HISTOLOGIE: Nervenzellganglion

Begonnen von Holger Adelmann, September 03, 2011, 18:29:57 NACHMITTAGS

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Holger Adelmann

Liebe Kollegen,

heute ergänze ich diesen Thread um Bilder zum sog. Hinterwurzel-Ganglion (engl: dorsal root ganglion) der Ratte.

Diese Ganglien sind paarig angelegt (jew. links und rechts) und befinden sich aussen an der Hinterseite des Rückenmarks, und zwar ein Paar in jedem Segment (Wirbel) und erscheinen dem Auge als Auftreibung/Verdickung der hinteren Nervenwurzel des Spinalnervs.

Das Hinterhorn erhält über die dorsale (rückwärtige) Wurzel des Spinalnervs sensible Informationen (Tastsinn, Schmerz, Kälte etc.) aus der Körperperipherie, wobei die Information im zwischengeschalteten Spinalganglion umgeschaltet wird. Diese sensiblen Informationen werden in Richtung Gehirn weitergeleitet, aber teils auch bereits im Rückenmark verarbeitet (Schutzreflexe, z.B. heisse Herdplatte !). Die Zellkörper der Neuronen des Spinalnervs liegen dabei ausserhalb des Rückenmarks in den Spinalganglien.
Dies steht im Unterschied zu den vorderen, motorischen Wurzeln der Spinalnerven: Die Zellkörper der motorischen Neuronen liegen im Rückenmark selbst - im motorischen Vorderhorn.

Siehe Schema (aus Wikipedia):


Im Schema sind nur die Nervenäste der linken Seite komplett dargestellt. Das Ganglion hat im Schema die Nummer 13.

Im Schnitt sieht man einige Strukturen, die typisch für das Nervensystem sind:
Das Ganglion ist mit einer recht derben bindegewebigen Scheide BS umgeben.
Die Nervenzellen selbst sind gegeneinander durch eine Schale aus sog. Mantelzellen (Ma = Mantelzellkerne) elektrisch isoliert.
Innerhalb der grossen Zellleiber der Neurone sieht man im Lichtmikroskop eine schollige Struktur, die sog. Nissl-Schollen (Nis). Das Elektronenmikroskop enthüllt diese Schollen als endoplasmatisches Retikulum und damit Ort umfangreicher Stoffsynthesen in der Zelle (z.B. Neurotransmitter - die chemischen Überträger der Erregung an den Synapsen).
An einer Stelle im Zellleib befinden sich allerdings keine Nissl-Schollen, das ist üblicherweise die Stelle, an dem die wegführende ("efferente") Nervenfaser - das Axon - den Zellkörper verlässt. Dieses oft dreieckige Gebiet wird daher auch als der "Axonhügel" (Ax) bezeichnet. Das gelbe Ax markiert sogar eine Stelle, wo ein Axon seinen Zellleib verlässt.
NF = Nervenfaser im Ganglion.
Auch die im Bild unter dem Ganglion zu sehenden Nervenfasern müssen ebenso wie Litzen in einem Stromkabel gegeneinander Isoliert werden, die übernimmt ebenfalls eine Art Mantelzelle, die die sog. Schwann'sche Scheide. Die lipidreiche Zellmembran der Schwann'schen Mantelzelle ("Myelinscheide")  ist mehrfach um das zentralen Axon (<-Ax->) gewickelt, man sieht diese multiplen Schichten aber nur im Elektronenmikroskop deutlich. Im Lichtmikroskop erscheint diese gewickelte Isolation als dichte Struktur: Iso
Die Zellkerne der Schwann'schen Scheide sind ebenfalls markiert (S).

Die Weiterleitung der elektrischen Erregung erfolgt in diesen gut isolierten Nervenfasern allerdings sprunghaft, sog. "saltatorisch", zwischen den jeweiligen Einschnürungen der Myelinscheide, das ermöglicht eine viel grössere Geschwindigkeit der Reizleitung.
Die Einschnürungen der Isolation werden nach dem Beschreiber als "Ranvier'sche Schürringe" bezeichnet. Ein schönes Exemplar eines solchen Schürrings (im Längsschnitt) ist auch im Schnitt zu sehen: Ranv (im Kreis).

