Reinigen des Objektivrevolvers

Begonnen von HeinMueck, Juni 28, 2012, 12:47:59 NACHMITTAGS

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HeinMueck

Liebe Kon-mikroskopiker,

ich baue gerade einen Patch-Clamp-Messplatz auf. Als Mikroskop soll ein IM35 dienen, das allerdings einige Zeit ungenutzt war und davor nicht gerade pfleglich behandelt wurde. Alles ist ziemlich verdreckt. Besonders der Objektivrevolver hat anscheinend in Sorbitol gebadet. Die DIC-Schieber lassen sich nicht mehr bewegen.
Was haltet Ihr davon den ganzen Revolver für einige Stunden in Bidest einzuweichen?
Gibt es sonst Tips wie ich mich der Aufgabe nähern kann?

Danke und Gruß,
Heiner Busch

Nomarski

Hallo Heiner,

der Revolver gehört zerlegt, in Waschbenzin gereinigt und mit neuem Fett wieder zusammengebaut, dabei ist aufzupassen, daß keine der vielen Kügelchen verloren geht. Habe erst vorgestern wieder sowas gemacht.

Wenn die DIC-Schieberchen verharzt sind, müssen auch diese vorsichtig zerlegt und gereinigt werden. Vorsicht mit den kleinen Sicherungsringen und Federchen, die schnell wegspringen können! Die Prismenoberflächen vorsichtig behandeln! Am besten nicht berühren.

Viele Grüße
Bernd

Klaus Herrmann

Hallo Heiner,

hört sich nach pfleglichem Umgang in einem Unilabor an in dem viele Studenten Zugang haben.  ;D
Wenn es wirklich eingetrocknete Sorbitlösung ist, wäre sicher sinnvoll erst mal den ganzen Revolver, der ja beim IM 35 abnehmbar ist einzuweichen in Aqua dest. Man kann getrost annehmen, dass die DIC-Prismen das aushalten. Wenn diese ohne große Kraftanstrengung aus den Schlitzen heraus zu ziehen sind, würde ich sie nochmal in frischem Aqua dest abspülen und dann kurz mit Ethanol.

Den Revolver selbst würde ich nach Säuberung von dem klebrigen Belag mit Wasser zur Adaption auch in Ethanol tauchen, dem passiert nix! Dann wie Bernd schon geraten hat unbedingt zerlegen in Xylol entfetten und neu fetten. Macht Zeiss sicher auch, aber deren Stundenlohn wird sogar deinen noch übertreffen!  ;)

Wie das geht habe ich hier beschrieben:

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4007.0

Inzwischen habe ich Übung!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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HeinMueck

Lieber Klaus,
danke, super, daran werde ich mich machen, nachdem jetzt schon mal die DIC-Schieber wieder ganz gut aussehen, ohne, dass ich sie ganz auseinander gebaut habe.
zwei Fragen:
1. Woher bekomme ich das Fett?
2. Jetzt gehts weiter mit den darunter liegenden Teilen des IM35, auch alles verklebt.
Kann ich den ganzen Kram ohne Sorge um Dejustierung des Strahlenganges ausbauen.
Ich weiss garnicht wie die Bauteile alle heissen:
Hier zwei Bilder. Was in welcher Reihenfolge kann ich ausbauen?
Es geht mir hier nicht um eine "Besser als neu" Restaurierung, sondern darum, das Werkzeug wieder einsatzfähig zu machen, allerdings brauche ich Fluoreszenz und DIC.
Herzlichen Gruß und Dank,
Heiner


HeinMueck

So jetzt also die Bilder:


Schönen Gruß und Danke für die Anschubhilfe,
Heiner

Klaus Herrmann

#5
Hallo Heiner,

ich musste jetzt erst mal ins Bad um meine verheulten Augen zu kühlen, nachdem ich die Bilder gesehen habe! :(

Aber ich kann dir mit einer langen Story sicher etwas helfen. Ich habe nämlich auch mal geschraubt und gereinigt:

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=8456.15

Du hast es etwas leichter die Schrauben 2 sind mit Schraubenzieher schwer zugänglich, deine haben Stiftlöcher, dafür gibt es von Zeiss ein praktisches Steckwerkzeug, das ich mal ergattert habe. Diese Schraubenausführung gibt es bei Zeiss mehrmals und dafür ist es Gold wert.

