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Rätselhaftes Objektiv

Begonnen von felix, September 07, 2013, 17:37:58 NACHMITTAGS

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felix

Hallo liebe Gerätekenner,

mir ist heute in einer meiner Kiste wieder ein "Objektive" in die Hände gefallen, dessen Funktion mir völlig unbekannt ist. Vielleicht kann jemand etwas dazu sagen.  Hier einige Bilder:



(Bitte um Vergebung für die edle Unschärfe: Sind halt nur Händi-Bilder). Kurze Erläuterung:

War eine Zugabe zu einem Zeiss Standard. Das Obj. hat ein normales RMS-Gewinde und ist aus Alu gedreht, keine Beschriftung. Es besteht aus zwei ineinander geschobenen Zylindern. Der innere Zylinder ist an einer Feder elastisch aufgehängt und läßt sich leichtgängig knapp einen cm in Richtung Objektträger (!) ausziehen (2: hier mit einem Schraubenzieher kurz festgehalten). Die Schraube (1) führt und stoppt nur den inneren Zylinder und hat sonst offenbar keine Funktion. OT-seitig ist der innere Zylinder mit einer recht dicken, konischen Hartgummikappe (3) versehen (so, daß er offenbar ohne Schaden beim Ausziehen auf etwas aufsetzen kann). Was mag das bloß sein  ???

fragt sich felix
"Du" angenehm.

TPL

Hallo Felix,

die Bauform ähnelt in manchen Aspekten denen der stärkeren Zeiss-Winkel-Pol-Objektive (25, 40, 50). Diese haben allerdings zwei Exzenter-Hülsen um den federgespannten Optik-Tubus herum. Die äußere Exzenterhülse, die mit ihrem Rändelring gleichzeitig alle drei Teile beieinander hält, scheint hier zu fehlen.

Dass im Falle Deines Exemplares nicht nur der innere Optik-Tubus, sondern auch die äußere Fassung beweglich, und mit der gleichen Feder gespannt zu sein scheint, könnte damit zusanmmen hängen, dass die Pol-Objektven typische äußerste Hülse hier fehlt. Wozu die bei Deinem Exemlar äußere Hülse dann aber dient, ist mir unklar. Ist sie drehbar?

Die Hartgummikappe ist mir gänzlich unbekannt. Wozu könnte man das gemacht haben? Vielleicht, um das Objektiv resistent gegen aggressive Flüssigkeiten zu machen? Ich weiß es nicht, könnte mir aber vorstellen, dass dies auch die Wahl des (günstigen) Fassungsmetalls erklären könnte.

Interessierte Grüße
Thomas


Jürgen Boschert

HalloThomas,

könnte das ein Objektmarkierer sein? Dann müsste es irgendwo eine Möglichkeit zum Einfüllen von Tusche / Farbe geben.

Beste Grüße !

JB

felix

Hallo Jürgen,

danke, aber leider kein Treffer. Es ist sicher kein Objektmarkierer.

-- felix
"Du" angenehm.

felix

Hallo Thomas,

Pol? Das "Objektiv" kam mit einem Standard 16, das keine Spur von einem Pol-Ausbau zeigte.  Das "Objektiv" ist auch kein Objektiv: Eine Optik ist nicht vorhanden und offenbar auch nicht vorgesehen. Das Teil muß eine rein mechanische Funktion haben. Das Rätsel geht also weiter ...

-- felix

PS Die äußere Hülse ist nicht drehbar. Das verhindert die Schraube in der Führungsschiene. Würde man die äußere Hülse drehen können, dann bestünde die Gefahr, daß man die innere Spiralfehler duch Verdrehen beschädigt.
"Du" angenehm.

TPL

Hallo Felix,

...verstehe: keine Optik. Also auch kein Objektiv ;D.

Obwohl Du es schon ausgeschlossen hast, tippe auch ich dann auf einen Objektmarkierer. Die gab es nicht nur mit der drehbaren Diamantspitze, sondern auch mit aufpressbarem Tusche-Ring.

Schönen Gruß, Thomas

Werner

Vielleicht gehört da ein Vickers-Diamant zur Härtemessung hinein.
Die gab es integriert in einem Objektiv und separat für einen Wechsler.
Z.B. für den Leitz Mikro-Härteprüfer Durimet.

Gruß   -   Werner

felix

Also Markierer (Tusche oder Diamant) ist definitiv auszuschließen.

Härteprüfer? Ich kenne diese Teile zwar nicht, kann mir aber nicht vorstellen wie das hier funktionieren soll. (Wo soll der Diamant hin?) Das Mikroskop stammt übrigens aus einer Universitätsklinik.

Das Teil (ich nenne es jetzt nicht mehr "Objektiv"  ;)) ist sehr einfach gebaut. Es erfüllt seine Funktion offenbar nur durch dieses Element:
Eine Gumminase objektseitig, die straff an einer Spiralfeder hängt und sich so einige mm gerade ausziehen läßt.

Hier ist eine Idee: Mit einem Objektiv auf eine Stelle im Präparat einstellen. Teil einschwenken und mit der Gumminase durch Ausziehen auf die Stelle klopfen.  Hört sich etwas einfältig an aber mehr leistet das Teil im Grunde nicht. Bei wem oder was würde man so anklopfen wollen?

