Autor Thema: METALLURGIE/ARCHÄOLOGIE: Kupferverhüttung im Mittelalter  (Gelesen 10378 mal)

micromax

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Re: METALLURGIE/ARCHÄOLOGIE: Kupferverhüttung im Mittelalter
« Antwort #15 am: November 14, 2011, 11:08:28 Vormittag »
Liebe Kollegen,

danke für die schönen und informativen Dünn- und Anschliffbilder. Vor allem Bilder bei denen die einzelnen Phasen genau mit einem Kürzel bezeichnet sind finde ich sehr informativ.

Meine Frage:
gibt es eine offizielle Liste von Abkürzungen für Mineralien die man dafür verwenden kann?

vielen Dank und beste Grüße
Thomas

Bastian

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Re: METALLURGIE/ARCHÄOLOGIE: Kupferverhüttung im Mittelalter
« Antwort #16 am: November 14, 2011, 11:33:10 Vormittag »
@ Hugo,
mmh Ofensauen, ein weiteres Lieblingsthema!! Die kannst Du eigentlich nur im Anschliff bearbeiten, da die einen sehr hohen Anteil metallischer, d.h. opaker Phasen haben. Sollte eigentlich nicht bröckelig sein, es sei denn es beginnt zu korrodieren, oder ist es Schlacke? Ist es magnetisch? Wenn es zu sehr bröselt musst du eben einbetten und das Ganze evakuieren, so dass das Kunstharz in der Zwischenräume penetriert...

Ist ein absolut verrücktes, hochkomplexes und daher hochspannendes Thema. Ja nachdem was hergestellt werden sollte findest du da eine Menge Nickel, Kobalt, Phoshide (z.B. bei der Eisenverhüttung) oder Arsenide/Antimonide (bei der Buntmetallverhüttung). Wenn du da einen Brocken über hast, wäre ich neugierig auf eine Probe für meine Vergleichssammlung. Da wäre es dann aber sinnvoll noch etwas über Fundumstände u. dgl. zu erfahren.. (:

@Thomas,
ja die Holzkohlenreste sind z.T. sehr stark reflektierend, aber nicht immer. Es sind Bestandteile der Ofencharge, also Brennmaterial auf der einen Seite, haben aber ganz gewaltige Nebenwirkungen, nämlich dergestalt, dass das aktive Reduktionsmittel das Kohlenmonoxid ist. Ohne CO geht beim Altmetall gar nix. Ist ja auch das Entscheidende beim Rennfeuer, die ja eine Gas-Feststoffreaktion ist. Rennen tut nämlich nur die Schlacke. Wenn das Eisen rennt ist es ein Floss/Flussofenprozess (=früher Hochofen) oder eben ein Hochofen, und dann ist das ja auch genau genommen Gusseisen, heisst mit 4-6 Gew% C...
@ Micromax,
ja die gibt es. Ich habe die hier verwendet:
Whitney, D. & Evans, B. 2010. Abbreviations for names of rock-forming minerals. American Mineralogist 95, 185– 187.
Wenn du eine Kopie für deinen privaten Gebrauch und/oder Review/Lehre benötigst kannst Du Dich ja mal per PM melden...
Aber den American Mineralogist gibt es auch frei im Netz, ich habe nur vergessen bis zu welchem Jahrgang. Bis 2008 habe ich hier sogar den Link:
http://rruff.geo.arizona.edu/doclib/am/
« Letzte Änderung: November 14, 2011, 12:29:21 Nachmittag von Bastian »

micromax

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Re: METALLURGIE/ARCHÄOLOGIE: Kupferverhüttung im Mittelalter
« Antwort #17 am: November 14, 2011, 12:18:17 Nachmittag »
Hallo Bastian,

danke für den Hinweis.
Die Veröffentlichung läßt sich hier herunterladen:

http://www.minsocam.org/msa/ammin/TOC/2010/Jan10.html

Grüße
Thomas

olaf.med

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Re: METALLURGIE/ARCHÄOLOGIE: Kupferverhüttung im Mittelalter
« Antwort #18 am: November 14, 2011, 12:45:51 Nachmittag »
Lieber Bastian,

herzlichen Dank für Deinen hochinformativen Beitrag über ein ganz spannendes Thema.

Da darin auch eine Diskussion über Auflichtmikroskopie begonnen wurde, möchte ich noch ergänzen, daß die Auflichtmikroskopie in vielen technischen Bereichen eine viel größere  Bedeutung hat als die Durchlichtmikroskopie, selbst wenn transparente Phasen vorliegen. Der Grund ist, daß man im Auflicht bis an die theoretische Auflösungsgrenze der Lichtmikroskopie kommt, was im Durchlicht nicht möglich ist, da man immer eine Summeninformation aller durchstrahlten Phasen bekommt, also bei einem  Standard-Dünnschliff über 25-30 µm Dicke. Beim Auflicht erhält man, außer den oft störenden Innenreflexe, lediglich die Information von der polierten Oberfläche. So können auch sehr feinkörnige Stoffe, wie z.B. Keramiken oder Bindemittel bei Baustoffen, mikroskopiert werden.

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Bastian

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Re: METALLURGIE/ARCHÄOLOGIE: Kupferverhüttung im Mittelalter
« Antwort #19 am: November 14, 2011, 14:03:41 Nachmittag »
Hallo,
Thomas, danke für den Link, da werden sich ja bestimmt noch ein paar Kollegen daran freuen. Ich habe die Liste ja.
Olaf, danke für dein Feedback, und für die Klarstellung bezüglich der Auflichtmikroskopie und deren Auflösungsgrenze im Vergleich zum Durchlicgt, daran habe ich noch nie gedacht. Ist aber so wie Du das schreibst völlig einleuchtend. Das liegt aber eben auch daran dass ich mit Durchlicht noch nicht so viel zu tun hatte. Ich habe hier einige Dünnschliffe von mittelalterlichen Gusstiegeln liegen. Im AL kann ich die ganz gut charakterisieren, aber im DL sieht das schon alles ganz anders aus....  ;).
Wo Du die AL Mikroskopie im technischen Bereich ansprichst, ich werde wohl demnächst mal einige Schmelztiegel im Auflicht zeigen, wenn es interessiert.

Bastian