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Widernatürliche Auflösung

Begonnen von Eckhard F. H., September 21, 2014, 11:26:44 VORMITTAG

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Eckhard F. H.

Hallo zusammen!
wenn bei Immersion das Wasser zwischen Objektträger und Deckglas verdunstet, fallen die Objekte trocken und die Auflösung wird dadurch schlechter. Bei manchen Pilzsporen tritt jedoch keinesfalls eine schlechtere Auflösung ein. Wie kommt das? Meine Theorie: Wasser bildet mit der Sporenoberfläche einen Film, der beim Verdunsten des Wassers nicht verschwindet, sondern die Sporen gewissermaßen ´einbettet´. Im ´pilzepilze´- Forum schreibt eine Userin folgendes:

"Ich hab den Effekt zufällig entdeckt, als ich mit einem Objektiv mit 116facher Vergrößerung und einer Apertur von 1,40 probieren wollte, ob man mit dieser durch die große Apertur bedingten hohen Auflösung die Rippen auf den Sporen vom Mehlräsling sehen kann.
Mir passiert es öfter, dass ich beim Mikroskopieren Luftblasen produziere und dabei habe ich den betreffenden Effekt gesehen. Die Sporen liegen in einer Luftblase, sind daber noch von einer dünnen Wasserschicht umgeben, das ist der Ring, den man auf den Fotos sehen kann. Wie das genau funktioniert verstehe ich - obwohl Physikerin - bisher noch nicht, fand es aber interessant, dass man auf diese Weise ohne zusätzliche Mikroskopausrüstung (Phasenkontrast, schiefe Beleuchtung etc.) einen räumlichen Eindruck erzeugen kann. Es funktioniert auch mit gewöhnlichen 100-Objektiven mit einer Apertur von 1,25, dabei entstehen aber mehr Farbsäume an der Begrenzungslinie der Sporen. Ob das Bild der Sporen bei dieser Methode noch die gleiche Größe wie in Wasser hat, wage ich zu bezweifeln, zur Vermessung wäre die Methode daher möglicherweise nicht geeignet."
Hat dazu jemand eine andere Erklärung?
Gruß - EFH

Peter V.

Hallo Eckhard,

mich würde eher interessieren, was das für ein Objektiv ist  ???  ???

ZitatObjektiv mit 116facher Vergrößerung und einer Apertur von 1,40 probieren wollte

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Eckhard F. H.

Hallo Peter,
frage sie: Birgit <b.weisel@dreki.de>
Gruß - EFH


Detlef Kramer

Hallo,

m.E. handelt sich um eine scheinbare Steigerung der Auflösung. Das Objekt und damit seine Oberflächenstrukturen liegen frei, sind aber noch von einem Wasserfilm umgeben. Daran ergeben sich mannigfaltige Beugungserscheinungen, die Strukturen klar hervor treten lassen, die man sonst nicht sieht bzw. übersieht. Falls ich mit meiner Vermutung recht habe, ist das ein weiteres Beispiel, bei dem Kontrast Auflösung schlägt. Da hat schon Abbe seine Probleme mit gehabt, bevor ihn Robert Koch überzeugte, dass er seine Mikroskope mit einem Kondensor ausrüsten solle.

Herzliche Grüße
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Eckhard F. H.

Zitat...m.E. handelt sich um eine scheinbare Steigerung der Auflösung.
Hallo Detlef,
sehr wahrscheinlich. Das Kriterium bei Sporen dieser Art ist die Sichtbarmachung der Längsstreifen. Sie rühren vom 6eckigen Querschnitt her und der ist immergiert und ohne Färbung so gut wie nicht sichtbar. Es fehlt Kontrast.
ZitatDas Objekt und damit seine Oberflächenstrukturen liegen frei, sind aber noch von einem Wasserfilm umgeben.
Aber warum sollte ein Wasserfilm auf den Sporen verbleiben nicht auch abdunsten?
Gruß - EFH

reblaus

Hallo -

nur als Stoff für weiteres Nachdenken:
Mehltausporen  haben ein derartiges Wasserpotential (vulgo "Saugkraft"), dass sie aus der Luft genügend Wasser aufnehmen können um selbst auf einem Objektträger ohne Deckglas lange Keimschläuche austreiben zu können - ich verallgemeinere hier etwas meine Erfahrungen vom Rebmehltau Uncinula  necator.

