Solanum lycopersicum - Tomatenstengel quer

Begonnen von sirdul, Dezember 30, 2010, 18:03:37 NACHMITTAGS

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sirdul

Hallo Forum,

Ende September " erntete " ich einen Stengel einer Tomaten aus meinem Garten und fixierte ihn in einer FAE-Lösung für die langen Wintertage.
Bei der Tomate handelt es sich um eine krautige, ein oder mehrjährige Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Im Querschnitt ist also ein Aufbau zu erwarten,
wie er im Beitrag von Jörg ( https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6931.msg47476#msg47476 ) über den schwarzen Nachtschatten dargestellt wurde.

Zuerst zwei Übersichten, eine mit einer FCA-Färbung nach Etzold, die zweite mit einer W3A Färbung nach Wacker. Dies übrigens meine erste W3A Färbung.
Die FCA Färbung stammte aus dem unteren Bereich der Pflanze, leider leicht verletzt, die W3A Färbung aus dem mittleren Bereich.

Bild 1 FCA Färbung



Bild 2 W3A Färbung



Die W3A Färbung wurde nach der vereinfachten Vorschrift von Rolf Dieter Müller durchgeführt. Hierbei wurden die Farbstoffe Acridinrot und  Acriflavin zusammengemischt und 15 Minuten gefärbt. Nach dem Waschen erfolgte die Astrablaufärbung ( 1:3 mit Wasser verdünnt ) für 15 Sekunden. Dem Astrablau wurde " eine Spur " Acriflavin zugesetzt.
Meine Fragen hierzu: Was ist unter " einer Spur " Acriflavin zu verstehen ?
Im Forum wird die Färbung mit Acriflavin und Acridinrot getrennt durchgeführt. Hat dies einen besonderen Grund ?
Weiterhin würde ich mich über Kritik zu der W3A Färbung und zu der FCA Färbung nach Etzold freuen.

In Bild drei zeigt sich der Aufbau des Stengels, der analog dem schwarzen Nachtschatten ist. Intessant auch hier die Markstrahlen, die mit Siebplatten versehen sind.

Bild 3


Bild 4 zeigt im Detail nochmals das Xylem und die Markstrahlen.

Bild 4



Frage an die Botaniker: Handelt es sich hier um eine Verholzung nach dem sekundärem Dickenwachstum ?
Leider habe ich keine jungen Stengelquerschnitte der Tomate zum Vergleich, die ggf. ein primäres Dickenwachtum zeigen würden.

Bild 5 zeigt Trichome, hier mehrzellig und mit Zellkern, sowie die Kollenchymschicht.

Bild 5



Alle Bilder wurden in Lightroom 3 bearbeitet, in Photoshop gemergt bzw. mit CombineZP gestackt.


Grüße aus dem eisigen Kronach und ein gesundes Jahr 2011

Ludger Benning

Detlef Kramer

Lieber Ludger,

das sind wunderbare Fotos!

Das, was rot ist, ist Metaxylem, z.T. auch schon sekundär, d.h. aus dem Kambium entstanden; die Grenze kann ich nicht erkennen. Das, was Du als Siebplatten in den Strahlen bezeichnest sind Tüpfelfelder. Siebplatten musst Du im Phloem suchen.

Sehr schön zeigen Deine Fotos (und damit die tollen Schnitte) die Phloem-Elemente unterhalb des Xylem-Rings, über die wir hier schon diskutiert haben; charakteristisch für alle Nachtschattengewächse.

Herzliche Grüße

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Fahrenheit

Lieber Ludger,

danke für den schönen Beitrag! Aus meiner Sicht sind die Färbungen und auch die Schnitte - bis auf den Ausriss - sehr gut gelungen. Zur Anatomie hat Detlef ja schon das Wichtigste gesagt.

Auch ich färbe bei den W3A Färbungen die beiden Stufen Acridinrot und Acriflavin separat. Zuerst Acridinrot gelöst in 50% Ethanol und dann Acriflavin in Aqua dest. Das Acriflavin "differenziert" die Acridinrot-Färbung und muss nur wenige Sekunden (ca. 20) einwirken. Acridinrot lasse ich 6 bis 8 Minuten auf den Schnitten.
Mit der Kombinationsfärbung habe ich keine Erfahrung, so dass ich keinen Vergleich wagen kann. Gefühlt möchte ich aber bei der separaten Färbung bleiben, da man sie bei Bedarf besser anpassen kann.

