Mikroskop für Labor-/Klinikroutine?

Begonnen von Strudelwurm, April 03, 2011, 14:16:37 NACHMITTAGS

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Dr. Jekyll

Hallo Strudelwurm,

wenn es sich nur um Routineuntersuchungen im Hellfeld handelt, die Kosten ein Ausschlag gebender Faktor darstellt und die Aufrüstung eine untergeordnete Rolle spielt, dann wäre ein Steindorff-Mikroskop eine Option. Diese sind noch immer sehr weit in Arztpraxen verbreitet, da es sich um recht robuste Geräte handelt und die Optik zufriedenstellend ist.
Sie werden oft bei Ebay angeboten und sind schon unter 100€ zu haben. Erfüllen sie nicht die gestellten Anforderungen kann man sie ohne Verlust wieder verkaufen.
Mit etwas Glück findet man sogar noch Phasenkontrast-Ausstattung dafür (sehr, sehr selten!).

Viele Grüße
                Harald
Beste Grüße
Harald

Strudelwurm

Vielen Dank, Leute!

Das bringt mich doch schon erheblich weiter.

Dass ich bisher keine konkreten Angaben über den Verwendungszweck machen kann, liegt halt daran, dass ich diesen Verwendungszweck selbst nicht kenne. Die Vermutung mit der Spende trifft es schon ganz gut, Peter :) ! Und meine Kontaktleute sind leider selbst keine Anwender... von denen kam bisher die Information Es wird ein Mikroskop für's Labor gebraucht. Na klasse  :-\ ;)...

Deshalb wollte ich mich hier ja zunächst mal schlau machen, was in Laboren "hierzulande" denn überhaupt verwendet wird. So wie Axel schreibt, hatte ich es mir in etwa vorgestellt - manche Diagnostik könnte man vielleicht mit dem Mikroskop machen, tut das aber in der Praxis nicht, sondern wendet ganz andere Analysemethoden an... und manche Darstellungsarten oder besonders ausgefeilte Optiken liefern vielleicht besonders brilliante Bilder, sind aber für die eigentliche Diagnose in der Regel gar nicht notwendig.

Ja, und sicherlich - in einem tropischen Land (tropisch-feucht übrigens...) sind wohl parasitologische Untersuchungen etc. von größerer Bedeutung als in Deutschland.

Na, nun bin ich jedenfalls erfreut zu hören, dass anscheinend für viele Anwendungen ein normales Hellfeld-Mikroskop durchaus ausreicht. Und "unter 100  €" hört sich ja paradiesisch an :) ! Ob's wirklich so preiswert geht... mal schauen. Aber jedenfalls liegt mein ursprünglich angedachtes Preislimit in etwa bei 500 Euro. Und das wäre mit erweiterter Austattung wie z.B. Phasenkontrast ja wirklich etwas knapp...

Also, die bisherigen Vorschläge finde ich äußerst interessant. Jetzt muss ich mich noch im Einzelnen damit befassen. Ich habe auch heute erst einige PNs in meinem Postfach entdeckt, und bitte um Entschuldigung für's bisherige Nicht-Beantworten! Ich werde das ganz sicher noch nachholen. Allerdings komme ich manchmal tagelang nicht dazu, mich näher mit diesem Thema zu befassen, also bitte nicht böse sein, wenn ich noch etwas länger brauche...

Über jegliche Berichte und Tipps aus der Praxis oder sonstige Anregungen bin ich natürlich weiterhin dankbar! Die Frage zur Köhler'schen Beleuchtung z.B. ist für mich noch offen. Ich habe so im Hinterkopf, dass das "früher" einfach ein MUSS für ein Qualitätsmikroskop war. Aber ich habe nun auch schon durchaus etliche Top-Marken-Mikroskope ohne Köhler-Ausstattung gesehen. Gibt es da mittlerweile eine Entwicklung in der Technik, die das Köhlern entbehrlich macht?

Danke und viele Grüße!

Heike

Peter V.

#17
Hallo!

Ohne eine langatmige Diskussion anfachen zu wollen: Vergiss Köhler komplett!!! Köhlern ist für Routinemikroskopie parktsich unbedeutend und 90% der Mikroskopverwender sind eh nicht in der Lage, die Köhlersche Beleuchtung korrekt einzustellen. Und haben dafür auch gar keine Zeit im Alltag! Denn genau genommen muss für jedes Objektiv neu geköhlert werden. Und dr "gewinn" durch Köhlern ist für die Routinemikroskope völlig irrelevant!

Vermultich reicht wirklich ein ganz normales Hellfeldmikroskop mit einem 10- oder 20er, einem 40er und einem 100er Objektiv. In der Luxusvariante mit Phasenkontrast.
Jedenfalls dürfte das gebraucht mit etwas Glück auch um 500 EUR zu realisieren sein, ohne Phako sicher!

