Sciadopitys - meine offenen Fragen zu einem botanischen Unikum *

Begonnen von Omaruru, November 24, 2011, 10:36:32 VORMITTAG

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HDD

Hallo und einen herzlichen Gruß in die Runde

Es war für mich ein Genuss diesen hervorragenden Bericht zu lesen.
Ich werde Ihn archivieren. Solche informativen Beiträge beleben das
Hobby doch immens und regen die grauen Zellen an. ;)
Leider gibt es davon zu wenig, da bin ich der gleichen Meinung wie
Leopold.

Viele Grüße

Horst-Dieter

Fahrenheit

#31
Liebe Freunde,

vielleicht auch noch interessant: in einem Parallelthread habe ich Schnitte der Gewöhnlichen Jungfernrebe gezeigt. Der Spross ist übersät mit Raphidenbündeln, die teils senkrecht und hauptsächlich in den Markstrahlen auch quer zur Schnittrichtung liegen.
Die Pflanze hat ein wenig Pech gehabt: der Samen ist direkt am Fuß eines Torpfostens gelandet, den wir schön einzementiert haben. Dazu gibt es noch Beton-Randsteine und Gehwegplatten. Ein Calciummangel dürfte also nicht zu beklagen sein.  ;D
Die Probe habe ich vor zwei Wochen genommen, als die Pflanze die Blätter bereits abgeworfen hatte. Neben der hohen Anzahl an Raphidenbündeln fällt auch auf, dass in quasi allen Parenchymzellen Amyloplasten eingelagert sind.

Nun wage ich mal einen Interpretationsversuch: da die Blätter bereits abgeworfen wurden, befindet sich die Pflanze im Ruhezustand. Nährstoffe für den nächsten Austrieb hat sie in Form von Stärke als Amyloplasten in den Parenchymzellen eingelagert. Die Stoffwechselaktivitäten dürften auf ein gewisses Mindestmaß heruntergefahren sein. Da es nun auch noch ein mehr als reichliches Calciumangebot am Standort gibt, ist ein hoher Anteil an Zellen mit Calciumkristallen naheliegend, wenn man annimmt, dass die Pflanze überflüssiges Calcium als Oxalat bindet. Dabei mag auch ein gewisser Trockenstress eine Rolle spielen, es hat ja wochenlang nicht geregnet und wir haben auch nicht gegossen.
Aber warum ausgerechnet in Raphiden, die noch dazu aufwändig verpackt sind - die Bündel sind in einer Art Hülle (die Astrablau sehr gut annimmt und daher blauschwarz erscheint) in der Zelle regelrecht aufgehangen (siehe Bilder 2a/c, 3a, 5a und 9 im oben verlinkten Thread. Das sieht schon nach einer zweckbestimmten Struktur aus und eventuell sind die jüngeren, stärkereichen Sprosse im Winter auch für größere Pflanzenfresser ein lohnendes Ziel.
Andererseits kommt mir da immer wieder die Kiwi in den Sinn: das grüne Fruchtfleisch ist ebenfalls voll mit Raphidenbündeln - was uns aber nicht davon abhält, sie in durchaus größeren Mengen zu essen, wenn die Schale erst mal überwunden ist.  ;D

Fazit: ich kann das Rätsel nicht lösen. Es gibt eine Reihe von Argumenten, die für aber auch gegen die beiden Möglichkeiten sprechen - aber aus meiner Sicht kein schlagendes Argument, das die Frage nach der einen oder anderen Seite entscheidet. Eventuell gibt es eine Doppelfunktion und die unterschiedlichen Kristallformen haben in der Entwicklungsgeschichte tatsächlich einmal als wirksamer Fraßschutz gedient? Ich könnte mir zumindest vorstellen, dass Insekten mit kauenden Mundwerkzeugen Probleme mit den Raphidenbündeln bekommen.

