Streich-Riemen für Mikrotommesser

Begonnen von Ralf Feller, Juli 04, 2009, 03:14:31 VORMITTAG

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Ralf Feller

Hallo liebe Kollegen,
ich habe ein nun seit 4 Jahren unbenutztes Leica Microtommesser, C-Schliff, 20cm für mein Rotationsmikrotom wiedergefunden. Eine Abziehülse habe ich nicht. Von der Fa Beyersdörfer ist gerade ein "Streich-Riemen" 20cm lang, mit einer braunen Seite und einer weißen Seite angekommen. Kann ich die Qualität des Messers mit diesem Streichriemen, ev. mit freihändiger Führung, ev. unter der Stereolupe verbessern, oder kann ich davon ausgehen dass die Schneideflächen noch OK sind? Welche Seite des Streich-Holzes für was? Die Beschaffung von Abziehülsen gestaltet sich schwierig.
Die sehr schönen Anleitungen von Herrn Henkel habe ich gelesen, brauche aber gerade in den nächsten Tagen eine gute Scharfe Klinge. Ständiges Einschicken dauert lange und ist teuer.
Gruss aus Mülheim, Ralf Feller

derda

#1
Hallo Ralf,

ich meine bei Euromexx mal Abziehhülsen gesehen zu haben. Vielleicht gibt es die da noch?

http://www.euromex.nl/de/benodigdhedenspec.asp?c=1&i=21

Ein Streichriemen alleine tut es aber sicher nicht immer. Von Zeit zu Zeit muss man doch mal nachschleifen und anschliefend mit dem Riemen drüberziehen. Ich habe ganz gute Erfahrungen mit einem belgischen Brocken gemacht.

VG

Erik

Rolf-Dieter Müller

Hallo Herr Feller,

wie in der vorhergehenden Antwort schon bemerkt, werden Sie nicht umhin kommen, eine Abziehhülse zu besorgen.

So ein Streich-Riemen wie den Ihren verwende ich nur nach dem Schneiden, zur abschließenden Messerpflege.

Die eigentliche Schärfe erreiche ich, in dem vor jedem Schneiden das Messer mit Abziehhülse auf einem Belgischen Brocken geschärft wird. Der Stein wird vorher gut mit Seifenwasser gewässert, auf einen darauf folgenden  Gebrauch des Streich-Riemens verzichte ich hier.

So bekomme ich seit langer Zeit für unzählig viele Schnitte reproduzierbar 7 bis 8 µm Schnittdicke bei stark verholzten botanischen Objekten (Zweigstücke). Die Objekte sind nicht eingebettet und werden im Schlittenmikrotom mit extrem schräg gestelltem Messer geschnitten.

Ich weiß, diese Vorgehensweise entspricht nicht der reinen Theorie, dafür brauchte ich aber noch nie mein Messer zum Nachschleifen einschicken.

Da Sie aber vermutlich Paraffinblöcke schneiden wollen, ist es vielleicht angebrachter sich an die von Ihnen zitierte Anleitung zu halten.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter Müller

Klaus Wagner

Hallo Ralf,

google doch mal nach "Rasiermesser schärfen", da findest Du genaue Anleitungen, die auch in etwa für ein Mikrotommesser zutreffen.

Die Schneide eines scharfen Messers ist immer ein feiner Grat. Beim Schneiden verbiegt er und richtet sich im Laufe der Zeit von selbst wieder einigermaßen auf. Mit dem Streichriemen bringst Du den Grat schneller wieder in Form. Bitte nicht gleich nach dem Schnitt, sondern erst tags darauf. Geschliffen und geschärft wird da nichts. Es wäre ja lustig, wenn das Leder vom Stahl Material abtragen könnte. Der blaue belgische Brocken ist OK, allerdings fast ein wenig grob. Anschließend besser die Klinge moch mit einem Streichriemen und schwarzer Schleifpaste abziehen.

Die Hülse müsste sich doch selbst aus einem Röhrchen oderr gebogenen Blech herstellen lassen. Ich selbst verwende ein Handmikrotom und ein einfaches Rasiermesser.

Gruß
Klaus

Jürgen H.

Lieber Ralf Feller,

Ihr Problem kenne ich leider auch, da ich ein schönes altes Mikrotommesser von Walch besitze.

Um das Messer zu schärfen oder auch, um es abzuziehen, muss ein exakter Winkel eingehalten werden: Der Winkel, in dem das Messer gefast ist. Alles andere würde nicht zu einer exakten Schärfung des Messers führen.

