Autor Thema: Erzmikroskopie: Charrier  (Gelesen 4554 mal)

Stefan_O

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Erzmikroskopie: Charrier
« am: November 15, 2011, 18:46:29 Nachmittag »
Hallo Zusammen,

weil es so schön ist, möchte ich es auch hier im Forum posten. Anbei Fotos von einer Probe aus Charrier, einer Zink-, Kupfer-, Zinn- und Silbermine in Allier/Frankreich, geschlossen 1954. Neben dieser bunten Mischung kommen Bismuth und einige Bismuthmineralien vor. Zudem ist Charrier die Typlokalität von Roquesit, d.h. Roquesit wurde dort entdeckt. Roquesit ist deshalb so interessant, da es das erste indiumhaltige Mineral war, welches je gefunden wurde, und weil es das erste von der IMA zugelassene Mineral war (IMA1962-001). (Damit eigentlich das erste Mineral überhaupt, je nach dem, ob man die IMA mag oder nicht. Wir schreiben das Jahr 49 n. IMA  :D)

Die Fotos habe ich von einem Anschliff für eine REM Untersuchung gemacht, daher ist die Politur nicht die beste.

In der Übersicht: Zinkblende (Sphalerit, grau) und Kupferkies (Chalcopyrit, gelb); Nic //, Obj. 20x, air, 100 um Skala


Ccp: Chalcopyrit, Sph: Sphalerit, Wit: Wittichenit, Roq: Roquesit. Roquesit ist per REM/EDX bestätigt, Wittichenit nicht ganz, es könnte auch Emplectit sein, der die gleichen Elemente (Kupfer, Bismuth, Schwefel) besitzt, aber in anderem Verhältnis. Da Roquesit häufig mit Wittichenit zusammen vorkommt, habe ich es mal so beschriftet.
Nic //, Obj. 125x, Öl


Und zum Schluss noch eines: dort sieht man sehr schön, das der Kupferkies stellenweise sehr fein in der Zinkblende verteilt ist. In der Aufarbeitung verursacht das ziemliche Probleme, daher nennt man das "copper disease", die Kupfer-Krankheit. Nic //, Obj. 50x, 50 um Skala:


Wie man sieht, habe ich den fiesen rosa Hintergrund halbwegs in den Griff bekommen. Allerdings mehr durch Zufall und durch Holgers Hilfe als durch Einsicht und Können.

Liebe Grüsse,
Stefan
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 06:17:13 Vormittag von Stefan_O »

Stefan_O

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Re: Erzmikroskopie: Charrier
« Antwort #1 am: November 15, 2011, 19:20:54 Nachmittag »
Als Nachtrag hier noch ein externer Link zu einer gescannten Postkarte der Mine aus dem Jahr 1940:



Sehr schön, dass sich jemand die Mühe macht, soetwas zur Verfügung zu stellen!

Heute finden sich nur noch sehr wenige Rest der Mine. Die kleinen Halden sind überwachsen, der Förderturm ist verschwunden. Nur ein mit Patronenhülsen übersäter Hügel mit den feinen, sandartigen Rückständen der Aufarbeitung zeugt noch um Umfang der Arbeiten dort.

Gruss,
Stefan
« Letzte Änderung: Mai 11, 2012, 20:51:49 Nachmittag von Stefan_O »

Bastian

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Re: Erzmikroskopie: Charrier
« Antwort #2 am: November 15, 2011, 20:37:23 Nachmittag »
Stefan,
sehr schöne Sachen zeigst Du uns da, und finde es klasse, dass es jetzt nach und nach mehr Materialbeschau gibt. Dass Du den Roquesit gefunden hast, finde ich cool. Ich habe schon etliche Proben durch mikroskopiert und nur selten das Glück etwas außerordentliches zu finden. Naja, vielleicht sollte ich öfter in Bergwerke einfahren, im Schwarzwald gäbe es ja genug davon. Und auch mit ausgefalleneren Erzmineralen.. Ist ja nicht so leicht, ein eher seltenes Erzmineral in einer Probe zu finden, besonders wenn die Mine ausgebeutet ist.-
Welche Wismutgehalte hat das Fördererz denn gehabt?  Ist das eine hydrothermale Lagerstätte?

Wie sehen denn die REM Daten aus? Sogar bei der halbquantitativen EDX müsste doch heraus kommen ob das Masseverhältnis  Cu:Bi in etwa 1:1  (Wittichenit Cu3BiS3) oder aber bei 1:3 (Emplektit CuBiS2) ist? Kannst Du mal in deinen Daten nach sehen? Entschuldige bitte meine Neugier, aber das Auswerten von REM/EPMA Daten und der Vergleich mit den optischen Mikrographien gehört zu meiner favorisierten Beschäftigung.

