Autor Thema: Stauungslunge (mit Herzfehlerzellen), Anthrakose  (Gelesen 16971 mal)

Harald

  • Member
  • Beiträge: 145
Stauungslunge (mit Herzfehlerzellen), Anthrakose
« am: Februar 02, 2009, 23:22:23 Nachmittag »
Hallo!

Und weiter gehts mit Präparaten aus der Histopathologie des Menschen...

Diesmal möchte ich das Bild einer Stauungslunge bei z. B. Linksherzinsuffizienz vorstellen. Wie der Name schon verrät staut sich hierbei (aufgrund einer verminderten Pumpleistung des Herzens) Blut im kleinen Kreislauf in die Lunge zurück. Die Kapillaren sind prall mit Blut gefüllt (Hyperämie), werden permeabel, also durchlässiger. Als Folge treten Erythrozyten in die Lungenalveolen aus. Hier werden sie von Alveolarmakrophagen phagozytiert (man erkennt die Alveolarmakrophagen an den eingelagerten braunroten Pigmenten).
Zudem kommt es zur Fibrose der Alveolen, es werden vermehrt kollagene Fasern eingelagert, die Alveolarmembranen sind also (hier im Bild sogar stark) verdickt.

Die Alveolarmakrophagen werden hier "Herzfehlerzellen" (die Stauung beruht ja auf einem Herzfehler) genannt. Andere Ursachen für einen Austritt von Erythrozyten in die Alveolen sind zum Beispiel toxische Einflüsse, die die Kapillarpermeabilität erhöhen.

Hier nun das Bild:



Ich freue mich über Feedback!

Liebe Grüße,
Harald
« Letzte Änderung: Februar 04, 2009, 16:44:26 Nachmittag von Harald »

icho_mann

  • Member
  • Beiträge: 507
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #1 am: Februar 03, 2009, 07:06:20 Vormittag »
Hallo Harald,
sehr interessanter Beitrag!
Sehr gut verständlich.

Meine Achtung, hat mir sehr gut gefallen.

Grüße
Jonathan
Mit freundlichen Grüßen
Jonathan
___________________________
Andy McKee, Rylynn


Vorstellung: Hier klicken

Jürgen H.

  • Member
  • Beiträge: 1348
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #2 am: Februar 03, 2009, 09:25:03 Vormittag »
Hallo Harald,

bitte, was sind die fädigen blauviolettgefärbten Gebilde, oben mittig im Bild ?

Mikrogrüße

Jürgen

Harald

  • Member
  • Beiträge: 145
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #3 am: Februar 03, 2009, 11:18:03 Vormittag »
Guten Morgen!

Vielen Dank erst mal für die Resonanz!

Bei den "fädigen" Strukturen dürfte es sich um Anschnitte glatter Muskulatur handeln.

Liebe Grüße
Harald

Sascha

  • Member
  • Beiträge: 88
    • Berliner Mikroskopische Gesellschaft
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #4 am: Februar 04, 2009, 00:09:05 Vormittag »
Auch auf die Gefahr hin das ich voll daneben liege aber die Lunge hat doch keine Muskulatur!?!
Obwohl Muskulartur unterm Mikroskop genau so aussieht wenn ich mich recht erinnere.
Was nu???

Gruß Sascha Buchczik

Wer mich nicht "Duzen" will, muss mich "Siezen" - wer mich nicht "Siezen" möchte, darf mich "Duzen".
http://de.wikipedia.org/wiki/Duzen
http://de.wikipedia.org/wiki/Siezen

Alfons Renz

  • Member
  • Beiträge: 702
    • Programme Onchocercoses Ngaoundere
Histologie der 'normalen' Lunge
« Antwort #5 am: Februar 04, 2009, 09:11:09 Vormittag »
Erst mal tief einatmen,
und frohen Morgensgruß an alle Raucher!

Das beeindruckende Bild einer pathologisch extrem veränderten Lunge macht es schwer, den Bau und die Funktion einer 'normalen' Lunge zu verstehen.

Deshalb möchte ich den interessanten Beitrag von Harald ergänzen und Bilder einer AZAN-gefärbten Lunge vorstellen, die den filigranen Aufbau der Lungenalveolen sehr schön verdeutlichen. Allerdings zeigen sie auch eine ziemlich starke Belastung mit Kohlepartikeln (Raucher oder Kohle-Bergbau?).



