Dunkelfeld für Zeiss Glarex / Cytoscop

Begonnen von Marius, Dezember 01, 2024, 23:46:31 NACHMITTAGS

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Marius

Hallo miteinander,

ich bin neu in diesem Forum und mikroskopiere selbst auch erst seit Kurzem. Ich studiere Biologie und seit einiger Zeit begeistere ich mich sehr für die alte analoge Projektionstechnologie in der Mikroskopie. Inzwischen bin ich stolzer Besitzer eines Will Prodyscopes (BX 200 + Vision Dynascope) und eines Zeiss Cytoscops (Standard WL "Trino" + Glarex).

Mit dem Cytoskop möchte ich gerne in die Dunkelfeldmikroskopie einsteigen, doch da gibt es einige Hürden. Es ist bereits ausgestattet mit dem Lampenhaus 100 und ich habe die Halogenlampe bereits gegen eine andere 12V/100W von Osram getauscht, welche für Super 8-Projektoren gedacht ist und bis auf 3600 Lumen kommt. Trotzdem wünsche ich mir für das Hellfeld noch etwas mehr Leuchtkraft (vor allem tagsüber bei hohen Vergrößerungen). Bekanntermaßen sind der Glarex-Aufsatz und auch das Dunkelfeld beides äußerst lichthungrig. Daher überlege ich schon seit einer Weile, das Lampenhaus auf LED umzurüsten, ggf. auch mit Wasserkühlung o.Ä.

Das Problem nun: Ich kann in dem aktuellen Setup nicht testen, ob die 3600 Lumen (Halogen) vielleicht sogar schon für Dunkelfeld reichen (man öffnet die Aperturblende ja komplett). Der Lichtstrahl ist so heiß, dass jeder Filtereinsatz für Dunkelfeld aus Kunststoff anfangt zu qualmen.
Nun frage ich mich: liegt das an der massiven Infrarotstrahlung der Halogenbirne, oder generell an der hohen Strahlungsdichte auch im sichtbaren Bereich? Anders formuliert: Wird es mir ein Umrüsten auf LED ermöglichen, einen normalen Dunkelfeldfilter zu benutzen (da der Infrarotanteil fehlt), oder schmilzt der Filter noch schneller aufgrund des noch höheren Lichtflusses (angedacht waren ca. 8.000 Lumen)?

Ich hoffe ihr könnt mir helfen, denn diese Projektionsschirme halten meine Begeisterung fürs Mikrpskopieren wirklich am laufen.

PS.: Ich weiß nicht ob das mit der Vorstellungsrunde für neue Mitglieder noch praktiziert wird. Ich konnte den Thread nicht finden.

Peter_le

Abend Marius,

Dunkelfeld und Glarex klingt in der Tat extrem lichthungrig. Den Raum abzudunkeln, darauf bist du wohl selbst schon gekommen.

Halogen - die armen Objektive. Die kriegen auch die Infrarotstrahlung ab - ich würde es lassen! Erst recht bei höherkorrigierten Objektiven (Plan, Neofluar, Apo und deren Plan-Abkömmlinge).


Wärmeschutzfilter müssen ausreichend dimensioniert sein. An Strahlteiler, die IR wegreflektieren kommt man am ehesten durch alte Projektoren mit vergleichbarer Beleuchtung ran. Vielleicht hat da jemand einen Tipp.

Ja, Eine LED sorgt für viel weniger Infrarot.

Vergleiche mal die 100W der Halogen mit einet LED mit vergleichbaren Lumen - und deren Leistung (W=Watt). Dass meiste W geht bei der Halogen in IR über.

Auch sichtbares Licht macht Wärme, aber relevant ist das hier nicht.
(Anm. von Leitz-Mikroskopen weiß ich, dass Polfilter gab, denen ein Prismenpolarisator vorgeschalter war, um die Wärmebelastung des Polfilters zu senken)
 
Die Rubrik heißt "Mikroskopiker im Netz"


Grüße
Peter

Marius

Hallo Peter,

danke für die Antwort! Also macht es schon Sinn, eine Umrüstung auf LED zu versuchen. Die Objektive sind normale Achromate/Aplanare und den Strahlenteiler mitsamt Binotubus habe ich eh abmontiert, da Bino für mich nicht funktioniert und ich somit wenigstens noch 5% mehr Licht im Glarex habe.

