Botanik: Unter Seggen - Carex pseudocyperus (Neue Bilder) *

Begonnen von Fahrenheit, April 12, 2013, 18:19:25 NACHMITTAGS

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Fahrenheit

#15
Liebe Pflanzenfreunde,

vorgestern habe ich von David zwei seiner Aufnahmen und sein "Rezept" erhalten, so dass wir hier nach ein wenig hin und her Kopieren einen sicher nicht uninteressanten Vergleich zeigen können.

Damit alles schön zusammen steh, hier noch einmal meine Vorgehensweise in Kurzform:

- Fixierte Schnitte aus dem Ethanol stufenweise in Wasser überführen
- 7 Minuten Färbung in unverdünnter W3Asim II Lösung nach Rolf-Dieter Müller
 (Ca. 12 Tropfen im 80 mm Uhrglas, Methode nach Eckhard Völker)
- Wässern / keine Differenzierung
- Überführen in Isopropanol 100% und Eindecken in Euparal

Und nun Davids Rezept:

- Fixierte Schnitte aus dem Ethanol stufenweise in Wasser überführen
- Farblösung: Acridinrot, Acriflavin und Astrablau im Verhältnis 10 / 10 / 25 (Ähnlich W3Asim I)
- 20 Minuten Färbung in 10 ml Wasser mit 3 Tropfen der obigen Mischung
- Wässern
- Differenzierung "auf Sicht" mit Spülmittellösung
- Sehr gut wässern (!)
- Überführen in Isopropanol 100% und Eindecken in Euparal

Und so schaut das dann im Schnitt aus:

Bild 23: Gegenüberstellung Zentralnerv


Bild 24: Gegenüberstellung Blattfläche


Die Bilder bieten Gelegenheit zu einem weiteren Vergleich, da David eine Einzelaufnahme geschickt hat, die hier einem gestapelten Bild gegenüber steht.
Davids Aufnahme ist an den schärfsten Stellen (Phloem des Zentralsnervs ...) deutlich klarer als der Stapel. Dafür fehlt es an Randschärfe. Die ist im Stapel natürlich deutlich besser, aber das hat seinen Preis.

Herzliche Grüße
David und Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

David 15

Lieber Jörg,

Herzlichen Dank für den Vergleich unserer Bilder !

Ich bin gespannt was die Anderen noch dazu sagen.

Viele Grüße
David
''Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.'' ( Albert Schweitzer)

Vorstellung: ''Hier''

liftboy

Hallo David,

"and the winner is:"
Also die Aufnahme von  Zentralnerv gefällt mir besser; nicht ganz so bunt und irgendwie klarer.
Beim Blatt ist es andersrum; zwar sehr bunt aber auch aussagekräftiger.
Was will uns das sagen?
Jede Färbung muss getestet werden: hilft nix!
Stacken würde in der Tiefenschärfe noch was bringen, dann ist aber auch gut so!

Viele Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
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Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Fahrenheit

#18
Liebe Pflanzenfreunde,

nach einer etwas längeren Pause geht es nun weiter: Bodo hat von seiner - mangels Blüte noch immer unbestimmten - Segge noch einmal neue Schnitte in PEG-Einbettung erstellt. Geschnitten hat er mit 30µm Dicken wieder auf seinem Leitz Schlittenmikrotom. Diesmal sind aber auch Längsschnitte mit dabei, die ich hier den Querschnitten gegenüber stellen möchte.  

Gefärbt habe ich wieder mit W3Asim II von Rolf-Dieter Müller, allerdings mit einer Differenzierung in 70% Ethanol unter Lupenkontrolle, die ich mit reinem Isopropanol unterbrochen habe.

Bei der Erläuterung zu den beschrifteten Bildern möchte ich diesmal gerne auf die Tabelle zu den Abkürzungen und Bezeichnungen botanischer Gewebe zurück greifen, die ich hier im Forum verlinkt habe, die aber auch direkt auf der MKB Webseite heruntergeladen werden kann. Besonderheiten - soweit vorhanden ... :-) - spreche ich wie immer in den Bildunterschriften an.

So, aber nun zu den Bildern!

Bild 25a/b: Noch einmal das zentrale Leitbündel mit den darüber liegenden bulliformen Zellen, Bild 25b mit Beschriftung. Vergrößerung 100x, Stapel aus 9 Bildern


Mittlerweile ist das Gras gewachsen und der Querschnitt ist etwas größer, was man auch - bei ähnlichem Ausschnitt - an der gegenüber Bild 3a/b kleineren Vergrößerung erkennen kann. Vor allem die bulliformen Zellen sind deutlich stärker ausgeprägt.

Bild 26a/b: Eine der Spitzen des "M", Bild 26b mit Beschriftung; Vergrößerung 100x, Stapel aus 6 Bildern


Auch hier gilt: das Blatt ist gewachsen :-) Das Aerenchym (AE) besteht aus sehr großen und vergleichsweise dünnwandigen Zellen, die hier durch den Schnitt und Färbung teilweise zerstört sind. Es handelt sich also nicht um Lakunen im Gewebe, sondern um Artefakte der Präparation.

