Problem mit dem Drehknopf bzw. der Schublade am Leitz Fluovert FS

Begonnen von Diana1982, Oktober 01, 2020, 20:24:22 NACHMITTAGS

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Diana1982

Hallo Zusammen,

An meinem mir noch völlig unvertrauten Labovert FS war der Drehknopf oberhalb der Schublade im Stativfuß ab.
Ein entsprechendes mit 2 Stiften an der "Drehachse" befestigtes Messingteil war aufgebogen und mitsamt dem Knopf selber beim Kauf lose beigefügt.
Ich konnte es zwar wieder zusammenbiegen und verstiften, aber drehen tut sich gar nix.
Leider kann ich nicht abschätzen, ob da etwas völlig verharzt ist oder blockiert.

Die Schublade unterhalb des Knopfes geht auch nicht auf. Vermutlich tut sie das nur in einer bestimmten Stellung des Knopfes...ich tippe mal auf Stellung "0"...

Kann mir hier jemand weiterhelfen?
Kann jemand evtl. ein Bild vom Schubladeninneren anfügen, vielleicht auch von dem Mechanismus, der von dem Knopf bewegt werden sollte?

Unterdessen versuch ichs mal mit dem Fön, in der Hoffnung auf "Entharzung".

Danke und liebe Grüße
Diana


Leitz Orthoplan
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Diana1982

#1
Hallo zusammen,

Hat denn niemand ein funktionierendes Fluovert, zumindest was diese Schublade betrifft?

Inzwischen hatte ich das Mikroskop sogar bei einem Besuch bei Olaf dabei, er konnte mir eine Hülse drehen, über die sich die Achse (,auf der der Knopf normalerweise steckt,) schließlich ordentlich anpacken und nach Hitzeeinwirkung drehen ließ. Passieren tut aber weiterhin nichts. Die Schublade klemmt irgendwo, man kann an ihr ruckeln, aber sie geht nicht auf. Wir gehen also weiterhin davon aus, dass im Schubinneren irgendetwas blockiert. Ggf. liegt auch ein mechanischer Defekt vor (der Knopf scheint "leer" zu drehen).

Bei mir zuhause (und auch bei Olaf) haben wir alles mögliche demontiert, kamen aber nicht weit genug ins Schubladeninnere.

Mir würden bereits Bilder weiterhelfen von irgendwelchen Riegeln etc., die dieser Knopf bewegt.
Vielleicht hat doch noch jemand was? Ideal wären natürlich Serviceunterlagen.

Von zwei Mikro-Freunden und Fluovertbesitzern weiß ich inzwischen von ähnlichen Defekten, dieser Knopf/Schub ist wohl die Schwachstelle dieses ansonsten sehr schönen Mikroskops.

Danke & LG Diana
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Dr. Jekyll

Hallo Diana,

lass mir deine Email-Adresse zukommen, dann mach ich dir ein paar Fotos von der "Schublade"
Beste Grüße
Harald

Diana1982

#3
Puhhh, der Schub ist auf!  :D :D :D

Aber fragt nicht mit welchem Aufwand!
Ich hatte mehrere Wege ausprobiert und nun ist quasi das halbe Mikroskop zerlegt  ::) ::) ::)

Die Ursache des Problems war starke Verharzung der Achse, die am Knopf hängt.

Doku folgt!

Danke an Olaf, Peter und Harald für Eure Unterstützung!

LG Diana
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jochen53

Hallo,
auch wenn ich leider nichts zur Reparatur beitragen kann, aber evtl. zur Ursachenfindung. Überall, wo intensive UV-Strahlung auftritt, bilden sich auch geringe Mengen Ozon und das ist ein extrem starkes Oxidationsmittel, auch für die meisten Schmierstoffe. Wir hatten das Problem mal vor Jahrzehnten an der Mechanik von den damals üblichen Fotokopierern, vielleicht kann sich der eine oder andere noch an diesen eigenartigen Geruch erinnern. Durch den Ozoneinfluß verharzten die Schmierstoffe sehr schnell und sehr stark und die Präzisionsmechanik zur Bewegung der Optik blockierte. Lösung des Problems war damal die Verwendung eines sehr teuren, perfluorierten Schmierfetts mit PTFE-Pulver als Verdicker, das auch gegen fast alle Chemikalien und Lösemittel beständig ist. Der Kollege, der damals die Vermutung der Ursache geäußert hatte, mußte sich allerdings zuerst mal die Frage anhören, "ob er noch richtig tickt".
Falls mal so ein Fett benötigt werden sollte, bitte einfach per PN anfragen. Das Öl in diesem Fett hat übrigens eine Brechzahl nD von < 1,30, also weniger als Wasser.

