Schon wieder so einer...

Begonnen von Dypsis, August 13, 2012, 11:37:21 VORMITTAG

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Dypsis

Hallo,

ich bin neu hier und in der "Welt" der Mikroskope – und möchte Euch gerne mit ein paar Anfängerfragen behelligen (ja ich weiß, puhhh!)

Ich habe wirklich zuerst versucht mich etwas schlau zu machen, aber bin jetzt erst mal mit meinem Latein am Ende.
Der Grund warum ich überhaupt mein altes Schülermikroskop aus dem Keller (wohin es auch schon wieder verschwunden ist) geholt habe:
Ich sammle Baumfarne. Da geht es bei der Bestimmung der Art ziemlich drunter und drüber. Jeder sammelt irgendwelche Sporen und verschickt sie unter einem Namen an anderes Sammler usw. usw. Dann sind die Sporen oft mit anderen Baumfarnsporen kontaminiert und so weiß niemand so genau was der groß gezogen hat. Es gibt einige Arten, die lassen sich ganz gut von ihrem Habitus und anderen Kriterien unterscheiden, die überwiegende Anzahl ist sich aber verdammt ähnlich. Hier hilft erst das Mikroskop weiter. Die Schuppen, respektive Haare an den Blattstängeln und vor allem die Sporen verraten die Art (allerdings habe ich noch keine Sammlung mit Sporenfotos gefunden). ist aber auch egal, wenn es eine gibt werde ich sie noch finden, wenn nicht, dann fange ich halt damit an :D.

Im ersten Moment dachte ich, mein Schülermikroskop würde fast ausreichen, war aber nix. Ganz unbedarft habe ich dann gleich mal ein Leitzmikroskop bei Ebay ersteigert. (Nr. 475480). Sagt die Nummer was zu der Bauart?
Es sind nur zwei Okkulare mit der Aufschrift: 6x B Ernst Leitz GmbH Wetzlar vorhanden. (23,2mm Durchmesser und 49mm Länge)
Die Objektive:
---------
170/- (170 steht für die Tubuslänge???),
10:1,
A 0,25

Auf der Gegenseite:
3
Leitz usw.
---------
170/0,17
Oel 100:1
A 1,30

Auf der Gegenseite:
1/12
Leitz usw.
--------

170/0,17
45:1
A 0,65

Auf der Gegenseite:
6L
Leitz usw.
-------

Zur Betrachtung und Bestimmung der Schuppen und Haare von Baumfarnen reicht die Vergrößerung des 10:1 bzw 45:1. Für die Sporen sollte es ein bisschen mehr sein (aber keine Ahnung wie viel).
Meine primäre Frage ist nun, ob ich mit dem Mikroskop auf dem Holzweg bin oder noch ein paar Euronen reinstecke. Die Mechanik ist noch super, nirgends Spiel. Mir gefallen ältere bis alte Sachen meist besser als neue, insofern bin ich mit dem Teil ganz glücklich (es hat auch nur 40 Euro gekostet, was mir ganz gut erscheint)
Kann ich Okkulare von Leitz, die die Bezeichnung 8x oder 10x mit dem Zusatz B einfach kaufen? Passen die dann? Wieviel kann man für so was ausgeben? Die 10x die ich kaufen will wären deutlich kürzer als die 6x bzw. 8x, hätten aber den richtigen Durchmesser.

Wie ist es mit den Objektiven? Wenn ich das richtig verstanden haben, dann müssten sie die 170 Bezeichnung für die Tubuslänge aufweisen und ansonsten? Das "Oel"- Objektiv ist wohl ein Objektiv für Immersionsmittel??? Das werde ich wahrscheinlich nicht brauchen.
Ach ja, die Beleuchtung erfolgt über einen Spiegel. Darüber ist ein Kondensor (heißt das so?) Ein Linse die das Licht bündelt? Mit dem Licht komme ich ganz gut klar, die Lösung gefällt mir wie es ist. Ist das dann eine Köhlersche Beleuchtung die ich da habe? Der Kondensor ist höhenverstellbar und eine Blende befindet sich davor.
Die obere Fassung um die Linse war voller vertrockneter Ölrückstände, es wurde also für die Immersioniererei verwendet? Ist das dann ein anderer Kondensor als der für "trockene" Arbeiten?