Bild 27a/b: Wieder ein Blick auf zwei Leitbündel in der Blattspreite, Bild 27b mit Beschriftung; Vergrößerung 200x, Stapel aus 6 Bildern



Hier möchte ich nun die ersten Längsschnitte zeigen:

Bild 28a/b: Längsschnitt durch ein Leitbündel mit umgebendem Sklerenchym, Bild 28b mit Beschriftung; Vergrößerung 200x, Stapel aus 8 Bildern



Bild 29a/b: Und in einer etwas anderen Ebene der Längsschnitt auf der Höhe eines der Aerenchymfelder, Bild 29b mit Beschriftung, Vergrößerung 200x, Stapel aus 13 Bildern


Im Vergleich zwischen unserer unbekannten Segge und der Scheinzypergras-Segge (Carex pseudocyperus) war eines der Unterscheidungs- und Bestimmungsmerkmale die deutlich sichtbaren Quernerven, die das Blatt der C. pseudocaperus fast gitternervig erscheinen lassen und bei der unbekannten Segge makroskopisch so nicht zu erkennen sind.
Mikroskopisch sieht das etwas anders aus: auch bei unserer Unbekannten ist das Aerenchym regelmäßig von Parenchymstegen (Pst) unterbrochen, die in der Mitte ein kleines Leitbündel führen, das die großen, in Längsrichtung laufenden Leitbündel miteinander verbindet. Wird das Blatt verletzt und eines oder mehrere der Längsbündel unterbrochen, kann die Versorgung der über der Verletzungsstelle liegenden Gewebe über diese Querbündel aufrecht gehalten werden.

Der Abstand zwischen den Querbündeln ist allerdings recht groß, so dass ich auch eine Aufnahme von einem nicht unterbrochenen Aerenchymfeld zeigen kann:

Bild 30: Längsschnitt durch das Aerenchym, Vergrößerung 200x, Stapel aus 14 Bildern

Die etwas verschobenen Zellen der oberen Epidermis lassen erahnen, dass die Zellen an der Blattoberseite ähnlich der bekannten rechteckigen Butterkekse miteinander verzahnt sind. Schön sind auch wieder die filigranen Zellwände der Aerenchyms zu erkennen, die hier in den Längsschnitten nicht so sehr gelitten haben, wie in den oben gezeigten Querschnitten.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Stoma in Längs- und Querschnitt.

Bild 31a/b: Zunächst noch einmal als Querschnitt: Stoma an der Blattunterseite, Bild 31b mit Beschriftung; Vergrößerung 1000x, Stapel aus 13 Bildern



Und nun der Längsschnitt:

Bild 32a/b: Stoma im Längsschnitt, Bild 32b mit Beschriftung; Vergrößerung 1000x, Stapel aus 9 Bildern



Die Bilder zeigen, dass die Spaltöffnungsapparate der unbekannten Segge einen fast quadratischen Bau haben, also nur wenig länger als breit sind.

Im direkten Vergleich fällt auf, dass die Querschnitte nach der Färbung wohl noch ein wenig länger im Ethanol hätten bleiben können, was aber schwer zu steuern ist, besonders wenn man - wie es mir gegangen ist - die Angst im Nacken hat, zu viel der roten Farbe zu verlieren.  ;)

Das feuchte Wetter ist für Pflanzen ja ein wahres Wachstumselixier und nun hoffe ich, dass es bald trockener und wärmer wird, damit unser Gras seine Blütenstände bildet und wir einen Bestimmungsversuch wagen können.  :D

Vielen Dank fürs Lesen und auch hier gilt: Anregung und Kritik sind immer willkommen.

Herzliche Grüße
Jörg  
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Hans-Jürgen Koch

Lieber Jörg,

Deine Färbung ist hervorragend. Eine Differenzierung mit 70% Ethanol hat sich gelohnt. Die einzelnen Strukturen sind so noch deutlicher zu sehen.
Bei den Längsschnitten ist sicher eine  Auflicht – Fluoreszenzaufnahme  interessant.

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen
Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Fahrenheit

Lieber Hans-Jürgen,

schön, dass Dir die Schnittserie gefällt! Ja, die Differenzierung ist hier auf jeden Fall von Vorteil, auch wenn die beiden getrennt präparierten Schnittarten (längs bzw. quer) zeigen, dass durch die nicht genau steuerbare Differenzierung (bei ansonsten identischem Vorgehen) auf jeden Fall unterschiedliche Farbeindrücke entstehen.

Fluoreszenzaufnahmen wären sicher interessant. Vielleicht hat einer der MKB'ler mit der entsprechenden Ausrüstung ja Lust, welche zu machen? Das Präparat dazu gibt es von mir.  ;)
Herzliche Grüße
Jörg
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Horst Wörmann

Lieber Jörg,
"Fluoreszenzaufnahmen wären sicher interessant. Vielleicht hat einer der MKB'ler mit der entsprechenden Ausrüstung ja Lust, welche zu machen? Das Präparat dazu gibt es von mir. "

Mache ich Dir gerne. Nur her mit dem Präparat.