Viele Grüße, Jochen.

Diana1982

#5
Lieber Jochen,

Vielen Dank für Dein Angebot!
Ggf. komme ich da wirklich drauf zurück :)

An den Schienen in diesem Schubladen- und dem Fluoreszenzwürfelwechselmechanismus wurde ein weißlich aussehendes Schmiermittel verwendet (s.u. 1. Foto).
Was das genau ist, weiß ich nicht...

Vielleicht ist das bei den "neueren" Leitz-Mikroskopen gängig.
Dies ist das erste Mikroskop aus der Zeit, das ich richte (normalerweise kümmer ich mich ja hauptsächlich um Orthoplane, Ortholux-II-e, Diaverts, Dialuxe etc... also eine Generation vorher).
Dieses weiße Schmiermittel war jedenfalls nicht das Problem.

Bei der Achse mit dem Kardangelenk, auf der der Würfel-Wechsel-knopf des Fluoverts steckt, hat Leitz aber das typisch verharzende Fett genommen (s.u. 2. Foto)  ::).

LG Diana
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Diana1982

#6
Hier mal der Knopf mit der weitgehend zerlegten Drehachse.

(Über die Drehung wird der schwarze Hebel mitgenommen und darüber der Fluoreszenz-Cube-Schlitten entweder nach links oder rechts (Stellung 1 und 2) bewegt. Nur bei Stellung 0 kann die Schublade geöffnet werden. Doch dazu später mehr.)

Der Knopf sitzt schräg am Stativ auf, daher das filigrane Kardangelenk, auf das er mittels zwei Madenschrauben geklemmt ist.
Verbunden sind hier einige Einzelteile aus Messing über Stahl- bzw. Messingstifte, von denen 2 leider abgerissen sind und nun ersetzt werden müssen.
Das Kardangelenk war anfangs zudem aufgebogen (s.u. 3. Bild) und der Knopf lag beim Kauf lose bei.

Was so ein bisschen "sanfte Gewalt" bei Verharzung mal wieder ausgemacht hat  ::)

LG Diana

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olaf.med

Liebe Diana,

wieder einmal bewundernswert was Du alles fertigbringst. Ich bin nun sehr gespannt auf die vollständige Dokumentation. Vor allem interessiert mich, ob die Hemmung nur an der Verharzung des Messingzapfens lag, oder auch an dem Schlitten mit den Fluoreszenzwürfeln. Im ersten Fall könnte bei zukünftigen Reparaturen ja ein Werkzeug, das in die Gewindebohrungen der Madenschrauben greift, Erfolg bringen.

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Diana1982

#8
Lieber Olaf,

Und ich bewundere im Gegenzug bald die neuen Stifte, die Du mir machst  ;) Dankeschön  :-* !

Anbei noch ein Bild, damit die Mitleser wissen, in welche Gewindebohrungen ein zukünftiges Werkzeug greifen könnte.
An die markierten Bohrungen kommt man von unten dran, wenn man einiges demontiert und leider auch ein Federblech für den Schubladengriff oder alternativ dessen Befestigungsschrauben zerstört hat. Hier wurde ersteres "gewählt" (nach ursprünglich geplantem lediglichem Beiseitebiegen des Bleches ist es gerissen). Leider ist diese Schublade sehr wartungsunfreundlich gebaut, so dass diese Notlösung herhalten "musste". Näheres dazu später in meiner Doku.

Eine weitere - zwar nicht ganz elegante aber dafür zerstörungsfreie Lösung (vorausgesetzt, man wird der Verharzung der Messingteile auch ohne Blechzerstörung halbwegs Herr - z.B. durch Lösungsmittel oder Wärmeeinbringung) - habe ich aber letztlich doch finden können und zeige sie später :)

ZitatVor allem interessiert mich, ob die Hemmung nur an der Verharzung des Messingzapfens lag, oder auch an dem Schlitten mit den Fluoreszenzwürfeln.
Die Verharzung war extrem und lag nur bei den Messingteilen bzw. zwischen Messingteilen und dem dazugehörigen "Loch" in der Schubladenfront. Die restliche weiß geschmierte Mechanik hakte nur kurz und sehr geringfügig (stand ja vermutlich auch schon Jahre still).

LG
Diana
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Jürgen Boschert

Liebe Diana,

auch meine Bewunderung für diese Reparatur ! ich bin immer wieder erstaunt, was für aufwändige, z.T. umständliche Konstruktionen die Leitzianer sich ausgedacht und umgesetzt haben.
Beste Grüße !

Jürgen