Herzliche Grüße
Jörg

p.s.
Ich werde nächsten Sommer noch mal einen Spross schneiden und schauen, ob sich an der Anzahl der Raphidenbündel etwas geändert hat und in wie weit die Amyloplasten abgebaut wurden.
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Omaruru

#32
Hallo zusammen,

also erst einmal an Jürgen H.:
Ich weiß nicht wo wir uns falsch verstanden haben. Selbstverständlich würde eine Zunahme der Kristalle oder Kristallgröße die Exkretionstheorie stützen - das ist aber auch bei den länger lebenden Parenchymzellen nicht der Fall.

Guten Morgen Jörg,
deine Interpretation ist in Bezug auf Zucker oder osmotisch weniger wirksamer Stärke natürlich richtig. Die Pflanze versucht ja vor dem Laubwurf alles wertvolle Material aus dem zukünftigen Kompost zu retten - deshalb auch die Laubfärbung im Herbst und besonders schön bei deinem Objekt. Selbst das Magnesium aus dem Chlorophyll, das dieses so schön grün macht wird anderweitig gebunkert, so daß sich die Blattfarbe in Gelb oder Rot ändert.

Raphiden ?! wieder so eine Laune von Mutter Natur.
Die Verpackung ist einfach erklärt - es sind Kristallidioblasten - also lebende Zellen in einem Parenchym aber mit einer Sonderaufgabe, die in ihrer Vakuole Kristalle bunkern (Einkristalle, Drusen, Kristallnadeln gebündelt als Raphiden bekannt).
Die Kristallographie der Kristallnadeln würde ich gerne auch an Olaf abgeben. Da fällt mir absolut nichts dazu ein.
Raphiden als Abwehr größerer Pflanzenfresser sicher Fehlanzeige. Schaut euch mal an mit welcher gelassenheit Giraffen die dornigsten Akazienzweige fressen oder ein Nashorn locker vom Nashorngras (Sansevieria desertii cf S. cylindrica) nascht, womit wir wieder bei den Raphiden wären.
Diese kristallisieren anscheinend frei schwebend in der Vakuole - was ich sonst noch nirgendwo gesehen habe, Kristalnnadeln in Büscheln von einem zentralen Kristallisationszentum ausgehend schon, ob in Pflanzen (Siehe Thema Hipuris von Ralf) oder Mineralogisch - ohne daß ich jemals einen an der Membran sitzenden Kristallisationskeim gesehen hätte wie das bei Kristalldrusen schon mal der Fall ist.
Das hilft aber alles bei der Exkretionstheorie nicht weiter. Die Raphiden Bündel werden mit der Zeit weder dicker noch dünner und die Zahl steigt bestenfalls im Rahmen sekundären Dickenwachstums, aber nicht so, daß alle parenchymatischen Zellen zu Idioblasten mutieren würden.

Das fürs erste heute

und herzliche Grüße

Klaus


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      Jack Horner

Detlef Kramer

Lieber Jörg,
ZitatAber warum ausgerechnet in Raphiden, die noch dazu aufwändig verpackt sind - die Bündel sind in einer Art Hülle (die Astrablau sehr gut annimmt und daher blauschwarz erscheint) in der Zelle regelrecht aufgehangen (siehe Bilder 2a/c, 3a, 5a und 9 im oben verlinkten Thread.

Das hängt möglicherweise mit der Entstehung der Kristalle zusammen. Die bilden sich nämlich nicht freischwebend in der Vakuole, sondern in Zisternen des endoplasmatischen Retikulums, die dann mit dem Tonoplasten verschmelzen. Dies ist sehr schön dargestellt entweder im Ledbetter & Porter oder dem Gunning & Steer (diese Info speziell an Klaus); ich habe beide Bücher nicht zu hause. Die "Aufhängung" könnte ein osmotischer Artefakt sein: Hecht'sche Fäden. Ein wenig spekulativ, muss ich zugeben.

Herzliche Grüße
Detlef
Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

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Omaruru

Hallo Detlef und vielen Dank.
Das kannte ich noch nicht, werde ich mir aber bei Gelegenheit ansehen.

