Farbwiedergabe bei Plan Neofluar und Achromaten

Begonnen von micromax, November 30, 2011, 19:27:37 NACHMITTAGS

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Klaus Herrmann

Hallo Peter,

die Nr ist 559268 und ist wirklich ein DL mit DG-Korrektur 0,17. Wobei ich schon aufpassen muss, weil ich auch eine Reihe Al-Objektive habe. Und auf den ersten Blick sehen sie ja gleich aus!
Aber ich bin ja nicht der Kollege von Käptn Blaubär! Mit Vornamen Hein! ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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micromax

Hallo Klaus,

vielen Dank für Deine Mühe. Bei Deinen Bildern kann ich die Partikel zumindest alle als grün erkennen. Besonders gut bei dem ersten Bild, da sind meines Erachtens noch kleine blaue als "Gegenstücke" zu dem großen Grünen.
Bei mir funktioniert das so leider nicht.
Ich habe nochmals ausprobiert und bei mir ändert sich der Farbeindruck von grün nach blau mit steigender Vergrößerung. Das heißt ab dem Plan Neofluar 63/0,90 inklusive dem Achromat 100/1,25 Oil ist blau, darunter mit Achromat 40/0,85 und auch Plan Neofluar 25/0,60 ist grün. Ich werde noch versuchen die LED durch eine "normale" Glühbirne zu ersetzen, dazu komme ich aber im Moment nicht.

Zu Deinen Bedenken ob es überhaupt Malachit ist kann ich Dir zustimmen, daß Malachit oft faserig ist, aber eben nicht immer. Und für Malachit als Pigment ist die Korngröße eher als nieder zu bezeichnen.
Als Standardwerk für die Pigmentuntersuchung hier der link zum "Pigment Compendium" eine fast 1000 Seiten starke Schwarte (zumindest in der derzeitigen Auflage bei der Text und Bildteil zusammen sind. In dem link ist nur der Bildteil sichtbar wie es in der ersten Ausgabe war):

http://books.google.de/books?id=2pJKuFn_KcEC&printsec=frontcover&dq=pigment+compendium&hl=de&ei=U5TcTornHIbCswahirm9Dw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CEAQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false

Grüße
Thomas

Werner Jülich

Nur mal zu meinem Verständnis gefragt, Sie bemerken eine Farbverschiebung hin zu höheren Vergrößerungen = stärkeren Aperturen?
Sie benutzen einen Polarisator und einen Analysator, haben sie auch den Depolarisator eingeschraubt?

Werner Jülich

micromax

Hallo Herr Jülich,

es ist so wie Sie es beschreiben. Allerdings ist es nicht so, daß der Farbeindruck sich vom 63er zum 100 steigert.

Ich habe einen Polarisator und Analysator, die Fotos sind ohne Analysator aufgenommen. Einen Depolarisator kenne ich an meinem Mikroskop noch nicht. Wo sollte der den sein?
Leider kann ich Moment nicht ausprobieren wie es sich ohne Polarisator verhält, der wäre eigentlich leicht auszuschwenken. Ich habe diese Woche nur leider das Mikroskop nicht vor mir und kann deshalb keine weiteren Experimente starten.

Vielen Dank und Grüße
Thomas

Werner Jülich

Also, Sie haben den Polarisator im Strahlengang, den Analysator ausgeschaltet?
Welche Aufgabe hat denn dann der Polarisator, Graufilter?

Die typische Ausstattung lautet vereinfacht Polarisator-Präpara-Analysator ...
Der Analysator hinterläßt aber ebenfalls polarisiertes Licht und das kann je nach Design der nachfolgenden Komponenten, sprich Auslegung der Bino-/Trinotuben zu Farbverfälschungen führen. Deshalb gibt es eine Komponente, den Depolarisator, der diese Wirkung aufhebt.

So statten wir normalerweise POL-Mikroskope aus, ich kenne es überhaupt nicht anders.
Werner Jülich

micromax

Hallo Herr Jülich,

ich vermute Sie meinen hier Polarisator
ZitatDer Analysator hinterläßt aber ebenfalls polarisiertes Licht und das kann je nach Design der

denn der Analysator ist ja ausgeschalten. Trotzdem nochmals meine Frage zur Lage des Depolarisators. Der Depolarisator soll die Wirkung des Polarisators aufheben. Dann müßte er also über dem Analysator kommen?
Wie gesagt habe ich ein Phomi l. Gibt es eine Möglichkeit zu testen ob ein Polarisator vorhanden ist und ob er auch richtig sitzt?

Das ist übrigens das erste mal, daß mir dieses Phänomen aufgefallen ist. Bei allen anderen Präparaten und Dünnschliffe hatte ich bisher damit noch keine Probleme.