Details zur Nervenreizleitung ebenfalls bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Erregungsleitung
Histologie im Elektronenmikroskop wie immer auf den tollen Seiten von Jastrow: http://www.uni-mainz.de/FB/Medizin/Anatomie/workshop/EM/EMGanglien.html

Dorsal root ganglion der Ratte, Semidünnschnitt 1 µm, Fixierung mit Glutaraldehyd in Cacodylatpuffer, Leitz Orthoplan, PL APO 63/1.40, Mosaik mit Moticam 2300, Image-Pro

Ein grosses Bild zum reinzoomen ist hier: http://www.fotos-hochladen.net/uploads/doralrootgangz1lmy2bp53.jpg

Viel Spass beim Anschauen & herzliche Grüsse
Holger
















Ronald Schulte

WOW, solche Bilder sieht man in kein Histologisches Buch, auch in die Gans teure Versionen nicht.
Das wird noch mühe kosten um das zu verbessern, einfach Supperrr Holger.

Grüße Ronald

ps in mein Antwort an Ludger Benning werde ich mal nach diesen Tread verweisen. Dann wird alles einfach klar.
Mikroskope:
Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Florian Stellmacher

Lieber Holger,

auch ich bin total begeistert!

Sind die großen Brocken Motoneurone?

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

purkinje

#3
@ Florian Stellmacher: wir sind ja im sensiblen "Schenkel", die Brocken sind die Ganglienzellen  ;)
@ Holger Adelmann: ist das eine Thionin/Nisslfärbung?- wunderschöne Semidünnschnitte!! :)
habe vor Jahren mal Hinterwurzelganglien des Menschen als Kryoschnitte  in situ hybridisiert, weiß also dass das Gewebe nicht so simpel zu bearbeiten ist.
Präparate zur Schmerzforschung oder just for fun angefertigt?

Roderich Römhild

Mir gefällt ja besonders der Ranvier-Schnürring! Ich habe noch nie einen Nerven so toll längs gesehen! Danke

Florian Stellmacher

Zitat@ Florian Stellmacher: wir sind ja im sensiblen "Schenkel", die Brocken sind die Ganglienzellen

... jetzt wo Du's sagst!  ;)
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Holger Adelmann

#6
Vielen Dank für das nette Feedback, Freunde.

@ Ronald: Ich habe mich heute früh, nach Fertigstellung des Bildes zur Ratten-Nebenniere, dazu entschlossen, einen Histologie Fotoband zu machen

@ Florian: Es handelt sich um die Zellkörper des sensiblen Systems, wobei die dickeren Zellen angeblich den Nervenbahnen des Tastsinnes zugeordnet sein sollen, während die kleineren Neurone nach verschiedenen Literaturangaben offensichtlich die hereinkommenden Schmerz- und Temperatursignale verarbeiten (diese werden ja auch auf morphologische verschiedenen Fasern geleitet)

@ purkinje: In der Tat: Das Material stammt aus der Schmerzforschung und ist equisit fixiert

@ Roderich: Mir gefällt die längsgeschnittene Nervenfaser mit Schnürring auch sehr gut, ich habe bei dem Erstellen des Foto-Mosaiks darauf geachtet, dass diese Struktur mit abgebildet ist

Herzliche Grüsse
Holger


Ronald Schulte

Holger,

So ein Idee habe ich auch im Kopf, es Professionell Drucken zu lassen, nur habe noch nicht genug Material und wer kauft sich hier so ein Atlas.
Holland ist RTL-Land und kein Histo-Land!
Habe für wenige Wochen her, nach Idee von Carsten Dittmayer, mal ein Bild auf A4 Format abdrucken lassen. In Hochglanz auf Fotopapier.
Fast nicht zu glauben, so schön wird das.

Grüße Ronald

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Leitz Orthoplan (DL, AL-Fluoreszenz und Diskussionseinrichtung).
Leica/Wild M715 Stereomikroskop.
Mikrotom:
LKB 2218 Historange Rotationsmikrotom.

Holger Adelmann

Lieber Ronald,

ich dachte eher an so ein Fotobuch, dass man selbst gestalten kann. Da gibt es auch Qualitätsunterschiede. Ich würde halt eine Version mit sehr gutem Druck wählen.
Das geht auch in ganz kleinen Auflagen.