Viele Grüße
Horst

Fahrenheit

Lieber Horst,

vielen Dank für Dein Angebot! Ein Brief mit dem Präparat geht noch heute in die Post. Ehrlich, auch bei dem Sauwetter geh' ich vor die Tür!  ;D

Herzliche Grüße
Jörg
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Rundholzmacher

Hallo Jörg,
Ein phantastischer Beitrag. Nicht nur tolle Bilder sondern auch sehr informativ.
Wer braucht noch den Wanner wen es den Fahrenheit gibt. ;)

Liebe Grüße
Heinz
,,Nur der Dumme muss alle Erfahrungen selber machen."
Laotse (3. od. 4. Jh.v.Chr.)

Fahrenheit

Lieber Heinz,

vielen Dank für Dein Lob! Es freut mich, dass Dir die Bilder und Beschreibungen gefallen.

Auch wenn ich dem scherzhaften Vergleich mit dem Praktikumsbuch von Wanner natürlich widersprechen muss, das ich übrigens neben dem Buch von Braune/Lemann/Taubert immer griffbereit habe.

Herzliche Grüße
Jörg
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Horst Wörmann

Lieber Jörg,

hier das versprochene Fluoreszenzbild des Längsschnittes, Anregung 350 nm (UV).



Bringt meines Erachtens keine neuen Erkenntnisse; die Wackerfärbung ist an sich so schön differenzierend, daß man Fl.
nicht unbedingt braucht. Problematisch: die Farbstoffe diffundieren recht schnell aus, so daß das Präparat irgendwann mit grüner
Soße übergossen scheint.
Viele Grüße
Horst

Fahrenheit

Lieber Horst,

vielen Dank für das schöne Fluoreszenzbild!

Du hast Recht: neue Erkenntnisse bringt die Betrachtung unter Fluoreszenz nicht, aber Einiges, was das geübte Auge auch im gefärbten oder gar naturbelassenen Schnitt erkennt, tritt hier noch deutlicher hervor.
Bedingt durch die Farben der Wacker-Färbung sind das vor allem Details der Tracheen und Tracheiden sowie deren Tüpfel und die Struktur der Epidermiszellen mit der Cuticula.

Herzliche Grüße
Jörg
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Klaus Herrmann

Lieber Jörg,

mit dieser Serie hast du eine absolute Meisterleistung vollbracht! Schnitte und Färbung sind vorbildlich und die aufwändige Stapelei hat der Schärfe gut getan.

Zum Vergleich mit dem Wanner würde ich sagen: solche Bildqualität findet man selten in wissenschaftlichen Büchern - obwohl der Wanner recht gutes Bildmaterial verwendet, besonders die REM-Bilder sind sehr gut.

Ich hatte mich vor Jahren auch mal bei einer der letzten Inzigkofenkurse nebenbei mal an einem Seggenblatt versucht. Die Schnitte waren damals zu dick, so dass sie in der Färbung zu dunkel wurden, aber die "Sägezähne" hat man da auch schön gesehen. Man kann sich richtig daran schneiden und das Vieh macht einen Bogen um die Pflanze.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Hans-Jürgen Koch

Guten Morgen Horst und Jörg,

die Wacker-Färbung zeigt bei dem Fluoreszenzbild die feinen Strukturen doch deutlicher.
Super Bild.

Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen
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Gerne per "Du"

Fahrenheit

Lieber Klaus,

auch Dir hier noch einmal herzlichen Dank für Dein großes Lob, dass ich mir bezüglich der Schnitte der noch unbekannten Segge mit Bodo Braunstorfinger teile sowie auch mit David Kubon (die spüli-differenzierten Präparate) und Horst Wörmann (das Fluoreszenz-Bild).

Was die Bildqualität im allgemeinen angeht, sticht der Wanner schon aus der Menge hervor. Er ist auch deswegen eines der besten Praktikumsbücher, die ich kenne. Und ja, an den Seggen kann man sich ganz schön schneiden, wenn man nicht aufpasst. man kann die raue Struktur an der Blattunterseite auch mit dem Finger ertasten und pfeifen kann man auch gut auf den Halmen (Vorsicht mit den Lippen! :) )

Lieber Hans-Jürgen,

ja, da hast Du Recht, die Sekundärfluoreszenz der Wackerfarben zeigt verschiedene Strukturen deutlicher als im Hellfeld.

Liebe Schnippler und Botaniker,

es gibt aber auch wieder neues zu sehen: Bodos Segge blüht nun und ich hoffe, dass eine Bestimmung gelingt. Ich stelle hier einmal die Bilder ein, die ich gestern von ihm bekommen haben. Selbst habe ich mich noch nicht an die Bestimmung gewagt. Wer die Pflanze erkennt oder zu kennen glaubt: wir freuen uns über Antworten.
Wenn etwas zu undeutlich ist oder eine Detailaufnahme gebraucht wird: bitte sagt's uns. Wir wollen nun wissen, was für ein Gras das ist.

Bild 34: Der Standort an Bodos Teich


Bild 35: Die Blüten etwas näher betrachtet

 
Allen herzliche Grüße
Jörg
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