Grüße und Danke
Thomas


Werner Jülich

Ich sehe, ich sollte hier nicht zu historischen Dingen posten. Ich habe überlesen, dass Sie ein Mikroskop aus der Adenauerzeit einsetzen, meine Schuld.

Ein Analysator ist ein Polfilter und deshalb hat man hinter dem Analysator (dem Polfilter) wieder polarisiertes Licht.
Polarisiertes Licht tut dann, was es immer tut, wenn oberhalb vom Polfilter noch optisch wirksame Bauteile eine Rolle spielen.
Ergebnis ist dann oft eine leichte Farbverschiebung. Die unerwünschten Auswirkungen des Polfilters in Analysatorstellung beseitig der Depolarisator.
Nur so eine Idee aus der Neuzeit, ich wollte Sie nicht verwirren, tut mir leid.

Werner Jülich

TPL

Hallo Thomas,
keine Sorge, die Depolarisatoren wurden nicht erst in der Mikroskop-"Neuzeit" entwickelt - die gab es schon zu Zeiten, als Adenauer noch Bürgermeister war ;D. An Deinem Phomi I sitzt er im Binokulartubus zum Tubuskopf hin und verhindert, wie angesprochen, dass das vom Analysator polarisierte Licht im Zusammenwirken mit den Prismen Deines Binotubus zu Farbschimmern führt, die nicht aus der Probe stammen.

@ Herr Jülich: es ist in der Petrographie üblich, den Polarisator eingeschwenkt zu lassen, um im einfach/linear polarisierten Licht (plain/linear polarised light = PPL/LPL) z.B. solche Phänomene wie den Pleochroismus erkennen zu können. Aus diesem Grunde ist es auch so wichtig, dass der (ständig eingeschaltete) Polfilter absolut farbneutral ist).

Beste Grüße, Thomas

Klaus Herrmann

#23
Hallo Thomas (micromax),

ZitatAls Standardwerk für die Pigmentuntersuchung hier der link zum "Pigment Compendium

ein preiswerter "Schinken" ;D

Darf ich daraus ableiten, dass du Malerfarben-Pigmente untersuchst? Wenn ja, kannst du ein wenig darüber erzählen?
Ganz speziell würde mich interessieren: woher stammt diese Probe, und warum ist sie so heterogen?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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micromax

Liebe Kollegen,

ich möchte mich wieder zurückmelden und noch ein paar abschließende Ergänzungen zu den beschriebenen Farbänderungen geben.

- die Farbveränderung ab dem Plan Neofluar 63/0,90 von grün nach blau bleibt erhalten auch wenn ich den Polarisator aus dem Strahlengang nehme. Ansonsten kann ich nicht allzuviel entfernen, denn sonst bekomme ich bei der großen Vergrößerung gar kein Bild mehr. Also am Polarisator liegt es nicht.

- ebenso liegt es nicht an der LED. Auch durch ein Wechsel auf eine "normale" Glühlampe kommt die Farbänderung zustande.

- da ich nun dank Thomas weiß wo mein Depolarisator liegt (und er auch tatsächlich da ist) scheine ich zumindest ein uraltes, aber doch auch im Sinne von Herr Jülich ordentliches Polarisationsmikroskop zu besitzen.

- Zur letzten Frage von Klaus (danke Dir nochmals für Deine Vergleiche).
Ich mikroskopiere manchmal tatsächlich Pigmente von historischen Wandmalereien. Es geht wie in diesem Fall darum herauszufinden, welche Pigmente von den Künstlern verwendet wurden. Die Heterogenität der Probe kommt zum einen aufgrund des natürlichen Pigments zustande. Das heißt bei dem Mineral Malachit ist meist auch Azurit und auch Calcit oder Quarz zu finden. Aber es kommt auch oft vor, daß Farben gemischt werden um einen bestimmten Ton zu erreichen und außerdem wurde auch früher schon beim  Malen mit einem Pinsel von einem Topf in den nächsten getaucht. Es kommt deshalb zu einer Verschleppung von Pigmenten. Oft wird auch um einen Farbeindruck zu verstärken oder abzumildern auf das zunächst gemalte nochmals mit einem helleren oder dunkleren Pigment gemalt.
Man erhält dadurch eine ordentliche Mischung an Pigmenten und es ist dann nicht einfach auseinanderzuhalten was nur "Verunreinigung" und was "gewollt" ist.

Als letzte Komponente kommt dann auch noch die Probennahme ins Spiel. Da ich diese Probe nicht selbst genommen habe, kann ich dazu gar nichts sagen. Auch nicht wo genau die Probe genommen wurde.

Nochmals allen vielen Dank für die Hilfe. Leider bin ich noch nicht weiter was den Fehler angeht. Ich werde bei Gelegenheit auch einmal versuchen an einem anderne Mik dieses Präparat zu untersuchen (im Prinzip das was Klaus für mich ja schon erledigt hat)

Grüße
Thomas