Blaulichtfluoreszenz als Killerstrahlen ?

Begonnen von peter-h, Juni 29, 2010, 11:42:39 VORMITTAG

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

peter-h

Liebe Blaulichtanreger  :D

bei meinen EPI Fluoreszenzversuchen mit der blauen 3 Watt LED @ 455nm, stellte ich zum großen Schrecken fest, dass Wimpertierchen sehr empfindlich auf die blaue Strahlung reagieren. Innerhalb von 10 - 15 s ziehen sie einen Plasmafaden hinter sich her und nach nochmal höchstens 5 s ist absolute Auflösung.  >:(

Es liegt nicht an zu hohem Deckglasdruck oder zu wenig Wasser. Ohne Bestrahlung leben sie recht lange.

Für eine Aufklärung wäre ich dankbar.
Schöne Grüße
Peter Höbel

reblaus

Hallo -

hätte mich eher gewundert, wenn das bei diesen Schleimbeutelchen nicht so wäre! Schließlich machen auch die Zellen höherer Pflanzen, insbesondere der Photosyntheseapparat, unter diesen Bedingungen recht schnell schlapp. In der Evolution ist halt Blaulicht vorläufig nicht vorgesehen.

Gruß
Rolf

Rene

Hi Peter , the amount of blue light for ( auto) fluorescence is of course immense , the critter would react different on the same amount of white , or green light? That it does do something with the cell / molecules is evident, otherwise there would not be fluorescence. Fading (and thereby probable loss of biological function of the protein / molecule in question) might be one or at least part of the explanation ?

best wishes, Rene.

Ole

Hallo Herr Höbel,
letztes Jahr im Frühjahr hatte ich eine ähnliche Erfahrung mit Goldalgen gemacht, allerdings war da wohl weniger die "Blau"-Anregung Schuld, mit Violett und Grün habe ich die Algen auch lysieren können. Bei voller Intensität reichte auch eine 100W Halogenlampe bei Durchlicht (allerdings dauerte es deutlich länger). Vielleicht war das ein ähnlicher (phototoxischer?) Mechanismus. Haben Sie auch einmal andere Wellenlängen testen können?
Viele Grüße,
Ole
Hier nochmal der Link zur alten Beschreibung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=1684.0

Ragin

Hallo,
In der Teichfiltertechnik wird das Prinzip der UV-Bestrahlung auch zur Klärung des Wassers eingesetzt. Da wird das Wasser im Filterkreislauf durch eine Röhre geleitet, wo es mit UV-Licht bestrahlt wird. Algen , Bakterien und andere Kleinstlebewesen  werden dabei abgetötet und im Filter ausgefiltert. So wird das Wasser schön klar gehalten, kein gutes Jagdrevier für Tümpler >:(
Schöne Grüße
Rainer
Ich pflege das bayrische Du, von Mensch zu Mensch

reblaus

Hallo -

Kurzewelliges UV ist aber doch was ganz anderes als das beliebte "Royal Blue", das weniger UV-Anteil hat als die 15 Watt Oldie-Glühlampe (siehe Zeiss-Prospekte)!

Allerdings stehen ja die Warnungen vor diesem LED-Blau auch im Datenblatt - auch die menschliche Netzhaut mag es nicht so sehr, obwohl ja im Sonnenlicht größere Mengen davon drin sind.
Problem: Die Iris macht beim Sonnenlicht schneller zu als beim Blau allein, deshalb auch die hässlichen Blendeffekte der modernen Xenonlampen im Nachtverkehr

Gruß
Rolf

-JS-

#6
Hallo Peter,
generell haben relativ kurzwellige Lichtintensitäten (< 500 nm) Auswirkungen auf Peptidbindungen. Wir haben das in Laborversuchen anhand von Bestrahlungsversuchen mit vergleichbaren Wellenlängen an Deca- und Dodeca-Peptiden einwandfrei nachweisen können. Es kam hier äusserst häufig zur Abspaltung der N-terminalen Aminosäure oder auch zu anderen Fragmentbildungen, die anschliessend sehr schön mittels HPLC-MS-Kopplung nachgeweisen werden konnten. Da Proteine eigentlich nur 'etwas' größere Peptide sind  ;D, ließe sich ein ähnlicher Einfluß auch hier darstellen. Mithin ist die von Dir beobachtete Artefaktbildung, welche übrigens auch bereits in anderen Foren besprochen worden ist, auf dem Kampf von 'h mal nü' (sorry, mein Graecum ist lange her bzw. meine Faulheit, hier die entsprechenden ASCII-Umsetzungen zu suchen, riesengroß) gegen Peptidbindung & Co. zurückzuführen. Das Gleichgewicht verschiebt sich hier direkt proportional zur Kürze der eingesetzten Wellenlänge zum Nachteil der Proteinmatrix. Übrigens auch ein Grund, warum z.B. Gamma-Strahlen, welche im Prinzip auch nichts weiter als ein extrem kurzwelliges Licht definiert werden können, zur Sterilisation von Oberflächen eingesetzt werden. Die dort anhaftenden 'lieben Kleinen' geben wegen durch Gamma-Bestrahlung verursachter Denaturierung ihrer stoffwechselstützenden Proteine schlichtweg nach kürzester Zeit final und auch (gewünscht) irreversibel den Löffel ab...
Schönen Gruß, Joachim


...bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden...
... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

peter-h

Liebe Blaulichtfreunde  ;D

besten Dank für all die Erklärungen und Rückmeldungen. Es war mal wieder ein schönes Lehrstück und zeigt, wie Theorie und Praxis gut zusammen passen.
Dass diese kleine 3 Watt LED tatsächlich solche Wirkung entfalten kann war mir aber neu.
Mit meiner Nichia UV-LED hätte ich diese Frage auch nie gestellt, denn damit habe ich schon "Löcher" in fertige Präparate gebrannt.  :(  Also VORSICHT mit kräftiger LED-Strahlung und nicht nur immer an gefährliche Hg-Brenner denken.

Peter