Noch eine Ergänzung zum Post:
Aus dem wunderschönen gezeichneten Atlas der Histologie von Max Clara (Atlas der normalen mikroskopischen Anatomie, Clara, Herschel, Ferner, Urban & Schwarzenberg, heute Urban & Fischer, 1974) noch eine Schematische Darstellung der pseudounipolaren Ganglienzellen des von mir gezeigten dorsal root ganglion:
Pseudounipolaren Nervenzellen verfügen ebenfalls über zwei Fortsätze wie die bipolaren Nervenzellen. Während Axon und Dendrit bei den bipolaren Nervenzellen vom Ursprung in der Nervenzelle an getrennt sind, gehen diese bei pseudounipolaren Nervenzellen an ihren Mündungsstellen ineinander über. Man findet sie typischerweise bei den sensiblen Nervenzellen, deren Perikaryen (Zellkörper) in den Spinalganglien liegen. Die Fasern sind oft regelrecht um den Zellkörper gewickelt, ich meine das auch auf dem zweiten Bild mit dem Ursprung des Axons zu erkennen.
Die kleinen Zellkerne im Schema gehören wieder zu den isolierenden Mantelzellen.

Herzliche Grüsse
Holger




Ronald Schulte

Holger,

Sehr schönes Buch aber nicht mehr (oder schwer) zu bekommen habe ich mich schon gegoogled.
Hast du selbst dieses Buch?

Grüße Ronald
Mikroskope:
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rhamvossen

#10
Hallo Ronald,

Zitatund wer kauft sich hier so ein Atlas.

1 Käufer hast du schon, ich wurde sicherlich eins kaufen :)

ZitatHolland ist RTL-Land und kein Histo-Land!

;D. Soll das in Deutschland viel anders sein? ;)

Holger, das sind wirklich tolle Fotos. Beste Grüsse,

Rolf

Peter V.

Hallo!

Es ist heute wirklich kein Problem mehr, ein professionell gestaltetes Buch selbst produzieren zu lassen. Die "Fotobücher" stehen richtigen Büchern in nichts nach, die Druckqualität kann mit einfachen normalen Bildbänden auf jeden Fall mithalten. Es sind verschiedene Qualitätsstufen wählbar, entsprechend ist der Preis,  aber sicher auch nicht viel teurer als ein guter Bildband in Kleinauflage.

Wie wäre es denn mit einem "Adelmann, Dittmayer, Schulte"?

Herzliche Grüße
Peter
Ich benutze in der Regel das generische Maskulinum. Selbstverständlich sind darin alle aktuell 72 Geschlechter mit inkludiert.

Holger Adelmann

Tolle Idee, Peter. Mit mir gerne machbar.
Zeitrahmen waere dann die naechste Kornrade?  ;)

Ronald, CaDi, nehmen wir die Challenge fuer so ein Projekt an?

Herzliche Gruesse
Holger

Fahrenheit

Lieber Holger,

danke für den tollen Beitrag! Sehr informativ und wieder bestens bebildert!
Ob ich da wohl mit einem Artikel für unsere MKB - Seite rechnen darf?

Schön, dass Ihr die Idee mit dem Photobuch aufgegriffen habt! Ich würde auch eines nehmen!

Lieber Ronald,

mit dem Carla hatte ich vor 6 oder 8 Wochen Glück. Es gab mehrere gebrauchte Exemplare und ich habe eines für rund 18:00 Euro bekommen, das bis auf zwei kleine Flecken auf dem Leineneinband einwandfrei ist. Schau immer mal wieder rein, da gibt es sicher immer mal wieder ein Angebot.

Herzliche Grüße
Jörg 
Hier geht's zur Vorstellung: Klick !
Und hier zur Webseite des MKB: Klick !

Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Ronald Schulte

@Holger,

Fotobuch Idee springe ich gerne rein. Mal sehen ob Carsten auch noch reagiert. Er Studiert ja noch und hat immer wenig Zeit natürlich aber wir werden sehen.
Ich maile ihm mal.

@Jörg,
Es ist noch nicht 100% aber Freitag weis ich ob ich das Buch auch bekomme. Ein Lieber Forums-Mitglied macht sich jetzt mühe für mich.

Grüße Ronald
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