liebe Entomologen: haben Fliegenborsten tatsächlich Sehnen (oder sowas)?

Begonnen von rheinweib, Oktober 28, 2012, 21:48:09 NACHMITTAGS

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rheinweib

Hallo zusammen,
HDD hat gemeint, da könnten winzige Sehnen an den Borsten sein,
denke mal er könnte Recht haben, oder? Können die ihre Haare aufstellen, legen sie sie beim fliegen vielleicht an?
Hätte nicht gedacht, das meine dienstälteste Fliege noch soviel "hergibt"

und diese Rillen........ein Traum  ;D



MeMi - 16x Epiplan - Gruss an Klaus  ;), ohne Okular
ich versuchs mal etwas besser........


Gruss
Heike


P.S. ich hab eben ein Zeiss-MeMi geküsst  ;D


Fahrenheit

Liebe Heike,

mit Fliegen kenne ich mich nicht so aus, aber ich denk, es könnte sich auch um Sinneshaare handeln, die auf Luftbewegung reagieren.
Oder vielleicht doch nur "Dreck"?
Jürgen kennt sich mit der Anatomie der Insekten auf alle fälle besser aus als ich - vielleicht meldet er sich noch.

Herzliche Grüße
Jörg

p.s.
Tolle Aufnahme!  :D

Hier geht's zur Vorstellung: Klick !
Und hier zur Webseite des MKB: Klick !

Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

rheinweib


Hallo Jörg,
also Dreck ist es mit absoluter Sicherheit nicht, denn dieses Ding ist an jeder Borstenwurzel.

Mal sehen, ob jemand was weiss.

Gruss
Heike

Klaus Herrmann

#3
Liebe Heike,

super Bild!

Soweit so gut, aber einen kapitalen Fehler hast du gemacht:
ZitatMeMi

steht ja wohl für Mess-Mikroskop. Du benutzt aber ein Tiefen-Messmikroskop! Das sind Welten; da was du hast ist ein Präzissionsinstrument. Dagegen sind Messmikroskope Feld-Wald- und Wiesen-Instrumente.

Die korrekte alleine zulässige Abkü wäre dann TiMeMi. ;) Obwohl die in keiner Zeiss-Broschüre zu finden ist, aber das soll uns jetzt nicht stören!

Also nix gegen die wirklich anerkennenswerten Ergebnisse, die du damit erzielst, aber korrekte Bezeichnung muss schon sein! :D Du arbeitest mit einem TiMeMi! 8)

Das 16er Epiplan ist gar nicht so übel gelle?  ;) und in der LD-Ausführung hast du noch Platz für seitliche Beleuchtung!

Ein Genuß deine Bilder anzuschauen! :)

Edit: ach übrigens ich hab mich geirrt: das koaxiale Auflicht kannst du vergessen: das macht die Bilder nur flau - ich schick dir also den Reflektor nicht!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

JB

Hallo Heike,

Genaue Angaben zu diesen Haaren konnte ich nicht finden.

Die Strukturen an der Basis der Haare sehen aber nach Bildungen der Cuticula aus. Solche assymmetrischen Haargruben (mit einem kleinen Segel an einer Seite) dienen dazu, dem Haar Direktionalitaet als Sinnesorgan zu verleihen. Durch das Segel wird das Haar hauptsaechlich seitlich bewegt und dadurch die Mechanorezeptoren an seiner Basis entsprechend angeregt. Die Haare auf der Oberflaeche des Insekts dienen zum Beispiel der Koordination beim Fliegen.

Insektenhaare sind in der Regel nicht willkuehrlich beweglich (sie haben keine Sehnen und auch keine Muskelansaetze). Waere das moeglich, wuerden wir mehr davon sehen (zB Insekten die wie Igel ihre Stacheln aufstellen koennen). Andererseits ware ich nicht ueberrascht wenn es Ausnahmen gaebe :)

Haare mit aehnlichen assymmetrischen Basen finden ich bei Calliphora auch an anderen Stellen: Quelle:
Structure and kinematics of the prosternal organs and their influence an head position in the blowfly Calliphora erythrocephala Meig.
Preuss, Hengstenberg (1992) J Comp Physiol A 171:483-493
http://www.springerlink.com/content/h3222wj312777t61/

Beste Gruesse,

Jon

Lothar Gutjahr

Hallo Heike,

Kompliment ! Jetzt bist du mir etwas voraus. Diesen Becher in dem das Haar steht kenne ich von manchen Spinnenbeinen her. Damit "hört" die Spinne. ( erspürt geringste Luftschwankungen ) Da ist unten im Becher eine dünne Membran, welche bei der Fliege auch oben sein könnte.? Dann wäre der vermutete Sehnenteil eventuell der Rest einer aufgetrockneten Membran ?
Du müßtest also mal eine lebendige Fliege in Vollnarkose unter das Mikroskop packen. Geht übrigens ganz gut. Habe neulich eine mit reichlich Ethylacetat auf einem Stückchen Zellstoff in einem Plastikdöschen vermeintlich umgebracht und nach weniger als einer Minute entnommen, auf einen Objektträger gelegt und wurde zum Kaffee gerufen. Nach der halbstündigen Pause wurde ich bereits wieder von dem anhänglichen Tierchen angeflogen. Es ist also mehr die Verweilzeit und nicht so sehr die Intensität des Betäubungsmittels, welche zum Ableben führt.