Nun noch zur Putzerei:
Die Okkulare sind verstaubt, ich fürchte auch von innen. Darf man die Linsen wirklich nicht von ihrer Rückseite her reinigen??
(Wie ich gesehen habe, sind Fehler schnell gemacht, ich wollte schon mit normalen Alkohol über die Okkulare herfallen, habe dann aber gelesen, dass man das auf gar keine Fall machen soll)

Das Spiegelprisma ist wohl auch etwas verstaubt, darf ich da drann oder ist Gefahr der Verschlimmbesserung zu groß?

Das wärs erst mal. Am wichtigsten wäre mir die Info, welche Okkulare/Objektive ich kaufen kann und welche nicht.

Ach ja, dann wäre da noch das Fotografieren. Ich hab mir jetzt mal so eine Schiene bestellt, mit der eine normale Digitalkamera durch ein Okkular fotografiert. Taugt so was? Eine Alternative wäre, dass ich noch eine alte Nikon Coolpix 950 habe. Die hat ein M28 Filtergewinde vor der Optik. Und es gibt ein Okkular von Leitz mit einem M28 Gewinde für diesen Kameratyp. Wäre das die bessere Lösung? Oder geht das nur wenn ich ein Mikroskop mit einenem "dritten Auge" habe (weiß gerade nicht wie das heißt)?

Für eine Antwort wäre ich echt sehr sehr dankbar!

Beste Grüße
Thomas







Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

RainerTeubner

Hallo Thoman,

erst einmal: Herzlich Willkommen im Forum!

Zur Beantwortung Deiner Fragen ist es sicher sinnvoll, ein paar aussagefähige Photos zu posten.

Zur Frage nach den Seriennummern: http://www.science-info.net/docs/leitz/Leitz-Serienummer.pdf

Viel Vergnügen mit dem Mikroskop!

Rainer Teubner
Mikroskop: Carl Zeiss Standard Universal
Bildbearbeitung: Gimp, Helicon focus und picolay
Kamera: Canon EOS 5D II

liftboy

Hallo Thomas,

ebenfalls herzlich willkommen im Club (hier werden Sie geholfen :-)  )
Leitz ist erste Wahl und für 40Euronen nachgeschmissen! Passende Objektive werden im Moment zu hauf in der Bucht angeboten.
Für Deine Zwecke denke ich brauchst Du für die Übersicht ein 3,5-4er, zum zentrieren ein 10er oder 20er, und für Sporen wird Dir die Ölpanscherei mit einem 100er Ölimmersionsobjektiv nicht erspart bleiben.
Das 10er und das 100er hast Du ja schon, das 45er ist gut für feine Betrachtungen und grobe Sporenbestimmung.
Die Okulare lassen sich normalerweise leicht auseinanderschrauben und reinigen /aber bitte immer nur einzeln, und die Teile am besten schön nebeneinander auf einn sauberes Tuch gelegt, so wie man sie zerlegt hat. Das erleichtert den Zusammenbau erheblich! Ich persönlich habe da mit stinknormalen feuchten Brillenputztüchern gearbeitet.
Viel Spaß mit dem tollen Gerät.

Gruß
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Jürgen H.

Hallo Thomas,

Glückwunsch zu Deinem Leitz. Wenn es in Ordnung ist, hast Du mit Sicherheit schon einmal ein gutes Mikroskop.

Zur Baunummer hat Rainer Teubner schon geschrieben.

Die 10er Okulare sind aufgrund optischer Gegebenheiten (kleinere Brennweite) kürzer als die 8er, und ergeben eine höhere Vergrößerung (Okularvergrößerung mal Objektivvergrößerung.) Reinigen kann man Okulare regelmäßig auch von innen (sofern sie dort überhaupt verschmutzt sein sollten) Schau mal in die Mikrofibel. 10er Okulare (B steht für Brille) können bei Ebay oder sonst leicht erworben werden.

170 steht für Tubuslänge. Das 1/12 ist für eine Ölimmersion und kann ohne Öl nicht verwendet werden. Das Öl kommt zwischen Präparat und Objektiv. Wenn ! der Kondensor dafür geeignet ist, kann auch die Oberlinse des Kondensors mit der Objektträgerunterseite durch Öl verbunden werden. Der Kondensor dürfte auch für Dein 45er (ungeölt) geeignet sein. Ein Photo sagt dann mehr...

Der Kondensor dient in der Tat zur besseren Beleuchtung. Der Spiegel wird auf Himmelslicht (nicht Sonne!) zu richten sein. Man kann auch eine externe Beleuchtung einspiegeln.

