Caramba, Balistol u. Co.-Alleskönner in der Mikroskoptechnik? Wer hat Erfahrung?

Begonnen von Peter V., April 12, 2010, 08:30:31 VORMITTAG

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Peter V.

Hallo,

Es gibt ja eine  unübersehbare Anzhal von "Sprays", die in der Feinmechanik zum "Lösen und Schmieren" verwendet werden.
Caramba, Balistol, WD-40, Kontakt 60, Kontakt 40, Sprühöl, Silikon......
Man muss nur mal in einen Conrad-Katalog schauen. Seitenweise Sprays über Sprays.
Häufig finden solche Sprays auch Anwendung bei der Gangbarmachung von Mikroskopen.
Ich persönlich finde es etwas schweirig, das für den jeweiliegn Zweck "richtige" Mittel zu finden und die Unterschiede zu erkennen,  denn nahezu alle weisen laut Beschreibung das gleiche "Alleskönner"-Spektrum von "Lösen, Schmieren, Pflegen" auf.

Vielleicht können unsere Bastler mal ihr persönliche Erfahrung mit den einzelnen Mittelchen ( auch welchen, die ich hier nicht aufgeführt habe ) samt Einsatzspektrum  posten. Nach dem Motto: Was wozu?

Herzliche Grüße
Peter


Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Hugo Halfmann

Moin Peter,

na, dann will ich mal meine Erfahrungen :

Caramba :
guter wirksamer Rostlöser, war auf jeder Zeche reichlich vorhanden. Ziemlich schmieriges Zeug, nicht ph neutral, wie die meisten MoS2 Rostlöser. Verrostete Mikroskope kenn ich nicht; aber wenn man mal eins hat....

Ballistol ("Waffenöl") :

Soll angeblich mal besser gewesen sein, enthält wohl mittlerweile zuviel Wasser, um sicher vor Rost zu schützen.
Meiner Meinung nach gibt´s besseres wie z.B. Gunnex vom gleichen Hersteller.

WD 40: s.o., die anderen kenne ich nicht.

Was ich richtig gut finde ist (ohne Werbung machen zu wollen):

Surface Shield

Neutrales Spray zur Schmierung und Konservierung aller möglichen Metallteile, klar, stinkt wie alle anderen auch, scheint neutral zu sein. Ist ein m.E. ein echter Alleskönner.

Zum Lösen irgendwelcher festgegammelter Triebe etc. taugt das alles aber nur bedingt. Hierfür würde ich eher Bremsenreiniger nehmen, stinkt auch, wirkt aber schneller als alles andere. Vor dem Auswaschen in Waschbenzin bewahrt einen das Zeug aber auch nicht.

Ansonsten fällt mir bei dem Thema immer wieder Tri- und Perchlorethylen ein..... ;D



Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

Nomarski

Hallo,

die genannten Mittel sollten nur eingesetzt werden, um festsitzende Schrauben, Hülsen, Muttern, Führungen dazu zu bringen, sich zu lösen. Auch festgebackenes Fett läßt sich damit teilweise besser ablösen als mit Reinigungsbenzin.

Da diese Kriechöle aber auch gerne dort hinkriechen, wo sie nichts zu suchen haben, insbesondere auf optische Oberflächen, sollten diese umgehend wieder entfernt werden und durch den geeigneten Schmierstoff für die Montage ersetzt werden!

Gerade wenn Baugruppen demontiert werden sollen, in der sich noch Optik befindet, sollte der Auftrag nicht direkt aus der Spraydose ausgeführt werden, sondern vorsichtig über einen kleinen Tuschpinsel und zwar gezielt in den Fugenbereich.

Diese Kriechöle haben normalerweise an den Mikroskopen nichts zu suchen, sind aber für die Demontage oftmals nötig, um die Losbrechkräfte zu mindern, welche sonst zu Schäden führen würden.

Rene

I am on expert in this, but WD40 is an absolute no-no. Also keep away from any silicon based stuff, that goes everywhere.

No oils on the scope, is what I always have understood. Nevertheless, a tiny drop of synthetic bicycle oil is what I have found the only thing satisfactory for the non-ball bearing Zeiss Jena stages, possibly also for the gliding stage. It sticks well on the surface.


felix

"Du" angenehm.

Eckhard F. H.

Zitat... wie die meisten MoS2 Rostlöser ...

soviel mir bekannt ist, wirkt der Molybdändisulfit-Anteil in Caramba lediglich als Gleitmittel. Die Rostlösung selbst übernimmt Phosphorsäure. Lasse mich aber gern belehren. Kennt jemand noch andere wirksame Mittel, die Rost lösen, Metalle hingegen nicht angreifen? Alle meine Versuche, stark eingerosteten Schraubverbindungen mit Caramba o.ä. beizukommen, scheiterten kläglich.

Gruß - E. Nowack

Werner Jülich

Sie können einmal Kältespray probieren. Es wirkt bei festkorrodierten Teilen oft Wunder.

Werner Jülich

Rene

Hi Felix, WD40 is not only a Gleitmittel , but also moisture-remover, so contains lots of other things. WD40 apparently dries to a sticky tar in time. If used (for stuck parts etc), all remnants should be removed before applying new grease. That's what I have heard in any case, I have therefore never used it myself on the scope.

