Pasteur-Pipetten ausziehen

Begonnen von Herne, Dezember 29, 2012, 19:28:39 NACHMITTAGS

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Herne

Hallo zusammen,
ich brauche beim Tümpeln dünn ausgezogene Pipetten. Meine eigenen Versuche, Glaspipetten mit Hilfe einer Gasflamme zu erhitzen und dann auszuziehen scheiterten kläglich.
Kann mir jemand da Hilfestellung geben? Wie macht man sowas zweckmäßig? Welche Wärmequelle ist richtig (Mein Lötbrenner ist offenkundig zu kräftig, so schnell kann ich garnicht ziehen, wie der den Werkstoff aufschmilzt).
Für hilfreiche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

m.f.G.
Herbert
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
G. Chr. Lichtenberg

Mila

Lieber Herbert,

im Studium haben wir oft Pipetten ausgezogen, wir benutzen dazu einen Bunsenbrenner.
Es gibt kleine Campinggasflaschen, die man wie einen Bunsenbrenner nutzen kann, an der Spitze der rauschenden, nichtrauchenden, blauen Flamme ist die Temperatur niedriger als im Inneren der Flamme (da erzähle ich Dir sicher nichts Neues :)).
Schnelles Auseinanderziehen und dann vorsichtiges Kappen des Glasfadens...

Viel Erfolg und herzliche Grüße nach Trier,
Mila

Florian Stellmacher

#2
Lieber Herbert,

wie heiß Dein Lötbrenner ist, weiß ich nicht, aber mit einem billigen Labogaz-Brenner mit Kartusche geht das eigentlich ganz gut.

Wichtig ist, dass Du das Rohr unter gleichmäßigem Drehen erhitzt und das Glas auf keinen Fall zu heiß machst - offenbar Dein aktuelles Problem. Es muss eben so weit geschmolzen sein, dass Du die beiden Pipetten-Gegenstücke mit mehr oder weniger kräftigem Zug gleichmäßig auseinander ziehen kannst und ein adäquater Durchmesser der Spitze entsteht. Das Auseinanderziehen macht man am besten nicht in der Flamme sondern außerhalb. Die Sache muss man üben, dass man auch Ausschuss produziert, ist wohl kaum zu vermeiden.

Herzliche Grüße,
Florian

EDIT: Sehe gerade, Mila war schneller - sie meint bestimmt auch den Labogaz-Brenner.
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Mila

Zitat von: Florian Stellmacher in Dezember 29, 2012, 19:37:34 NACHMITTAGS
EDIT: Sehe gerade, Mila war schneller - sie meint bestimmt auch den Labogaz-Brenner.

Jau, meint sie :)

Herzliche Grüße
Mila

Rolf-Dieter Müller

Hallo Herbert,

fachkundige Ratschläge hast Du jetzt schon bekommen.

Deshalb kann ich mich jetzt mit einem semiprofessionellen Tipp beteiligen.

Eigentlich müsste es mit etwas Übung auch mit einer Spiritusflamme funktionieren. Jedenfalls gelang es mir damit.

Ansonsten hat die Lötbrennerflamme sicherlich Temperaturbereiche die für ein kontrolliertes Anschmelzen von Glas geeignet ist.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter

reblaus

Hallo Rolf Dieter -

du nimmst mir das Wort aus dem Mund  ;D

Gerade wollte auch auf das Spiritusflämmchen hinweisen, das - mit etwas mehr Geduld - für eine Pipette völlig ausreicht!

Guten Rutsch - und daran denken: Ein Stückchen Glasrohr sieht mit 400°C auf der feuerfesten Unterlag genau so aus wie bei Zimmertempertur.

Rolf

Günter

Hallo Herbert,

hier http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=411.0 gab es eine Anleitung dazu. Auch wie man Kunststoff-Pipetten mit dem Heißluftfön auszieht, die benutze ich besonders gerne.

Grüße
Günter
über mich   
Folge denen, die die Wahrheit suchen.
zweifle an denen, die sie gefunden haben.

