Paraffin Präparate

Begonnen von Nicola B., Oktober 26, 2012, 12:30:48 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Nicola B.


Hallo liebe Forenmitglieder. Ich bin ganz neu hier. Vor kurzem habe ich im Internet dieses Forum entdeckt und dachte, dass könnte mir vielleicht weiter helfen. Circa seit 2 Jahren beschäftige ich mich mit Biologie und Zoologie. Bis jetzt habe ich Skelett Präparate von Tieren angefertigt. Doch mitlerweile würde ich sehr sehr gerne Mikroskopische Dauerpräparate mit Paraffin herstellen. Ich bin drauf gekommen, da ich mal in Frankfurt im Edinger Institut ein Praktikum gemacht habe und mich das wahnsinnig fasziniert hat.

Jetzt kommt das Problem und die eigentliche Frage. Ich bin ein ganz normaler Schüler, was bedeutet, dass ich kaum Geld habe und mir deswegen keinen Wärmeschrank leisten kann...  :( Ich habe schon überall im Internet nach einer "Anleitung" gesucht wie man solche Präparate ohne Wärmeschrank herstellen könnte, doch ich habe leider nichts gefunden.... :(

Doch es wäre wirklich einer meiner größten Wünsche solche Präparate selber anfertigen zu können, ohne die teuren technischen Geräte.

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ihr vielleicht ein Paar Ideen habt?

Liebe Grüße

Nicola.  :)

David 15

Hallo Nicola,

Wie stellt man denn Skelettpräparate her ? Würde mich  wirklich interessieren. Es wäre außerdem sehr hilfreich zu wissen was genau du vorhast mit Paraffin zu schneiden ?  Nicht alles ist nämlich dafür geeignet. Hast du denn auch ein Mikrotom um mit Paraffin zu schneiden ?

Wie du siehst , viele Fragen. Wenn diese benatwortet sind kann man genauer auf deine Problematik eingehen  :)

Viele Grüße
David
''Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.'' ( Albert Schweitzer)

Vorstellung: ''Hier''

Nicola B.

Hallo David :)

Also wie ich Skelett Präparate Herstelle erkläre ich dir am besten am beispiel meines Huhns.
Am Anfang hatte ich ein komplettes totes Huhn auf meinem Tisch legen. Der erste Schritt war, dass ich die Federn Am Bauch rausgerupft habe, damit ich eine freie Fläche zum schneiden bekam. der erste Schnitt erfolgt dann vom Brustbein runter bis zur Kloake, aber es muss gaz vorsichtig gesschnitte werden, weil man eigentlich nur die oberste Hautschnicht verletzen möchte. Hat man diesen Schnitt gemacht fieng ich an die Haut immer weiter vorsichtig abzutrennen. Ich habe das Huhn praktisch ausgezogen. Als das Huhn dann "nackt" war habe ich die Bauchhöle aufgeschnitten, die Organe von den Anwuchsstellen anbgetrennt und sie heraus geholt. Die Bauchhöle ist dann praktisch leer. Nun kommt die Arbeit die am Zeitaufwendigsten ist. Das ganze Fleisch ( jeder kleine Fleisch Rest muss weg ). Ich habe erst angefangen die größeren Muskelpartien zu entfernen, dadurch wird das Tier egal ob Huhn oder was anderes sehr beweglich. Als es beweglich genug war habe ich die Extremitäten vom Rumpf angetrennt. Doch man muss sehr vorsichtig bei der Halswirbelsäule sein. Man sollte gleich einen Drat durch den Rückenmarkskanal schieben damit man später nicht alle knochen verliert. Als ich das ganze grobe Fleich entfernt hatte, habe ich die ganzen einzelnen Knochenpartien in erwärmte 8%ige Kalilauge eingelegt, die Kalilauge zersetzt Das Fleisch, was es wesentlich leichter macht die ganzen kleinen Fleisch Reste zu entfernen.

Als alle Knochen dann befreit waren von Fleisch ( nicht vergessen immer alles beschriften ) habe ich sie, um sie zu entfetten für 20 min in reines Aceton eingelegt.