Von welchem "Spiegelprisma" redestt Du?

Coolpix 950 mit einem passenden Leitzokular funktioniert prinzipiell.

Schöne Grüße und herzlich Willkommen

Jürgen

Dypsis

Hallo Rainer,

danke für die schnelle Antwort. Für einen Laien gar nicht so einfach zu beurteilen, was "aussagefähige" Bilder sind. Ich habe es mal versucht.
Klasse das mit dem Seriennummern. Jetzt weiß ich schon mal, dass es nach 1955 gebaut wurde.












So, in der Vorschau funktionieren die Bilder schon mal nicht. Mal sehen, ob es geht wenn das Posting veröffentlicht ist.

Grüße
Thomas
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Dypsis

Hallo Wolfgang,

woh, das geht ja Schlag auf Schlag hier. Super!!!!
Danke für den Tipp mit den Okkularen. Ich bau sie dann gleich mal auseinander.
Aber oh je, auf Öl hatte ich keine Bock. Geht denn keine größere Vergrößerung auch ohne Öl? Ist mit dem 45er Schluss?
Allerdings, wenn es nicht anders geht, was will man machen.

Ich bin auch ganz verliebt in das schöne Ding. Das schiebt und dreht sich alles so toll exakt, dass es eine helle Freude ist, für die Feinmechanikverliebten.

Grüße
Thomas
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Dypsis

Hall Jürgen,

auch Dir vielen Dank für die schnelle Antwort.
Mit dem Spiegelprisma (war wohl Quatsch) meinte ich das Prisma, dass die Lichtstrahlen umlenkt. Ich habe an den Objektiven und den Okkularen gedreht, es gibt aber auch Staub, der starr bleibt (nicht der von der Probe). Den vermute ich auf dem Prisma. Kann das sein?
Das mit den Fotos will noch nicht so recht. Eigentlich habe ich das schon drauf, wie man Fotos einbindet. Wird schon noch  ;)

Grüße
Thomas
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Dypsis

... jetzt aber.
Was mich sehr wundert:
ich habe die Blende unter dem Kondensor völlig geschlossen, dennoch war die Probe prima durchleuchtet, nur ein ganz kleines bisschen dunkler. Wie kann denn das sein? Da geht doch kein bisschen Licht mehr durch. Sehr komisch (es war auch kein Licht von der Seite auf die Probe, es war echt das Licht von unten, ich hatte den Spiegel mit einer Halogenschreibtischlampe angeleuchtet)




















Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

Jürgen H.

Hallo Thomas,

ganz herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen und wertvollen Mikroskop, das spielt in einer ganz andere Liga, als Dein bisheriges Spielzeugmikroskop.

Mit dem Prisma meinst Du also vermutlich die Prismen im Binokulartubus. Wenn Du Dich da nicht auskennst, würde ich mich an einen der vielen Mikroskopikervereine wenden, dort gibt es bestimmt jemanden, der Dir da helfen kann. Du vermutest zu recht, dass die Reinigung nicht ganz unproblematisch ist.http://www.mikroskopie.de/Div/Links.htm#Mikroskopische%20Vereinigungen

Den Kondensor kannst und solltest Du auch für das 45er verwenden. Es gibt auch stärker vergrößernde Trockenobjektive, als das 45er, mit Ölimmersion zu arbeiten ist allerdings auch kein Problem. ) Ölen brauchst Du aber regelmäßig nur zwischen Objektiv und Objektträger. (die stärkeren nicht zu immergierenden Objektive haben wieder andere Probleme als das Ölen...

Zur Aperturblende (die Blende im Kondensor) ist nochmals auf die Mikrofibel hinzuweisen.http://www.klaus-henkel.de/mikrofibel.pdf Sie dient n i c h t  der Regelung der Lichtstärke....Die Blende lässt sich auch nicht vollständig schließen, daher kommt eben auch Licht durch...

Schöne Grüße und viel Erfolg!

Jürgen

RainerTeubner

Hallo Thomas,

nachdem Du wirklich aussagefähige Photos Deines wunderschönen Mikroskops eingestellt hast, bleibt mir nur übrig, Dich zu dem Schnäppchen zu beglückwünschen. Der obligatorische Hinweis auf die Mikrofibel ist ja auch schon erfolgt, Du kannst also loslegen.

Viel Spaß!

