Einstellung des Mikroskops

Begonnen von warzocha, Oktober 12, 2026, 19:11:53 NACHMITTAGS

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warzocha

Hallo!

Ich suche Ratschläge und Informationen zur Ausrichtung der optischen Elemente in einem Mikroskop. Ich habe ein Amplival mit einem Interphako-Aufsatz in der Version Ph 160, und einige Elemente in der optischen Achse sind nicht richtig zentriert. Wie gehe ich Schritt für Schritt vom Lichtkollektor bis zu den Objektiven vor, um alle Elemente zu zentrieren?
 
Vielen Dank im Voraus für eure Unterstützung
MW

Gerd Schmahl

#1
Hallo Warzocha,
Die Gebrauchsanweisung zum Amplival hast Du? Ansonsten hier herunterladen.

Bei der Beleuchtung gibt es verschiedene Varianten. Welche hast Du?
-6V/15W-Einsteckleuchte wie an Deinem Nf? oder
-einsteckbare Halogenlampe?
-oder ein größeres externes Lampenhaus mit Halogenbeleuchtung 50W oder 100W

Wie äußert sich denn das:
Zitat von: warzochaeinige Elemente in der optischen Achse sind nicht richtig zentriert
?

Zunächst müssten wir mal wissen, was Du überhaupt an Deinem Amplival justieren kannst und was nicht.
Hast Du einen Objektivrevolver mit Justiereinrichtungen für die Objektive (relativ selten, wurde vor allen an den Polmikroskopen verbaut) oder einen ganz normalen, in dem sich die Objektive garnicht justieren lassen?

Den Interphako-Aufsatz  würde ich zunächst außen vor lassen, und einen normalen Tubus montieren (z.B. von Deinem Nf-Stativ). Wenn Du hast, wäre ein senkrechter Monotubus für die Justierarbeiten ideal, weil er keine weitere Optik enthält, die dejustiert sein kann.

Dann solltest Du zunächst "köhlern", also die Beleuchtung gemäß der Anleitung einstellen.

Weder die Leuchtfeldblende noch der Spiegel lassen sich am AMPLIVAL vom Benutzer justieren. Du musst davon ausgehen, dass die justiert sind. Der einzige wirklich schwere Brocken ist der Pankratische Kondensor.
Überprüfe, ob der richtig angesetzt und richtig festgezogen ist (kleine Rändelschraube mit der der Kondensorträger an der Aufhängung befestigt wird).

Wenn Du ein AMPLIVAL erwischt hast, dass noch seine Originalausstattung hat, dann ist der Pankrat werksseitig auf das Stativ angepasst. Wo es oft zu Problemen kommt, ist die Justierung der 3 Wechselkköpfe. Der 1,4-er Kondensorkopf und der DF-Kondensorkopf besitzen jeweils 2 Justierschrauben mit 4-Kant, die mit passenden Justierschlüssel bewegt werden können. Die soltest Du mal vorsichtig ausprobieren. Wie bei der Tischjustierung arbeiten diese beiden Schrauben gegen eine federnd gelagerte Spitze, die aber aufgrund verharzten Fettes gerne mal fest ist, wenn sie lange nicht bewegt wurde und wenn alles richtig eingestellt ist, braucht sie eigentlich auch nicht mehr bewegt werden. Gut möglich, dass sie die letzten 40 Jahre nichts zu tun hatte. Wenn  die Federspitze fest sitzt, kannst Du hier nichts justieren. Dann muss das Ding aufgemacht, in Waschbenzin gebadet, gereinigt und neu gefettet werden. Beim DF-Kondensor musst Du beachten, dass da ohne Immersion (hier reicht Aqua dest.) gar nichts geht, weil das sehr schräg einfallende Licht an der Grenzfläche Glas/Luft totalreflektiert würde. Geht auch nur mit Objektträgern, die nicht dicker als 1mm sind. Beachte auch die anderen Punkte der Gebrauchsanweisung zum DF (z.B. Aperturblende ganz öffnen).

Letztlich muss bei im Hellfeld die geschlossene Leuchtfeldblende beim Köhlern mittig im Bild liegen und beim DF der beleuchtete Fleck im Objekt.

