Das Leben im Wassertropfen mikroskopieren - was brauche ich alles dazu?

Begonnen von Adelheid, Juli 01, 2024, 18:12:12 NACHMITTAGS

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Gerrit Heinz

Hallo Adelheid,

als jemand der sich ausschließlich Tümpelproben anschaut und ebenfalls Anfänger ist kann ich dir nur dazu raten, dir ein gutes gebrauchtes Mikroskop mit einem Kondensor zuzulegen, der schiefe Beleuchtung / Schieflicht unterstützt! Das macht optisch einen extrem dramatischen Unterschied beim beobachten und sollte nicht unterschätzt werden! Alles sieht viel plastischer aus und man sieht Dinge die im normalen Hellfeld blass und kontrastarm bleiben und in der Situation dazu verleiten, die Blende zu weit zuzumachen.

Ich habe ein Lomo Biolam von Wolfgang (liftboy) mit entsprechendem Kondensor gekauft und freue mich jedes mal wenn ich durchschaue über das tolle, plastische Bild, dass sich durch das drehen des Kondensors und verschieben der Blende der Effekt super einstellen lässt!

Weiter oben hatte jemand ein KF2 mit Kondensor für schiefe Beleuchtung angeboten, das würde ich an deiner Stelle auch in Betracht ziehen.

Ansonsten wurde ja schon alles gesagt, Finger weg von neuen Mikroskopen im unteren Preisbereich. Anders bei den Stereolupen: Hier würde ich sagen kann man als Ergänzung zum richtigen Mikroskop günstig auch was neues kaufen, z.B. um größere Mengen einer Probe zu durchsuchen oder tote Insekten fürs fotografiert werden zu präparieren oder ähnliche Sachen. Größere Wasserflöhe und die Hüpferlinge sind in einer Petrischale sicher auch nett zu beobachten. Ich habe ein "Seben" Stereomikroskop (160 € vor 10 Jahren), das ist ganz nett bis 40x. Ein Trinokular macht bei so einem Gerät und in dem Preisbereich aber aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn wenn man gute Fotos machen möchte.


Gruß,
Gerrit
Makro-, Mikro- und Langzeitfotografie
http://www.nachtbilder.de

Lomo Biolam, Leitz SM-Lux und Seben Stereomikroskop

Gerd Schmahl

Hallo Adelheid,

 
Zitat von: AdelheidEs gibt auch Mikroskope mit Blitz?
    Vielleicht könnte man das auch mit einem entfesselten Blitz realisieren, aber das müsste ich ausprobieren.

In aller Regel sind die Blitzeinrichtungen für Mikroskope selbst gebaut. Die bis vor etwa 40 Jahren angebotenen kommerziellen Lösungen wie der ZEISS-Doppelkollektor, sind praktisch nicht mehr zu bekommen.

Wenn es gut werden soll muss da einiges beachtet werden. Im Durchlicht-Mikroskop geht es nicht einfach darum, das Objekt zu beleuchten. Bei einem etwas besseren Mikroskop durchläuft das Licht bevor es auf das Objekt trifft mindestens genauso viele optischen Bauteile, wie danach. Zu einem Mikroskop mit KÖHLER-Beleuchtung gehören eine Kollektorlinse, eine regelbare Leuchtfeldblende, eine regelbare Aperturblende und ein höhenverstellbarer Kondensor, der wie ein großes umgekehrtes Objektiv funktioniert. Damit die optische Leistungsfähigkeit der Objektive ausgenutzt werden kann, muss der Winkel des Lichtkegels, mit dem das Objekt beleuchtet wird etwa dem Winkel entsprechen, mit den das Objektiv die Lichtstrahlen einfängt. Damit das auch beim Blitzen der Fall ist, muss die Blitzröhre in der gleichen optischen Ebene liegen wie die Leuchtquelle, mit der Du beobachtest.

Entweder baut man die Blitzröhre unmittelbar vor die normale Lichtquelle (dann stimmt es aber nur so ungefähr) oder

man baut sich einen zweiten Strahlengang, der über einen halbdurchlässigen Spiegel (im einfachsten Fall ist das ein schräg gestelltes Deckglas) den Blitz an der richtigen Stelle einspiegelt.

Die 3.Möglichkeit ist ein selbst gebauter Doppelkollektor. Dazu werden zwei Kollektorlinsen so hintereinander gesetzt , dass sowohl das Pilotlicht, als auch die Bltzröhre auf den gleichen Punkt fokussiert werden. Das Pilotlicht sitzt hinter der ersten Linse und die Blitzröhre zwischen der ersten und der zweiten Linse.

Im ersten und im 3. Fall muss dazu die Blitzröhre aus dem Blitz ausgebaut und mit längeren Kabeln neu verlötet werden. Das ist Hochspannungstechnik und nicht ganz ungefährlich!