Rainer Teubner
Mikroskop: Carl Zeiss Standard Universal
Bildbearbeitung: Gimp, Helicon focus und picolay
Kamera: Canon EOS 5D II

Oecoprotonucli

Guten Tag,

Zitat von: RainerTeubner in August 13, 2012, 11:46:05 VORMITTAG
Zur Frage nach den Seriennummern: http://www.science-info.net/docs/leitz/Leitz-Serienummer.pdf

...weiß eigentlich jemand, ob auch irgendwo die Seriennummern nach 1955 dokumentiert sind? Irgendwie kommt mir die Auflistung abgeschnitten vor.

Besten Gruß

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

rhamvossen

Hallo Sebastian,

Zitatweiß eigentlich jemand, ob auch irgendwo die Seriennummern nach 1955 dokumentiert sind?

Hier ist ein link, Serienummern bis 1977: http://earth2geologists.net/Microscopes/documents/ErnstLeitzMicroscopeSerialNumbers.pdf

Beste Grüsse,

Rolf

Dypsis

Zitat von: Jürgen H. in August 13, 2012, 14:21:06 NACHMITTAGS


Zur Aperturblende (die Blende im Kondensor) ist nochmals auf die Mikrofibel hinzuweisen.http://www.klaus-henkel.de/mikrofibel.pdf Sie dient n i c h t  der Regelung der Lichtstärke....Die Blende lässt sich auch nicht vollständig schließen, daher kommt eben auch Licht durch...



Hallo Jürgen,

danke für die Glückwünsche (auch an Rainer). Das geht runter wie Honig!! :D
Zu der Blende hätte ich aber noch eine Frage:
Sie geht wirklich GANZ zu. Ganz und gar, da bekommt man keinen Zahnstocher mehr durch.
So wie es im Moment montiert ist, sitzt die Blende zwischen Spiegel und Kondensor. Stimmt das so? Irgendwie scheint mir dieser Aufbau wirkungslos. Müsste die Blende nicht über dem Kondensor, also zwischen Kondensor und Probe sein? Oder dient sie gar zu was ganz anderem?

Grüße
Thomas
Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

Dypsis

... und noch mal zum Fotogarfieren:

Ich hätte mir dieses Okular ausgesucht:
Okular Periplan 10x (Brille) mit M 28 Schraubgewinde, passend zur Adaption an Coolpix , oder andere Nikon Kameras mit M28 Objektivgewinde.
23,5 cm Steckdurchmesser.

Kostet immerhin 149 Euronen, da sollte es dann auch wirklich was bringen, nur zum Probieren zu teuer. Vielleich kann ich es Euch also rauskitzeln ob das was bringen kann.

Immerhin liegen da 50 Jahre zwischen den Systemen. Sind die Okulare auch auf die Tubuslänge abgestimmt? Oder soll ich mich mit diesem Thema in die Fotoecke verziehen und einen neuen Thread eröffnen?

Danke und Grüße
Thomas
Ich bevorzuge das forumsübliche Du!

Jürgen H.

Thomas,

die Aperturblende (so heißt die) sitzt richtig. Wenn Du ein Präparat einstellst nimmst dann ein Okular heraus und schaust durch den Tubus, dann kannst Du ihre Funktion sehen. Die Blende sollte gerade soweit geschlossen sein, dass sie eben an der Hinterlinse des Objektivs sichtbar wird. Die meisten Mikroskopiker, die mit der Mikroskopie beginnen, ziehen sie zu weit zu. Das Bild wird dann kontrastreicher und schärfentiefer. Aber: Mit dem Zuziehen der Blende verringerst Du aber auch die Auflösungsmöglichkeiten des Mikroskops.

Prinzipiell funktioniert ein Periplanokular mit der Coolpix. Die Coolpix gibt auch ganz gute Photos. Manchmal erzeugt sie aber auch ganz "schöne" konzentrische Ringe in den Bildern; wenn Du im Netz nach Coolpix und Ringen schaust, wirst Du fündig. Es scheint so zu sein, dass manche Exemplare desselben Modells mehr und manche weniger Ringprobleme haben. Die Ringe tauchen jedoch regelmäßig erst bei höheren Vergrößerungen auf. Auch wenn Deine Coolpix weitgehend ringfreiu sein sollte, ist das leider noch keine Garantie für gute Photos. Vielleicht findest Du einen in einer Mikrovereinigung, der Dir einmal ein Leitz Periplan leiht. Wo wohnst Du denn?

Schöne Grüße

Jürgen