten Dekaden des letzten Jahrhunderts in der Wupper gebadet hätte, wären verschieden bunte Einfärbungen, Verätzungen der Haut und/oder Vergiftungserscheinungen durch entsprechende Chemikalieneinleitungen  aus den dort ansässigen Unternehmen mit Sicherheit die Folge gewesen.

Mittlerweile hat sich aufgrund von entsprechenden ökologischen Maßnahmen die Situation in diesem Gewässer deutlichst verbessert, so dass auch interessante MikroOrganismen zu finden sind,  wie auch schon  Bernd hier
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=44420.0

dargestellt hat oder auch in diesem Beitrag deutlich wird:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=44651.0


Diese Beobachtungen bezogen sich allerdings auf einen Flussabschnitt, der flussabwärts, quasi hinter Wuppertal liegt, während die Funde, die hier vorgestellt werden, vor Wuppertal in der Nähe von Beyenburg liegen:



Typischerweise sind diejenigen Lebewesen, die das Interesse der mikroskopisch interessierten Menschen finden, in stehenden Gewässern zu finden (daher ja auch der Ausdruck ,,Tümpler"), wohingegen  Mikroorganismen in Fließgewässern deutlich weniger untersucht werden und damit auch weniger darüber bekannt ist (die Leitarten für Fließgewässer beziehen sich  überwiegend auf größere Organismen, d.h. Wirbellose oder Pflanzen), für die man maximal eine Lupe zur Bestimmung braucht.

Bei den hier vorgestellten Rädertieren handelt es sich meines Erachtens ausschließlich um solche, die als Nahrung der Diatomeen oder Bewuchs auf diesen  aufnehmen,  welche in der Wupper an den Probennamestellen reichlich zu finden sind.
In der Literatur findet man dazu kaum Angaben oder solche, die  nicht mit meinen Beobachtungen  im Einklang stehen.

Der Name des ,,Fußborsten"-Rädertier (so bezeichnet im ,,Wassertropfen") Euchlanis bezieht  sich auf ein  m.o.w. auffälliges Sinnesorgan (,,Caudaltaster") am Fuß (dieses gibt es aber auch bei anderen Gattungen wie z.B. bei Cephalodella,
ist also kein Alleinstellungsmerkmal:



Die hier vorgestellte Euchlanis lyra unterscheidet sich von den im Wassertropfen gelisteten Arten der Gattung u.a. dadurch, dass am Hinterende des Panzers kein Einschnitt ist.

Mehr dazu hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Euchlanis%20lyra.html


Auch das ,,Furchenpanzer-Rädertier"  Notholca ist im ,,Wassertropfen" gelistet, allerdings auch dort nur mit  einigen Arten aus stehenden Gewässern; die Art N. foliacea  fehlt (zumindest in der 10.Auflage).


Diese Art zeichnet sich durch einen besondern Stachel am Hinterende aus, der sich von demjenigen der Art 
N. caudata unterscheidet. Mehr dazu hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Notholca%20foliacea.html


Hier noch ein Bild vom Kieferapparat (,,Kauer")  eines ,,Wolf-Rädertiers":




 Wie der Fantasiename im Wassertropfen schon andeutet, gibt es in der  gesamten Familie, zu der  dieses Rädertier gehört,  viele räuberische Arten, die sich auch von anderen Rädertieren ernähren, was an den Kauern der gefressenen Tiere erkennbar wird. (Ein Beispiel dafür ist hierzu finden.


Bei dieser  Art  (Dicranophorus hauerianus) , die man an sehr charakteristischen Strukturen des Kauers (Pfeile) von anderen Arten unterscheiden kann,  habe ich bisher noch nie tierische Überreste im Mageninhalt gefunden, sehr wohl aber jede Menge Diatomeen. Ich habe dieses Bild, (das die Kauer im übrigen nur unzulänglich dokumentiert) aber deshalb ausgewählt, weil es zusätzlich an manchen Stellen die Anhäufungen von kleinen lichtbrechenden  Körperchen unbekannter Funktion zeigt, ähnlich denen, die ich bei einer   anderen Art aus dieser Gattung schon beobachtet hatte.

Mehr zu D. hauerianus hier:
https://www.plingfactory.de/Science/Atlas/KennkartenTiere/Rotifers/01RotEng/source/Dicranophorus%20hauerianus.html



Beste Grüße
Michael Plewka