Klaus
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      Jack Horner

Fahrenheit

#35
Lieber Detlef,

mit den Hechtschen Fäden hast Du wohl recht. Ich habe noch mal meine Bilder und Präparate der Jungfernrebe verglichen und ein wenig in meiner Literatur geschmökert: eine echte strukturelle Aufhängung halte ich nun auch für unwahrscheinlich.

Lieber Klaus,

wegen der Caliumoxalatkristalle habe ich mir noch einmal die Sciadopitis-Threads hier im Forum angesehen:

von Carpe Diem, ältere Phyllokladien mit vielen Astrosklereiden
von Frank Fox, ganz junge Phyllokladien, auch mit Bildern von Klaus
von Regi, auch ältere Phyllokladien
ein einzelner Astrosklereid von Jonathan
einer meiner ersten Versuche hier im Forum
und noch ein Anlauf von mir, beide Male ältere Phyllokladien
Ich hoffe, ich habe keinen Thread übersehen.

Dabei fällt mir auf, dass die extrazellularen Kristalle nicht immer zu finden sind. Vorzugsweise scheinen die jüngeren Phyllokladien kristallfrei zu sein, während in den Schnitten der älteren Exemplare mehr oder weniger gut Kristallansätze zu erkennen sind.
Die Phyllokladien bleiben ja etwa 4 Jahre am Spross und fallen dann ab. Aus meiner Sicht deutet das eher auf die "Entsorgungs-Theorie" hin, da die jungen - für eventuelle Fressfeinde sicher attraktiveren - Phyllokladien ungeschützt sind. Gibt es eventuell noch einen dritten Erklärungsansatz?

Liebe Pflanzenfreunde,

auch interessant: die Astrosklereiden treten ebenfalls nur in den älteren Phyllokladien auf. Um zu Klaus' zweiter Ausgangsfrage zurück zu kommen: warum ist das so? Welche Funktion haben diese Sklereiden? Für eine wirkungsvolle Stützfunktion sollten sie auf beiden Seiten in die dichteren Gewebe am Rand (Palisadenparenchym) und/oder um die Leitbündel hinein ragen, was oft nicht der Fall ist. Andererseits zeigen die REM Aufnahmen von Klaus und die vielen hier schon veröffentlichten Schnitte schön, dass das Durchlüftungsparenchym sehr locker ist, eine Stütze also Sinn machen würde.

Und dann möchte ich noch eine dritte Frage aufwerfen: was hat es mit der Haarleiste auf der Unterseite der Phyllokladien auf sich? Nur zwischen diesen Haaren finden sich Stomata, was normalerweise als Verdunstungsschutz interpretiert wird, also auf eine Anpassung an eher ariden Standorte hindeutet.
Die Heimat der Schirmtanne findet sich aber in Japanischen Nebelwäldern mittlerer Höhenlage zwischen 500 und 1000 Meter (Wikipedia) - also in einer feuchten Umgebung.
Kommt hier eine Wasseraufnahme durch die Stomata in Frage? Im Nebel bildet sich mit Sicherheit Kondenswasser an den Haaren.

Allen herzliche Grüße
Jörg
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Omaruru

#36
Hallo Jörg,

danke für die Links, ich habe sie schon mal überflogen und bin auf faszinierende Bilder gestoßen. Die werde ich mir alle noch im Detail reinziehen.

Vorab schon mal einige Punkte:
Die Kristalle ebenso wie die Sklereiden bilden sich erst im Verlauf des Wachstums, d.h. könnten also bei ganz jungen Phyllokladien - ich sag der Bequemlichkeit jetzt einfach Nadeln - bestenfalls in Ansätzen nachgewiesen werden. Interessant wäre in diesem Zusammenhang eine Entwicklungsreihe bei der in entsprechenden Zeitabständen bis zur Ausreifung der Nadel - ganz am Anfang der Entwicklung in kürzeren Abständen - Proben genommen und verglichen werden. Die Sklereiden dürften am Anfang kaum von parenchymatischen Zellen zu unterscheiden sein.
Die Kristallbildung extrazellulär war eine Provokation meinerseits. Wie ich schon gesagt hatte kann ich mir eine so perfekte Kristallisation nur in flüssigem Medium vorstellen. Also in einer noch gefluteten zukünftigen Interzellulare oder zwischen der auseinanderweichenden Mittellamelle und der sich entwickelnden Sekundärwand.