Grüße,
Bastian

Stefan_O

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Re: Erzmikroskopie: Charrier
« Antwort #3 am: November 15, 2011, 21:22:12 Nachmittag »
Hallo Bastian,

Roquesit ist gar nicht mal so selten dort. Über den Wismutgehalt kann ich dir nichts sagen - es gibt eigentlich kaum Infos über diese Mine, mit Ausnahme der paar Zeilen im Artikel, der den Roquesit beschreibt (Bull Soc franc Miner Crist 86 (1963) 7-14). Ein paar Kilometer weiter gibt es eine ähnliche Lagerstätte - Les Clochettes, die in einer kleinen Mine abgebaut wurde und die noch zugänglich ist. Die Charrier-Lagerstätte ist komplex, zu komplex und zu schlecht beschrieben, als dass ich sie verstehen würde. Stockwerk am Rande einer Granit-Intrusion, metamorph überprägt? Les Clochettes enthält gediegen Wismut in 5 mm Flocken. Fotos finden sich hier: http://www.uranglasuren.com/ores/styled-10/index.html. Es war der zweite Ort, an dem Roquesit gefunden wurde, dass war mir aber nicht vergönnt.

Beim EDX liegt der Bi-Peak fast komplett im S-Peak, von daher ist es schwierig zu sagen. Die Original-Publikation spricht von Wittichenit als Assoziation. Die REM-EDX ist ein Service, den ein Freund hin und wieder kostenlos für mich macht. Ohne die Vorbestimmung würde ich im Erzmikroskop manches überhaupt nicht sehen (z.B. Heazlewoodit in Pentlandit) und ich lerne so, die selterenen Sachen zu bestimmen. Das Erzmikroskop stösst dann doch schnell an seine Grenzen. Ich habe gutes Erz aus der Borgofranco Mine (http://www.mindat.org/loc-125521.html) - ein aussichtsloses Unterfangen. Ähnliches gilt für diverse Fundstellen im Schwarzwald.

Gruss,
Stefan

« Letzte Änderung: November 15, 2011, 21:27:08 Nachmittag von Stefan_O »

Bastian

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Re: Erzmikroskopie: Charrier
« Antwort #4 am: November 15, 2011, 21:46:23 Nachmittag »
Hallo Stefan,
Beim EDX liegt der Bi-Peak fast komplett im S-Peak, von daher ist es schwierig zu sagen. Die Original-Publikation spricht von Wittichenit als Assoziation.
Nicht zu vergessen dass da auch noch direkt ein Blei- und Arsen- Peak liegen. Ok, mit dem Bi Peak  hast Du mich erwischt, da ich bisher nur als Spuren und dann in der RFA zu tun hatte.- Es könnte also auch eine Menge anderes sein, wie sieht es mit Wismutfahlerz oder Bouornonit aus, die man optisch ja durchaus damit verwechseln kann und die auch in oft schon verwechselt wurden... :-\

Ich mache das aber genau anders herum: ich charakterisiere den Schliff (Erz, Schlacke, usw) mit dem Erzmikroskop, denn das steht zu Hause und frisst kaum Brot, und wenn ich genügend Beobachtungen und Hypothesen beisammen habe kommt es ins REM oder besser in die Mikrosonde, denn da kann ich *erheblich* genauer messen. Bei der EDX Sache kommt es aber eben auch immer auf die Erfahrung des Operators an, wie ich finde. Da kann man eine Menge machen, wenn man die Phasen/Minerale vorher schon so genau wie möglich beschrieben hat. Das ist zwar mühselige Arbeit, aber ich finde man kann die Zusammenhänge zwischen Auflichtbeobachtungen und chemischer-Zusammensetzung -> mineralogischer Klassifizierung gut mit einander verbinden. 

Das Erzmikroskop stösst dann doch schnell an seine Grenzen.

Ich weiss nicht so recht. ICH stoße recht schnell an meine Grenzen, ob das am Erzmikroskop liegt kann ich nicht sagen. Wenn ich an die Altvorderen denke, bin ich mir sehr sicher dass es noch ein gutes Stück Weg gibt das noch vor mir liegt :D und ich freu mich darauf. 

Zitat
Ich habe gutes Erz aus der Borgofranco Mine (http://www.mindat.org/loc-125521.html) - ein aussichtsloses Unterfangen.
Wenn Du mal nicht weisst wohin mit einen kleinen Stück dieses Erzes, würde ich es Dir abnehmen. Scheint ja eine Menge Fahlerz drin zu sein. Das finde ich extrem spannend. Gerne auch im Tausch...

Glückauf,
Bastian

Udo Maerz

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Re: Erzmikroskopie: Charrier
« Antwort #5 am: November 16, 2011, 14:14:34 Nachmittag »
Hallo Stefan,

die Fotos deiner Anschliffe inclusive Erläuterungen sind einfach große Klasse. So gute Erzmikroskopieaufnahmen sind im Netz recht selten zu sehen.

Den Zugang zu vielen weiteren tollen Fotos auf deiner Internetseite habe ich allerdings ehr zufällig in einer Rubrik gefunden, in die ich nicht so regelmäßig reinschaue: Mikro know how --> Erzmikroskopie: Dickschliffe selber herstellen. Ebenfalls eine tolle Gebrauchsanweisung.

mit (neidischen) Grüßen
Udo Maerz