Lothar Gutjahr

Hallo Herbert,

Apropopöchen Pipetten, das meint man wäre etwas banales. Dabei kann man dabei ganz interessante Dinge beobachten und so auch Spezialpipetten gezielt herstellen. Die Kapillare saugt sich bis zu einer gewissen Höhe voll Wasser; ist hinreichend bekannt. Weniger bekannt ist, daß sich so eine Pipette mit einer Kapillare wenn man sie unter einem flachen, schrägen Winkel hält im großen Querschnitt bis zu dieser Höhe vollsaugt; also als Pumpe wirkt.

So kannst du dir mit einer bei der Herstellung etwas schräg verzogenen Spitze, die das Eintauchen in deine Tropfen bei nahezu waagerechter Haltung erlaubt einen Staubsauger bauen und gezielt alle dich interessierenden "Kameraden" aus der Brühe ziehen.
Ein weiteres der Oberflächenspannung geschuldetes Phänomen sind dann die kleinen Wasserperlen, die sich bilden wenn man mit der Pipettenspitze bei gefüllter Pipette über eine glatte Fläche fährt.

Gelegentlich werde ich das Thema wieder aufgreifen, weil zum Beispiel die Spinne, die ihre Fangfäden mit Leimkügelchen versieht, vermutlich aus denn beobachteten Gründen gar nicht anders kann, als Kügelchen / Tröpfchen zu erzeugen. Lange ging man davon aus, daß die Spinne den Faden glatt bestreicht und dann mit einem Hinterbein daran zupft um ihn in Schwingung zu versetzen, damit sich die Kügelchen bilden.
Ich ziehe meine Pipetten auch mit so einem Gaskartuschenbrenner. Wenn dein Lötbrenner zu heiß ist kannst du aber auch neben die Flamme halten.

Gruß Lothar

Herne

Hallo zusammen,
viele Dank an alle für die ausführliche Beratung. Die Gasflamme, die ich benutzte, ist schwer zu kontrollieren (Minigas-Brenner von Fa. Rothenberger). Deshalb werde ich es mal mit einem Spiritusbrenner probieren.  Ich verwende übrigens Pateurpipetten, deren Spitze bereits ausgezogen ist auf einen Durchmesser von ca. 2 mm - viel zu dick also für meine Zwecke. Zudem erschwert dies, daß man den richtigen Zeitpunkt für´s ziehen findet. Der Unterschied zwischen "noch fest" und "wupp, wegisse" ist sehr gering. Auch die richtige Zone ausserhalb der Flamme zu finden wird dadurch erschwert.
@ Rolf : Dieser Effekt ist mir sehr gut bekannt (wg. SFI/ IWE) ;) : Nicht alles, was kalt aussieht, ist es auch. Und auch Dinge, die nicht hellrot glühen, können ausreichen, sich die Pfoten zu verbrennen.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Herbert
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
G. Chr. Lichtenberg

Dr. Jekyll

Hallo Herbert,

zu meiner Laborzeit habe ich auch oft Pipetten ausgezogen. Es ist deutlich einfacher, wenn Du im nicht ausgezogenen Bereich ansetzt.
Hier ist die Glasstärke einigermaßen gleichmäßig und Du kannst beide Hälften der Pipette besser fassen.
Wie gehst Du denn genau vor?

Viele Grüße
Harald
Beste Grüße
Harald

knipser009

Hallo Herbert,

warum tust Du Dir das an ?