Gruß

Rolf

-JS-

#7
Hallo -

meines Erachtens ist die Antwort auf die Frage von EFH
ZitatAber warum sollte ein Wasserfilm auf den Sporen verbleiben nicht auch abdunsten?
schon im oben von Birgit zitierten Text gegeben:
ZitatDie Sporen liegen in einer Luftblase, sind daber noch von einer dünnen Wasserschicht umgeben
Innerhalb der Luftblase dürfte eine Restfeuchte von mind. 98% vorliegen, und diese feuchte Kammer sorgt in Zusammenhang mit der von Rolf bereits genannten 'Saugkraft' dafür, daß eine weitere Verdunstung des die Sporen umgebenden dünnen Wasserfilmes zumindest für längere Zeit verhindert wird.

Viele Grüße
Joachim
... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

wilfried48

Zitat von: Eckhard F. H. Nowack in September 21, 2014, 16:40:54 NACHMITTAGS
Das Kriterium bei Sporen dieser Art ist die Sichtbarmachung der Längsstreifen. Sie rühren vom 6eckigen Querschnitt her und der ist immergiert und ohne Färbung so gut wie nicht sichtbar. Es fehlt Kontrast.

Hallo Eckhard,

wenn man von Auflösung spricht, dann sollte man auch mal die Dimensionen quantifizieren.
An keinem der Bilder ist eine Dimension angegeben. Also z.B., wie gross ist die Breite der Sporen oder welchen Abstand haben die abzubildenden Längsstreifen.
Dann könnte man mit der Apertur 1.4 sofort abschätzen ob das ganze ein Auflösungs- oder ein Kontrastproblem ist.
Wenn der Querschnitt 6 eckig ist liegen in Blickrichtung maximal drei Streifenabstände.
Das 1.4 Objektiv hat eine Auflösungsgrenze  von ca. 0,2 µm. Nehmen wir mal an, dass es ab dem doppelten also 0,4 µm ein Auflösungsproblem wird,
also ab einer Sporenbreite von 1,2 µm wird es zu einem Auflösungsproblem.
Ist die Sporenbreite wirklich so klein ?

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

reblaus

Hallo Wilfried et al. -

ich denke, man ist sich um Laufe dieses Zwirns einig geworden, dass es sich um ein Kontrastproblem handelt. Der Brechungsindex der Spore unterscheidet sich halt nur wenig vom Wasser aber viel von Luft. Und weil die Längsrippen dieser Sporen dann wie ein Prisma wirken, sollte man sich auch nicht über die Farberscheinungen wundern, welche die Ur-Autorin eingangs beschreibt und die den Kontrast sicher weiter verstärken können. Diese Farben sehe ich übrigens auch reichlich bei den Fotos, die mit dem Wunderpbjektiv 116/1,40 erstellt wurden.

Viele Grüße

Rolf

A. Büschlen

Hallo Wilfried,

zur  Sporengrösse von Clitopilus prunulus schreibt Gerhardt E. : ... länglich-spindelig, mit 5-6 Längsleisten. Querschnitt dadurch eckig, 9-12µ x 4,5-6µ.

Gruss

Arnold



Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Eckhard F. H.

Zitatich denke, man ist sich um Laufe dieses Zwirns einig geworden, dass es sich um ein Kontrastproblem handelt
Hallo zusammen,
Das sehe ich jetzt wie Rolf. Indes verbleibt im Gedankennebel der Vorgang der Wasserverdunstung. Mal ist nach 30 Minuten alles Wasser verschwunden, ein andermal finde ich am nächsten Morgen noch Pfützen zwischen OT und Deckglas. Der Gedanke, daß manche Sporen irgendwas ans Wasser abgeben könnten, das die Verdunstung beeinflußt will nicht weichen. Auch im Mikrobereich von Pilzen geschieht ja mitunter wundersames, z.B. die Clusterbildung bzw. Vereinzelung. Erst heute strebten auf dem OT und im Wasser 2 winzige Lamellenstückchen noch heftig zueinander, selbst als sie ca. 6mm separiert wurden.
Gruß - EFH
P.S.: An Interessierte schicke ich gern paar Sporen von Clitopilus prunulus. Sind aber nicht von dieser Saison.