Leider sind die Abziehhülsen verschiedener Firmen nicht identisch. Die Abziehhüse meines Leica Messers kann ich zum Beispiel für das Walbmesser nicht verwenden, schon weil der Messerrücken des Leicamessers stärker ist als der des Walbmessers und das Walbmesser in der Messerhülse des Leicamessers "schlottert".

Nun haben Sie ja mehr Glück als ich: Die Firma Leica gibt es unverändert. Es lässt sich also leicht eine Hülse beschaffen.

Zum Schärfen meiner Messer habe ich einen japanischen Wasserstein mit 8000er Körnung gekauft: Das Schärfen geschieht, indem man das Messer über die Fase schiebt.

Der Streichriemen hingegen wird benutzt, indem das Messer über die Fase gezogen wird. Es ist mithin eher ein Poliervorgang, bei dem der Grat des Messers aufgerichtet wird.

Die rote Seite ist mit Diatomeenpaste bestrichen, bewirkt also einen leichten Schliffeffekt zusätzlich zum Polieren. Lücken im Messergrat, die durch feine Sandkörner, Chitinteile u.ä. harte Einsprengsel entstehen, bekommen Sie damit aber nicht weg: Irgendwann müssen Sie das Messer dann doch zum Schleifen geben, oder es eben selbst auf einem Stein schärfen.

Mit der weißen Seite des Riemens wird das Messer hingegen nur poliert, es dient nur zum Aufrichten des Grates.

Haben Sie Erfahrungen mit Einmalmessern? Mir erzählte einmal eine Mitarbeiterin der Firma Leica, diese seien schärfer als die Stahlmesser. Merkwürdig: Polieren kann man sie nicht...

Mikrogrüße

Jürgen Harst




Klaus Wagner

Zitat von: Jürgen Harst in Juli 05, 2009, 13:00:23 NACHMITTAGS

Um das Messer zu schärfen oder auch, um es abzuziehen, muss ein exakter Winkel eingehalten werden: Der Winkel, in dem das Messer gefast ist. Alles andere würde nicht zu einer exakten Schärfung des Messers führen.


Stimmt! Das Problem habe ich beim Rasiermesser nicht, da beide Seiten eine Hohlkehle haben. Wenn man den Winkel nicht exakt einhält, schleift man bis der Arzt kommt und nimmt nichts an der Schneide weg sondern irgendwo weiter hinten...

Gruß
Klaus

derda

Guten Morgen,

ich rasiere mich nun schon etliche Jahre mit einem Rasiermesser, schleife und ziehe es über einen Streichriemen. Im Internet findet man ziemlich viele Seiten, auf denen immer wieder vom berühmten Grat gesprochen wird. Dieser soll sich von alleine Aufrichten => am besten benutze man ein Messer nur alle sieben Tage und kaufe sich deshalb ein Set von Rasiermessern...

Jürgen schrieb:
Zitat"... Der Streichriemen hingegen wird benutzt, indem das Messer über die Fase gezogen wird. Es ist mithin eher ein Poliervorgang, bei dem der Grat des Messers aufgerichtet wird. ..."

Hat sich jemals einer sein Messer unter dem Stemi angeschaut und diesen ominösen Grat endecken können? Ich behaupte hier mit voller Überzeugung: wenn dort ein feinster Grat sein sollte, dann wird er dem Streichriemen nicht standhalten.

Viele Grüße

Erik

ps: wenn einer ein Bild vom Grat hat, bitte mal zeigen

Detlef Kramer

Lieber Eric,

dann kann ich nur sagen: Henkel lesen! Ich weiß nicht mehr genau wo, ob in der Fibel oder in einer der anderen Publikationen, irgendwo ist jedenfalls ein Foto von dem Grat. Ich fürchte allerdings, dass eine Stereo-Lupe nicht ausreicht; man wird ein Auflichtmikroskop benötigen.

Herzliche Grüße

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Jürgen H.

Lieber Erik,

Lege Dein Messer unter Dein Mikroskop.  Gerade so, dass das Durchlicht streift. Auflicht brauchst Du nicht unbedingt. Eine auf den Mikroskoptisch scheinende Lampe genügt. Ich garantiere: Du siehst ihn. Kleinste Sägezähnchen. Mitunter auch eine größere Lücke. Ein Ausbruch. Und Du wirst Dich wundern, wieviele Striemen Du vom Schleifvorgang in der Fase siehst.

Die illustrierende Zeichnung bei Henkel, bei der die Zähnchen rechts und längs seitwärts runterkippen, ist freilich übertrieben: Sie dient ja eben auch nur der verdeutlichenden Illustration.

Mikrogrüße

Jürgen Harst

Detlef Kramer

Sorry,

war also nur eine Zeichnung. Habe ich mich falsch erinnert.

Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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derda

Hallo,

ich habe ja mal einige Schleifversuche unternommen und mir die Ergebnisse unter dem Mikroskop angeschaut.

Jürgen schrieb:
Zitat"... Ich garantiere: Du siehst ihn. Kleinste Sägezähnchen. Mitunter auch eine größere Lücke. Ein Ausbruch. ..."

Diese Ausbrüche habe ich auch gesehen und führe sie auf den verwendeten Schleifstein zurück. Sowohl der japanische Wasserstein als auch der Arkansas reißen solche Sägezähne. Nur beim belgischen Brocken blieb die Schneide relativ unversehrt.

Ich habe ja einige Vergleichsbilder gemacht:

http://www.mikroansichten.de/Themen.aspx => Messer schleifen / Schleifsteine

Nur den berühmten Grat, den habe ich nicht gefunden.

Ich bin vorsichtig bei Literatur geworden, weil einer vom anderen abschreibt. Nachdem ich den Stehli gelesen hatte, fand ich ihn fast genauso in der Mikrofibel wieder und kurze Zeit später eine Anfrage von KH bei einem Hr. Lindner (vertreibt belgische Brocken) ob denn ein belgischer Brocken zum Mikrotommesserschleifen geeignet sei...


VG

Erik

Jürgen H.

#11
Lieber Erik,

Das ist eine sehr schöne Dokumentation auf Deiner Homepage.

Vielleicht liegt einfach ein verschiedenes Verständnis des Begriffs "Grat" vor? Ich verstehe darunter als Mensch, der sich gelegentlich im Gebirge auf einer Gratwanderung herumtreibt, einen scharfschmalen Gebirgsrücken, beidseitig stürzt der Berg ins Tal. Schaust Du auf des Messers Schneide, dann schaust Du auf des Messers Grat.

Und der kann mehr oder weniger gerieft, zerklüftet, sägezahnartig sein. Im Idealfall sieht man beim Mikrotommesser nur eine scharfe hauchdünne Linie.

Ich habe einmal eine Seite aus einem Buch kopiert: The effektive use and proper care of the microtome von Oscar Richards, 1942. Er hat sich die Mühe gemacht, eine spezielle Auflichtapparatur zu entwickeln, bei der das Messer hochkant gestellt werden und die Schneide (der Grat) von oben in Aufsicht photographiert werden kann. Links auf dem Bild ist jeweils das Messer  flach gelegt zu erblicken und rechts der berühmte schmaler und regelmäßiger werdende "Grat", der anfangs noch gleich einem Gebrigsgrat wild zerklüftet ist und zum Schluss nur noch eine scharfe Linie bildet. Und so sieht man schön, wie des Messers Schneide immer dünner wird. Ob dies nun daran liegt, dass der "Grat" geschliffen wird, oder dass die letzten Sägezähnchen ausgerichtet werden, vermag ich nicht zu entscheiden. Für den Effekt: Scharfes Messer spielts eh keine Rolle...



Allzeit ein wunderbar geschärftes Messer zum Schneiden wünscht allen Schnibblern

Jürgen Harst

Klaus Wagner

Zitat von: Jürgen Harst in Juli 06, 2009, 12:29:25 NACHMITTAGS
Lege Dein Messer unter Dein Mikroskop.  Gerade so, dass das Durchlicht streift. Auflicht brauchst Du nicht unbedingt. Eine auf den Mikroskoptisch scheinende Lampe genügt. Ich garantiere: Du siehst ihn. Kleinste Sägezähnchen. Mitunter auch eine größere Lücke. Ein Ausbruch. Und Du wirst Dich wundern, wieviele Striemen Du vom Schleifvorgang in der Fase siehst.

Das kann ich exakt so bestätigen.
Klaus

peter-h

Ein grauenhaftes Rasiermesser-Bild kann ich auch noch zum Thema beisteuern.

Es waren erste Versuche mit einem Rasiermesser und einem japanischen Wasserstein, danach Streichriemen.
Üben üben üben .... ;D
http://www.mikroskopie-ph.de/MPlan20DIC.jpg Bild zu groß, daher Link

Aufn. mit Nikon MPlan 20 , Auflicht , DIC

Grüße
Peter Höbel

Klaus Herrmann

Hallo Peter,

ZitatEin grauenhaftes Rasiermesser-Bild kann ich auch noch zum Thema beisteuern.

was graust Dich daran so, das Bild ist doch super! Der Schliff sieht auch ganz gut aus!
Ich bleibe trotzdem bei Einmalklingen, als Rentner hast Du nicht mehr so viel Zeit!  ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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