Daß beim Laubwurf Verluste auftreten ist klar aber ob das alles Entsorgung ist? Manche Baustoffe können nicht auf die schnelle resorbiert werden wie das Magnesium aus den Chloroplasten. Was herunterfällt wird allerdings mikrobiologisch aufbereitet und dient der Pflanze wieder als Nahrung ! Also bestenfalls externes Recycling weil sonst würden ja die Stoffen im Boden gleich wieder für eine Überlastung des Organismus führen. Soweit zu den Optimierungsbemühungen von "Mutter Natur". => Kristalle in abgeworfenen Nadeln ???

Bei fixierten Präparaten sollten deutliche Unterschiede im Kristallbesatz, je nachdem es sich um Calzit oder Oxalat handelt, zu finden sein, falls es sich um Calzit handelt - der würde von der Säure aufgelöst. Erstaunlich ist, daß die Kristallisation vor oder während des Sekundärwandbaues statt findet, da auch in der Transmission keine Dehnungsphänomene durch wachsende Kristalle in der organischen sekundären Zellwand zu entdecken sind. Die grenzen sind scharfkanntig, falls nicht schräg angeschnitten.

Junge Phyllokladien ungeschützt ? Gute Frage, aber es ist klar daß weder Kristalle noch Sklereiden gegen größere Fressfeinde wirksam sind. Deswegen meine Frage nach minierenden Insektenlarven, die ich noch nicht beantworten kann. Hier sollten die Größenverhältnisse stimmen und die Mundwerkzeuge an den Kristallen deutlich zum knirschen kommen und die Fortbewegung durch die Sklereiden behindert sein.

Der Stützfunktion dürfte durch die Querschotten die oft abwechselnd halbseitig eingebaut sind, wie in einigen Querschnitten und meim REM Längsschnitt zu sehen ist, genüge getan sein.

Die xeromorphe Struktur der Nadeln macht auch Sinn in einem Nebelwald, weil der Nebel meist nicht den ganzen Tag hält und in den sonnigen und lufttrockenen Zeiten die Spalten die ganze Zeit geöffnet bleiben können und so die maximale Photosynthesekapazität genutzt werden kann.

Wasseraufnahme schließe ich aus, weil
1. der Wassernachschub aus dem Boden in einem Nebelwald kaum gefährdet ist.
2. Selbst wenn wir annehmen, daß das niedergeschlagene - eher nicht kondensierte, sonst müßte die Nadel kälter als die Umgebung sein - Wasser aus dem Nebel nach unten vor diese Rinne fließt, sollte die Dichte der Papillen und ihre Wachsstruktur zusammen mit der Oberflächenspannung des Wassers genau dieses verhindern.
Worüber ich mir schon öfters Gedanken gemacht habe ist die Frage ob nicht Hydathoden bei Sukkulenten - bei Crassulaceen recht häufig - diese Funktion mit übernehmen ???

Klaus
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      Jack Horner

Fahrenheit

Lieber Klaus,

danke für Deine Erläuterungen. Ich bin mal gespannt, ob es zu den Astrosklereiden noch Ideen gibt.

Salopp gesprochen: das mit dem Laubabwurf war nicht in die Richtung rein mit den Kristallen und dann weg damit gedacht sondern eher: die "Nadeln" haben eine begrenzte Lebensdauer, es macht also nichts, den "Abfall" - so es denn welcher ist - extrazellular abzulagern, denn bevor die Kristalle das Schwammparenchym verstopfen und nennenswert den Stoffaustausch behindern, wird die Nadel eh abgeworfen. 

Herzliche Grüße
Jörg
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olaf.med

Hallo Klaus und Jörg,

kurz zwischen Tür und Angel etwas zu den Kristallen aus mineralogischer Sicht (der Rest des Threads spielt sich sowieso weit oberhalb meines fachspezifisch begrenzten Horizonts ab).