Falls jemand mir eine COB LED empfehlen kann, die 6.00 Lumen + kann, dimmbar ist und mind. 95 CRI hat, würde ich mich ebenfalls freuen. Hatte die v18 Thrive Serie von Bridelux auf dem Schirm, kann man als Privatperson aber scheinbar leider nirgendwo kaufen.

K. B.

Hallo Marius,

auch wenn die Projektionsschirme wirklich ein interessantes Stück der Mikroskopgeschichte sind, würde ich für das normale Arbeiten eher eine Kamera adaptieren und das Bild auf einen Monitor übertragen, je nach Kamera hat man sogar noch die Möglichkeit ein zu dunkles Bild weiter aufzuhellen.
Den Glarex kann man dann ja noch immer im Hellfeld nutzen.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Jakob_Wittmann

Servus und ein herzliches Willkommen hier in diesem Forum, Marius!

Fein, dass Du jetzt bei uns aktiv bist. Du bist also fasziniert von den bildgebenden Verfahren, die ohne  Videotechnik aller Arten funktionieren. Stattdessen mit sehr ausgeklügelten Methoden, die man in etwa als rein optische, vereinfacht beschrieben, bezeichnen könnte.

,,Retro" ist ein stark verallgemeinernder Begriff, denn ich für eine Beschreibung dieser Technik als wenig präzise bezeichnen würde. Aber ohne nun Begrifflichkeiten mehr oder minder geschwollen zu beschreiben:

Ich finde dass dieses Dein Interesse absolut nachvollziehbar ist, denn diese ausgesprochen gefinkelten Methoden können auch heute noch faszinieren. Und auch durchaus überzeugende Bildqualität ergeben.

Was die Dynascope Technologie angeht, habe ich vor einiger Zeit ein nicht komplettes Mikroskop erworben, das eindeutig für eine Dynascope Erweiterung konzipiert ist.

Kurios ist, dass ich bis heute nicht rausfinden konnte habe, wer der Hersteller ist. Objekttisch und Objektive waren nicht dabei, und vermutlich durch den Transport ist der Feintrieb ohne Funktion (der mag keine Stöße). Eine Sache, für die auch andere Instrumente anfällig sind. Typischerweise springt dabei ein bestimmter Bolzen in der Mechanik des Feintriebs aus seiner Lage. Ungut, aber kein ,,echter" Schaden.

Das Mikroskop ist ein wuchtiges, sehr großes Instrument und es könnte abgesehen von den erwähnten fehlenden Teilen ganz sicher eine Wartung, Überarbeitung vertragen.

Die 100 Watt Halogenbeleuchtung ist ungemein hell (originelle Aussage, oder?  ;D  ;) ) und ist ohne Dynascope Aufrüstung sicher überdimensioniert.

Faktum ist allerdings, dass ich keine Dynascope Erweiterung plane. Ich werde es die Tage mal im Markt unseres Forums anbieten. Mal sehen ...  ;)

Unbeschadet dessen werde ich sicher mit Interesse verfolgen, lieber Marius, was Du an Teilen ergattern wirst und natürlich auch gespannt auf Deine Beschreibungen warten, die Du sehr wahrscheinlich hier im Forum deponieren dürftest!

Anbei noch paar Bilder des von mir beschriebenen Mikroskops. Es ist übrigens deutlich größer als die Abbildungen dies vermuten lassen ...  :)  ;)

Liebe Grüße


Jakob
jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

Rene

Das sieht aus wie eine Vickers Mikroskop.

Best, René

Jakob_Wittmann

Danke Dir, René,

ich hatte schon einmal hier in unserem Forum die Meinung gelesen, dass dieses Mikroskop vielleicht ein britisches Produkt sei.

Deine Aussage von wegen Vickers ist eine interessante. Ich habe gerade eine Bildersuche mit Google gemacht. Das Modell, das ich habe, war zwar nicht zu finden, aber man kann meiner Meinung nach gewisse Eigenheiten im Design von Vickers erkennen. Konkret eine Vorliebe für zentral am Sockel der Instrumente befindliche Displays.

Wie auch das Voltmeter, das zentral am Sockel meines Mikroskops eingebaut ist.

Allerdings kann ich mit solchen Annahmen genauso heftig daneben liegen. Es kann ebenso eine nur vermeintliche Tendenz sein, die man durch eine bestehende Erwartungshaltung zu erkennen glaubt.

