Hauptmenü

Merkwürdiger Beifang

Begonnen von Dr. Jekyll, Januar 21, 2013, 19:38:20 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Dr. Jekyll

Hallo liebe Mikroskopiegemeinde,

beim Kauf eines Zeiss-Opmi habe ich als Beigabe ein mir seltsames Gerät bekommen.
Es stammt ursprünglich aus einem Labor der Farbwerke Höchst AG.
Das Gerät selbst hat mit Mikroskopie sicher nichts zu tun, jedoch mit Optik.
Es befindet sich eine Beleuchtung und eine Fotozelle in diesem Teil. Wahrscheinlich wurde damit etwas gemessen oder gezählt.
Da hier im Forum auch Werkstoffkundler sind (ich vermute es stammt aus diesem Themengebiet), traue ich mich mal zu fragen, ob jemand soetwas schon einmal gesehen hat oder den Zweck dieses
Maschienchens kennt?





Gruß
Harald
Beste Grüße
Harald

Lothar Gutjahr

Hallo Harald,

Hier meine Spekulation:

kennen wird das Teil wohl kaum  jemand. Die Valvoröhre mit der ich in den späten 50.ern schon gearbeitet habe, deutet auch auf ein ordentliches Alter hin. Könnte so aus den 60.ern stammen. Wenn das Rohr von oben nach unten Durchgang hat und mit dem Strahlengang in Kontakt steht, könnte es eine frühe Zählvorrichtung für Tabletten sein. Dafür wäre aber der Chopper mit seinen drei Flügeln zu langsam, um da brauchbares Wechsellicht zu machen, welches bei der Fallgeschwindigkeit noch auswertbar wäre.

Hat das Gerät eine Art Klappe, welche vielleicht mit der mechanischen Taste unten betätigt wurde, tippe ich eher auf ein Messgerät, welches fotometrische Auswertungen ermöglichte. Die Erzeugung von Wechsellicht mit dem Flügelrad war nötig um das Nutzsignal mit Hilfe eine Wechselspannungsverstärkers zu gewinnen, welches bei einer Gleichspannungsverstärkung untergegangen wäre, respektive laufend weggedriftet wäre. Aber hier könnte es auch sein, daß intern zwei getrennte Meßpfade geschaltet wurden. Die 90 AV muß eine spezielle Beschichtung haben und war nicht so gängig. Die für Fotozellenanwendungen gebräuchlichere war die 90 CV. Wobei ich meine daß das C für Cäsium stand. Den dazu gehörende Verstärker hat man gerne mit der E88CC realisiert. Das war eine sogenannte Industrie- Langlebensdauerröhre mit vergoldeten Kontakten und einem anderen Pinout um zu verhindern, daß man diese in Konsumergeräten an Stelle der ECC 88 verwendet hat.

So ein bischen denke ich habe ich das eingegrenzt, soweit das ohne hineinzuschauen möglich ist.

Schönen Abend noch

Lothar

Dr. Jekyll

Hallo Lothar,

danke für deine Spekulation :)
Das Alter schätz Du glaube ich ganz gut ein, das Teil hat Jahrzehnte in einem Keller verbracht.
Das Rohr ist nur eun Überlauf, dahinter verlaufen jedoch zwei Kanäle mit jeweils einem verstellbaren Durchlass am unteren Ende.
Hinter den Kanälen befindet sich je ein "Fenster". Von diesen Fenstern führen jeweils ein Lichtkanal zur Valvo-Röhre.
Diese Lichtkanäle werden von dem Flügelrad unterbrochen. Ein weiterer Lichtkanal führt schräg nach oben zu dem schwarzen Zylinder
mit den spiralisch gewundenen Dräten. Dort befindet sich im Inneren eine kleine 3,7V-Birne.
Vielleicht hilft die Info noch zur weiteren Eingrenzung ;)

Noch einen schönen Abend.

Gruß
Harald
Beste Grüße
Harald

Lothar Gutjahr

Hallo Harald,

ja das hilft ein wenig in die letzte Vermutung. Hier bietet sich auch die Möglichkeit eines zu Vergleichen genutzten Referenzkanals an. Passen da vielleicht so 10 x 10 mm Küvetten rein ? Die waren so ca 30 mm hoch. Die Frage, die auftaucht, ist nach reflektiver Messung von Feststoffen oder Durchlichtanwendungen bei Flüssigkeiten. Nur damals kann ja auch ein eigenes Behältersystem verwendet worden sein. Das kann  sehr gut eine eigene Entwicklung gewesen sein  um in der Forschung irgendeinem Meßzweck gerecht zu werden. Vermuten wir also eine fotometrische Anwendung.

Farbwerke Höchst Pharma hat früher fast alles selbst entwickelt und sich erst Ende der 60.er Zulieferanten für Meß und Regeltechnik gesucht und es war anfangs schwer, überhaupt in die Nähe der eigentlichen Anwendung zu kommen. Der Wunsch in Richtung Automatisierung lockerte das dann etwas auf. H 600 war zwei Jahre lang mein zweiter Arbeitsplatz. Trotzdem war ich der einzige von Firma E.Sick Optik Elektronik, der Zugang zum Werk und der Fertigung hatte und auch zu den Maschinenherstellern geschickt wurde um Steuerungskonzepte abzusprechen. Ich hatte seinerzeit aus USA kommend den "Rucksack voll Chips" und bei Firma E.Sick die integrierte digitale Technik eingeführt. Texas Instruments Freising entstand paralell dazu um dann rechtzeitig den deutschen Markt zu beliefern. Das war eine interessante Zeit bis dann die "Softwareheinis" anfingen dazwischen zu funken. Auch der erste Einsatz von Videokameras zur Automatisierung auf Verpackungsmaschinen stammt aus meiner Hand.

Dann guts Nächtle

Lothar

Werner

Hallo Harald!

Zur  Photozellen-Nomenklatur in Europa:
90 bedeutet Miniatursockel (7-Stift, 90er Serie).
A bedeutet Antimon-Kathode, blauempfindlich, Bereich 300 - 600 nm, Maximum bei 400 nm
C bedeutet Caesium-Kathode, rotempfindlich, Bereich 400 - 1200 nm, Maximum bei 800 nm
V steht für Vakuum, G für Gasfüllung.
Es gab in der 90er Serie: 90AV - 90CV - 90AG - 90CG.

Zum Gerät: Da kein Monochromator anwesend ist, möchte ich ein Photometer im klassischen Sinn ausschließen. Eine Zählfunktion abenfalls, da ist kein Referenzkanal nötig. Es scheint eine Vorrichtung zur Trübungsmessung von Flüssigkeiten oder Gasen (Rauchgas) zu sein, da braucht man eine Referenz.
Kann man Glasrohre einsetzen? - oder ist es dicht und leicht zu reinigen? - das spricht dann für kontinuierliche Messung.

Gruß   -   Werner


Dr. Jekyll

Hallo Lothar, hallo Werner,

ich mache nach der Arbeit ein Foto vom Innenleben des Gerätes.
Bis dahin schonmal danke für die Infos.

Gruß
Harald
Beste Grüße
Harald

Dr. Jekyll

#6
Hier noch einige Bilder:





Mit der Schraube im Bild 2 unten links am Gerät lässt sich der Durchfluß der einen Kammer regulieren.
Für die andere Kammer gibt es ebenfalls eine entsprechende Regulierung.


Gruß
Harald
Beste Grüße
Harald