Auflichtmikroskop sinnvoll?

Begonnen von Wasserfloh65, September 30, 2026, 14:51:38 NACHMITTAGS

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Wasserfloh65

Mal wieder eine fortgeschrittene Anfängerfrage. Ich beschäftige mit mit superwinzigen Mikrofossilien, 0,1 mm z.B. (für Durchlichtmikroskopiker ist das natürlich riesig), aber mein Stereozoom mit max. 5x ist da unbefriedigend. Durchlicht geht nicht, weil das Zeug nicht transparent ist. Hilfslicht von außen ist auch Mist. Jetzt frage ich mich, ob hier ein Auflichtmikroskop sinnvoll wäre. (Welches?) Oder ist das generell Quatsch? (Ich hätte auch schon Mitutoyo Objektive M Plan Apo LWD, aber ich fürchte, das passende Mikroskop dazu wäre unerschwinglich).

olaf.med

Hallo Wasserfloh,

ein Auflichtmikroskop löst Deine Probleme nicht, denn es liefert nur senkrechtes Auflicht und nur das reflektierte Licht der Flächen die parallel zur Tischebene liegen wird vom Objektiv erfasst. Du brauchst eine gute Stereolupe!

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Markus Hirt

Hallo,
oder ein Auflicht-Dunkelfeld, z.B. historisch Leitz Ultropak am Ortholux/Orthoplan, Zeiss Jena Epignost, u.v.m.?

Florian D.

Hallo,

neben dem schon angesprochenen Leitz Ultropak habe ich auch mit petrographischen Auflichtmikroskopen gute Erfahrungen gemacht. Dazu gibt es zwei Einschränkungen. 1. die Tiefenschärfe ist sehr gering, man muss also fast immer Schichtaufnahmen machen und diese stacken, z. B. mit Picolay. (Gilt für alle hochvergrössernden Verfahren) 2. Olafs Punkt: Um im senkrechten Auflicht etwas sehen zu können, muss man mit gekreuzten Polarisatoren arbeiten. Dazu braucht man wiederum eine starke Beleuchtung.

Je nach Präparat und Vergrösserung braucht man auch Objektive mit langem Arbeitsabstand. Da kann man dann aber evtl. Ringlichter verwenden, siehe z. B. hier: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=54446.0 oder hier: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=53365.0

Schliesslich kann man mit Öl-Auflichtobjektiven hervorragend in anpolierte Proben hineinschauen, siehe: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=49364.15

Welche Proben betrachtest Du? Stell sie doch mal vor!

Viele Grüsse
Florian

Gerd Schmahl

#4
Hallo Wasserfloh,
wichtig wäre, dass das Auflichtmikroskop auch für Auflicht-Dunkelfeld ausgebaut ist. Mit einem EPIGNOST oder VERTIVAL von Zeiss-Jena wäre das kein Problem.
Dieses Foto zeigt zwar kein Mikrofossil, sondern eine Kugel, wie sie bei einem Wunderkerzenabbrand entsteht, aber die Größenordnung kommt der von Dir angegebenen sehr nahe (mit VERTIVAL im Dunkelfeld mit zusätzlicher Beleuchtung durch 2 Jansjö aufgenommen).


Wie Du schon richtig bemerkt hast, wäre das für Durchlichtmikroskopiker "riesig". Das heißt aber auch, dass Du kein all zu stark vergrößerndes Objektiv benötigst. Im Größenbereich bis zum 20er Objektiv (einfache Achromate) kannst Du auch an einem einfachen Durchlichtmikroskop Auflicht improvisieren, indem Du mit einer oder mehreren Lampen schräg von oben auf Deine Objekte leuchtest. Bei stärker vergrößernden Objektiven reicht meist der Arbeitsabstand nicht mehr und die höher vergrößernden Objektive sind auch empfindlicher in Hinblick auf nicht eingehaltene Deckglasdicke, während bei den geringeren Vergrößerungen auch das Fehlen eines Deckglases toleriert wird. Ich denke ein 10er  Objektiv, mit dem Du gut bis 100...150fach vergrößern kannst, sollte schon reichen. Was Du dabei aber unbedingt bedenken musst: Die Tiefenschärfe nimmt, wie auch Florian schon bemerkt hat, mit höherer numerischer Apertur rapide ab. Das oben gezeigte Foto wurde aus 52 Einzelaufnahmen gestakt. Ein Einzelbild aus der Mitte des Stapels sieht dann so aus und so würdest Du es auch durch die Okulare sehen:
Einzelbild-800.JPG