Grundsätzlich ist es auch nicht elementar wichtig für mich, interessant aber dennoch.

Mir ist übrigens (Durch einen Tipp eines sehr fachkundigen Mitglied des Forums) erklärt worden, dass der Binotubus von Will stammt. Wie mir Jörg Haus von der Hund Ges.m.b.H. dankenswerterweise erklärte, ist es eine ältere Bauart, die nicht auf auf aktuelle Hund Mikroskope passt.

Jedenfalls spannend. Andererseits gibt es sicher massivere Probleme als die Bestimmung des Herstellers dieses Teils ...   :)  ;)





Thank you, René,

I had already read the opinion here in our forum that this microscope was perhaps a British product.

Your statement about Vickers is an interesting one. I have just done a Google image search. The model I have was not to be found, but I think you can recognize certain peculiarities in Vickers' design. Specifically, a preference for displays centrally located on the base of the instruments.

Like the voltmeter, which is mounted centrally on the base of my microscope.

However, I can be just as wrong with such assumptions. It can also just be a supposed tendency that one believes to recognize due to an existing expectation.

Basically, it is not fundamentally important to me, but it is interesting nonetheless.

Incidentally, it was explained to me (through a tip from a very knowledgeable member of the forum) that the binotube originates from Will. As Jörg Haus from Hund Ges.m.b.H. kindly explained to me, it is an older design that does not fit on newer Hund microscopes.

Exciting in any case. On the other hand, there are certainly more massive problems than determining the manufacturer of this part ... :) ;)

***

Liebe Grüße und danke Dir, René


Jakob
jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

Rene

Entschuldigung, ich meinte das Mikroskop von Gillett und Sibert (GS), aber es könnte eine Mischung mit einer Vickers-Basis seinBest, René.


Marius

#8
Zitat von: K. B. in Dezember 02, 2024, 07:05:17 VORMITTAGHallo Marius,

auch wenn die Projektionsschirme wirklich ein interessantes Stück der Mikroskopgeschichte sind, würde ich für das normale Arbeiten eher eine Kamera adaptieren und das Bild auf einen Monitor übertragen, je nach Kamera hat man sogar noch die Möglichkeit ein zu dunkles Bild weiter aufzuhellen.
Den Glarex kann man dann ja noch immer im Hellfeld nutzen.

Viele Grüße
Kay

Ja das wäre die moderne Version. Allerdings packt mich das aus irgendeinem Grund nicht so wie eine analoge Projektion. Die ist irgendwie viel direkter und unmittelbarer, ohne A/D & D/A Wandlung und die räumliche Trennung von Bildschirm und Mikroskop macht es irgendwie zu unmittelbar für mich, schwer zu beschreiben.
Außerdem mag ich die Ästhetik und die Technologie dahinter extrem. Ich finde auch die Bildqualität extrem zufriedenstellend, wenn man den Glarex-Motor entsprechend benutzt. Eine Kamera, die das selbe leistet/das selbe Erlebnis bietet (mit evtl. notwendigen Zusatzeinrichtungen/Adaptern) ist in meiner Vorstellung auch viel zu teuer für mich. In Anbetracht der Tatsache, dass ich für Dunkelfeld nun aber auf LED werde umrüsten müssen und wahrscheinlich auch um einen Dunkelfeldkondensor nicht herum komme, sieht die Rechnung andererseits aber auch wieder etwas anders aus...

@Jakob:
Interessantes Mikroskop, das du da hast. Auch echt ein gigantisches Lampenhaus, und die Lüftung...
Ich frage mich sowieso, wer damals so alles mit Vision Engeneering zusammengearbeitet hat und wieso davon (gefühlt) so wenig übrig ist im Vgl. zum Glarex.
Also ich denke ich werde trotz aller Widrigkeiten versuchen, Dunkelfeld am Glarex zu realisieren. Wird aber wahrscheinlich aufgrund meines sehr schmalen Budgets einige Zeit dauern. Wenn es soweit ist, kann ich dann gerne einen Beitrag machen.

PS.: Kann mir jemand sagen, welche Dunkelfeldkondensoren alle an das Zeiss Standard passen (evtl. mit Nummern)? Und wäre es bei dem WL nicht auch möglich, den ganzen Kondensorhalter zu ersetzen um ggf. einen Kondensor eines anderen Fabrikats (Zeiss Jena/Leitz/Wild etc.) zu verwenden?