Picrinsäure vom Flohmarkt

Begonnen von Klaus Herrmann, August 16, 2010, 18:42:00 NACHMITTAGS

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Jens Jö

ZitatNur für die Champagnerflasche zur Neutaufe auf Picro I hat es nicht mehr gereicht, das holen wir noch nach!

Das ist aber nun wirklich nicht stilvoll !
An einer solchen Yacht läßt man keine Champagnerflasche zerschellen, sondern eben dieses kleine Pikrinfläschen . . .

Gruß
Alfred

Hyperion

#16
ZitatAn einer solchen Yacht läßt man keine Champagnerflasche zerschellen, sondern eben dieses kleine Pikrinfläschen .

Aber dann bitte ohne Inhalt  ;D ;) ;). Das Zeug färbt bekanntlich bereits in geringsten Mengen Wasser und Proteine sehr stark gelb und ich hab mich mal vor Jahren unfreiwillig völlig mit dem Zeug eingesaut (wer braucht schon Kittel und Handschuhe im Labor gell ::) ) und durfte dann ne Ewigkeit mit gelben Händen und Arme rumlaufen (im SOmmer !!! und das Zeug fluoresziert im Sonnenlicht). Die Leute müssen gedacht haben ich hätte Hepatitis....

Und wer will sich denn den schönen Anstrich der Yacht versauen  ;D

olaf.med

#17
Entschuldigung, ich habe keine neuen Mila-Motive anzubieten, aber noch etwas zum ursprünglichen Thema.

Früher hat man in der Kristalloptik alles untersucht, was in Kristallen vorkam. Die hier abgebildeten Präparate wurden zwischen 1880 und 1900 als Anschauungsmaterial für die Lehre hergestellt und waren frei verkäuflich. Ich habe keine Ahnung über die toxische Wirkung der Komplexsalze, aber das mittlere Präparat....... oh je >:( >:(! Für wie viele Schwiegermütter das wohl gereicht hätte ???



Mit blausaurem Gruß,

Olaf
Gerne per Du!

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... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
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Mila

#18
Hallo,

naja, da wären wahrscheinlich einige Schwiemüs blausauer geworden... ;)

Die anderen Präparate: könnte das Blutlaugensalz sein?

Viele Grüße
Mila

aus Wikipedia:

Der Name Blutlaugensalz rührt von der Darstellungsweise durch Alchemisten. Sie erhitzten Blut mit Knochen, Horn und anderen proteinhaltigen Substanzen in Gegenwart von Pottasche. Der Rückstand wurde mit Wasser ausgelaugt. Daraus kristallisierte anschließend ein Salz aus, welches je nachdem, wie viel Luft man beim Erhitzen zuließ, gelb (Gelbes Blutlaugensalz) oder rot (Rotes Blulaugensalz) war.


Tja, Ende von Schwiegermutter 8)

Gunther Chmela

Zitat von: Mila in August 18, 2010, 11:03:04 VORMITTAG
Die anderen Präparate: könnte das Blutlaugensalz sein?

Hallo Mila,

ja, die ganz Alten hier (da gehöre ich langsam dazu) kennen diese alten Namen noch:

Ferrocyankali = Kaliumhexacyanoferrat-II = Gelbes Blutlaugensalz
Ferricyankali = Kaliumhexacyanoferrat-III = Rotes Blutlaugensalz

Die niedrigere Oxidationszahl des Zentralatoms wurde mit "o", die höhere mit "i" bezeichnet. Insofern ist die Bezeichnung des linken Präparats unklar.

Beste Grüße!
Gunther Chmela

Mila

Hallo,

vielen Dank :)

mit Kaliumhexacyanoferrat(I) und (II) habe ich auch gewerkelt (Schwiegermutter aber noch da), aber so ganz taufrisch bin ich auch nicht mehr, las ich doch bei Wikipedia, dass es jetzt Kaliumcyanidoferrat(I) und (II) heißt...

Herzliche Grüße
Mila

Klaus Herrmann

Lieber Olaf,

das blausaure Kalium  "Kaliumcyanid" KCN hat mich als Ausgangschemikalie für mein wichtigstes Agens das Tetra-ethylammonium-Cyanid während meiner ganzen Dissertation begleitet. Bei der Aufarbeitung der Ansätze wurde immer ordentlich Blausäure HCN frei. 2 mal habe ich eine Nase zu viel eingeatmet und lag am Boden. Aber die Kollegen haben immer schnell Sauerstoff mit der Rettungsmaske gegeben, so dass keine nennenswerten Schäden zurückgeblieben sind - was im engeren Familienkreis bisweilen bezweifelt wird ;D

Mein Doktorvater hat mit flüssiger Blausäure als Lösungsmittel gearbeitet, deshalb hat er das nicht so kritisch gesehen. So ändern sich die Zeiten - heute müsste man sicher mit Vollmaske arbeiten.