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
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Für draussen: Leitz HM

Eckhard

Hallo Ludger,

schöne Schnitte und schöne Färbungen!

ZitatWas ist unter " einer Spur " Acriflavin zu verstehen ?

Einfach vom abgesaugten Acriflavin einen Tropfen "aufbewahren" und dem Astrablau zugeben. Dadurch wird das Astrablau dunkelgrün.

Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Nikon SE2000U (HF, DIK, Ph)
Olympus SZX 12 (HF, DF, Pol)
Zeiss Sigma (ETSE, InLens SE)

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Rawfoto

Lieber Ludger

Ich find's auch schoen, mich guerde interessieren wie die Fotos entstanden sind ...

Guten Rutsch

:-)

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

Mila

Lieber Ludger,

sehr schön! Querschnitte der Nachtschattensprosse sind doch immer wieder interessant :)

Viele Grüße
Mila

sirdul

Hallo zusammen,

besten Dank für eure Antworten und es freut mich, dass die Schnitte gefallen.
Detlef, die von mir als Siebplatten bezeichneten Tüpfelfelder, können sie   quer zur Längsachse der Zellen sitzen ? Ich hatte gedacht, Tüpfel liegen in den Zellwänden und wären nur im Radial- oder Tangentialschnitt zu sehen. Die hier gezeigten Tüpfel liegen in einer Brennebene, sind nicht durch den Stackvorgang gebildet worden. Leider ist es mir bisher nicht gelungen gute Längs-schnitte anzufertigen. Eigentlich schade, man sieht hauptsächlich Querschnitte. Also ein Aufruf an alle "Schnippler": Zeigt Längsschnitte !

Jörg, ich werde die Trennung der Farbstoffe und die Verweilzeiten einmal im Vergleich ausprobieren.

Eckhard, danke für die Angabe dunkelgrün, denn dann war ich noch " zu blau ".

Gerhard, geschnitten wurde im Handmikrotom nach der "Karottenmethode". Anleitung hierzu siehe Jörgs Beitrag. In der Regel erstelle ich 20-30 Schnitte, die anschließend unter dem Stereo - mikroskop bewertet und aussortiert werden. Bewertungskriterien sind die Dicke, die Gleichmäßigkeit der Dicke, und die Intaktheit der Schnitte.
Wichtig für die fotografische Darstellung ist die Entwicklung der Bilder. Ich arbeite nur im RAW-Format, das in Lightroom 3 entwickelt wird. ( Belichtung, Kontrast, Farbdynamik, Vignettierung, nur leichtes Schärfen ). Export nach PS im TIF Format mit 16 Bit Farbtiefe pro RGB Kanal. In PS erfolgt Beschriftung inkl. Bemaßung. Ggf. nochmalige Korrektur der Lichter / Tiefen. Hierbei empfiehlt sich, das Foto zur helleren Seite hin einzustellen. Dann: Festlegung des Bildausschnittes und anschließende Neuberechnung auf Bildgröße 800 x 600 Pixel. Erst dann erfolgt das Schärfen mit den Unscharfmaskieren - Filter. Abschließend Konvertierung in den 8 Bit Modus und Export als JPEG.

Gruß aus Kronach

Ludger Benning

Detlef Kramer

Lieber Ludger,
ZitatDetlef, die von mir als Siebplatten bezeichneten Tüpfelfelder, können sie quer zur Längsachse der Zellen sitzen ? Ich hatte gedacht, Tüpfel liegen in den Zellwänden und wären nur im Radial- oder Tangentialschnitt zu sehen.

Diese Aussage trifft ausschließlich bei den Gymnospermen zu, nicht bei den Angiospermen (Bedecktsamer) zu denen auch die Solanaceen gehören.

Auf die Bedeutung von Längsschnitten habe ich schon mehrfach hingewiesen und auch schon solche gezeigt. Leider ist das schwierig und die Ergebnisse sind selten "schön", aber dennoch wertvoll.

Herzliche Grüße

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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