Ganz rechts im Bild eine Bronchie, ausgekleidet mit einem mehrschichtigen Epitel und umgeben von Knorpelplatten und einem Ring glatter Muskulatur.



Die Bronchiolen (rechts) besitzen ein einschichtiges, hochprismatisches Epithel. Knorpel fehlt.



Zum Atrium des Alveolarsäckchens  öffnen sich die Alveolar'bläschen'. An den Öffnungen verlaufen Muskelfasern.



Im Zwickel der Alveolarbläschen sammeln sich die mit Kohlepartikeln beladenen Makrophagen und bilden stellenweise ganze Nester.

Der Gasaustausch über die Blut-Luftschranke verläuft über die sehr dünnen Alveolarwände, die zum Lumen der Alveolen mit einem Oberflächenfilm ('Surfectant') ausgekleidet sind.

Das Präparat stammt aus einer alten Sammlung ohne jede weitere Angabe. Insofern beruht meine Deutung der 'schwarzen Partikel' als Kohle auf einer Vermutung. Ich glaube aber nicht, dass es sich um Abbauprodukte des Haemoglobins handelt, wie bei dem von Harald gezeigten Bild einer Herzinsuffizienz.

Die glatte Muskular in der Lunge (um die Bronchien und Bronchiolen sowie den Öffnungen der Alveolen) regelt die Luftzufuhr. Sie unterliegt nicht unserer willentlichen Steuerung, wovon Asthmatiker ein Lied singen können: Bei Antigenkontakt kontrahieren sich diese Muskelfasern und lassen das Atmen schwer fallen, speziell das Ausatmen.

Soweit meine beschränkte Sicht der Dinge - ich bin weder Anatom, noch Histologe oder gar Pathologe. Vielleicht meldet sich auch mal einer 'vom Fach' zu Worte.   

Herzliche Grüße,

Alfons Renz


Harald

  • Member
  • Beiträge: 145
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #6 am: Februar 04, 2009, 11:42:21 Vormittag »
Hallo zusammen!

Herr Buchczik: Das ist nicht ganz richtig, in der Lunge kommen (wie von Herrn Renz richtig ausgeführt) durchaus glatte Muskelzellen vor. Die Stelle in meinem Präparat erscheint ein wenig atypisch, ich bleibe aber bei meiner Behauptung dass es sich hierbei um Zellen der glatten Muskulatur handelt ;)

Herr Renz: Wunderschöne Bilder die Sie da haben!
Die Azan-Färbung ist in meinem Augen sowieso die schönste Färbung überhaupt, schade nur dass sie in der klinischen Routine so gut wie nie angewendet wird.
Bei den Veränderungen in "Ihrer" Lunge handelt es sich um Anthrakose. Das ist ein ganz natürlicher Prozess der in jeder Lunge abläuft, es sei denn man lebt jetzt irgendwo als Einsiedler in den Bergen...
Es handelt sich hierbei (wie von Ihnen schon beschrieben) um Kohleablagerungen in den Alveolarmakrophagen. Anders als bei der Herzinsuffizienz mit den Herzfehlerzellen kommen diese nicht (oder zumindest nicht gehäuft) in den Alveolarräumen sondern eher im Interstitium vor.

An einer Stelle möchte ich nun Sie ein bisschen ergänzen: Sie schreiben die glatte Muskulatur würde sich bei Antigenkontakt kontrahieren. Das ist nicht die ganze Wahrheit. Vielmehr ist es der Einfluss der basophilen Granulozyten und / oder Mastzellen, die Entzündungsmediatoren (hier besonders hervorzuheben das Histamin) aus ihren Granula freisetzen und somit die Kontraktion der glatten Muskulatur herbeiführen.

Liebe Grüße,
Harald

Alfons Renz

  • Member
  • Beiträge: 702
    • Programme Onchocercoses Ngaoundere
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #7 am: Februar 04, 2009, 14:44:11 Nachmittag »
Hallo Harald,

Vielen Dank für die wertvollen Ergänzungen! Das Lob zu der Qualität der Präparate gebe ich allerdings gerne weiter an Martin Heidenhain, aus dessen Labor die Präparate stammen.

Herzliche Grüße,

Alfons Renz

Harald

  • Member
  • Beiträge: 145
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #8 am: Februar 04, 2009, 15:44:45 Nachmittag »
Hallo Herr Renz!