Das blausaure Kalium in der Mitte ist also sicher KCN; rechts das gelbe und links das rote Blutlaugensalz. Die korrekten Bezeichnungen hat Gunther, bzw Mila ja schon genannt.

Das rote ist monoklin und das gelbe tetragonal vielleicht hilft das?

KCN ist kubisch, sollte also keine Doppelbrechung zeigen, was zu überprüfen wäre.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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olaf.med

Lieber Klaus,

Cyanid-Lösungen werden ja bei vielen großtechnischen Prozessen eingesetzt - der größte davon ist wohl die Cyanid-Laugerei in der Goldgewinnung. Ganze Landstriche in Südafrika rund um Johannesburg sind von riesigen unbewachsenen Halden aus diesem Prozess geprägt. Trotzdem habe ich allergrößten Respekt vor dieser Substanz da ich als kleiner Student in den Spätsechzigern erlebt habe, dass der Prof in der Grundvorlesung bei einem Experiment umgekippt ist, weil Cyanid-Dämpfe freiwurden. Auch er wurde gerettet, von Spätfolgen weiß ich nichts :D

Ist es jetzt nicht viel zu heiß an der Cotte ??? Hier haben wir freundliche 15°C und Dauerregen >:(

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

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Klaus Herrmann

#23
Lieber Olaf,

die Cyanidlaugerei basiert auf Salzlösungen also wässrigen NaCN oder KCN-Lösungen. Mein Prof hat flüssige Blausäure (Kp 26°) als Lösemittel verwendet! Sehr exotisch! ;D

Sicher ist das Wetter an der Côte z. Z. deutlich besser als hier. Aber ich bin nicht mehr dort - es bleiben nur noch schnell verblassende Erinnerungen:

oben das Cap Taillat bei 30° und unten St. Tropez bei relativ "schlechtem" Wetter also 26°. Nicht, dass es uns nicht mehr gefallen hätte... ;)

Vielleicht sollte ich es mal in unserem Garten mit Cyanidlaugerei versuchen? Der Goldpreis ist gerade so schön hoch!



Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Peter V.

#24
Zitat von: Mila in August 18, 2010, 12:00:03 NACHMITTAGS
Hallo,

vielen Dank :)

mit Kaliumhexacyanoferrat(I) und (II) habe ich auch gewerkelt (Schwiegermutter aber noch da), aber so ganz taufrisch bin ich auch nicht mehr, las ich doch bei Wikipedia, dass es jetzt Kaliumcyanidoferrat(I) und (II) heißt...

Herzliche Grüße
Mila

Und ich kenne es noch als Kaliumferricyanid......
( war doch früher auch im Chemiekasten, oder? )

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Robert Götz


Zitat( war doch früher auch im Chemiekasten, oder? )

Rotes und gelbes Blutlaugensalz war in den KOSMOS-Experimentierkästen, die damals auch an Kinder und Jugendliche verkauft wurden.
Ist also wohl ungiftig.

Gruß
Robert


Mila

Hallo Robert,

ja, das stimmt, es "hat" weder ein Gefahrensymbol, noch R- und S-Sätze.

In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass die Zeit der R-/S-Sätze eh abläuft, wir dürfen uns mit GHS und CLP rumschlagen :(

Viele Grüße
Mila

Gunther Chmela

Zitat von: Robert Götz in August 18, 2010, 17:41:16 NACHMITTAGS
Rotes und gelbes Blutlaugensalz war in den KOSMOS-Experimentierkästen, die damals auch an Kinder und Jugendliche verkauft wurden.
Ist also wohl ungiftig.

Die klassische Lehrmeinung ist (war???) folgende: Gelbes Blutlaugensalz ist praktisch ungiftig, da der Cyanidkomplex des 2-wertigen Eisens sehr stabil ist ist und daher nicht dissoziiert (soll heißen: Es gelangen keine freien Cyanidionen in den Körper). Anders das rote B. - hier dissoziiert der Komplex des 3-wertigen Eisens verhältnismäßig stark in wässriger Lösung, es galt daher schon immer als giftig.

G.Ch.

Mila

#28
Oh ja, ich bitte um Entschuldigung, beim gelben Blutlaugensalz (Kaliumhexacyanidoferrat(II)) gibt es R- und S-Sätze, allerdings auch kein Gefahrensymbol.

Viele Grüße
Mila

hm, nein, es herrscht Durcheinander:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kaliumhexacyanidoferrat%28II%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Kaliumhexacyanidoferrat%28III%29

Hyperion

Leute gelbes Blutlaugensalz ist auch in handelüblichem Speisesalz drin und ein Lebensmittelzusatzstoff.

Durch versetzen mit Schwefelsäure und einleiten der HCN in Methanolische KOH, kann man sich auch daheim selber Cyanid herstellen (wer sichs traut).