Das gilt wie gesagt alles für "normale" Durchlichtmikroskope. Wenn Du mit dem Blitz einfach von oben auf das Objekt blitzt, was Du wahrscheinlich vor hattest, so ist das ein ganz anderes mikroskopisches Verfahren. Damit würde das Durchlichtmikroskop nämlich zum Auflichtmikroskop. Das macht aber für fast durchsichtige Objekte wie die meisten Wasserlebewesen es sind, wenig Sinn. Das Bild wäre auch vollkommen anders, nämlich mit dunklem statt mit hellem Hintergrund.

Fange bitte erst mal mit dem Mikroskopieren und Beobachten an. Sowohl die Mikrofotografie an sich und erst recht das Mikro-Blitzen sind Themen für Fortgeschrittene.

Häufigster Fallstrick bei der Fotografie am Mikroskop ist das Verwackeln durch die Schwingungen von Spiegelschlag (nur bei Spiegelreflex-Kameras) und mechanischem Verschluss. Wichtig ist also, dass Deine Mikroskopkamera über einen elektronischen Verschluss verfügt.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Peter V.

#17
Hallo,

das ist das "Problem" heute: Früher kamen die Mikroskopiker über die Mikroskopie zur Mikrofotografie, heute eher umgekehrt, also über die Fotografie zur Mikroskopie. Das, was frühr am Ende der Ebtwicklung stand, ist heute der Anfang und conditio sine qua non.

Man kann allerdings auch wirklich sehr sipmpel am Mikroskop blitzen. Leider gibt es die Webseite von unserem Bernhard Lebeda nicht mehr, der einfach über einen Objektträger im 45 Grad-Winkel als Strahlenteiler geblitzt hat.

Aber es ist schon so: Zunächst muss ein Mikroskop her, dann muss man sich mit dem Mikroskopieren an sich vertraut machen. Blitzen steht eigentlich eher ziemlich am Ende einer solchen Entwicklung.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Adelheid

Vielen Dank für Eure weiteren Erklärungen und Hinweise Peter, Gerd und Gerrit. Puh, da gibt es mehr zu beachten, als ich gedacht hatte.
Jetzt muss ich mich erst einmal mit den jetzt schon öfter erwähnten Bezeichnungen "Köhler-Beleuchtung", "Schieflicht" und "Kondensor" beschäftigen.

Zitat von: Peter V. in Juli 02, 2024, 21:47:00 NACHMITTAGSFange bitte erst mal mit dem Mikroskopieren und Beobachten an. Sowohl die Mikrofotografie an sich und erst recht das Mikro-Blitzen sind Themen für Fortgeschrittene.

Häufigster Fallstrick bei der Fotografie am Mikroskop ist das Verwackeln durch die Schwingungen von Spiegelschlag (nur bei Spiegelreflex-Kameras) und mechanischem Verschluss. Wichtig ist also, dass Deine Mikroskopkamera über einen elektronischen Verschluss verfügt.

LG Gerd

Obwohl ich natürlich lieber heute als morgen Mikroskopfotografie betreiben würde, sehe ich ein, dass ich einen Schritt nach dem anderen gehen muss, auch wenn es schwer fällt.
Meine Olympus ist eine spiegellose Kamera, so dass wenigstens das kein Problem wäre.
Wenn ich mich für ein Mikroskop entscheide und mich erst einmal einarbeite, dann sollte es natürlich eines sein, wo ich dann später einmal die Kamera adaptieren kann.

Viele Grüße
Adelheid

3nzo

Hallo,
Ich möchte Anfängern sagen, dass die Beobachtung des Lebens in einem Wassertropfen ein Zweig der Mikroskopie ist, einfach, weil es keine Vorbereitung erfordert, aber einschränkend, weil Mikroskopie viel mehr ist. Ich bereite Objektträger mit Wassertropfen für meinen Neffen vor, um ihn für die Mikroskopie zu interessieren, und es funktioniert, aber ich hoffe, dass es dabei nicht aufhört.
Damit möchte ich nicht kritisieren, sondern darauf hinweisen, dass es auch andere interessante Bereiche der Mikroskopie gibt, etwa die Beobachtung der Strukturen höherer Pflanzen und vieles mehr. Der richtige Weg zur Mikroskopie ist das Interesse an der Biologie und daraus resultierend der Bedarf am Mikroskop.
Viel Spaß und viele Grüße.

Enzo

Adelheid

Vielen Dank, Enzo. Ich sehe das genauso, der Wassertropfen soll und wird der Einstieg sein. Ich habe großes Interesse an der Biologie und Zoologie und bin schon seit Jahren in der Natur unterwegs. Von daher interessieren mich natürlich auch die Strukturen von Pflanzen oder auch Gesteinen. Und je mehr ich dem auf den Grund gehen kann, um so spannender wird es für mich!
Deinen Beitrag empfinde ich nicht als Kritik, sondern als einen wichtigen und guten Hinweis.

Viele Grüße
Adelheid

3nzo

Hallo Adelheid,
Ich bin froh, dass ich nicht missverstanden wurde. Obwohl die Untersuchung von Protisten, Kieselalgen usw. in einem Wassertropfen ein weites und interessantes Forschungsgebiet ist, ist es nicht alles.
Vorerst viel Spaß bei der Protistenjagd und einen herzlichen Gruß.

Enzo

Adelheid