Leider habe ich von Euch noch keine Information über die Grööße der Kristalle erhalten und auf den REM-Aufnahmen fehlt der Maßstab. Wenn die Dinger groß genug sind (oder sich zu ausreichender Quantität anreichern lassen) ist eine eindeutige röntgenographische Identifikation leicht möglich. Ansonsten ist man auf Indizien angewiesen. Dazu ist die Kristallmorphologie ganz hilfreich. Bei der Betrachtung der Bilder dachte ich spontan an Rhomboeder als auftrtende Kristallform, und das würde dann auf Calcit hinweisen, aber je länger ich sie betrachtete um so größer wurden meine Zweifel. Speziell die Zwillingsbildung, die mit geschultem Auge an den allermeisten Individuen erkennbar sind, passen eigentlich weder zu Calcit noch zu Whewellit. Genaue Winkelmessung am REM - und das geht ganz gut - würden hier sehr helfen, aber das muß  man dann in speziellen Orientierungen machen.

Dazu, wenn gewünscht, später mehr, aber nun bin ich erst mal weg und bis Dienstag offline.

Gruß, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

treinisch

Zitat von: Omaruru in November 28, 2011, 11:19:23 VORMITTAG
Die Kristallbildung extrazellulär war eine Provokation meinerseits. Wie ich schon gesagt hatte kann ich mir eine so perfekte Kristallisation nur in flüssigem Medium vorstellen. Also in einer noch gefluteten zukünftigen Interzellulare oder zwischen der auseinanderweichenden Mittellamelle und der sich entwickelnden Sekundärwand.

Hallo Klaus,

ohne mich in die biologische Dimension einbringen zu können, eine kleine Anmerkung:
In einer Wasserdampf gesättigten Atmosphäre ist ein Kristall der an einer Stelle Kontakt zu einer Flüssigkeit hat ja vollständig mit einem gleichmäßigen
Flüssigkeitsfilm überzogen (jedenfalls, wenn die Flüssigkeit wässrig ist :-) )

Solch gleichmäßiges Wachstum ,,in die Luft" kennt man ja zum Beispiel bei der Kristallbildung auf Fließpapier. Kochsalz zum Beispiel oder
Perchlorat bilden wunderschöne regelmäßige Kristalle ,,in die Luft" an der Kante von Filterpapieren. Bei dem Spielzeug ,,Kosmos Kristalltiere" wird das sogar zum
Funktionsprinzip erhoben.

Nur meine 2 cent.

Viele liebe Grüße

Timm

Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Omaruru

#40
Hallo zusammen.

Danke Olaf für deinen Versuch.
Meine Frage an Dich beschränkt sich auf die reine Mineralogie.
Die größten Kristalle auf meinen Aufnahmen - Bild 8 -  haben ca. 5 - 8 Milkrometer maximale Länge.
Massenspektrometer im REM kam gerade auf den Markt als ich meine aktive Zeit an der Uni beendet habe. Ich habe es aber bei unseren Zoologen noch ausprobieren dürfen an Proben der Tanne. Die war damals, im Rahmen des Waldsterbens, für einen lieben Studienkollegen relevant.
Für Röntgendiffraktion, ok kenne ich aus der Mikrobiologie, aber mit Einkristallen, nicht auf einer biologischen Matrix im REM ?
Winkelmessung ad hoc nur über die Bilder.


An Timm,

bei Perchlorat kann ich nicht mitreden. Bei NaCl passiert in einer gesättigten Atmosphäre über einer gesättigten Lösung,  ohne Möglichkeit der Verdunstung des Lösungsmittels, meiner Meinung nach gar nichts, da hier die Lösung noch nicht einmal übersättigt werden kann. Selbst wenn ich eine Konzentration der Lösung durch Verdunsten des Lösungsmittels erlaubt habe, gab es nie die postulierten perfekten Würfel, wie ich sie bei einem kubischen Mineral erwartet hätte, sondern Sonderformen wie das erwähnte Pyramidensalz. Was bei Perchlorat, Zucker, Calzit, ..  über einer übersättigten Lösung beim Abkühlen passiert werde ich noch einmal testen.