Reichen nicht Pasteurpipetten mit sehr kleinem Volumen , z.B. mit 0,2 ml Inhalt fürs Tümpeln aus ?

http://www.alphascience.de/produktliste/laborbedarf/mess---pasteurpipetten/index.html

Wenn es Dir nur um die feine Spitze geht und nicht um ein größeres Volumen, dann wären Kapillarröhrchen meine Wahl.

http://www.marienfeld-superior.com/index.php/blutgasbestimmung/articles/kapillarroehrchen-fuer-schmelzpunktbestimmung.html


liebe Sonntagswünsche nach Trier

Wolfgang
Viele Grüße aus dem SaarPfalzKreis

Wolfgang
gerne per "Du"

Herne

Hallo zusammen,
@ Wolfgang:
Ich mache das, weil ich wirklich sehr kleine Objekte (etwa Diatomeen) sauber aus einer trüben Brühe fischen will. Der Trub besteht dabei hauptsächlich aus noch kleineren Sand-Partikeln. Die Trennung durch Sedimentation habe ich versucht, sie verursacht sehr große Materialverluste. Da der Anteil an schönen Diatomeen in der Brühe aber gering ist, ist das für mich nicht akzeptabel. Erfahrungsgemäß gehen gerade die schönsten dabei flöten. Ich verwende die normalen Pasteurpipetten an einem Mikropipettierhelfer und schaue dabei durch ein Stemi mit 40er oder 80er Vergrößerung. Röhrchen mit kleinerem Aussendurchmesser als 6 - 7 mm passen da nicht. Es kommt bei der Trennung auch weniger auf die aufgenommene Flüssigkeitsmenge als auf den Durchmesser des aufnehmenden Elementes an.
Danke aber für die Links, die Kapillar-Röhrchen werde ich mir mal beschaffen.
@ Harald : Das werde ich heute noch ausprobieren ( mit ´ner Spiritusflamme!). Ich gehe bisher so vor, daß ich den dünnen Teil der Pipette weiter ausziehe und dazu, um mir die Pfoten nicht zu garen, die Pipette mit Holzklammern fasse. Die Phase des teigigen Übergangs im Glas ist dabei aber nur schwer zu erwischen, dein Tipp ist da sicher sehr hilfreich!

Schöne Sonntagsgrüße nach Rheinhessen und ins Saarland!
Herbert
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
G. Chr. Lichtenberg

Michael W.

Am liebsten per "Du"

Peter V.

#13
Lieber Herbert,

ich glaube, das wurde schon fast alles genannt:

Spiritusflamme (geht gut)
Der berühmte Gänsebrenner geht ebenfalls gut
Bei heißeren Flammen halt etwas daneben halten
(so eben auch meine Erfahrungen)

Vielleicht machst Du folgenden Fehler: Wenn Du Pipetten mit ausgezogener Spitze verwendest, solltest Du nicht den bereits ausgezogenen Bereich weiter ausziehen. Hier ist das Glas so dünn, dass es sofort zu sehr schmilzt.
Schmilz bitte das Rohr dort auf, wo es noch die normale Wandstärke hat. Und nicht bis zur Rotglut schmelzen, sondern drehend. Und mit etwas Übung fühlst Du irgendwann, dass der geschmolzene Bereich so "lömmelig" ist, dass er sich gut ausziehen lätt. Nach 10 - 20 Pipetten hast Du den Bogen raus.

Mein Lieblingsbrenner für alle Lebenslangen, in denen kleine, aber heiße Flammen benötigt werden, ist übriegns dieses solide Gerät:
Proxxon Micoflam

Klein, handlich, heiße, einstellbare Flamme. Und auch hervorragned geeignet zum (im wahrsten Wortsinne) reibungslosen Anzünden des Sylversterfeuerwerks (ernsthaft!)

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Herne

#14
Hallo Michael,
danke für den Link. Den Faden kannte ich, er geht mehr auf das Sekundärproblem der Erwärmung ein. Die ist der Grund, aus dem ich mit dem Mikropipettierhelfer arbeite, der eine sehr feinfühlige Dosierung praktisch ohne Einfluss der Handwärme gestattet.
Hallo Peter,
auch dir sei für die Hinweise gedankt. Die Erkenntnis, das der ausgezogene Teil der Pipette mit meinen Mitteln nicht zu beherrschen ist, hat mich mittlerweile auch beschlichen.  ;)
An die aktuelle Verwendbarkeit morgen Abend hatte ich noch garnicht gedacht!  :D  ;D

Mit freundlichen Grüßen
Herbert
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
G. Chr. Lichtenberg