Manchmal sind aber auch kleine Dummheiten schuld, wenn die Leuchtfeldblende nicht mittig liegt, z.B. dass der Objektivrevolver nicht vollständig oder gar falsch herum aufgeschoben wurde. Man kann auch Pech haben und einen Objektivrevolver aus der "Montagsproduktion" erwischt haben, dessen Gewinde nicht auf den geleichen Punkt zeigen. Dreck auf der Objektivauflage oder Korrosion kann ebenfalls bewirken, dass ein Objektiv etwas "schielt", aber das sind selten Trauerfälle, die Du beim Umschwenken von einem zum anderen Objektiv bemerkst, wenn das im kleineren Objektiv mittig gestellte Objekt, beim Wechsel zum größeren nicht mehr im Bild ist (oder weit außerhalb der Mitte). Hier hilft für die genaue Diagnose eine Okular mit Fadenkreuz, wie es jedes Polarisationsmikroskop hat. Zum beheben kann man kleine Alufolienstücken an der richtigen Seite zwischen Objektiv und Auflagefläche schieben. Aber erst genau diagnostizieren, welches Objektiv der Ausreißer ist. Nicht das Du das falsche "grade biegst"!

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

warzocha

Vielen Dank, Gerd, für deine Antwort.

Die Gebrauchsanweisung und verschiedene Werbematerialien zu Amplival habe ich bereits zuvor gefunden.
Ich habe nach der Einstellung des Mikroskops gefragt, weil fast alle Teile, die ich habe, von mir gewartet werden mussten, sodass ich theoretisch schon beim Festziehen der Schrauben kleine Fehler gemacht haben könnte.

Nachfolgend eine Liste dessen, was mir zur Verfügung steht.
- Stativ Amplival
- Kreuzzeltisch Amplival (2 Stück)
- Pankratischer Kondensor (2 Stück)
- Objektivrevolver ohne Verstellmöglichkeit (2 Stück)
- Zwischentubus (45°)
- Binokularaufsatz
- Interphako-Aufsatz
- Zubehör für den Phasenkontrast von Nf
- Mikrofotografie-Tubusse (lang und kurz)
- verschiedene Objektive und Okulare (darunter MF-Projektiv)

Die Probleme, die mir aufgefallen sind, sind eine erhebliche Verschiebung des Feldblendenbildes beim Wechsel der Vergrößerungen 16x – 40x – 60x, eine leichte Verschiebung des Feldblendenbildes beim Ändern der NA des Pankratischen Kondensors sowie die Unmöglichkeit, die Ringe für den Phasenkontrast korrekt aufzusetzen.
MW

Gerd Schmahl

Hallo Warzocha,
die Phasenblende vom Nf passt schon mal nicht ohne weiteres an das Amplival. Zwar haben beide pankratische Kondensoren, die prinzipiell sehr ähnlich aufgebaut sind, jedoch gibt es einen entscheidenden Unterschied:
Beim Nf ist die Aperturblende im Fuß integriert, beim AMPLIVAL direkt am Kondensor befestigt. Du kannst allerdings mal probieren, ob Du die Nf-Phasen-Einrichtung an den Pankraten bekommst, wenn Du die Aperturblende vorher entfernst, denn an der Phaseneinrichtung ist ja eine eigene Irisblende vorhanden. Ob das wirklich funktioniert, kann ich Dir nicht sagen. "Versuch macht kluch."

Was die erhebliche Verschiebung des Feldblendenbildes beim Objektivwechsel angeht, musst Du noch ein wenig auf Ursachensuche gehen. Probiere mit einem Präparat mal aus, ob die Objektive auf die gleiche Stelle "gucken", wenn Du sie wechselst. Eine gewisse Abweichung wird es bei den Objektivrevolvern ohne Zentriermöglichkeit immer geben, aber schau mal, ob sie an beiden gleich groß ist. Manchmal tanzt nur ein einzelnes Objektiv aus der Reihe. Dann kannst Du versuchen durch Unterlegen dünner Alufolienstücken an der richtigen Stelle des Objektivansatzes(Versuch und Irrtum) dieses Objektiv besser zu zentrieren. Danach sollte man dann natürlich nicht mehr daran herumschrauben. Probiere auch, ob das Problem an beiden Revolvern gleich stark auftritt. Das Problem liegt oft in den nicht ganz präzise geschnittenen Gewinden, seltener an den Objektiven bzw. ihren Auflageflächen (Korrosion?).

Hilfreich bei diesen Versuchen ist ein Okular mit Fadenkreuz oder Mess-Skala und ein Objektmikrometer als Präparat, weil man damit auch sehen kann wie stark die Abweichung ist.

Beste Grüße
Gerd

Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
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