Edit: Um den Filterschieber raus zu ziehen musst du den schwarzen Hebel unter der 1 nach außen drücken!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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HeinMueck

Herzlichen Dank, Klaus,

kann ich denn die Halterung mit dem Schwalbenschwanz für den Objektirevolver auch noch gefahrlos ausbauen? Schrauben 3, oder wo. Ich hätte nicht gedacht, dass es an einem Mikroskop Teile gibt die verrosten können, wie diese kleine Zentrierschraube oben drauf. Jedenfalls muss das ganze Ding raus, wenn irgendwie möglich, damit ich es reinigen kann.

Gruß,
Heiner

Klaus Herrmann

Hallo einer,

ich glaube die Schlittenaufnahme für den Revolver ist von innen verschraubt mit dem Hubarm, der für die Fokussierung zuständig ist. Hier ist ja der Tisch starr und der Revolver wird bewegt.

Diesen Hubarm habe ich nicht abgebaut, das geht nicht so einfach, wenn ich mich richtig erinnere.

Gut Schraub!

Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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reblaus

Hallo Heiner -

du kannst den Schlittenführungsring für den Revolver abschrauben. Er ist mit 3 Inbusschrauben von innen an den schwarzen Hubarm angeschraubt. Du brauchst dafür einen 3mm Inbusschlüssel. Allerdings muss man zuvor doch das übrige Teil an den Schrauben 2 entfernen, sonst kommt man praktisch nicht an die Köpfe.

Gruß Rolf

HeinMueck

Danke, klar, das habe ich nach Abbauen des "Filterwürfelschieberhalters" garnicht gesehen.
Nun aber:
Gibt es noch jemand der mir etwas zu den Schrauben "3" in meiner Abbildung sagen kann?
Kann ich die gefahrlos entfernen?
Und zweitens: Wie bekomme ich die Abdeckplatte von der Seite des Chassis? Gibts da einen Trick?
Ich bräuchte einen Minipümpel, oder etwas ähnliches.
Gruß,
Heiner

HeinMueck

Hier eine kleine Aktualisierung und mehr Tränendrüsenfutter:


bisher tat mir das Mikroskop leid, jetzt ich mir selber:


Hier noch eine Abbildung der oben erwähnten 3 Schrauben:


Und hier etwas von diesen Überraschungen. Beim Reinigen des "Schlittenführungsringes" habe ich plötzlich ein Stück Alufolie in der Hand... Ist klar, das scheint eine Justage gewesen zu sein... Aber bekomme ich das wieder so hin?


Schönen Gruß,
Heiner



reblaus

Hallo Heiner  -

die Alufolie ist dein geringstes Problem!

Unterlagscheiben aus diesem Material wirst du an den Zeiss-Mikroskopen dieser Jahrgänge an vielen Stellen finden. Selbst wenn du sie vergisst wieder zu montieren oder an der falschen Stelle unterlegst wirst du meiner Erfahrung nach kaum was von einer Dezentrierung merken. Auf alle Fälle wäre sie so gering, dass deine Ergebnisse nicht davon beeinträchtigt wären.

Wir folgen mit Spannung den verschiedenen Reinigungsschritten und wünschen viel Glück!

Gruß

Rolf

Klaus Herrmann

#12
Hallo Heiner bei mir war die Schlittenaufnahme mit 4 Schrauben befestigt. Die Schrauben 3 sind sicher unkritisch, das ist nur eine Blende für den Hubarm. Und den zu entfernen ist nach meiner Erinnerung nicht trivial - war bei mir aber nicht relevant, weil alles seidenweich lief!

Die Bilder von den Rostteilen schreien nach einem Unterberg für den nervösen Magen.

Mord verjährt nicht - vielleicht sind die Täter noch in Amt und Würden dann sollte man sie ermitteln und in ein Faß mit Salzsäure stecken! ::)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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wilfried48

Zitat von: Klaus Herrmann in Juli 10, 2012, 16:22:23 NACHMITTAGS
Mord verjährt nicht - vielleicht sind die Täter noch in Amt und Würden dann sollte man sie ermitteln und in ein Faß mit Salzsäure stecken! ::)

Biologen halt (keine Ehrfurcht vor der Technik) oder am Ende gar Chemiker ?  ;D ;D ;D

viele Grüsse
Wilfried
vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

Klaus Herrmann

ZitatBiologen halt (keine Ehrfurcht vor der Technik) oder am Ende gar Chemiker

Sauigel gibts überall >:( Aber gerade Chemiker müssen sauber arbeiten, sonst sinds Alchemiker und mit denen wollen wir nicht in eine Retorte geworfen werden! :P
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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