Die physikalischen Gesetze, die dahinter stehen, lassen da leider nicht mit sich verhandeln. Die sind komplett humorlos. Ich würde Dir empfehlen zunächst mit einem einfachen Durchlichtmikroskop und einfachen Achromaten (die haben nicht so hohe n.A.) und improvisiertem Auflicht zu experimentieren. Ich könnte Dir eine solches Gerät mal leihen, wenn Du niemanden in Deiner Umgebung hast, bei dem Du das mal ausprobieren kannst. Über die "richtige" Beleuchtung könnte man hier noch viel schreiben. Je nachdem, ob Deine Fossilien stark reflektieren oder nicht, wäre zumindest über einen Diffusor nachzudenken. Gut geeignet sind Schwanenhalsleuchten wie die gute alte JANSJÖ von IKEA, die leider nicht mehr vertrieben wird, aber es gibt ähnlichen Modelle im 10..20€-Bereich.

Darf ich als jemand, der selber schon viel mit Fossilien und Mikrofossilien gearbeitet hat, mal fragen was Du da so vor der Linse hast?

LG Gerd

Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Gerd Schmahl

Hallo Wasserfloh,
wie ich hier gerade gesehen habe, besitzt Du ja ein Durchlichtmikroskop, mit dem Du Auflicht improvisieren kannst.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Wasserfloh65

Als Durchlicht habe ich das Motic BA310E. Auflicht notfalls mit Schott Doppelschwanenhals, aber so ganz happy bin ich damit nicht. Eigentlich benutze ich das Durchlicht für Dünnschliffe. Dachte es gibt irgendwas wo ich entspannt durchgucken und das Kleinzeug näher betrachten kann. Es nervt mich immer, wenn ich mit dem Stemi nicht so nah rankomme wie ich gerne würde. Hatte auch mal einen Vorsatz zur Verstärkung, war aber auch unbefriedigend. Ich suche einfach nur was zum gucken. Fotografieren tu ich ohnehin ohne Mikroskop.  Anbei zwei kürzlich gemachte Fotos.

Wasserfloh65

Gerade nochmal ausprobiert, wenn man sich auf 10x beschränkt, funktioniert es mit den Schwanenhälsen eigentlich ganz gut.

Wasserfloh65

Sehe gerade, dass es auch ein 20x Objektiv mit größerer WD gibt, ist zwar für das MoticBA310met - könnte das auch am normalen BA310 funktionieren mit externem Auflicht?

3D Alfons

Das Auflösungsvermogen des Steroemikroskoos ist begrenzt ,
mehr Auflösung geht nur mit Auflicht 
Jena hatte da nachrüstbare Auflichteinrichtung und Phasenkontrast Objektive Auflicht, das wäre es gewesen.
Grüße von der Mosel

Gerd Schmahl

#10
Hallo Wasserfloh,
ob das mit dem 20er Objektiv und erhöhtem Arbeitsabstand noch gut geht, weiß ich nicht. Licht bekommst Du sicher drunter, aber es kommt dann auf n.A. und vorgesehene Deckglasdicke an, ob das noch ein gutes Bild wird. Kannst Du mal einen Link zu dem Objektiv schicken, das Du gefunden hast. Dann könnte man das vielleicht besser abschätzen. Wäre gut, wenn Du das Objektiv bei Nichtgefallen ohne viele Umstände zurückgeben könntest, damit Du das testen kannst, sonst könnte es auch ein Fehlinvestition sein.

Eine Schöne Armleuchteralgen-"Frucht" zeigst Du im ersten Bild. Wie hast Du die isoliert?
Dieses rezente Pendant habe ich am Stereomikroskop fotografiert. Wie man sieht ist das natürlich nicht wirklich befriedigend. Dafür sieht man sowohl das männliche, als auch das weibliche Organ. Das ist schon faszinierend, dass die nach ca. 180 Mill. Jahren noch fast genauso aussehen.


Das zweite dürfte eine Foraminifere sein, oder?

Du kannst ruhig mehr zeigen, von den Mikrofossilien. Hier gibt es auch Leute, die Freude daran haben.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.