Ansonsten Mineralogen, Chemiker, ... meldet euch bitte.

Den Insider mit den 2 cent habe ich leider nicht verstanden.


Zu jungen Nadeln mit ausdifferenzierenden Sklereiden habe ich noch ein Bild mit Christkindelkristallen, na gut die Fältelungen der parenchymatischen Zellen sind Präparationsartefakte eines Anfängers:




und auch für Freunde der Pollen habe noch was im Adventskalender.

Aber erst morgen aufmachen  ;D




und Exine im Detail




Liebe Grüße

Klaus
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      Jack Horner

Fahrenheit

Lieber Freunde,

hier noch einmal eine neue Idee: in der Pflanzenbeschreibung eines Gärtners habe ich folgendes Gefunden:
ZitatSciadopitys verticillata gedeiht am besten auf einem nährstoffreichen, kalkarmen, humosen Boden (Moorboden am besten geeignet). Bei Kalküberangebot reagiert sie sofort clorotisch (Gelbfärbung der Nadeln).

Meine Proben älterer Phyllokladien stammen von einem Baum, der durchaus einige gelb-braune Verfärbungen aufweist. Unsere eigene Schirmtanne steht da wohl günstiger - ihre "Nadeln" sind satt grün.
Eventuell diskutieren wir bezüglich der Kristalle im Interzelllularaum nicht den Normalfall sondern einen pathologischen Befund aufgrund unpassender Bodenqualität?

Herzliche Grüße
Jörg
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Omaruru

Hallo Jörg,

es mag sein, daß Sciadopitys saures Substrat bevorzugt. Aber in Hohenheim haben wir kalkhaltigen Boden. Der Baum wächst prima ohne Zeichen von Chlorose, vorzeitigem Nadelwurf oder ähnlich pathologischen Zeichen. Er blüht und fruchtet regelmäßig. Sollte es sich um eine Entsorgungseinrichtung der Pflanze handeln, müßte die Menge der Kristalle, zumindest der lebenden Schwammparenchymzellen, stetig zunehmen. Was sie aber bei meinen Beobachtungen nicht tut.

Grüße

Klaus
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wilfried48

Zitat von: Omaruru in November 30, 2011, 10:57:29 VORMITTAG
Die größten Kristalle auf meinen Aufnahmen - Bild 8 -  haben ca. 5 - 8 Milkrometer maximale Länge.
Massenspektrometer im REM kam gerade auf den Markt als ich meine aktive Zeit an der Uni beendet habe. Ich habe es aber bei unseren Zoologen noch ausprobieren dürfen an Proben der Tanne. Die war damals, im Rahmen des Waldsterbens, für einen lieben Studienkollegen relevant.

Hallo Klaus,

meinst du mit Massenspektrometrie im REM fälschlicheweise die Elementanalyse mittels EDX die es ja inzwischen in den meisten REMs gibt oder wirklich Massenanalyse als Molekülanalyse.
Mit EDX dürfte sich an an so kleinen Kriställchen auf der biologischen Matrix wenig ausrichten lassen, da man ja das Ca zu Sauerstoffverhältnis in Atomprozent sehr genau bestimmen können muss und die biologische Matrix vom fokussierten Elektronenstrahl  ja auch noch angeregt wird (Streubirne) und selbst auch Ca und O enthält.
Wenn das REM jedoch gleichzeitig einen feinen Ionenstrahl und ein Massenspektrometer enthält kann man tatsächlich auch Massenanalyse betreiben. Das ist dann wegen den Matrixeffekten zwar nicht quantitativ aber ob der Kristall aus
Calziumcarbonat oder Calziumoxalatmolekülen besteht müsste sich damit schon klären lassen.
Wir haben ein solchees Gerät am Institut und wenn du die Probe noch hast würde ich sie mal reinhalten.

Da du aber wegen der vielen gleichartigen Kristallite ja eigentlich keine Ortsauflösung brauchst und die Kristalle auch gross genug sind, geht es sicher viel besser und sicherer mit der von Olaf vorgeschlagenen Röntgendiffraktometrie.