Nach dem Acetonbad werden die Knochen dann gebleicht ( mit sie schön weiß aussehen ) Das Bleichen erfolgt in 30%igem Wasserstoffperoxid H2O2.

Sind dann alle Knochen gebleicht muss man das ganze wieder zusammen bauen und zwar so, dass es auch wieder aussieht wie ein Huhn. Ich hab mir zur Hilfe immer viele Fotos gemacht ;) Insgesamt habe ich für das Huhn 70 Stunden gebraucht.
Ich habe auch eine eigene Homepage, wo das vielleicht etwas besser erklärt wird und mit Fotos auch gezeigt wird. Doch diese Homepage ist noch nicht ganz fertig. Sobals Sie fertig ist, dann schicke ich dir den Linck wenn du willst :)

Nun zur Mirkroskopie:

Eigentlich möchte ich Präparate von Organen herstellen z.B. von einen kleinem stückchen Herz ( Herzmuskulatur sieht ja immer schön aus ) ;)
Ich weiß auch im Prinzip wie das Funktioniert: Fixieren, Entwässern Paraffinieren, schneiden, entparaffiniere und Färben (Also so grob war das jetzt ) nur leider finde ich gerade keinen weg das zu machen ohne Wärmeschrank.

Nebenher habe ich noch ein " Fischprojekt" laufen, dass ich nicht mit Paraffin, sonder mit Kunstharz mache. :) Ich bin einfach ein bisschen am Ausprobieren was am besten funktioniert. Doch Paraffin wäre mir am liebsten, weil man da gut färben kann ;)

Liebe Grüße

Nicola :)

Nicola B.

Hier ist doch schon mal der Linck zu meiner Hompage, dann siehst du mal auf Fotos wie das so aussieht mit den Skelett Präparaten.
Die Homepage ist zwar noch nicht ganz fertig, dass heißt ich habe auch noch nicht die Rechtschreibung korrigiert....
Also bitte nicht böse sein, oder wundern, wenn da Fehler drin sind :)
Unter Abschlussarbeit findest du das Huhn :)

http://www.zoologie-biologie.sitew.com/#Abschlussarbeit_.F

Klaus Herrmann

Hallo Nicola,

ich habe gerade deine Website angeschaut und bin begeistert von der perfekten Arbeit. Wenn das man keine Eins mit Stern gibt! :)

Es kommen immer mal wieder Schüler mit Fragen zu einer Abschlussarbeit und denen wird immer gerne geholfen, wenn man sieht, dass sie bereit sind auch selbst was zu tu. Bei dir ist es anders: du hast schon ein tolles Ergebnis und willst jetzt noch mehr! :)

Du hast diese Skelettpräparation wie man sieht in der Schule gemacht, da muss es doch auch einen Wärmeschrank geben? Ich habe dem Gymnasium in das meine Kinder gingen vor Jahren einen gespendet. Die flogen bei uns im Labor raus, weil sie nicht mehr den neuen Sicherheitsanforderungen genügen. Bei mir ist auch einer gelandet und tut seit Jahren seine Dienste.

Ronald Schulte ist einer der begnadeten Hobbyhistologen; er hat auch perfekte Arbeitsbeschreibungen hier eingestellt und er arbeitet mit einfachen Hilfsmitteln, den solltest du kontaktieren!

Übrigens Fische in Paraffin sind nicht einfach zu schneiden! Mit einem Handmikrotom wirst du nichts ausrichten!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Nicola B.

Hallo Klaus,

es freut mich, dass dir meine Arbeit gefällt, dass ist wirkich ein Projekt das aus Leidenschaft entstanden ist.
Das Problem ist ich bin ja auf einer Waldorfschule ( mit der ich sehr zufrieden bin) Doch das Problem ist die Ausstattung unseres Labors ist sehr schlecht leider... Wir  haben weder einen Kühlschrank noch einen Wärmschrank... und ich kannn mir leider keinen Leisten...