-- fragt sich weiterhin felix

"Du" angenehm.

beamish

Hallo Felix,

vielleicht einfach die edlere Variante des Radiergummis, mit dem man Quetschpräparate herstellt: das "Teil" einschwenken, runterfahren und quetschen, und weiter gehts...

Grüße

Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

TPL

http://www.worthpoint.com/worthopedia/microscope-object-marker-for-nikon-olympus (Zwei Bilder; lassen sich vergrößern)

Ich erkenne da gewisse Ähnlichkeiten...

Gute Nacht
Thomas

Florian Stellmacher

Hallo Felix,

Material, Ausführung und das Fehlen einer Artikelnummer lassen vermuten, dass dies kein originales Zeiss-Teil ist, sondern ich denke vielmehr, dass es (von der Uniwerkstatt) für eine Spezialanwendung extra gefertigt wurde. Auch mir erschließt sich der Sinn dieses Bauteils nicht aus den Fotos, aber vielleicht kommen wir über die Anamnese weiter: Weißt Du, aus was für enem Labor das Mikroskop stammt? Mikrobiologie, Pathologie, Hämatologie, Forschung?

Um auch noch etwas zum Brainstorming beizutragen: Vielleicht kann man mit diesem "Stempel" etwas auf das Präparat kleben (also eine spezielle Art des Objektmarkierers, die man sonst nicht kennt)?

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Gerd Schmahl

Hallo,
ich kann auch nur spekulieren: könnte man mit dem Ding vielleicht einen schönen runden Deckglaslackring schön mittig um ein vorher mit einem anderen Objektiv heraus gesuchtes Objekt stempeln, um ein Trocken-Dauerpräparat her zu stellen.

Was mich an der Konstruktion stört: Dass es in der "falschen" Richtung beweglich ist, genau umgekehrt wie ein Präparateschutz. Wenn ich mit dem Ding auf dem Objektträger bin, ist die Feder ja schon gespannt. Vielleicht wurde damit eher etwas abgehoben, statt aufgedrückt?

Schönes Rätzel! Gefällt mir besser als die Rätzelfotos.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Frank D.

Hallo Felix,

wenn es sich um Hartgummi mit einer flachen, senkrecht zur Objektivachse stehenden Oberfläche handelt, wäre das Teil als "Anschliffpresse" für kleinere Objekte dienlich.
Und zwar mit dem Vorteil, dass nicht parallel zum Tisch, sondern senkrecht zum Objektiv ausgerichtet wird.
Anwendungsfall: bei leicht keilförmigen Scheiben oder zerbrechlichen Kristalltafeln.

Mir ist das Problem der Ausrichtung früher schon, an mit Zinksulfid belegten Torbernitkristallen aufgefallen. Meine Lösung war ein einfaches Lomo 8-fach Objektiv, auf dessen ebener Frontlinse eine dünne Gummischeibe klebte. Hartgummi war wichtig, da die Kristallplatten durch weiches Gummi teilweise wieder von ihrem Sockel abgehoben wurden. Kein besonders gutes Feingefühl für den richtigen Anpressdruck ergab sich durch Grob- und Feintrieb, so dass Deine gefederte Variante eine sensiblere Ausrichtung möglich macht. Vorausgesetzt, die Federspannung ist nicht zu hoch.

Herzliche Grüße
Frank


HDD

#13
Hallo Felix

Vielleicht könnte es auch nur zur Herstellung sauber begrenzter Streupräparate dienen?

Quasi als Maske für Diatomeen oder Radiolarien Streupräparate, die mit anchließend mit
einem Tropfen Xylol versehen werden, bevor sie eingedeckt werden.

Man bekäme mit diesem Verfahren einen schönen kreisrunden Rand auf dem OT.

Nur mal so eine Idee ...

...oder es ist einfach nur der Prototyp eines neuen Objektiv-Designs ohne Linsen ...

Viele Grüße   Horst-Dieter

felix

#14
Zeit zusammenzufassen. Dank an alle, die sich an dem Rätsel versucht haben!

Die Frage nach der Funktion des "Objektivs" haben wir leider nicht definitiv beantworten können. Das Teil bleibt eines der großen Mysterien unserer Zunft  ;)

Aus der Beschreibung geht hervor, daß es nicht mehr tun kann, als mit einer Gumminase auf ein Präparat zu klopfen. Das tut es absolut senkrecht und mit Fingerkraft dosierbar. Also vielleicht ein "Quetscher", wie es einige hier vermutet haben.

Florian hat aus der Beobachtung, daß es nicht beschriftet ist, geschlossen, daß es sich um eine Einzelanfertigung handelt, vielleicht aus der mechanischen Werkstatt einer Uni-Klinik stammt. Klingt plausibel. Der, der es sich hat anfertigen lassen, muß überlegt haben, wie eine Routineaufgabe einfacher, sicherer oder schneller zu erledigen ist. Nur wissen wir leider nicht, um welche Aufgabe es sich gehandelt hat.

Ich denke, das Kapitel können wir einstweilen abschließen. Wir alle haben kleine Helfer in der Schublade, selbst konstruiert, manchmal in einer Werkstatt sauber gedreht. Zukünftige Mikroforen werden darüber rätseln und vielleicht auf geniale Anwendungsmöglichkeiten stoßen, die wir uns posthum gern zurechnen lassen.

Gruß die in Runde! -- felix
"Du" angenehm.