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

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Omaruru

#44
Hallo Wilfried,

da hast du mich wahrscheinlich auf dem falschen Fuß erwischt. Unsere Zoologen hatten damals - ca. 1993-1994 -  gerade ein neues REM mit einer Zusatzfunktion, die sie mir gegenüber als Massenspektrometrie deklariert haben. Ich hatte für meinen Kollegen einige REM Präparate von Tannennadeln gemacht, die in den parenchymatischen Zellen Vakuolen mit einer ungewöhnlich dichten Matrix unbekannter Herkunft zeigten.  Im Zentrum des Konglomerates waren gekreuzte "kristallähnliche" Strukturen ebenfalls unbekannter Herkunft zu sehen. Der eine Versuch, bei dem ich dabei war blieb ohne Ergebnis, weil die umgebende Matrix in der Vakuole zu dicht war. Also EDX oder Massenspektrometer kann ich heute nicht mehr klären. Auch waren es bei der Tanne nicht solche Kristallmassen wie auf der Oberfläche von Scia-Zellen, sondern zwei oder drei gekreuzte Kristallähnliche Strukturen. Bilder habe ich noch aber keine Vergleichsproben.

Was Sciadopitys angeht kann ich Material besorgen, sag mir nur wie ich sie präparieren soll. Bei den Tannen die dem berüchtigten Tannensterben anheim gefallen sind ist mir der Aufwand zu groß. Merkwürdigerweise ist das Thema Tannensterben auch weitgehend vom Tisch - Warum ??? Gut es gibt noch Tannen und es ist kein Politikum mehr.

Also meine Scia Proben von damals habe ich nicht mehr. Ich könnte aber Neue beschaffen, wenn es dich persönlich interessiert.

Ansonsten, danke für den Vorschlag und dein Angebot.

Nachtrag an Klaus Herrmann vom 24.11. auf der ersten Seite des Threads:

Hallo Klaus. Ich habe noch einmal deine POL Aufnahmen gesichtet im Hinblick auf Strukturen die das polarisierte Licht drehen könnten.
Noch einmal die Fakten rekapituliert:
Hell gelblich leuchten Cuticula, Papillen und Sklereiden - nur die Sklereiden sind lignifiziert !
Die Parenchymzellen, die gleiche Mengen an Kristallen aufweisen, zeigen in der Übersichtsaufnahme nur kleine helle Punkte wie ein Sternenhimmel.
Hell rot leuchten ansonsten lignifizierte Zellen der Epidermis, der Schließzellen und des Xylems, aber nicht die sklerenchymatischen Zellen der Hypodermis.
Sprich - weder der Kristallbelag noch die Lignifizierung noch die Cutinisierung liefern für mich eindeutige Argumente.
Physiker und Optiker des Forums vereinigt euch.

Bitte an Olaf.Med und die anderen Mineralologen:

In der botanischen - auch der meiner Lieblingslehrbücher und mir bekannten pharmazeutischen Fachliteratur ist nur von Ca-oxalat und Silikat die Rede.
Für mich kommen allein in Bezug auf reichlich, aber physiologisch nicht überreichliches, Calcium drei Varianten in den Kopf.
!. Reiner Calcit - Ca-karbonat als Doppelspat oder ... ? als ökophysiologisch preiswerteste Variante.
2. Ca-citrat, das in der Literatur meines Wissens nicht auftaucht, aber möglich wäre.
3. Ca-oxalat als unlöslichste Variante, die vermutlich deshalb in der Literatur bevorzugt wird, weil sie Ca++ dauerhaft aus dem osmotischen System entfernen würde. Allerdings müßten dann meiner Meinung nach die Mengen mit zunehmendem Alter der Gewebe zunehmen.

Gibt es Möglichkeiten diese drei Kristalltypen mit rein optischen Methoden - POL, Fluoreszenz, Winkelmessung  auf den Bildern - eindeutig zu differenzieren?

viele Grüße

Klaus



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