Mit meinen Fischen mache ich das ganz anders: Die habe ich zu erst in Formalin fixiert und dann durch die aufsteigende Alkoholreihe entwässert. Nach dem Entwässern werde ich sie in ein spezielles Kunstharz eingießen und diesen dann von beiden Seiten mit einer Schleifmaschine so dünn wie einen Objektträger schleifen. Es soll praktisch ein hoffentlicher perfekter Querschnitt entstehen. Ich weiß nicht ob es klappt, aber wie gesagt, ich bin eben am ausprobieren.

doch mein größter Wunsch ist es Paraffin Präparata herzustellen, doch ich habe leider noch keine Lösung gefunden. :(

Klaus Herrmann

Hallo Nicola,

ein "Kunststoff-Dünnschliff" sehr unkonventionell und eine kreative Idee. Aber ich zweifle ob das zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Wenn du dir schon die ganze Arbeit mit fixieren und entwässern machst, dann solltest du in Richtung Paraffineinbettung gehen. Nimm mit Ronald Kontakt auf, er kann dir sicher gute Ratschläge geben!

Und wie gesagt Fische zum Einstieg... ???
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Nicola B.

Hallon Klaus,

ja ich weiß leider noch nicht ob es funktioniert. Mein Biologie Lehrer und ich haben uns das überlegt. Ich arbeite oft mit ihm zusammen an seinen Projekten und dann kamen wir auf die Idee, dass es doch schön wäre einen kompletten Querschnitt von einem Fisch als Präparat zu haben.

Wenn es nicht klappt, dann klappts halt nicht... Dann muss ich mir wieder was neues einfallen lassen :)

Ich werde mal mit Ronald konntakt aufnehmen, vielleicht kann er mir helfen :)

vielen Dank :)

JB

Hallo Nicola,

Nur zum Problem mit dem Waermeschrank: ohne Waermebehandlung geht es nicht, da das Paraffin schmelzen muss um in das Gewebe einzudringen (und das Xylol auszutreiben).

Alternativen zu Paraffin mag es geben, aber die einfachste Loesung ist zweifellos sich eine eigene Heizquelle zu besorgen! Gebrauchte Heizbaeder, Waermeplatten oder heizbare Magnetruehrer bekommt man bei Ebay fuer wenig Geld; zur Not kann man sogar eine einfache Herdplatte nehmen und die Temperatur des Paraffins empirisch ermitteln (= 30 min warten und sehen wo sich das System stabilisiert) (gesehen in diesem lesenswerten Beitrag: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=3881.0 ).

Die Waermequelle ist das kleinste Problem an Ihrem Vorhaben! Der schwierigste Teil wird sicher sein Zugang zu einem guten Mikrotom zu bekommen.

Beste Gruesse und viel Erfolg,

Jon

Nicola B.

Hallo Jon,

habe mir den Artikel gerade durchgelesen. Der ist wirklich toll und Informativ!

Ja das Mikrotom ist auch noch so eine Sache... In der Schule haben wir ein Handmikrotom. Mehr habe ich leider nicht.

vielleicht funktioniert es damit.

Liebe Grüße

Nicola

Nicola B.

Hallo Safari,

einen Wärmeschrank selber zu bauen habe ich mir auch schon sehr oft überlegt, doch ich habe noch nie eine wirklich gute Anleitung gefunden.

Ich habe leider gar keine Ahnung von Elektrik.. Deswegen brauche eine Gute Anleitung.

Bei Ebay habe ich mich auch shcon oft umgeschaut aber den billligsten Wärmeshrank den ich gefunden habe lag bei 200 euro oder so, also leider zu teuer für mich.

Vielen Dank :)

Liebe Grüße

Nicola.

Mark

Hallo Nicola,

ich finde Dein Vorhaben prima und möchte Dir gerne helfen.
Du kannst von mir eine regelbare Heizplatte zum Paraffinschmelzen
bekommen, ein Kontaktthermometer ist dabei.
Du mußt also nur die Temperatur einstellen, die Du brauchst, die wird
elektronisch geregelt und dann auch eingehalten.