HTH, Rene

Harald Schmitt

Hallo zusammen,
diese "Rostlösemittel" wie z.b. Caramba sind meines Wissens auf Petroleumbasis aufgebaut. Sie enthalten zum teil auch korrosive Anteile, um den Rost besser anzulösen. Der Rost muß jedoch schon grob sein, aber keinesfalls in sich verbacken sein damit diese eindringen, den Rost anlösen und schmierbar machen können. Bei festgebackenen Teilen hat man mit Chemie kaum eine Chance. Bei uns werden diese Teile (auch Feinmechanik) auf dem Magneterhitzer erwärmt. Aber das ist schon eine Arbeit für Spezialisten. Das übernehmen bei uns speziell ausgebildete Fachkräfte.
Bei uns wird hauptsächlich, z.t. auch zum Rostlösen, obwohl wir auch andere Sprays haben, WD 40 eingesetzt. Unsere Mechaniker haben damit ausgezeichnete Erfahrung gemacht (nein- ich bin Elektrotechniker und kein Vertreter). Dieses Öl zeichnet sich durch gute Kriecheigenschaft, ausgezeichnete und länger anhaltende Schmiereigenschaft und ausgezeichnete Verträglichkeit mit allen Metallen, Kunststoffen und Lacken aus. Ich selbst verwende es auch bei meinen Waffen, z.t. zum ölen der Hochglanzpolierten Oberflächen und bin sehr zufrieden.
Für Feinmechanische Zahnkränze ect. verwenden wir ein Sprühfett mit Teflonanteilen.
Ähnlich aufgebaut, nur mit zäherer Viskosität, ist unser spezielles Kettenfett zum einfetten der feinmechanischen Antriebsketten.
Bei Waffenöl wie Balistol habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, daß der Schmierfilm nicht so lange hält, und, daß bei großzügiger Anwendung, Balistol auch verharzt. Ich denke, dieses Öl ist besser zum Mückenschutz geeignet.
Andere Öle, welche ich selbst in der Elektrotechnik benutze, wie z.b. Wasserverdränger und Kontaktsprays sind zum teil sehr Korrosiv.
Wenn Interesse besteht, kopiere ich gerne mal die Gefahrenblätter unserer gebräuchlichen Öle und Fette.
Viele Grüße Harald



HCLange

Hallo Peter,

die besten Erfahrungen habe ich mit Feuerzeugbenzin gemacht. Das benutze ich als Universalmittel zum reinigen, anlösen von festgebackenem Fett und gangbar machen von Führungen. Es ist leicht flüchtig, gut entfernbar und löst nach meiner Erfahrung Lacke und Kunststoffe nicht an.
Als Reinigungsmittel für Lackflächen und Kunststoffe verwende ich auch Glasreiniger mit Erfolg.

Grüsse
Christoph

TPL

#10
Hallo Mikroskop-Reiniger und -Schmierer,

Bernd hat es ja schon geschrieben: diese ganzen Mittelchen sind für die Reinigung, Entrostung und Schmierung von separierten Mikroskop-Teilen sinnvoll, aber nicht dazu gedacht, an einem zusammengebauten Mikroskop oder Baugruppen in Form eines Aerosols (Spray) eingesetzt zu werden. Das ist der entscheidende Unterschied.

Zitat von: Rene in April 12, 2010, 10:36:54 VORMITTAG(...) WD40 is an absolute no-no.
Ich setze WD40 mit großem Erfolg ein, um feste Fette weich zu bekommen und dadurch auch Staub, feine Metallspäne, etc. aus Gewinden und von verwinkelten Bauteilen zu lösen, an die ich mit Zahnstocher, Wattebausch oder Zahnbürste nicht herankomme. Allerdings versprühe ich das WD40 nicht (nicht einmal irgendwo im Haus!), sondern ich fülle (auf der Terasse) ein Einmachglas, in dem ich die separaten Bauteile entweder "bade", oder, wie von Bernd beschrieben, mit einem Pinsel genau die Stellen betupfe, die fest/verharzt sind.

Anschließend werden die voneinander gelösten Bauteile (über zwei Stufen) in Waschbenzin eingelegt und gegebenenfalls mechanisch nachgereinigt. Es bleibt dabei kein WD40 an den Bauteilen!! René liegt mit seiner Warnung also richtig, allerdings im Hinblick auf die Verwendung als Spray. Ich verwende in Räumen, in denen Mikroskope stehen grundsätzlich keine Aerosole.

Was beim Umgang mit WD40 an Mikroskopteilen Übles passieren kann, sieht man hier: http://www.photomacrography.net/forum/viewtopic.php?t=7600&highlight=. Exakt dieses Objektiv ist (wahrscheinlich durch das herumkriechende WD40) nachhaltig versaut und lässt sich ohne erneutes Zerlegen auch nicht reinigen: Es "kriecht" ständig wieder ein Schmierfilm auf die optischen Flächen (auch die Inneren >:(), der aus dem Objektiv einen "Weichzeichner" macht.

Schönen Gruß, Thomas