Und wenn Du den tatsächlichen "guten Zweck" nachweisen kannst, vielleicht findet sich ja sogar ein Händler, der bereit ist, ein solches Gebrauchtgerät einmal kostenlos durchzusehen? Denn natürlich sollte man ein z.B. bei ebay oder sonstwo gebrauchtes Mikroskop einmal überpüfen lassen, bevor es sich mit einer "Bald-Bruchstelle" auf die lange Reise in die Tropen macht.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Herbert Dietrich

#18
Hallo Heike,

wie ich der Diskusion entnehme, kommt in erster Linie ein robustes, solides Mikroskop in Betracht.
In meiner Sammlung habe ich zwei , drei Mikroskope von denen ich mich trennen könnte. Für Ihre Zwecke
halte ich davon das Leitz SM - LUX als besonders geeignet. Ausstattung Objektive alles original Leitz:
4/0.12 170/-, 10/0.25 170/-, 25/0.50 170/0.17, 40/0.65 170/0.17, 100/1.25 Oel 170/0.17
Tubus entweder Leitz Binokulartubus (beidseitige Dioprieneinstellung) mit Okularpaar Leitz Periplan NF 10x oder
Monokulartubus Leitz Okular Periplan GF 16x und Periplan 8xB
Tisch mit Objektführer mit tiefliegendem Trieb, höhenverstellbarer Kondensor mit Klapplinse, stufenlos dimmbare
Niedervoltlampe mit eingebautem Netzteil, Leuchtfeldblende.
Meine Preisvorstellung so um EURO 350.--  incl. 1000 Deckgläser und 500 Objektträger (mit Monotubus Euro 280.--)

Alternativ hätte ich noch ein Zeiss Standard RA mit Zeiss Lucigen Beleuchtung oder ein Zeiss Standard 14 mit
eingebauter dimmbarer Niedervoltleuchte. Bei beiden allerdings nur drei Zeiss-Objektive 3,2x, 10x und 40x.

Viele Gruße
Herbert Dietrich

Werner Jülich

Ein Mikroskop für die dritte Welt sollte so ausgestattet sein, dass es über ausreichend Leuchtmittel und ein robustes Netzteil verfügt.
Der Spannungskonstanter sollte nicht immer vorausgesetzt werden.
Wenn Sie also quasi historische Mikroskope für diesen Einsatzbereich anbieten möchten, liefern Sie einen Spiegel mit.
Werner Jülich

Herbert Dietrich

Hallo Herr Jülich,

ist das mit dem Spiegel ernst gemeint?
Wo es doch heute LED mit Batteriebetrieb gibt.

Gruß
Herbert

Werner Jülich

Wir schicken in diesem Jahr voraussichtlich zwei Techniker für 3 Wochen zum Serviceeinsatz in der dritten Welt. Voraussichtlich, denn die Randbedingungen müssen einen Einsatz rechtfertigen.
Wenn ich die Schadensmeldungen überfliege, dann sind ca. 50 Prozent defekte Beleuchtungen.
Leuchtmittel kann man tauschen, aber was ist mit den Steuerungen?
Wer ein uraltes Mikroskop verschenken möchte, der geht ja davon aus, dass dieses für eine längere Zeit funktionieren soll. Ich sehe da sowohl bei Leitz als auch bei Steindorff oder Zeiss Standard erhebliche Probleme, es sei denn, die Ersatzteilkits wären entsprechend voluminös.

Werner Jülich

Peter V.

#22
Hallo Herr Jülich,

Hmmmm.....an eine Spannungsquelle, die 6 V liefert, zu kommen, um ein Standard mit Leuchtrohr mit "Saft" zu versorgen, dürfte auch in der Ditten Welt kein absolutes Ding der Unmöglichkeit sein.
Anders sieht es natürlich bei den Standards mit eingebauter Halogenlampe aus.
100%ige Ausfallsicherheit gibt es zudem auch bei Primostars vermutlich nicht. Vermutlich ist der Spiegel ansonsten tatsächlich sogar unter vielen Umständen nicht die schlechteste Lösung!
Da die Spenderin nun aber ein Maximum von 500 EUR hat, können wir noch so lange diskutieren...ein Primostar werden auch Sie und Zeiss selbst ihr dafür vermutlich nicht verschaffen  ;)
Und ein vielleicht nicht 100% "optimales" Gerät ist immer noch besser als gar keines!
Ich bin auf jeden Fall  überzeugt, dass man für diesen Preis ein in jeder Hinsicht ( auch bezgl. Wartungsfreundlichkeit ) zumindest sinnvoll ausgestattetes Gerät für die Dritte Welt bekommt.
Die Frage ist ja auch tatsächlich, wohin genau so ein Mikroskop geliefert wird. Man sollte die Reparaturmöglichkeiten und die dazu notwendigen Fähigkeiten dortiger findiger Bastler gerade in solchen Ländern nicht unterschätzen - "reparieren" heißt dort bekanntlich nicht nur "Platine raus und wieder rein" wie leider zumeist in unserer Überflüß- und Wegwerfgesellschaft.
Ich glaube, dass z.B. kubanische KFZ-Mechaniker manchen deutschen Meister alt aussehen lassen würden.  

Herzliche Grüße
Peter

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Herbert Dietrich

Lieber Peter V.

Sie sprechen mir aus der Seele, so oder im gleichen Tenor wollte ich Herrn Jülich auch antworten.
Ich entnehme seinen Ausführungen mit der Entsendung von Technikern, dass es mit den modernen Geräten
doch auch Probleme gibt. Ob die historischen Mikroskope da nicht robuster sind sei dahingestellt.
Sonst wäre z.B. ein GFL mit Spiegel die vernünftigste Lösung oder LED mit Batteriebetrib.

Grüße

Herbert Dietrich

Werner Jülich

Ich möchte keine Kontroverse, ich wollte lediglich die Aussage Spiegel erläutern. Der geplante Serviceeinsatz betrifft überwiegend ältere Mikroskope, da sollte man sich nicht täuschen lassen.
Werner Jülich