Zum Problem mit dem Mikrotom kann ich leider nichts beitragen, da ich selber nicht schneide.
Das mit dem Mikrotom wäre jedoch vorher zu klären, denke ich.
Was bringt Dir ein perfekt eingebettetes Objekt, wenn Du es nicht vernünftig schneiden kannst ?
Hier kenne ich mich nicht aus.

Wenn Du also interessiert bist, melde Dich; das kostet Dich gar nichts, Du kannst
diese Heizplatte als "Leihgabe" verstehen, wenn Du sie nicht mehr brauchst,
schickst Du sie mir einfach zurück. Wenn Du sie behalten willst, kostet die
garantiert keine 200 Euro, das verspreche ich Dir.

Gruß
Mark

Jürgen H.

#12
Liebe Nicola,

Es gäbe zwei Möglichkeiten:

a= Glühbirne
b= Babyflaschenwärmer.

Lösung a:

Du nimmst ein Becherglas und lässt eine Glühbirne von oben darauf scheinen. Und zwar so, dass das Paraffin im Becherglas nicht vollständig schmilzt. Das Präparat sollte dann in die Grenzfläche zwischen flüssigem und festen Paraffin sinken, dort wird es nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Lösung b)

Du stellst ein kleines Glas, zum Beispiel ein Kapernglas in ein Wasserbad im Babyfläschchenwärmer. Das stellst Du auf ca. 58 Grad ein. So ein Fläschenwärmer sollte es doch bei euch oder in der Nachbarschaft geben. Besser wären zwei, denn Du solltest das Paraffin wechseln. Das geht am besten, wenn Du das Präparat von Fläschchen zu Fläschchen wechselst. Bitte sorgfältig darauf achten, dass kein Wasser ins Paraffin kommt.

Die Wärmezufuhr sollte nicht über 62 Grad gehen.

Lösung b) habe ich lange Zeit selbst gefahren, sie funktioniert prinzipiell selbst bei schwierigem Material.

Wichtig ist - und das wird mit beiden Lösungen erreicht - dass die Temperatutschwankungen nicht allzu groß werden.

Ausgießen am sparsamsten  in ein Stanniolkästchen oder besser in ein richtiges Formkästchen - wenn Du da dran kommst -. Nach dem Ausgießen und Orientieren mit heißer Nadel sofort auf einen Eisblock stellen. Am einfachsten auf den normalen Eisblock aus dem Gefrierfach des Kühlschrankes. Etwas antauen lassen! Dann erst das Kästchen draufstellen, sonst gibt es Sprünge im Paraffin.

Und jetzt wünsche ich Dir viel Erfolg! Vorsicht: histologische Arbeiten können hohes Suchtpotenzial haben!

Schöne Grüße

Jürgen




Nicola B.

Hallo Mark,

vielen Dank für dein Angebot! Echt toll von dir! Wenn ich deine Heizplatte als Leihgabe nemen würde, dann müsste ich sie für längere Zeit behalten, da ich solche Projekte leider nur in den Ferien Machen kann. Wie viel würde es denn kosten wenn man sie kaufen würde?

Liebe Grüße

Nicola.

Nicola B.

Ich habe eine gute Nachricht!

Vielleicht habe ich eine Lösung gefunden, aber nur vielleicht.
Ich habe vorhin folgendes ausprobiert:
ich habe eine viereckiges etwas größeres Teelicht genommen und habe zwei Kerzen reingestellt, die ich angezündet habe.
Dann habe ich auf die Ecken des Teelichts Kork Stopfen drauf gelegt ( ich muss vielleicht statt Kork stein nehmen oder so kork brennt zu leicht )
Auf die Korkstopfen habe ich dann eine mit Paraffin gefüllte metall Schüssel gestellt. Die Metall Schüssel wird durch die zwei Kerzen erwärmt und das Paraffin wird flüssig. Jetzt muss ich eigentlich nur noch den richtig Abstand zwischen Schüssel und Kerzen herausfinden um genau auf den Schmelpunkt des Paraffins zu kommen :)

Meint ihr das funktioniert?