Verwendung des Vertikalilluminators

Begonnen von Dr. Timo Mappes, Januar 18, 2011, 23:58:36 NACHMITTAGS

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Dr. Timo Mappes

Guten Abend zusammen,

um die Diskussion zu jenem ,,uralten Zeiss-Mikroskop – Zubehörteil" zu ergänzen hier ein paar Hintergründe zum Vertikalilluminator, wie er in [1] angeboten wurde:

Vertikalilluminator mit exzentrischer Irisblende und totalreflektierendem Prisma einschließlich Spiegelvorrichtung mit Verlängerungsstange... RM 120.-
Polarisator mit geraden Endflächen, 6 mm Querschnitt...RM 50.-

Ein solcher Apparat ist in Abb. 1 zu sehen:

Abb. 1: Vertikalilluminator mit Polarisator von Winkel-Zeiss Nr. 8371 aus 1925

Der Spiegel wird wie auf den gescannten Illustrationen Abb. 2 und 3 aus [2] ersichtlich gebraucht – die Verlängerungsstange wurde zur Verlängerung der Spiegelaufhängung verwendet, so dass der Hauptspiegel des Mikroskops über die Flucht des Instruments und damit den Tisch hinausragte und seinerseits das Licht in den Spiegel des Vertikalilluminators spiegelte. Dadurch musste die Position des Instruments relativ zur Lichtquelle bei Gebrauch des Nebenapparates nicht verändert werden:

Abb. 2: Vertikalilluminator mit Mikroskopleuchte


Abb. 3: Vertikalilluminator einfacherer Bauart am Mikroskop


Bemerkenswert ist sicher, dass der Vertikalilluminator darüber hinaus auch am Revolver direkt befestigt werden konnte, Abb. 4 [2]:

Abb. 4: Vertikalilluminator am Revolver montiert

Eine Verlängerungsstange war in der Schatulle des Nebenapparats immer eingelegt (Abb. 5):

Abb. 5: Vertikalilluminator mit Polarisator von Winkel-Zeiss Nr. 102856 aus 1936

Für weitere Nebenapparate dieser Zeit, siehe:

http://www.musoptin.com/winkel_zeiss_28353.html

Beste Grüße,
Timo Mappes


Literatur
[1] R.Winkel G.m.b.H. Göttingen, optische und mechanische Werkstätte: Zubehörteile und Nebenapparate für mineralogische Mikroskope. Druckschrift Nr. 255, Buchdruckerei des Waisenhauses, Halle (S.) 01.08.1925
[2] R.Winkel G.m.b.H. Optische und mechanische Werkstätten Göttingen - Winkel-Zeiss: Polarisations-Mikroskope und Nebenapparate. Druckschrift Nr. 50, Göttingen Januar 1941
Prof. Dr.-Ing. Timo Mappes
Deutsches Optisches Museum
Carl-Zeiss-Platz 12
07743 Jena

*************************
privat:
Museum Optischer Instrumente
www.musoptin.com

Die erste vollillustrierte deutschsprachige Seite zur Geschichte der Mikroskope für die Wissenschaft im 19. & frühen 20. Jahrhundert

olaf.med

#1
Danke Timo,

die Variante mit Beleuchtung über Hauptspiegel-Hilfsspiegel hatte ich tatsächlich noch nie gesehen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

hinrich husemann

Hallo zusammen,
wenn es sich um ein totalreflektierendes Prisma handelt, ist das aber wohl mit einer einseitigen Halbierung der Apertur verbunden. Der Prismeneinsatz sitzt ja auch erkennbar unsymmetrisch.
Wie immer interessant, diese Optik-Historie.
Freundliche Mikrogrüsse
H. Husemann

olaf.med

Hallo Herr Husemann,

Zitatwenn es sich um ein totalreflektierendes Prisma handelt, ist das aber wohl mit einer einseitigen Halbierung der Apertur verbunden

das ist völlig richtig und auch das Problem dieser Einrichtung. Eigentlich will man exakt senkrechtes Auflicht hoher Beleuchtungsintensität. Das Prisma bringt die Intensität, aber schattet die halbe Apertur ab. Die andere Hälfte wird zur Beobachtung genutzt - daher sind Beleuchtungs- und Abbbildungsstrahl nicht parallel zueinander und nicht genau senkrecht zur Probenoberfläche orientiert, sondern leicht verkippt. Außerdem nimmt man Einbußen beim Auflösungsvermögen durch die reduzierte Apertur hin. Der geniale Leitz Pol-Auflichtilluminator nach Berek - sicher weltweit über Jahrzehnte die beste Einrichtung dieser Art (http://www.leitz-ortholux.de/komponenten_revolver.php, dort unter "Zangen- und Bajonettwechsler das erste Bild - war daher mit einer Wechseleinrichtung ausgestattet:


  • Das berühmte Berek-Prisma, das durch Wahl eines Glases mit spezifischem Brechungsindex (n=Wurzel aus 3 - leider stellt Klaus dieses Sonderzeichen in seinen Beiträgen (noch?) nicht zur Verfügung, aber Danke an ihn für die anderen) und einer Geometrie, die das Licht durch interne 3-fach Reflektion quantitativ auf die Probe reflektiert unter Erhaltung des perfekten Polarisationszustands. Diese Umlenkeinrichtung dient der Beobachtung und quantitativen Messung im polarisierten Licht.
  • Ein teilverspiegeltes Plättchen unter 45°, das die volle Apertur freiläßt, aber nur eine geringe Lichtausbeute bei nicht perfekter Polarisation ergibt. Dieses wurde für Mikrofotografie und Beobachtungen, die höchstes Auflösungsvermögen erforderten, genutzt.

Der Wechsel war sehr einfach durch einen Schieber möglich.

Herzliche Grüße,

Olaf
Gerne per Du!

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hinrich husemann

#4
Hallo Herr Medenbach,

Bei ZEISS gibt es (oder gab es zur 160mm-Zeit) neben dem einfachen 45°-Planglas-Reflektor H-Pl  noch den Reflektor H-Pl POL; ein Reflektor mit einem Spiegel und einem Planglas (nach Smith) mit einem Winkel von 22,5°. Er soll die lineare Polarisation kaum beeinträchtigen, lässt aber die volle Apertur frei. Ist aber natürlich auch "dunkler" als der Berek-Reflektor, den es bei ZEISS auch gibt (oder gab) unter dem Namen H-Pr POL. Ich habe noch alle drei an meinem Universal (Sie haben sie ja vermutlich auch). H. Piller beschreibt sie auch relativ genau in seinem Buch MICROSCOPE PHOTOMETRY von 1977.

Freundliche Mikrogrüsse
H. Husemann

Klaus Herrmann

Lieber Olaf,

Zitat(n=Wurzel aus 3 - leider stellt Klaus dieses Sonderzeichen in seinen Beiträgen (noch?) nicht zur Verfügung, aber Danke an ihn für die anderen)

Detlef hat ja letztes Jahr ein paar Sonderzeichen aufgeführt. Nur ist das natürlich extrem unpraktisch, weil man diesen Beitrag dann immer suchen müsste um sich zu bedienen. Da es wohl doch große Schwierigkeiten bereitet solche Sonderzeichen als Schreibhilfe, wie die witzigen Icons, hier oben zum Anclicken rein zu bringen, wäre noch ein Ausweg eine Wunschliste zu erstellen, die sich dann jeder in seine Signaturleiste reinkopiert. Wenn man sie nämlich in seine eigene kopiert stehen sie beim Schreiben auch nicht direkt zur Verfügung.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

olaf.med

Hallo Herr Husemann,

der Smith-Reflektor ist - nach dem Berek-Prisma - sicher der beste Pol-Reflektor und findet heute weite Verbreitung in modernen Auflicht-Mikroskopen. Er reicht, soweit ich weiß, aber in seiner Qualität nicht an das schon 1936 entwickelte Berek-Prisma heran, das die Grundlage für perfekte quantitative Messungen im Auflicht bildete.

Herzliche Grüße,

Olaf Medenbach
Gerne per Du!

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olaf.med

Hallo Klaus,

ZitatDetlef hat ja letztes Jahr ein paar Sonderzeichen aufgeführt. Nur ist das natürlich extrem unpraktisch, weil man diesen Beitrag dann immer suchen müsste um sich zu bedienen.

Könnte man den Beitrag von Detlef nicht einfach auf der oberen Leiste unter Mikro-Links einfach verlinken. Das wäre SEHR hilfreich!

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

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Klaus Herrmann

Hallo Olaf,



ZitatRe: Verwendung des Vertikalilluminators
« Antworten #7 am: Heute um 15:37:00 » Zitat 

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Hallo Klaus,


Zitat
Detlef hat ja letztes Jahr ein paar Sonderzeichen aufgeführt. Nur ist das natürlich extrem unpraktisch, weil man diesen Beitrag dann immer suchen müsste um sich zu bedienen.

Könnte man den Beitrag von Detlef nicht einfach auf der oberen Leiste unter Mikro-Links einfach verlinken. Das wäre SEHR hilfreich!


das kann ich nur heftig unterstützen. Man solle dann aber wirklich eine erweiterbare Liste machen in die jeder sein Wunschsonderzeichen reinstellt.
Mißbrauch wir bestraft! ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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