Wie unterscheiden sich eigentlich DIC- von Pol-Objektiven?

Begonnen von Oecoprotonucli, Februar 01, 2014, 15:27:12 NACHMITTAGS

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Oecoprotonucli

Liebe Mikroskopiker,

beim Lesen normaler Grundlagen-Erklärungen zur Optik sehe ich, dass der Strahlengang von Polmikroskopie und DIC zunächst ähnlich ist, wobei eben beim DIC noch zusätzlich z.B. Wollaston-Prismen eingeschoben werden. Diese liegen aber in den Schemata (und auch bei DIC-Mikroskopen, die ich kenne) nicht wirklich im Objektiv.

Warum gibt es aber von den Firmen extra Objektive, z.B. mit der Bezeichnung "DIC"? Könnte man nicht auch Pol-Objektive verwenden, sofern die Möglichkeit gegeben ist, darüber das Prisma einzuschieben?

Danke für Aufklärung

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

reblaus

Hallo Sebastian -

DIC-Objektive werden als besonders spannungsfrei aus der normalen Serie ausgelesen. Glas unter Spannung wird doppelbrechend und überlagert die Wirkung der Nomarski-Primen unkontrolliert - ähnlich wie die beliebten Plastikfolien. An POL-Objektive werden weit höhere Ansprüche gestellt (z.B. absolut zentrische Montage der Komponenten) und sie sind denn auch noch wesentlich teurer. Selbstverständlich ist ein POL-Objektiv ebenfalls für DIC geeignet, falls es optisch den gleichen Aufbau wie das "empfohlene" Objektiv hat.
Für normale Ansprüche an den DIC genügen aber ganz normale Objektive meist vollkommen.

Viele Grüße

Rolf

TPL

Hallo Sebastian,

Rolf hat das Wesentliche zu DIK-Objektiven bereits geschrieben. Ich würde die Anforderung aber eher mit "spannungsarm" beschreiben. Ein weiterer, wichtiger Aspekt: DIK-Objektve sollten ein weitgehend ebenes Bildfeld haben, denn sonst wird der Hintergrund nicht einheitlich. Sie müssen nicht besser zentriert sein als übliche Objektive, oder gar eine Zentrierfassung besitzen.

Zu den Pol-Objektiven: die Anforderungen an die zentrische Montage sind nicht größer als bei gewöhnlichen Objektiven (zur Zentrierung werden ja die mechanischen Zentrierfassungen benutzt), aber sie müssen nicht spannungsfrei sein. Dagegen gibt es keine zwingende Anforderung der Bildfeldebnung. Das erklärt auch ganz gut, weshalb Pol-Objektive früher überwiegend ganz schlichte Achromaten waren: bei denen ist Spannungsfreiheit am leichtesten zu erreichen. Die Zeiss'schen DIK-Objektive dagegen waren meines Wissens durchgehend Planachromaten oder höher korrigierte Plan-Objektive.

Viele Grüße
Thomas

Stefan_O

Hallo Thomas,

Zitataber sie müssen nicht spannungsfrei sein

Nicht? Oder doch grade?

Gruss,
Stefan

JB

#4
Hallo Sebastian,

Zitat von: Oecoprotonucli in Februar 01, 2014, 15:27:12 NACHMITTAGS
... wobei eben beim DIC noch zusätzlich z.B. Wollaston-Prismen eingeschoben werden. Diese liegen aber in den Schemata (und auch bei DIC-Mikroskopen, die ich kenne) nicht wirklich im Objektiv.

Einige wenige Beispiele dafuer gibt es, z.B. beim Leitz ICT: http://www.science-info.net/docs/leitz/Leitz_ICT_Manual_Newer.pdf

Zitat von: Oecoprotonucli in Februar 01, 2014, 15:27:12 NACHMITTAGS
Warum gibt es aber von den Firmen extra Objektive, z.B. mit der Bezeichnung "DIC"?

Der Zusatz "DIC" bei modernen Objektiven (Zeiss, Nikon fallen mir ein) ist mehr systemintern wichtig. Es zeigt, dass das Objektiv zum jeweiligen DIC passt, und ggf. auch noch besonders spannungsarm ist. Andere Hersteller verzichten auf den Zusatz. Bei Leica beispielsweise haben fasst alle Objektive, vom Achromaten bis zum Pl Apo, ein empfohlenes DIC-Prisma, sind also implizit fuer DIC geeingnet.

Zitat von: Oecoprotonucli in Februar 01, 2014, 15:27:12 NACHMITTAGS
Könnte man nicht auch Pol-Objektive verwenden, sofern die Möglichkeit gegeben ist, darüber das Prisma einzuschieben?