Gruß Lothar

TPL

#6
Zitat von: Klaus Herrmann in Oktober 28, 2012, 22:31:45 NACHMITTAGS
ZitatMeMi
steht ja wohl für Mess-Mikroskop. Du benutzt aber ein Tiefen-Messmikroskop! Das sind Welten; da was du hast ist ein Präzissionsinstrument. Dagegen sind Messmikroskope Feld-Wald- und Wiesen-Instrumente. (...)
Also nix gegen die wirklich anerkennenswerten Ergebnisse, die du damit erzielst, aber korrekte Bezeichnung muss schon sein! :D Du arbeitest mit einem TiMeMi! 8)

Nicht zu fassen, Klaus!
Du bist der unbestrittene Herr der totalen Verwirrung! Wie kommst Du darauf, das Heike ein "Mikroskop für Tiefenmessungen" benutzt? Es ist doch ganz offensichtlich keines (sondern das "Auflichtmikroskop")! Es ist zwar nicht extrem wichtig, aber doch ein bisschen unnütze, dem Ding laufend andere, und dann auch noch irreführende Namen zu geben. Ist das lustig und ich verstehe den Witz daran nicht?

Und warum nun ein Epiplan ohne die kompensierende Optik dazu? Warum überhaupt ein Plan-Objektiv? Das braucht man bei solchen (absolut nicht planen) Objekten doch gar nicht... Ich fand die Bilder mit den bisherigen Objektiven farbfehlerfreier. Aber... was weiß denn ich?

Irritierte Grüße
Thomas

rheinweib

#7
Epi........Och nö.....
NÖÖÖÖÖ!! NÖÖÖÖÖÖÖÖÖ..............also ist ein Epiplan für plane/platte Objekte? Welcher normale (naja, vielleich ein bsichen drüber hinaus) Hobbyfotograf/in soll da noch durchblicken?

Der Einfachheit halber, es ist mir absolut wurscht, auf welchen Namen dieses wunderbare Teil hört - ICH LIEBE ES !
Ich nenne es weiterhin "MeMi".....hab mich halt dran gewöhnt.  Egal ob es ein MeMi, ein TiMeMi oder ein what-ever Mi is.....(bald) isses mein MeMi! Feddisch - und nu is Ruh  ;D

Das 16x Epi hab ich genommen weil, mehr Platz, größerer Arbeitsabstand, weil ich mit meinem 20x *ichbinausmOstenObjektiv*
zu dicht am Objekt klebe, da kann ich die Beleuchtung nicht mehr annähernd steuern und das 10er "Ossi" erschafft fürchterliche CA´s , wunderbare Regenbögen, soweit das Auge reicht. Ich blicke durch den Objektiv/Okular-Dschungel nicht ansatzweise durch....... ???

nochn Versuch (bischen Auschnitt), aber nicht wirklich besser.....
is halt recht klein, dat janze Jedöns (war für eine elementare Mikroskopie-Erkenntniss mitten in der Nacht! ;D)
da pappt was auf der Borste......





Gruss
Heike
(die unter direktem Einfluss einer leckeren, leider fast leeren Flasche Pfälzer-Leckerschmecker steht  ;D und sich vorsorglich in aller Form entschuldigt, falls sie mal wieder Unfug gepostet haben sollte - Gute Nacht)




Lothar Gutjahr

Guten Morgen Heike,

"da pappt was auf der Borste"  Das ist eine Frage des "Blickwinkels". Versuche mal das als angebrochene Stelle mit einer Ausplatzung zu betrachten. Die Wahrscheinlichkeit dürfte höher sein. Man sieht recht oft abgebrochene Tasthaare in der Fliegenlandschaft.

Aber was ganz anderes; schau dir mal den "Kelch" im folgenden Bild an. Den, ob mehrere weiß ich nicht, trägt die im Bereich unter dem Kopf in Richtung Kopfbruststück. Das wäre schön, den mal in der Vergrößerung wie die Borste zu sehen. Ist vermutlich auch ein Sensor.



Das müßte in etwa hinter dem Rüssel/Zunge sein. In der Düne sind auch abgebrochene Haare zu sehen.