Das ist nun schon das zweite mal dass ich über die Heidenhain-Präparate stolpere. Wie sind Sie denn an die gekommen? Ich erblasse voll Neid ;)

Hat jemand welche übrig und möchte sie günstig an einen armen Studenten abgeben?

Liebe Grüße,
Harald

Harald

  • Member
  • Beiträge: 145
Re: Stauungslunge - Herzfehlerzellen
« Antwort #9 am: Februar 04, 2009, 16:42:47 Nachmittag »
Ich hab in meiner Sammlung noch ein Präparat einer wirklich erstaunlichen Anthrakose gefunden. Das will ich euch natürlich nicht vorenthalten:



Liebe Grüße,
Harald

volkera

  • Member
  • Beiträge: 45
Re: Stauungslunge (mit Herzfehlerzellen), Anthrakose
« Antwort #10 am: Februar 06, 2009, 13:27:47 Nachmittag »
Die Bilder sind unheimlich spannend, aber so ganz klar sehe ich noch nicht...

Rein physiologisch betrachtet fliessen ja feinste Kapillaren an den Alveolen vorbei und machen so den Austausch zwischen der Alveolarluft und dem Blut möglich...
in beiden Vorträgen sehe ich Alveolen, aber keine dazugehörige Kapillare und deswegen auch nicht die (verdickte) Membran dazwischen...
ist es vielleicht möglich, diese Feinheiten im Bild noch mal mit Pfeilen oder ähnlichem darzustellen?

Das wäre sehr hilfreich.

Gruß, Volker

Harald

  • Member
  • Beiträge: 145
Re: Stauungslunge (mit Herzfehlerzellen), Anthrakose
« Antwort #11 am: Februar 06, 2009, 15:02:29 Nachmittag »
Hallo Volker!

Ich hab leider nur ein Präparat einer Schweinelunge und auch hier sieht man die Kapillaren praktisch nicht, noch weniger auf den Bildern...

Ich hab dir trotzdem mal gekennzeichnet wo ich mir einbilde Erythrozyten in der Alveolarmembran gesehen zu haben...





Liebe Grüße,
Harald

volkera

  • Member
  • Beiträge: 45
Re: Stauungslunge (mit Herzfehlerzellen), Anthrakose
« Antwort #12 am: Februar 08, 2009, 14:01:10 Nachmittag »
Lieber Harald,

wow, so klein muss man sich die Gefässe im Vergleich vorstellen...

vielen Dank für das nachträgliche Bild...

aber zum Vergleich... heisst das, dass  das ganze Gewebe im allerersten Bild rum um die "weissen Löcher", die ich als Alveolen interpretiere, dann Kapillarwand ist??? Das wäre ja eine extreme Verdickung gegenüber den feinen Wänden in den Bildern unten...???

Entschuldige mein Nachbohren, aber ich finde das Thema einfach unheimlich spannend...

Gruß, Volker

Harald

  • Member
  • Beiträge: 145
Re: Stauungslunge (mit Herzfehlerzellen), Anthrakose
« Antwort #13 am: Februar 08, 2009, 15:50:05 Nachmittag »
Hallo Volker!

Die weißen "Löcher" sind im ersten Bild tatsächlich die Alveolen, das was du jetzt hier als Kapillarwand bezeichnest ist die Wand der Alveolen. Und die ist wirklich extrem verdickt...

Ich freu mich ja wenn sich wer für meine Bilder interessiert ;) Also frag ruhig weiter!

Liebe Grüße,
Harald

volkera

  • Member
  • Beiträge: 45
Re: Stauungslunge (mit Herzfehlerzellen), Anthrakose
« Antwort #14 am: Februar 09, 2009, 13:41:41 Nachmittag »
Vielen Dank für die Antwort...

mit Kapillarwand meinte ich natürlich Alveolarwand, kleiner Wortdreher...

wenn man in der Praxis davon hört, dass die Sauerstoffaufnahme durch die Verlängerung der Diffusionsstrecke schwerer wird, ist das ja einsichtig. Aber wenn man es mal histologisch vor sich sieht, ist das schon sehr beeindruckend!!!
Vielleicht mal ein Bild für meine Kollegen von der Intensivstation (wenn ich es verwenden darf, heisst das...)


Gruß, Volker