Wenn man die Pol-Objektive hat, kann man sie auch verwenden. Die Dunkelstellung des Prismas sollte dann besonders dunkel sein. Die Anforderungen an Pol-Objektive sind viel hoeher als die fuer DIC. Entscheidend fuer die Eignung fuer DIC sind laut Pluta (Adv. Light Microsc. Vol 2) die Lage der Austrittspupille des Objektivs und die Bildaufspaltung des Prismas. Stimmen beide, ergibt sich mit Spaltblende auch DIC. Will man nicht mit Spaltblende im Kondensor arbeiten, so fuegt man ein Ausgleichsprisma im Kondensor ein. Passt das Ausgleichsprisma, so wird auch der Hintergrund homogen.

Der Korrekturzustand des Objektivs ist erst einmal zweitrangig. Der DIC von PZO arbeitet mit einfachen, nicht-spannungsfreien, nicht-planen Achromaten.

Jon

P.S.: Haben Sie das Buch von Pluta schon gelesen? Absolut empfehlenswert. DIC ist in Band 2 behandelt, soweit ich mich erinnere.

Oecoprotonucli

Zitat von: JB in Februar 01, 2014, 16:59:04 NACHMITTAGS
Die Anforderungen an Pol-Objektive sind viel hoeher als die fuer DIC. Entscheidend fuer die Eignung fuer DIC sind laut Pluta (Mod. Light Microsc. Vol 2) die Lage der Austrittspupille des Objektivs und die Bildaufspaltung des Prismas.

P.S.: Haben Sie das Buch von Pluta schon gelesen? Absolut empfehlenswert. DIC ist in Band 2 behandelt, soweit ich mich erinnere.

Hallo an Alle,

vielen Dank für die guten Erklärungen, sogar zu Leitz-Objektiven waren ein paar spezielle Informationen dabei!

Lieber Jon, die erste Literaturangabe ist aus einem Journal und mit der zweiten meinen Sie "Advanced Light Microscopy"? Habe ich beide noch nicht gelesen. Meinen Sie, es ist für einen Nichtphysiker noch verständlich und interessant genug? Dann sollte ich vielleicht mal in der Bibliothek schauen.

Beim Googeln bin ich auf folgendes zu dem Herrn gestoßen: http://micro.magnet.fsu.edu/optics/timeline/people/pluta.html

Vielen Dank

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

JB

#6
Hallo Sebastian,

Mein Fehler; mit beiden meinte ich Advanced Light Microscopy Vol. 2 ( http://books.google.co.uk/books/about/Advanced_Light_Microscopy_Specialized_me.html?id=rEjwAAAAMAAJ&redir_esc=y ).

Man muss es nicht vollstaendig verstehen (tue ich auch nicht), um nuetzliche Informationen daraus zu ziehen. Es enthaelt eine Fuelle von Detailinformationen, insbesondere zum PZO DIC (PZOs DIC-System nach Nomarski; PZOs Interferenzkontrast nach Pluta), sowie anderen, experimentellen, Systemen. Kaufen vielleicht nicht, aber ausleihen lohnt sich.

"Pluta's landmark treatise on basic and advanced techniques is considered by many microscopists to be the most comprehensive and definitive treatment of optical microscopy yet published." http://micro.magnet.fsu.edu/optics/timeline/people/pluta.html Aha  ;D

Jon

Werner

Advanced Light Microscopy ...
- bei Amazon 1820,00 Euro !
Dazu noch 3 Euro Versand... den Versand kann ich mir aber nicht auch noch leisten.
Ich glaube, die spinnen !   -   Gruß   -   Werner

Oecoprotonucli

#8
Zitat von: Werner in Februar 01, 2014, 20:19:26 NACHMITTAGS
Ich glaube, die spinnen !

Hallo Werner,

naja, private Anbieter und Händler können ja ebenfalls über Amazon anbieten. Ist halt wohl wieder so ein Seltenheits- und Sammler-Problem. Ich kann das nicht genau einschätzen, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieser Wert zutrifft, also dass das Buch mit so einigen anderen großen alten Werken vom Sammlerwert her gleichzusetzen ist. Vielleicht ist es aber auch die bei wissenschaftlicher Spezialliteratur geringe Auflage (oft sind ja da schon die Neupreise sehr hoch, und im Normalfall bestellen nur Bibliotheken solche Bücher/Zeitschriften).

Vielleicht brauchen wir noch die Kategorie "Kurioses bei Amazon"...

Besten Gruß

Sebastian
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