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Noch ein Rädertierchen ...

Begonnen von Bernd Kaufmann, Juni 04, 2012, 18:26:41 NACHMITTAGS

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Bernd Kaufmann

Liebe Tümpler,

seit ein paar Tagen bin ich endlich Besitzer eines "richtigen" Planktonnetzes und schon mit dem allerersten Einsatz kommen Freude und Bestimmungsprobleme auf. Dieses Rädertierchen kann ich leider noch nicht einmal bis zur Gattung bestimmen. Ich finde es nicht in meiner gesamten Literatur. Kann jemand helfen? Gattung würde mir schon völlig reichen.



Gefischt habe ich es aus einem etwas größeren, ungefilterten Gartenteich mit Fischbesatz und wohl auch ab und zu ein paar Enten.

Vielen Dank im Voraus!
Viele Grüße
Bernd ©¿©
www.aquamax.de
Lieber per Du.

Ernst Hippe

Hallo Bernd,
die Gestalt erinnert zunächst an Keratella oder Brachionus. War denn kein Fuß zu sehen? Gab es keine vorderen Dornen? Im Voigt/ Koste habe ich nichts zu dem Bild passendes gefunden. Vielleicht gibt es noch eine andere Ansicht...
Gruß Ernst Hippe
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Michael Plewka

hallo zusammen,

warum soll das keine Keratella sein?
Obwohl das ein PK-Bild ist, man kann dennoch sowohl die Frontaldornen als auch die Dornen am hinteren Panzerrand erkennen. Dadurch, dass das Viech so plattgequetscht ist, sind  der Kopf und die Eingeweide aus dem Panzer herausgedrücjkt worden.
beste Grüße Michael Plewka

ruhop

Hallo, Bernd.

Gerade Rädertiere machen oft Schwierigkeiten beim Bestimmen. Beileibe nicht nur Anfängern (Du bist also in bester Gesellschaft). Bei einigen Gattungen ist es zur Bestimmung notwendig, den gesamten Panzer zu sehen. Dazu muß man leider etwas für Tümpler völlig untypisches tun: mit Formol 4% fixieren. Dann kann man meistens den gesamten Umriss erkennen.

@ Ernst: ich schließe mich Deiner Meinung an. 1. Blick wäre: Keratella quadrata, aber der kleine "Knubbel" am Hinterende stört. Auch scheinen am Vorderende die charakteristischen "Hörner" nicht vorhanden zu sein.

Gruß aus dem Hintertaunus

Holger

Ernst Hippe

Ich möchte Herrn Plewka zustimmen; der hintere Knubbel scheint auch etwas Herausgequetschtes zu sein. Im übrigen bin ich immer dafür, alles erstmal in der Petrischale ungequetscht zu beobachten, auch wegen typischer Bewegung.
Gruß Ernst Hippe
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Bernd Kaufmann

Hallo Zusammen,

herzlichen Dank für die Antworten! Ihr habt natürlich recht, es ist bestimmt Keratella sp., wie weitere Lebendbeobachtungen gezeigt haben. Dass das arme Tierchen nur gequetscht so aussieht, wurde mir viel zu spät klar. Inzwischen konnte ich lebende, schwimmende Individuen beobachten, sowie auch leere Panzer sehen, aber noch nicht fotografieren.

Da die Probe mir noch weitere Rätsel aufgibt, brauche ich etwas Zeit und eine frische Probe, dann versuche ich bessere Bilder von ungequetschten Tieren zu machen.

Ihr habt mir mit der Gattungsbestimmung und den Tipps jedenfalls fürs erste sehr geholfen. Danke!
Viele Grüße
Bernd ©¿©
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Lieber per Du.

Bernd Kaufmann

Zitat
Bei einigen Gattungen ist es zur Bestimmung notwendig, den gesamten Panzer zu sehen. Dazu muß man leider etwas für Tümpler völlig untypisches tun: mit Formol 4% fixieren. Dann kann man meistens den gesamten Umriss erkennen.

Hallo Holger,

mit Fixierung habe ich bisher so gut wie keine Erfahrung, weil ich fast immer mit den lebenden Organismen für meinen Bedarf zurecht kam. Wie geht das denn bei den Rädertierchen praktisch? Ich habe es mir nun so überlegt: Berechnen, wie viel 35 % Formaldehyd mit wie viel Wasser gemischt werden müssen, um 4 % Lösung zu bekommen. Diese Menge Formol dann direkt in die genau abgemessene Probe träufeln. Stimmt das so?
Viele Grüße
Bernd ©¿©
www.aquamax.de
Lieber per Du.

ruhop

Hallo, Bernd.

Eine Lebendprobe ist für die Bestimmung der meisten Organismen genau richtig. Auch die professionelle Planktologie kommt nicht ohne sie aus, meist mit der Absicht, eine Vorwegorientierung zu erhalten. Die Profis fixieren dann meist so, wie Du es beschrieben hast (nach UTERMÖHL nimmt man allerdings Lugol'sche Lösung). Ich selbst habe von Anfang an mit Formol 4% gearbeitet und fand das besser als Lugol (persönliche Einstellung). Eine Fixierung der Planktonprobe ist notwendig, wenn man nicht nur qualitativ sondern auch quantitativ arbeitet, also feststellen will, wieviel von was in der Probe ist.

Für meine, jetzt amateurhaften, Zwecke hat sich folgendes Verfahren bewährt: Probe (oder einen Teil davon) in eine Petrischale geben und dieses in ein Plastikgefäß mit Deckel stellen (so was hat man ja in der Küche). Dazu kommt ein Wattebausch oder ein Stück mehrfach gefaltetes Fiespapier, das mit Formol 4% getränkt ist. Das Ganze läßt man jetzt einige Stunden gut verschlossen stehen (Dauer ist Erfahrungssache). Diese Prozedur soll verhindern, daß bei direkter Zugabe des Formols die Organismen infolge von Schockwirkung sich zu undefinierbaren Formen zusammen ballen. Wenn man nach dieser "Begasung in der Kammer" noch etwas Formol in die Probe gibt, hat man eine gute Fixierung.

Von einer Vorbehandlung der Probe mit CO2 (Selterswasser, Kipp'scher Apparat) zur Betäubung der Organismen möchte ich aufgrund eigener Erfahrung abraten. Mir hat das nichts gebracht.

Dennoch: Die Betrachtung einer Lebendprobe ist unerläßlich bevor fixiert wird.

Wer an Nanoplankton aus einer Schöpfprobe interessiert ist, wird ebenfalls um eine Fixierung nicht herumkommen. Eine Konzentration des Fangs über Sedimentation oder Zentrifuge ist dann sehr gut möglich.

Gruß aus dem Hintertaunus

Holger

Bernd Kaufmann

Lieber Holger,

herzlichen Dank für diese ausführliche Anleitung! Das hat mir bis jetzt gefehlt. Glücklicherweise steht alles, was Du beschreibst, zur Verfügung.
Viele Grüße
Bernd ©¿©
www.aquamax.de
Lieber per Du.