Dann weiterhin viel Spaß mit der "Kuckmaschin" und Grüße aus dem verschneiten BGL

Lothar

Klaus Henkel

Zitat von: TPL in Oktober 29, 2012, 00:00:02 VORMITTAG
Und warum nun ein Epiplan ohne die kompensierende Optik dazu? Warum überhaupt ein Plan-Objektiv? Das braucht man bei solchen (absolut nicht planen) Objekten doch gar nicht... Ich fand die Bilder mit den bisherigen Objektiven farbfehlerfreier. Aber... was weiß denn ich?
Thomas

Guten Morgen TPL!

Sie nehmen mir meinen Kommentar aus den Fingern. Man sagte früher "aus dem Munde".
Also Zustimmung zu Ihrer Anmerkung "plan" oder nicht-plan und zur imperfekten Farbkorrektion.
Für Lupen- und Auflicht-Dunkelfeld-Aufnahmen gibt es geeignetere Objektive bzw. Objektiv/Okular-Kombinationen.

Ihnen, Heike und dem Schwabenklaus eine gute Mikrowoche!
Und an Heike den Vorschlag, einfach so weiterzumachen wie bisher!
KH

reblaus

Hallo Entomakroskopiker -

der "Kelch" dürfte ein Schwingkölbchen sein, d.h. das reduzierte hintere Flügelpaar der Dipteren = Zweiflügler.

Viele Grüße

Rolf

Jürgen H.

Hallo Heike,

Das sind ganz tolle Bilder. Aber: Ist die ,,Sehne" wirklich mit dem Haar verbunden? Wenn ich mir Deine Bilder ansähe, habe ich daran meine Zweifel.

Eine Sehne, die ins Innere des Körpers führt, ist es offenbar ohnehin nicht. Vielmehr ist die ,,Sehne" unmittelbar das Integument des Körpers angeheftet. Wenn also mit dieser ,,Sehne" Zug auf das Haar ausgeübt werden sollte, müsste gleichzeitig auch das Integument mit bewegt werden. Dies erscheint doch sehr unwahrscheinlich.

Offensichtlich handelt es sich um ein mechanosorisches Haar. Es reagiert also auf Berührungsreiz. Ein durch Muskulatur gesteuertes Haar hätte meines Erachtens keinerlei Funktion.

Bei meiner histologischen Schnitten habe ich auch noch nie Muskulatur an einem Haaransatz gesehen. Sensorische Haare befinden sich allerdings über den gesamten Körper des Insekt verstreut.

Bei den Antennen wird allerdings der gesamte darauf befindliche sensorische Apparat in Stellung gebracht. Die Antennen sind ja, wie wir aus der Beobachtung der Natur wissen, sehr beweglich und vom Insekt in bestimmte Richtungen steuerbar.

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Jon, da hast Du einen wunderbaren Artikel herausgesucht. Ganz herzlichen Dank dafür.

Schöne Grüße

Jürgen

Herne

Hallo zusammen,
ist der "Kelch" in Lothars Aufnahme nicht der etwas eingeschrumpfte Rest eines Schwingkölbchens?

m.f.G.
Herbert
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
G. Chr. Lichtenberg

rheinweib

Moin zusammen,

Zitat von: Jürgen H. in Oktober 29, 2012, 09:42:46 VORMITTAG
Ist die „Sehne“ wirklich mit dem Haar verbunden? Wenn ich mir Deine Bilder ansähe, habe ich daran meine Zweifel.

Die Zweifel hab ich auch, es sieht eigentlich nicht so aus, als wenn da eine feste Verbindung wäre.

Nach dem "Kelch" hatte ich auch irgendwann mal gefragt, das ist wohl ein Schwingkölbchen, ehemals Flügel (oder?)

Gruss
Heike

Lothar Gutjahr

Zitat von: reblaus in Oktober 29, 2012, 09:18:35 VORMITTAG
Hallo Entomakroskopiker -

der "Kelch" dürfte ein Schwingkölbchen sein, d.h. das reduzierte hintere Flügelpaar der Dipteren = Zweiflügler.

Viele Grüße

Rolf



Hallo Rolf,

in diesem Falle oder anders ausgedrückt, bei dieser Fliege sitzt das Schwingkölbchen deutlich weiter hinten und würde bei dem Maßstab das Bild ausfüllen. Bei der Aufnahme befinden wir uns am Rand des Mundes, wenn man das da so nennen kann. Also hinter der Zunge/Rüssel.
Die "Düne" ist vermutlich Teil des Trichters vom "Mundwerk"
Hier war gerade massiver Störeinfluß und ich konnte das nicht absenden. Das beantwortet auch die zwischenzeitlich aufgelaufenen Fragen.

Gruß Lothar